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  • DE-73550 Waldstetten
  • 10/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-340734)

Neubau des Rathauses mit Platzgestaltung in Waldstetten


  • 4. Preis

    "Ein Platz voller Leben", © Günter Herman Architekten, Siegmund und Winz Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    Siegmund und Winz Landschaftsarchitekten, Balingen (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Günter Hermann Architekten, Stuttgart (DE), Tuttlingen (DE)

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    Freiraumgestaltung
    Die neue Ortsmitte wird durch einen einheitlichen Platzbelag definiert. Er überspannt die Hauptstraße und bindet die umliegenden Gebäude an den Rathausplatz an. Als zentrales Element verweist ein Fontänenfeld auf den verdolten Bach im Untergrund. Locker verteilte Bäume und Sitzmöbel laden zum Aufenthalt ein.
    Die Hauptstraße wird in Farbe und Material nur leicht vom Platzbelag abgesetzt. Dadurch wird ihre trennende Wirkung reduziert und der Verkehr entschleunigt. Die bestehenden Fuß-und Radwege im Norden werden über die Straße hinweg auf den Platz geführt und von dort aus weiter verteilt.
    Die öffentlichen Parkplätze liegen nördlich entlang der Hauptstraße. Für Besucher des Rathauses und der Manufaktur Betz gibt es eine Parkreihe entlang der östlichen Platzkante. Für den Bus wird ein Haltebereich auf der Platzfläche angelegt. Das Buswartehäuschen dient gleichzeitig als Überdachung für die Fahrradstellplätze.
    Der zugewachsene Hang zur Kirche wird freigelegt und in einen kleinen Weinberg verwandelt. In Kooperation mit der Bürgerschaft und der Manufaktur Betz kann ein Stück Kulturlandschaft entstehen welches die neu gestaltete Ortsmitte nicht nur optischaufwertet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Ein kraftvoller Solitär vereinigt alle geforderten Nutzungen in einem Gebäude, besetzt zeichenhaft den westlichen Bereich des Baufeldes und öffnet so Raum für einen großzügigen neuen Platzbereich. Durch leichte Knicke im Gebäude und eine subtile Abstufung wird der Bau geschickt in das urbane Grid eingewoben, der angrenzende Stadtraum einladend zur Platzfläche hingeführt und das Blickfenster zum Kirchberg spanungsvoll geöffnet.

    Wenngleich im Platz selbst die optische Barriere des Fahrradhauses, die genaue Lage der Bushaltestelle hinsichtlich der zu berücksichtigenden Schleppkurfen oder das austauschbare Bild der tanzenden Bodenfontänen kritisch diskutiert werden, so zeigt der Platz gerade im Dialog zu Kirchberg und neuem Rathaus eine gute wie angemessene Größe und eine stimmig Teilgleiderung durch Großgrün. Klimatisch fragwürdig erscheint dagegen der Vorschlag eines Weinberges unterhalb der Kirche.

    Das Rathaus präsentiert sich nach außen selbstbewusst durch eine ansprechende wie hochwertige Fassade aus Recyclingklinker, die lesbare Betonung des Eingangsbereiches und durch ein elaboriertes Spiel von Wand und Öffnung in der Fassade.

    Prägendes Konzert im Innern ist die Verortung des Bürgersaals im Dachgeschoss im Zusammenspiel mit einer großzügigen Dachterrasse und dem Blick zum Kirchberg. Einerseits öffnet diese Situierung neue Spielräume für eine zukünftige belebende Nutzung dieses gemeinschaftlichen Raumes. Andererseits bedingt dies aber auch Zwänge in der dargestellten inneren Organisation des Gebäudes, die als solches durchaus kritisch diskutiert wird – das Foyer lässt klare Orientierung und eine wirklich einladende Atmosphäre vermissen. Die den Verkehrsflächen zugeordneten Wartebereiche wirken additiv und wenig ansprechend. Die Flure erscheinen in der Abfolge der Räume optisch eng. Besprechungsräume liegen im unbelichteten Innenraum und selbst im Bürgersaal wird bei einer Teilung eine angemessene Belichtung vermisst. Die Räume des Polizeipostens sind großzügig nachgewiesen.