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  • DE-35390 Gießen
  • 09/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-336255)

Sanierung und Erweiterung der Käthe-Kollwitz-Schule in Gießen


  • 3. Preis

    © o5 architekten bda - raab hafke lang

    Architekten
    o5 architekten bda - raab hafke lang, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    5.500 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebauliche Einbindung
    Die Leitidee des Entwurfs beruht auf der behutsamen Nachverdichtung des bestehenden Schulkomplexes aus den 1960er Jahren. Gut gelöst ist die städtebauliche Einbindung der Schule. Mit dem geplanten Erweiterungsbau wird die Lücke zwischen der Sporthalle und den Jahrgangshäusern geschlossen. Hierdurch entsteht eine neue Mitte, die mit dem zentralen Eingang das Herz der Schule bildet. Die bestehenden Einzelhäuser wachsen durch die Erweiterung zu einem geschlossen wirkenden Gebäudekomplex zusammen. Die bestehende Adresse bleibt beibehalten, der Haupteingang erfolgt weiterhin vom Spitzwegring.

    Architektonische Qualität
    Der Planer hat die hohe Qualität des bestehenden Schulkomplexes erkannt und behält die Grundstruktur des Ensembles bei. Der Erweiterungsbau, die neue Mitte, wird seiner Funktion als Eingangsbauwerk einer Grundschule gerecht und wird auch als solcher wahrgenommen. Die Proportionen wirken passend und harmonisch, leider werden die einzelnen Jahrgangshäuser stark überformt und die Bestandsarchitektur dadurch verunklärt. Die Sichtbeziehung/Kommunikation zum Schulhof wird durch das Nebenraumprogramm, WC-Trakt und zusätzliches Treppenhaus, gestört. Die gestaltprägenden Betonelemente der Fassade erhalten eine horizontale Holzschalung mit Wärmedämmung, wodurch sich die Anmutung der Gebäude komplett verändern und das Erscheinungsbild der 1960er Jahre – Architektur geht verloren. Die gesamte Schule wird sich hiernach als ein kompletter Neubau präsentieren.

    Qualität der Erschließung
    Über den neuen Haupteingang, Windfang und Foyer werden die Mensa/Aula, die Sporthalle und das gesamte Schulgelände erschlossen. Um alle weiteren Gebäudeteile zu erreichen muss der Erweiterungsbau allerdings komplett durchquert werden, um dann wieder ins Freie zu treten und die weiteren Gebäude zu erreichen. Dieser Punkt ist kritisch zu bewerten. Alle anderen Gebäude werden über den Schulhof barrierefrei erreicht. Die Obergeschosse werden über insgesamt 5 Aufzüge/ Lifte erschlossen. Da hierbei mit sehr hohen Errichtungs- und Betriebskosten zu rechnen ist, wäre zu hinterfragen, ob der Entwurf alternative Lösungen mit einer reduzierten Anzahl Aufzüge zulässt.

    Räumliche Organisation
    Der Kopfbau mit Mensa, Aula und Musikraum ist klar strukturiert. Aula und Mensa können durch Zwischenwände abgetrennt werden und sind somit auch kleinteilig nutzbar. Der angegliederte Musikraum ist ebenfalls zuschalt- bzw. abtrennbar und steht bei Veranstaltungen als Bühne zur Verfügung, was klug gelöst ist. Das Nebenraumprogramm ist funktional aufgebaut, die Schulküche ist leider nur über den Außenbereich zugänglich. Die vier neu strukturierten Jahrgangshäuser haben im Erdgeschoss je 1 Klassenraum, einen Fachraum und ein grünes Klassenzimmer. Deren gemeinsame Mitte ist in der aktuellen Planung nur ein erweiterter Flur. Hier besteht Nachbesserungsbedarf. Die im Obergeschoss abgebildeten Räume sind gut proportioniert und weisen hohe Aufenthaltsqualität auf. Der Verwaltungstrakt wird verändert und an die heutigen Anforderungen angepasst, die neue Struktur ist klar und übersichtlich, jedoch ist der Anteil an nicht nutzbarer Verkehrsfläche unproportional hoch. Dies könnte im Rahmen einer Überplanung geheilt werden.

    Einhaltung der funktionalen Anforderungen
    In den Jahrgangshäusern ist die geforderte gemeinsame Mitte im Obergeschoss realisiert, im Erdgeschoss nur als grünes Klassenzimmer. Der im Erdgeschoss als gemeinsame Mitte deklarierte Raumbereich ist flurartig und in der Qualität mit den Räumlichkeiten des Obergeschosses nicht vergleichbar. Die Jahrgangscluster sind gut organisiert, ein auf Differenzierung ausgelegtes Konzept ist umsetzbar.

    Wirtschaftlichkeit in Erstellung und Betrieb
    Der Entwurf hat eine Neubaufläche von 39 % liegt unter dem Durchschnitt was als Hinblick auf die Umsetzung positiv zu bewerten ist. Jeder Cluster ist mit eigenständigen Aufzugsanlagen ausgestattet, ebenso die Mensa/Aula. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die hohe Anzahl von Aufzügen für die relativ kleine Schule kritisch zu bewerten.

    Das Bauphasenkonzept weist als 1. BA die Sanierung der Cluster aus, der Neubau wird später in einem 2. BA errichtet. Die Umsetzbarkeit der Baumaßnahme bei laufenden Schulbetrieb ist sicherlich ein komplexes Thema, erscheint jedoch realisierbar.