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  • DE-64295 Darmstadt, DE-64283 Darmstadt
  • 08/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-330272)

Konzeptvergabe Marienplatz in Darmstadt


  • Anerkennung

    Mikroklimatisches Konzept, Marienplatz, © ee concept

    Bauphysiker, Energieplaner
    ee concept gmbh, Darmstadt (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Investoren: Frank Heimbau Main/Taunus Gmbh, Hofheim (DE)
    Investoren: Iber Immobilien GmbH, Darmstadt (DE)
    Architekten: planquadrat Elfers Geskes Krämer PartG mbB, Darmstadt (DE), Frankfurt am Main (DE)
    Landschaftsarchitekten: geskes.hack Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin (DE)

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf zeichnet sich durch eine wohltuend kleinteilige Gliederung der Baukörper und der Freiräume aus. Mit der von den Verfassern gewählten Unterteilung des Areals in drei »blockrandähnliche Stadtbausteine« gelingt eine selbstverständliche Integration der Bebauung in den Kontext. Die Raumkanten aus dem südlich angrenzenden Bereich werden folgerichtig aufgegriffen und zu einer klar ausgeprägten Gesamtform des Quartiers gefügt. Der westliche Stadtbaustein ergänzt den Blockrand an der Hindenburgstraße und prägt dabei in angemessener Weise die Raumkante an der Hügelstraße.
    Der Standort des markanten 17geschossigen Hochpunktes ist plausibel gewählt und korrespondiert mit anderen städtebaulichen Akzenten in der Umgebung. Die Weiterführung des Hochpunktmotivs in den drei Stadtbausteinen gelingt den Verfassern jedoch nur mit Hilfe einer nicht überzeugenden Differenzierung der Baukörpermaterialität in Holz- und Massivbauweise. Die Höhenstaffelung der Baukörper zwischen 4 und 8 Geschossen fügt sich in den heterogenen Bestand der Nachbarschaft gut ein und wird positiv gewürdigt.
    Elegant gelöst ist die Positionierung der Kita im östlichen Stadtbaustein. Sie wird in den Sockel eines winkelförmigen Gebäudes integriert und über die Sandstraße so erschlossen, dass ein real teilbares Grundstück gebildet werden kann. Der großzügig dimensionierte Freiraum im Süden wird besonders positiv gewürdigt und verspricht optimale Bedingungen für die Kita. Leider sind die Abstände zwischen den Gebäuden im mittleren und östlichen Baustein sehr eng gewählt und reduzieren die Wohnqualität. Das Rettungsweg-Konzept bleibt in Teilen unklar.
    Die Ränder werden im Wesentlichen durch die vorhandenen Baumreihen bestimmt und gefasst. Diese räumliche Fassung wird schlüssig im Süden und an der Sandstraße ergänzt und vervollständigt. Durch den Rücksprung an der Hügelstraße entsteht ein wohlproportionierter Freiraum, der den Erhalt der Robinien an der Hügelstraße weitestgehend ermöglicht.
    Die Innenhöfe sind wenig durchgearbeitet. Eine Zonierung nach privaten und halböffentlichen Flächen ist nicht ablesbar. Die Wegeführung wirkt gezwungen und hat keinen Bezug zur städtebaulichen Struktur. Die zu klein proportionierten Innenhofflächen bieten nur ein weniges Gestaltungspotenzial.
    Die Komposition der Baukörper führt zu einer kleinteiligen Freiraumstruktur, deren besonderen Qualitäten in der direkten Zuordnung zu den Wohnungen liegen. Die Positionierung der Baukörper sowie das einfache Wegenetz ermöglichen eine klare Orientierung sowie die Differenzierung in öffentliche und private Seiten der Gebäude. Leider verzichtet der Entwurf auf einen gemeinsamen, identitätsstiftenden Freiraum für das gesamte Quartier. Das vorgeschlagene Nutzungskonzept sieht daher folgerichtig eine dezentrale Positionierung der sozialen Infrastruktur vor, wobei der introvertierte Standort des Cafés fragwürdig erscheint.
    Die für das Hochhaus vorgeschlagene Hotelnutzung ist an dem prominenten Standort plausibel, geht aber aufgrund der großen Flächenbedarfs zulasten der Wohnnutzung. Der Anteil der Hotelnutzung mit ca. 28% der Fläche wird als sehr hoch eingeschätzt. Die Lage des Restaurants ist aufgrund der eher introvertierten Situation nicht überzeugend.
    Das Nutzungskonzept sieht unterschiedliche Wohnformen vor: freifinanzierter Wohnungsbau, geförderter / bezahlbarer Mietwohnungsbau, Baugruppen und Seniorenwohnen. Die Wohnungen sind erschlossen über zentrale, nördlich und östlich ausgerichtete, außenliegende Treppenhäuser. Die Wohnungsgrundrisse sind gut strukturiert und funktional; die Kochbereiche sind in den Wohnraum integriert. Die Wohnungen sind zusammenschaltbar.
    Die Orientierung der Wohnräume, Terrassen und Loggien nach Süden oder Westen mit Blick auf die begrünten, attraktiven Innenhöfe wird positiv bewertet. Die konkrete Gestaltung des Seniorenwohnens an der Heidelberger Straße ist im Erdgeschoss nicht überzeugend vorgetragen. In den Erdgeschossen sind Sondernutzungsrechte in den Gärten möglich. Das statische und haustechnische Konzept lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten.
    Der Nachweis der Stellplätze erfolgt in einer Tiefgarage, die in selbstverständlicher Weise von der Hügelstraße aus erschlossen wird. Die ergänzend vorgeschlagenen Angebote für Car-Sharing und den E-Moblity-Hub sind im Quartier gut positioniert. Fahrradstellplätze werden in ausreichender Zahl sowohl in TG als auch im Freiraum angemessen nachgewiesen.
    Die Kleinteiligkeit der Bebauung fördert eine gute Durchlüftung des Quartiers. Die kompakte Anordnung der Tiefgarage ermöglicht die bodenschlüssige Pflanzung an besonders wichtigen Stellen wie dem südlichen Rand und dem Freiraum der Kita. Das Regenwasserkonzept ist nicht ausreichend ausgearbeitet. Die Vorschläge zur Energieversorgung sind im Ansatz erkennbar, aber nicht ausreichend ausformuliert. Der Umgang mit den Dachflächen wird begrüßt.
    Insgesamt wird die Arbeit als ein gut strukturierter Beitrag zur gestellten Aufgabe gewertet, dessen besondere Qualität in der Kleinteiligkeit der Bebauung und der Mischung der Wohnformen liegt. Bemängelt wird der eher introvertierten Charakter der Freiraum- und Nutzungsstruktur, der die Chancen der Integration des Quartiers in die Nachbarschaft schmälert und zu wenig adressbildend in die angrenzenden Stadträume wirkt. Die Randausbildung zum Theatergarten ist insgesamt nicht überzeugend vorgetragen.