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  • DE-99099 Erfurt
  • 09/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-354594)

Wohnen an der Kürschnergasse in Erfurt


  • 2. Preis

    kein Bild vorhanden
    Modellbauer
    modellwerk weimar | Architekturmodelle, Modellbau, Frässervice, Laserservice, Weimar (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: VITAMINOFFICE ARCHITEKTEN BDA, Erfurt (DE)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Aus einer sensibel hergeleiteten Analyse des historischen Stadtraumes entwickelt diese Arbeit ein abstrahiertes Vokabular von Gestaltungsmerkmalen der Altstadt, das sehr konsequent auf den gesamten, fast monolithisch wirkenden Baukörper angewandt wird. Das fein differenzierte Spiel aus unterschiedlichen leichten Schrägen, Versätzen und Rücksprüngen gliedert Stadtraum und Oberflächenrelief auf subtile Weise und erzeugt aus den verschiedenen Blickrichtungen ganz unterschiedliche Eindrücke. Dies kontrastiert mit der strengen Serialität der nach Auffassung der Jury etwas zu klein geratenen Fensteröffnungen und den sehr schmalen Dachgauben, was zu einem sehr eigenen, asketisch wirkenden Charakter führt. Die Jury empfiehlt dringend, die durchgehende und sehr massiv wirksame Traufkante zugunsten einer differenzierteren, dem Entwurfsprinzip besser entsprechenden Lösung zu überarbeiten. Der Neubauteil ist als Geschosswohnungsbau mit je zwei Zweispännern organisiert. Jede der großzügig geschnittenen Wohnungen ermöglicht ein Durchwohnen. Im Dachgeschoss entstehen zwei große, langgestreckte Wohnungen über das ganze Gebäude hinweg. Durch den Verzicht auf die rückwärtige, erdgeschossige Flächenerweiterung ist die Nutzbarkeit der Gewerbeflächen etwas eingeschränkt. Das hierdurch mögliche Freiräumen des an zwei Stellen von außen zugänglichen Innenhofs mit verschiedenen kleineren Balkonen und dem originellen, schiefwinkligen Dachüberstand erzeugt jedoch einen sehr reizvollen Wohnhof, der an die Ikonographie der eng bebauten Erfurter Altstadt-Innenhöfe anknüpft und eine überraschend hohe Wohnqualität erzeugt. Der Umgang mit den Denkmalen ist insgesamt angemessen und lässt grundsätzlich eine Genehmigungsfähigkeit erwarten. Da im Gebäude Pilse 14 jede Etage eine eigene Wohnung aufweist, kommt es hier zu einer recht intensiven Nutzung des Denkmals mit allen damit verbundenen Eingriffen. Die an die Zunftzeichen der Kürschner erinnernden Gitter zum Innenhof sollten bündig in die Außenfassade eingefügt werden. Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr überzeugenden Beitrag für eine zeitgemäße Quartiersergänzung dar, die sich trotz des großen Volumens maßstäblich in die Altstadt einfügt und ihr zugleich eine unverwechselbare Hauspersönlichkeit hinzufügt.

    Konstruktion und Statik
    Die Planung der Tiefgarage mit den Stellplätzen ist nicht optimal. Die nördlichen Stellplätze sind eventuell unter bauordnungsrechtlichen Aspekten nicht realisierbar. Hinzu kommt, dass die tatsächlich notwendige Gründung nicht eingeplant wurde. Die Tragstruktur oberhalb der Tiefgarage / Gewerbe ist nachvollziehbar und realistisch. Es werden nur zwei Treppenhäuser notwendig. Die verjüngende Dachkonstruktion und die schräge Ausbildung der Wände sind kostenintensiv. Die Bauweise ist grundsätzlich einfach gewählt (einschalige Außenwände und massive Stahlbetondecken). Problematisch sind der zu geringe Dachüberstand und die innenliegende Rinne.