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  • DE-90762 Fürth
  • 10/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-337317)

Neubau des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums in Fürth


  • 1. Preis

    Lageplan, © loho

    Landschaftsarchitekten
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Ursula Hochrein , Axel Lohrer

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ama_architekturbüro michael auerbacher, Burghausen (DE)

    Preisgeld
    50.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Der Neubau wird als kompakter 5-geschoßiger Solitär in polygonaler Grundform konzipiert. Er stellt sich als Schulgebäude in den Kontext der im Umfeld vorhandenen Bauten mit öffentlicher Nutzung. Die Raumkanten des Vielecks nehmen Bezug zur unmittelbaren Umgebung – zur Stadtseite orthogonal als ergänzender Stadtbaustein und markanter Eckpunkt am Eingang zur Altstadt – zur Landschaftsseite polygonal und in freier Form dem Flussraum folgend.
    Mit der Kompaktheit des Baukörpers geht ein geringer Flächenverbrauch einher, sodass die erforderlichen Frei- und Pausenflächen ohne Beanspruchung des Landschaftsschutzgebietes ausgewiesen werden können.
    Zur Henri-Dunant-Strasse schafft ein Versatz des Baukörpers eine großzügige Vorplatz- und Eingangssituation. Die Höhenentwicklung orientiert sich an der angrenzenden Nachbarschaft.


    Funktionen und räumliche Organisation

    Aus dem Eingangsbereich erfolgt die Verteilung innerhalb des Gebäudes. Zentral gelegene Freitreppen führen in die untere und die oberen Ebenen.
    Alle Funktionen werden um die beiden Atrien gruppiert, wobei die verschiedenen Nutzungen geschoßweise als eigenständige Bereiche zoniert sind. In der Eingangsebene sind dies die Verwaltung, der Lehrerbereich und Fachräume der Kunst, im OG 1 die Naturwissenschaften und im OG 2 und 3 die Klassen. In der Ebene zum Fluss erhalten Mensa, Mehrzweck- und Musikräume einen Bezug zu den Freiflächen. Die Pausenhalle ist als Aula zusammen mit mobil abtrennbaren Räumen multifunktional nutzbar.
    Die clusterweise zugeordneten Marktplätze erhalten als Galerien am Luftraum der Atrien natürliches Licht über die Glasdächer in der Dachebene. Es entsteht eine offene, freundliche Atmosphäre, sowie Raumsituationen mit guter Orientierbarkeit und hoher Aufenthaltsqualität. Die Zonierung mit zwei Mitten schafft eine angenehme Kleinteiligkeit und ein lerngerechtes Umfeld.
    Technikräume sowie die Parkierung und die Fahrradabstellmöglichkeit für die Pädagogen liegen im UG.


    Erschließung und Verkehr

    Die Erschließung erfolgt über die Henri-Dunant-Straße. Die Zufahrt wird mit einfachen konstruktiven Mitteln weitestgehend überbaut, sodass sich die Strasse stadtgestalterisch angenehm zurücknimmt. Die Ver- und Entsorgung (Küche, Müll, Papier etc.) erfolgt am Fuße der Abfahrt mit eigener Lieferzone. Die Parkierung wird als TG ausgewiesen. Somit können die wertvollen Freiflächen von ruhendem Verkehr freigehalten werden. Die Rampenzufahrt erfolgt überdacht im Bereich der Anlieferung, wodurch die verkehrliche Beanspruchung der Mühlstraße durch Hotel und Feuerwehr entlastet wird.

    Aus der unteren Ebene führen Pausenzugänge in die Freibereichen am Fluss
    Fahrradstellplätze liegen am Vorplatz in räumlicher Nähe zum Gebäudeeingang und sind über den Fuss- und Radweg entlang der Mühlstraße gut erreichbar.

    Barrierefreiheit

    Alle Ebenen des Neubaus sowie die Freiflächen sind für den Lehrbetrieb schwellenlos nutzbar. Ein Aufzug am Atrium verbindet das Eingangsgeschoss und die Obergeschosse sowie das Souterrain barrierefrei. Behinderten-WC´s sind in allen Ebenen ausgewiesen.

    Freiflächen

    Ein steinerner Vorplatz verbindet das Neubauareal mit der Innenstadt. Flussseitig werden die naturgetönte Auen großzügig bis an das Baufeld herangeführt. Der Baumbestand wird weitgehend berücksichtig und durch standortgerechte Vegetationskulissen ergänzt. Der verbindende Uferweg quert mit ausreichenden Gewässerrandsteifen die Pegnitzauen und verknüpft die Innenstadt über den neuen Steg barrierefrei mit den Stadtwiesen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der kompakte Solitär nimmt die Straßenraumkante des bestehenden Sozialrathauses auf und schafft es, das geforderte Raumprogramm in einem zur Henry-Dunant-Straße nur 4-geschossigen Baukörper unterzubringen. Die wichtige Verbindung Stadtraum-Landschaftraum wird dominant durch eine breite „spanische Treppe“ zwischen Sozialrathaus und Schule betont. Durch die Kompaktheit und das Heranrücken der länglichen Gebäudeseite an die Henry-Dunant-Straße verbleibt ein relativ großer Freiraum zum Landschaftsschutzgebiet und den Pegnitzauen, wodurch zwei der als besonders schützenswert eingestuften Bäume erhalten werden können. An der Auenseite schiebt sich ein großes Plateau über die gesamte Gebäudelänge aus dem Gebäude und stellt so einen starken, aber nicht übertriebenen Bezug zum Landschaftsschutzgebiet her.

    Die schwierige Anbindung der Mühlstraße an die Henry-Dunant-Straße wird geschickt über eine Unterfahrung des Gebäudes längs der Gebäudekante zur Henry-Dunant-Straße realisiert.

    Der Haupteingang liegt prominent und gut wahrnehmbar an der stadtzugewandten Seite der Straßenfassade. Die den Pegnitzauen zugewandte und um ein Stockwerk tiefer liegende Ebene wird seitlich über kleine Nebeneingänge und einen von der „spanischen Treppe“ relativ weit entfernten Eingang erschlossen. Eine großzügigere Erschließung ist hier wünschenswert. Die Grundrisse in dieser Ebene bieten hierfür ausreichend Spielraum.

    Die interne Erschließung über große zusammenhängende Bereiche um zwei teilweise offene Atrien wirft brandschutztechnische Fragen auf, die in der Nacharbeitung so überzeugend zu lösen sind, dass die gelobte Großzügigkeit und die Klarheit des Entwurfs erhalten bleiben.

    Das geforderte pädagogische Konzept mit Marktplätzen funktioniert sehr selbstverständlich durch Integration in die interne Wegeführung. Die Belichtung und der quadratische Grundriss der Klassenräume in den Obergeschossen werden positiv gesehen. Die Räume sind insgesamt sehr variabel nutzbar. Die gereihte Freistellung der pädagogischen Kernräume Musikraum, Theater und Mehrzweckraum werden durch eine gereihte Freistellung betont. Die Zuschaltbarkeit dieser Räume untereinander und die Orientierung zur Aula auf dieser Ebene gewährleistet die gewünschte funktionale Flexibilität im Schulbetrieb. Die Musikproberäume sollten hinsichtlich von Belichtungsmöglichkeiten nachgebessert werden.

    In den horizontal gebänderten Fassaden imponieren Glasflächen und in geschlossenen Bereichen eine Klinkerfassade, die grundsätzlich die Materialität der Umgebung, z.B. des dominanten Gebäudes der Wolfsgrubermühle in der unmittelbaren Umgebung aufnimmt, diese Einfügung über die Helligkeit des dargestellten Materials aber wieder abschwächt. Die unteren Geschoße sind dezent z.B. über Fensterformate von den Obergeschossen abgesetzt, was positiv gesehen wird.

    Die gewählte Konstruktion als Stahlbetonmassivbau mit vorgehängter Klinkerfassade und Pfosten-Riegel- Konstruktion in den geöffneten Bereichen der Fassade ist konventionell. Aufgrund dieser gewählten Konstruktion, der Klarheit und Kompaktheit erscheint der Entwurf wirtschaftlich und gut realisierbar. Dies bestätigt sich auch in den geforderten Kennwertverhältnissen. Der Entwurf schafft es die vielen, teilweise hochkomplexen Anforderungen der Wettbewerbsaufgabe zu einem überzeugenden und fast schon selbstverständlichen Ergebnis zusammenzuführen.

    Freiraum: Durch die direkte Setzung der Schule an die Henri -Dunant -Str. wird ein angemessener städtischer Eingangsbereich formuliert und eine offene Schulfreifläche im Landschaftsraum der Pegnitzaue geschaffen. Eine großzügige Treppe verbindet den oberen städtischen Bereich an der Strasse mit den Schulfreiflächen. Der Entwurf verzichtet dabei auf eine barrierefreie Ausbildung dieser Verbindung. Diese Haltung sollte überdacht werden. Auch die nordöstlich gelegene Treppenanlage, die innerhalb des Landschaftsschutzgebietes liegt und den Fußweg der Henri –Dunant -Str. mit den öffentlichen Fußwegen der Pegnitzaue verbindet, stellt keine barrierefreie Fußwegeverbindung von Straßenraum und Aue her.

    Die Freiflächenplanung integriert die zu erhaltenden Bäume Eiche und Spitzahorn, die Walnuss dagegen liegt im Baufeld der Schule. Eine nachhaltige Sicherung dieser Bäume ist durch besondere Schutzmaßnahmen, sowie die, auf den Baumerhalt abgestimmte Gestaltung der Oberflächen im Bereich der Kronentraufbereichen zu gewährleisten. Insbesondere die Ausformulierung der Mündung der „spanischen Treppe“ im Kronentraufbereich der sehr mächtigen Eiche ist in Hinblick auf den Erhalt des Baumes zu überdenken.

    Die Darstellung der Schulfreiflächen bleibt schematisch und bietet wenig beurteilbare Aussagen. Die Darstellung reduziert sich auf ein, an das Gebäude angelehntes orthogonales Wegenetz, das im direkten Gebäudeumfeld stärker befestigte Freiflächen erwarten lässt, Materialität und Versiegelungsgrad bleiben unklar. Die Verzahnung der Innenräume mit den Freiflächen im EG und auf der Terrasse des 1. OGs gewährleistet im Schulalltag und bei Veranstaltungen eine gute Nutzbarkeit.

    In Richtung Pegnitzaus werden frei ausformulierte Freiflächen angedeutet. Der mögliche Erhalt weiterer Bestandsbäume wird begrüßt.