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  • DE-37520 Osterode
  • 11/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-333641)

Freiraumgestaltung Kornmarkt in Osterode am Harz


  • Anerkennung

    Perspektivdarstellung Kornmarkt, © nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner

    Landschaftsarchitekten
    nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Christoph Schonhoff

    Mitarbeit
    Franziska Schadzek, Evelyn König, Florian Depenbrock

    Erläuterungstext
    Die Stadt Osterode ist geprägt durch ihre einzigartige historische, städtebauliche Gesamtanlage, mit ihrem Fachwerksbestand, der fast vollständig erhaltenen Stadtmauer und der spannungsvollen Abfolge prägender Platzsituationen und Straßenräume. Ziel der hier vorgeschlagenen landschaftsarchitektonischen Intervention ist es zum einen, dieses kulturelle Erbe in seinem Bestand zu sichern und historische Spuren deutlich zu machen. Aber auch die Attraktivität der historischen Innenstadt als Wohn- und Arbeitsstandort, als zeitgemäßes, attraktives Zentrum und als touristischen Anziehungspunkt zu stärken.
    Zentrales Element in der urbanen Struktur der Altstadt ist der Kornmarkt, durch dessen neue Gestaltung entsteht ein Ort mit eigener Identität, der zentrale Platz, der Raum bietet für die vielfältigen Nutzungen wie Wochenmarkt, Ostermarkt und Weihnachtsmarkt. Doch die offene Raumfigur bietet auch einen Ort für Konzerte, Sportveranstaltungen und mögliche zukünftige Nutzungsszenarien. Von der Mariatorstraße kommend, ist er der großzügige Antrittsplatz in das Raumgefüge der Altstadt. Durch die gezielte Entnahme einiger Bäume werden die Blickbeziehungen auf die umgebenden Fassaden, das Rinnesche Haus und die St. Aegidienkirche freigestellt.

    Trotz der historischen Analyse werden einige der in den70er Jahren gepflanzten Eichen erhalten. Diese vitalen Bäume sollen weiterhin als Schattenspender und im Sinne der Stadtklimaresistenz und der damit verbundenen Kühlwirkung die räumliche Wirkung einzelner besonderer Orte auf dem Platz unterstreichen.
    Die neue Belagsstruktur folgt dem historischen Kontext, es entsteht eine großzügige zentrale Platzfläche aus Betonwerkstein in changierendem Grau- und Beigetönen. Diese 40 x 15 cm großen, in Reihe verlegten Steine bieten die Bühne für die vielfältigen Nutzungsangebote und Anforderungen und werden den technischen Bedingungen, wie Befahrbarkeit mit schweren Fahrzeugen gerecht. Eingefasst wird die Platzfigur durch einen Belag aus geschnittenem Granit im Passeverband. Der Granit in warmen Grau- und Beigetönen mit eingelegtem dunklem Basalt in unterschiedlicher Größe passt sich in den vorhandenen Stadtkontext ein. Die Kleinteiligkeit, bzw. das Format des Belages kann die unterschiedlichen Anschlüsse an den umgebenden baulichen Bestand geschickt ausgleichen, so dass insgesamt eine sehr gut begeh- und befahrbare Fläche für alle entsteht.
    Das Gestaltungsprinzip des Belags zieht sich auch durch die angrenzenden Straßenräume wie Marientorstraße und Marktstraße. So entsteht ein prägendes System aus Laufwegen mit integriertem taktilen Leitsystem in Betonwerkstein und Kleinpflaster (Granit) für die gesamte Altstadt, das die einzelnen individuellen Platzräume miteinander verbindet.

    Die Aufenthaltsqualitäten auf dem Kornmarkt werden durch unterschiedliche Interventionen verstärkt. Im östlichen Teil prägt ein lichter Baumhain aus geschnittenen Platanen den Platz, nimmt Bezug zu der ehemalig vorhanden Bebauung. Die bestehende Skulptur wird erhalten, eine lange Bank unterstützt die Raumwirkung. Es entsteht für die Gastronomie ein gut bespielbarer Ort, der die historische Platzausdehnung andeutet.
    Auf der westlichen Seite, im Zusammenspiel mit den erhaltenen Bäumen, wird ein neues Wasserspiel situiert. Ein in den Belag fein eingearbeiteter Stadtgrundriss zeigt die stadtstrukturellen Besonderheiten Osterodes. Das Wasserspiel und die schattenspendenden Bäume lassen auch hier einen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität und ein spannendes Spielangebot entstehen.
    Die neuen Stadtmöbel, Sitzbänke und Beleuchtung folgen einem aus dem Ort entwickelten Prinzip. Die neue Stadtbank gleicht einem geschichteten Bretterstapel und verweist auf die Holzwirtschaft im Harz. Unterschiedlich lang und breit können diese auf die unterschiedlichen Räume im Stadtgefüge reagieren und bilden eine eigene Charakteristik aus. Die Beleuchtungselemente sind feine bronzefarbene Stelen, die mit unterschiedlichen Lichtpunkten ausgestattet sind. Diese lassen vielfältige, gezielte, punktgenaue Lichtszenarien zu und nehmen sich im täglichen Stadtbild stark zurück. Dem Prinzip der Nachhaltigkeit folgend, können die ausgebauten Betonwerksteine geschreddert und als Unterbau für die neuen Beläge eingebaut werden. Der ausgebaute gebrochene Naturstein kann vor allem im Bereich der Stadtmauer im Austausch mit anderen Materialien wieder eingesetzt werden.

    Insgesamt entsteht mit dem neu gestalteten Kornmarkt ein vielfältig nutzbarer Stadtplatz, ein Treffpunkt für Besucher und Bewohner. Neu geschaffene Orte wie der Baumhain und das Wasserrelief unterstreichen die eigene Charakteristik und die Identität des Platzes. Seine subtile Gestalt und Belagsstruktur überträgt sich in die angrenzenden Stadträume, wie den Martin-Luther-Platz und lassen so für die gesamte Altstadt einen einheitlichen Gestaltungskanon entstehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das vorliegende Konzept zeichnet sich durch eine vordergründige Leichtigkeit und Transparenz aus. Dabei bleibt das Zentrum der Platzmitte als multifunktionale Freifläche erhalten. Der dadurch entstehende offene Durchblick auf die Marktkirche wird positiv gewertet. Aufgrund seiner historischen Bedeutung wäre eine deutlichere Freistellung des Rinnschen Hauses wünschenswert.

    Die Platzenden des Kornmarktes werden durch zwei Aufenthaltsbereiche mit unterschiedlicher Themenbesetzung markiert. Während an der östlichen Platzkante der Brunnen in seiner Ausgestaltung mit Darstellung des historischen Stadtgrundrisses sehr positiv empfunden wird, kehrt sich dieser Eindruck an gegenüberliegender Seite leider um. Der Vorschlag an dieser Stelle einen mit Eichen und geschnittenen Platanen überstellten Treffpunkt zu installieren, wird aufgrund seiner Mächtigkeit kritisch hinterfragt. Der Ansatz mithilfe dieses Gestaltungelementes den Grundriss eines nicht mehr vorhandenen historischen Gebäudes nachzuempfinden findet den Zuspruch von Seiten der Denkmalpflege, jedoch wird die Idee in der dargestellten Ausprägung dem eigentlichen Anspruch nicht gerecht. Insgesamt werden weitere Aufenthaltszonen zur Steigerung der Kommunikation vermisst.

    Die Betonung der eigentlichen Platzmitte in Form einer Intarsie ist schlüssig dargestellt. Die gewählte Materialität hingegen widerspricht in der Auswahl den denkmalpflegerischen Grundsätzen. Die Verwendung von Kleinsteinpflaster vor den Eingangsbereichen der Geschäfte begünstigt den erforderlichen Höhenangleich im Sinne der Barrierefreiheit.

    Insgesamt ist die Reduzierung des Baumbestands sehr zu begrüßen. Diese Maßnahme leistet einen wertvollen Beitrag zur positiven Wahrnehmung des Platzes mit seiner angrenzenden historischen Bebauung.