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  • DE-04328 Leipzig, DE-04109 Leipzig
  • 01/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-311839)

Neubau des Leibniz-Instituts für Länderkunde Leipzig


  • 2. Rundgang

    © RKW Architektur +

    Architekten
    RKW Architektur +, Düsseldorf (DE), Leipzig (DE), Münster (DE), München (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Norbert Hippler

    Mitarbeit
    Falk Saalbach

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: R&P RUFFERT Ingenieurgesellschaft mbH, Limburg (DE), Leipzig (DE), Berlin (DE), Koblenz (DE), Halle (DE), Düsseldorf (DE), Erfurt (DE), Nürnberg (DE), Frankfurt am Main (DE), Hamburg (DE)
    TGA-Fachplaner: ZWP Ingenieur-AG, Köln (DE), München (DE), Stuttgart (DE), Wiesbaden (DE), Berlin (DE), Hamburg (DE), Bochum (DE), Dresden (DE), Köln (DE), Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Der Wilhelm-Leuschner-Platz fungiert als Bindeglied zwischen der Innenstadt und der südlichen Vorstadt von Leipzig. Hier wird das Leibniz-Institut neben bereits vorhandenen wichtigen Bauten, wie der Katholischen Kirche St. Trinitatis, der Stadtbibliothek und einer zukünftigen Hybridbebauung mit integrierter Markthalle verortet.

    Unterschiedliche Gebäudehöhen differenzieren den großmaßstäblichen Baukörper. Eckbetonungen werden durch Überhöhungen und Vorsprünge akzentuiert. Die Adressbildung des Instituts findet an der westlichen Spitze der neuen Kubatur zum Wilhelm-Leuschner-Platz statt. Durch einen zweigeschossigen Einschnitt im Baukörper gelangt man ins weiträumige, lichtdurchflutete Foyer des Instituts mit der dazu-gehörigen Bibliothek und den Veranstaltungs- und Ausstellungsflächen. Der gesamte Baukörper ist mit einem prägnanten Sockel gestaltet, dieser verstärkt den urbanen und großstädtischen Charakter des Gebäudes. Über diese Sockelzone werden die unterschiedlichen Nutzungseinheiten des Gebäudes er-schlossen. Kolonnaden und Rücksprünge in den Eingangszonen der drei Baufelder kreieren dabei unterschiedliche Eingangsszenarien. Die Zufahrt zur Tiefgarage des Instituts und optional zum Gesamtbaufeld befindet sich auf der nördlichen Seite in der Brüderstraße. Im Untergeschoss gibt es neben der Tiefgarage auch Fahrradstellplätze und Technikflächen.

    Den Auftakt des Gebäudes bildet ein kleiner, überdeckter Vorplatz, der als einladende Geste ins helle und großzügige Foyer führt. Die Bibliothek mit den öffentlichen Nutzungen ist über den zentralen Eingang mit Ausleihtheke erreichbar und verteilt sich auf drei Ebenen. Alle Geschosse werden kompakt über drei Treppenhauskerne erschlossen. Im Eingangsbereich ist ein Personenaufzug platziert, welcher eine barrierefreie Nutzung aller Bereiche sicherstellt. Im Erdgeschoss gibt es im hinteren Bereich des Gebäudeteils das Freihandmagazin, welches bei Bedarf mit einem Rollregallagersystem ausgestattet werden kann. Über eine große Freitreppe mit Sitzstufen erreicht man die Obergeschosse mit Ausstellungs- und Veranstaltungsflächen sowie weitere Bibliotheksflächen und Leseplätze. Mitarbeiter und Besucher bewegen sich dem Licht entgegen, welches durch ein zentrales Atrium mit gläsernem Dach die Bibliothek sowie die Veranstaltungs- und Ausstellungsflächen belichtet. Die Leseplätze sind an großen Lufträumen verortet, um eine möglichst gute Belichtungs-und Studienatmosphäre zu schaffen. Der Veranstaltungsraum als zentraler Bestandteil des Gebäudes ist im ersten Obergeschoss platziert, kann individuell genutzt werden und über Freiflächen des Atriums erweitert werden. Flexible Nutzungen durch Raumabtrennungen und unterschiedliche Bestuhlungen sind möglich.

    Im ersten und zweiten Obergeschoss, zentral an der Bibliothek angeordnet, sind die Büros der wissenschaftlichen Mitarbeiter der Bibliothek zu finden. Über den drei Ebenen der Bibliothek verteilen sich die Leitungs-, Verwaltungs- und Forschungsabteilungen. Die Bürostruktur ist zur Windmühlenstraße einhüftig und zur Brüderstraße zweihüftig aufgebaut. Ein durchgehendes Raster, welches mit einem konsequenten homogenen Fassadenraster korrespondiert, lässt eine flexible Umnutzung der Räume in der Zukunft zu und ist im Sinne einer nachhaltigen und dynamischen Architektur gestaltet. Auch die Trockenbauwände, als Abgrenzungen zwischen den Räumen, verstärken die Nutzungsflexibilität.

    Die Büroräume verteilen sich im Kern um ein großes überdachtes Atrium. Der Flur ist dabei nicht nur Verkehrsweg, sondern dient in bestimmten Bereichen als Aufenthaltsfläche, da unterschiedliche Aufweitungen mit natürlicher Belichtung räumliche Qualitäten schaffen. Ein individuelles und konzentriertes Arbeiten ist hier ebenso möglich, wie ein beruflicher und informeller Austausch unter Kollegen.


    Alle Büroräume können natürlich belüftet und belichtet werden. Das Mikroklima im Atrium schafft eine gute Temperierung im Winter, allein durch die solaren Gewinne. Im Sommer kann die warme und verbrauchte Luft aller Büroräume - ganzjährig die atriumsseitigen Büros - über das Atrium entlüftet werden. In der Gebäudespitze, zum großen Platz und zur Stadt orientiert, gibt es die zentralen Besprechungsräume. Im fünften Obergeschoss findet man eine Dachterrasse, welche sich ebenfalls zum Stadtplatz ausrichtet.
    Der Gebäudeentwurf schafft durch sinnvolles Entnehmen und Hinzufügen von Bauvolumina klare Ge-bäudeformen. Das äußere Erscheinungsbild des Leibniz-Instituts mit Bibliothek und Magazin greift die plastische Gestaltung und filigrane Gliederung der Nachbargebäude mit Stützen, Riegeln und Lisenen auf. Die Fassadengestaltung zielt auf die Homogenität von Gestaltungsmitteln. Mit der Fassadengestaltung werden die einzelnen Nutzungsbereiche (Institut, Bibliothek, Magazin, Forschungsabteilung und Wohnen) zusammengefügt und als Ganzes erlebbar, die verschiedenen Bauabschnitte der sich dem IFL anschließenden Gebäudeteile/ Nutzungen bleiben durch leichte Nuancen in der gestalterischen Ausbil-dung ablesbar. Die tragende Betonfassade besteht aus Pfeilern und Sturzelementen. Durch die raum-greifende Ausbildung der vertikalen Betonelemente entsteht eine starke Plastizität, welche durch die Haptik und Farbigkeit der Sichtbetonoberflächen den Charakter eines soliden und wertigen Baukörpers erhält. Die Fassade als (kunst-) steinernes Kleid erfährt eine vertikale Ausrichtung. Klassische Gliederung mit Attikageschoss, Hauptfassadenteil und dem massiven porphyfarbenen Sockel mit Sichtbe-tonausprägung ordnen das Gebäude und verweisen stilistisch auf die Verwandtschaft mit der unmittelba-ren architektonischen Nachbarschaft aus den 50er Jahren.

    Der Fensterflächenanteil innerhalb der Fassade ist unter Berücksichtigung solarer Gewinne, sommerlichen Wärmeschutzes und Tageslichtnutzung optimiert. Die homogene Architektursprache mit klaren Gliederungs- und Ordnungssystemen und die Verwendung von wenigen und wertigen Materialien in unterschiedlichen spannungsvollen Kompositionen führen die Fassade zusammen und zeigen ihre ge-stalterische Verwandtschaft. Die Materialität wird durch ein steinernes Material dominiert und nimmt in der Farbigkeit die Nachbarbebauung auf. Die Dächer werden als blaugrünes Flachdach ausgebildet und für Photovoltaik-Solarzellen genutzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.