loading
  • DE Hemer
  • 02/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-9751)

Hademareplatz / Ostenschlahstraße


  • 1. Preis

    Übersichtsplan

    Landschaftsarchitekten
    arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Peter Köster Andrea Stahr Felicia Fölsch Claudia Schröder, Perspektiven: Magnus Pelkowski Andrea Stahr

    Erläuterungstext
    Hemer – Hademare – wasserreicher Ort

    Bei einem Spaziergang im November drohte ihnen die Stadt auseinander zubrechen. He-mer-Hademare, der wasserreiche Ort, hatte mehr Ähnlichkeit mit einem trockengefallenen Gewässer als mit einer quirligen, lebendigen Stadt, in der das öffentliche Leben sprudelte wie in einem klaren Mittelgebirgsbach. Der Hademareplatz, eine markante Aufweitung im Geflecht der öffentlichen Räume der Stadt, gehörte zu den Bereichen, die von der urbanen Dürre am stärksten betroffen waren. Alles Leben war eingetrocknet, auch das benachbarte Schwimmbad vermochte nicht mehr belebend auf den Platz zu wirken. Die Schließung des Bades wurde von den Bürgern nicht mehr ausgeschlossen, der Platz selbst war bereits auf-gegeben worden. Einen Steinwurf weit entfernt trennten die Gleise des ehemaligen Güterbahnhofs, wie ein steiniger Wadi oder Trockenfluss die Innenstadt von den angrenzenden Wohngebieten der Ostenschlahstraße. Obwohl das Gleisbett kein Wasser führte, hatte es seine trennende Wirkung in der Stadt behalten. Brücken suchten sie vergebens.

    Von der um sich greifenden urbanen Trockenheit wurden auch die Bäume in der Ostenschlahstraße betroffen. Die frühere Allee wies bereits große Lücken auf. Es gehörte nicht viel dazu, sich die wichtigste Verbindung zwischen der Stadt und dem Felsenmeer völ-lig baumlos vorzustellen. Auf der kleinen, trittsteinartigen Insel am Amselweg waren alle Bäume schon lange verschwunden.

    Die Stadt war also dabei auseinander zubrechen. Ihre einzelnen Teile östlich des Hemerba-ches drifteten richtungslos auseinander oder nebeneinander her. Verbindendes, Haltendes war nicht auszumachen.

    Noch auf dem ersten Spaziergang wurde die Idee geboren, ein „Blaugrünes Band“ anzule-gen, um ein weiteres Auseinandertreiben der Stadtteile zu verhindern. Dieses Band hätte unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen. Zuerst, und dies war noch der leichtere Teil der Auf-gabe, sollte es Orientierung geben. Eindeutig und klar zwischen Innenstadt und Felsenmeer aufgespannt, würde es den Bürgern und Besuchern der Stadt neben den nord-süd-verlaufenden Grünzügen am Hemerbach und auf der alten Gleistrasse zum ersten Mal eine übergeordnete ost-west-gerichtete Orientierungslinie im Stadtgrundriss anbieten.

    Der zweite Teil der Aufgabe bestünde darin, eine attraktive Verbindung zwischen der Haupt-straße bzw. dem Markt und dem ebenfalls neu geplanten Kulturstadtteil in unmittelbarer Nachbarschaft zum Felsenmeer zu schaffen. Das blaugrüne Band sollte deshalb aus einem schmalen und sehr flachen Wasserband und einem breiteren Parkband aufgebaut sein. Die topografische Bewegung der Stadt sollte über breite Stufen oder Terrassen, wie bei einem Kaskadensystem, nachgezeichnet werden. Blühende Bäume, wie Sargent´s Apfel, Yedoen-sis-Kirsche oder Apfeldorn sollten die Spur des blaugrünen Bandes im Raum erlebbar ma-chen.

    Dritte und vielleicht wichtigste Aufgabe dieses Baches wäre es, Anlagerungspunkte anzubie-ten, die neues, öffentliches Leben stimulierten. Deshalb sollte das Band an einigen, ausge-wählten Stellen Aufweitungen erhalten, um seine Freiraumqualitäten als Spielplatz, terras-sierter Platz oder Miniaturpark besser entfalten zu können. Erst die individuelle Qualität die-ser Trittsteine am Weg würde das blaugrüne Band zu einer erfolgreichen Strategie der Revi-talisierung machen.

    Besonders gut aus heutiger Sicht lässt sich die Bedeutung der Trittsteine am Beispiel des neuen Ostenschlahplatzes erläutern. Wo der Fußgänger heute noch eine vielbefahrene Kreuzung und gleich daneben eine Gleisbrache überqueren muss, könnte in Zukunft ein att-raktiver, terrassierter Stadtplatz genau im Schnittpunkt der Verbindung zwischen Markt und Felsenmeer mit dem geplanten Grünzug und Fahrradweg auf der alten Gleistrasse entste-hen. Im Norden gefasst, zunächst von temporären Stellplätzen während der Landesgarten-schau später von neuen Einzelhandelsnutzungen, im Osten prägnant begrenzt von einer Seniorenwohnanlage, wird die Kreuzung zum klar lesbaren Stadtraum. Die topografische Bewegung des Platzes wird in insgesamt 5 Terrassen umgesetzt, die mit ihren Sitzmauern und Blütenbäumen ein gut wiedererkennbares Bild im Stadtgefüge schaffen.

    Der Platz am Amselweg wird auf dem Niveau der Ostenschlahstraße in das nach Norden abfallende Gelände eingefügt. Die sich ergebenden Höhenunterschiede zwischen dem baumbestandenen, öffentlichen Platz und dem ruhigeren Wohnumfeld werden über bespiel-bare Rasenstufen überbrückt.

    Am westlichen Ende des blaugrünen Bandes wird zwischen Markt und Hademare-Center ein terrassierter Spielplatz angelegt. Der Niveauunterschied wird hier durch 5 unterschiedlich große Spielterrassen überbrückt. Das Thema der blühenden Bäume wird auch hier wieder aufgegriffen.

    Die Blaueinfärbung erhält das verbindende Band durch eine 1,5 m breite und 2 cm tiefe Wasserspur. Die Sohle des Wasserbandes wird aus eingefärbtem Asphalt hergestellt, die Wangen sind aus einfachem Schwarzstahl. Ein dünner Wasserfilm bespannt die Asphaltflä-che, der trotz seiner geringen Wassertiefe den öffentlichen Raum beleben wird. Im Winter oder bei Veranstaltungen kann der Wasserfilm in eine seitlich angeordnete Rinne zurücklau-fen und die Asphaltfläche flexibel bespielt werden. Als Wasserspur verbindet das Band den Hemerbach und den im Rahmen der Landesgartenschau geplanten Himmelssee.

    Eine Besonderheit im öffentlichen Raum stellt in Zukunft der Hademareplatz dar. Als Park-platz erhält er eine neue Funktion. Auf der Asphaltfläche, die durch unterschiedliche Einfär-bungen gestalterisch auch als Platz aufgewertet wird, können aber auch Sonderveranstal-tungen stattfinden. Zwei gläserne Tiefgaragenausgänge gliedern den Platz. Baumpflanzun-gen stärken die an vielen Stellen im Umfeld des Schwimmbades die heute noch unklaren Raumkanten.

    Die Fußgängerbereiche zu beiden Seiten des blaugrünen Bandes werden zurückhaltend und klar gestaltet. Betonwerksteine in drei verschiedenen Abmessungen werden in unregelmäßi-ger Folge in Reihen quer zum blaugrünen Band verlegt. Das Farbspektrum der Steine liegt zwischen grau und anthrazit. Zurückhaltend aber konsequent modern gestaltete Mastleuch-ten sorgen abends für sichere und atmosphärische Lichtverhältnisse.

    Mit dem blaugrünen Band, den platz- oder parkartigen Aufweitungen, mit der wiederherge-stellten Allee in der Ostenschlahstraße, mit dem aufgewerteten Hademareplatz und dem neuen Grünzug auf der alten Bahntrasse können entscheidende Weichen für die Zukunft von Hemer gestellt werden. Nur wenn es gelingt, das Auseinanderdriften der Stadt über starke, verbindende Elemente aufzuhalten, können Innenstadt und Landesgartenschau gegenseitig voneinander profitieren.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.