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  • DE-95643 Tirschenreuth
  • 11/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-347446)

Neubau der Staatlichen Realschule Kemnath mit 3-fach-Turnhalle


  • Anerkennung

    Modellfoto, © STUDIOKUBIK

    Architekten
    STUDIOKUBIK Architekten, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Helen Neuenkirchen

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: FUGMANN JANOTTA PARTNER Landschaftsarchitekten und Landschaftsplaner bdla, Berlin (DE)
    sonstige Fachplaner: Steinbeis-Transferzentrum Klimagerechtes Bauen, Hoppegarten (DE)

    Preisgeld
    16.200 EUR

    Erläuterungstext
    KONZEPT
    Grundgedanke der Neuordnung des Gebiets ist die Bündelung der Funktionen Sport, Freizeit und Schule zu lebhaften Orten der Gemeinschaft. Das FLötzbachtal als öffentlicher naturnaher Grünzug verbindet die Themenkomplexe und verknüpft das Areal mit dem Zentrum Kemnaths und überregional im Rad- und Wanderwegenetz.
    Die neue Realschule setzt die Bebauung an der Berndorfer Straße als ablesbare Einzelkörper fort. Sie besteht aus drei Baukörpern auf einem verbindenden Sockelgeschoss mit Gemeinschaftsnutzungen, die sich in den Schulhof im Grünen erweitern. Im Inneren bilden Straßen und Plätze Treffpunkte, die die Häuser des Lernens mit Hallen des Forschens und Werkens verbinden.
    Das Wohnquartier bildet das Gegenüber an der Berndorfer Straße mit urbanen Qualitäten von Gemeinschaft und Vielfalt in einem Spiel von Enge und Weite. Wohnhöfe bilden Nachbarschaften im autofreien Quartier.

    SCHULCAMPUS
    Die neue Realschule bildet mit der Grund- und Mittelschule einen gemeinsamen Schulcampus, ohne Interferenzen von Straßenverkehr und benachbarten Schulhöfen.
    Die Badstraße wird verkehrsberuhigt und nur für den Anliegerverkehr freigegeben. Längs des Flötzbachs wird die Badstraße zum Teil des Grünzugs und zum Fahrrad- und Fußgängerweg umgenutzt.
    Der Busverkehr wird neugeordnet, sodass der Straßenverkehr von den Schülern der Grund- und Mittelschule und der neuen Realschule nicht mehr fußläufig gequert werden muss.
    Durch einen einfachen Umbau orientiert sich der neue Haupteingang der bestehenden Grund- und Mittelschule an der Pausenhalle zum Busbahnhof. Durch die Integration der Tennisplätze in den Sportpark wird ein großzügiger südorientierter neuer Schulhof in direkter Nachbarschaft zum Schulhof der Realschule geschaffen.

    SETZUNG
    Die neue Realschule an der Hangkante schreibt das Band der Bebauung entlang der Berndorfer Straße fort. Es entsteht ein Vorplatz mit Eingang und Parkplatz an der Berndorfer Straße und ein geschützter Schulhof, der in den Landschaftspark integriert ist und an den Schulhof der Grund-und Mittelschule anschließt. Drei zweigeschossige Baukörper und die Sporthalle als ablesbare Baukörper in Holzbauweise sitzen auf einem verbindenden Sockel aus Sichtbeton.
    Die Schule zoniert mit ihrem Volumen die Umgebung. Der Grünzug im Bachtal und das potentielle Überschwemmungsgebiet bleibt von Bebauung frei und kann als Schulhof und Park genutzt werden. Entlang der Berndorfer Straße setzt die Schule in logischer Reihung die Bebauung fort, durch die Gliederung in einzelne Häuser fügt sich das Volumen der Schule in die benachbarte Babauung ein. Durch das Sockelgeschoss bleibt die Straßenseitige Fassade nur zweigeschossig. Der Entwurf nutzt das Potential der Hangkante, das Gelände wird auf Höhe der Berndorfer Straße „hochgeklappt“. Das Sockelgeschoss schiebt sich in den Hang, schirmt damit den Schulhof von der Straße ab und orientiert den Schulhof ins geschüzte Grüne. Die multifunktinale Pausenhalle/Aula als Herzstück der Schule vermittelt mit der offenen Geste der Sitztribüne zwischen den Eingangsniveaus von Straße und Hof.

    STRASSEN UND PLÄTZE
    Der Entwurf folgt dem Grundsatz der Begegnung und Aneignung. Das pädagogische Konzept der „bewegten Schule“ findet seinen Ausdruck in den multifunktional nutzbaren „Straßen und Plätzen“. Auf den zwei unteren Geschossen verbinden breite Straßen die Häuser. Sie weiten sich zu Hallen mit „Marktplätzen“ und Gemeinschaftsflächen auf, durch schaltbare Räume werden Sie Teil der Unterrichtsfläche. Durchlaufende Treppen und Durchbrüche nutzen die Hangsituation und verknüpfen alle drei Geschosse. Sichtbeziehungen zwischen den Geschossen sorgen für gute Orientierung, Oberlichter für zusätzliches Tageslicht.

    FUNKTION
    Drei Häuser nehmen im obersten Geschoss die Unterrichtsräume auf und dienen dem Rückzug zum Lernen. Über Dachterrassen sind sie im Außenraum verbunden.
    Im mittleren Geschoss auf Höhe der Berndorfer Straße sind die Häuser über eingeschossige Bauteile in den Gebäudefugen miteinander verbunden. Der Eingang im Rücksprung zweier Häuser blickt von oben durch die zweigeschossige Pausenhalle auf den Schulhof im Geschoss darunter. Eine Sitztribüne in der Breite der Halle faltet sich vom straßenseitigen Eingang zum Zugang des Schulhofs im Sockelgeschoss darunter.
    Die Verwaltung und die Räume des Lehrkörpers mit der Bibliothek fassen den Eingang auf beiden Seiten. Die Fachräume IT, Biologie, Chemie, Physik und Kunst liegen entlang der innenliegenden Hallen, die durch innere Straßen verbunden sind. An den Stirnseiten der Hallen liegen schaltbare Räume, die die Halle bis an die Fassade und die angrenzenden Klassenräume erweitern. Ein „Marktplatz“ mit vielfältigen Nutzungsszenarien entsteht.
    Das unterste Geschoss nimmt Gemeinschaftsnutzungen und die Sporthalle auf. Mensa, Café, Pausenhalle/Aula, Werkhallen liegen am Schulhof und erweitern sich in den umgebenden Grünraum. Der Schulhof ist im Landschaftspark des Grünzugs integriert und bietet vielfältige Nutzungen mit Streuobstwiese, dem grünen Klassenzimmer, dem Schulteich am Bach, Parcours-, Spiel- und Sportflächen.

    BRANDSCHUTZ
    Der umlaufende Fluchtbalkon in den Obergeschossen ermöglicht den unmittelbaren Austritt ins Freie. So sind kurze Fluchtwege ins Freie in allen Geschossen gegeben. In jedem Raum sind mindestens 2 Fluchtwege in unterschiedlicher Richtung gegeben. Die innenliegenden Hallen der Cluster und Gemeinschaftsflächen im Sockel können so als Nutz- und Erschließungsflächen vielfältig mit Mobiliar und Aufenthaltsqualitäten genutzt werden.

    NACHHALTIGKEIT
    Der Entwurf ist vom Grundsatz der Nachhaltigkeit bestimmt und versucht bereits konzeptionell, einfache Lösungen zu finden. Neben der Verwendung nachhaltiger Baustoffe, effizienter Gebäudetechnik und der Modularisierung von Tragwerk, Hülle und Ausbau verfolgt das Energiekonzept das Ziel maximaler Reduzierung von CO2-Emissionen für den Gebäudebetrieb und die Nutzung, bis hin zu der Erreichung eines Plusenergiestandards.
    Alle Teile sind dabei auf das physisch Notwendige reduziert, auf eine aufwendige Anlagentechnik wird durch ein robustes System mit dezentraler Lüftung verzichtet.
    Auch für zukünftige Nutzungsänderungen sind die Voraussetzungen gut.

    GRÜNZUG
    Das FLötzbachtal als öffentlicher naturnaher Grünzug verbindet die Themenkomplexe und verknüpft das Areal mit dem Zentrum Kemnaths und überregional im Rad- und Wanderwegenetz. Parkwege führen punktuell an den sonst natürlich belassenen Bach heran und führen über Stege darüber. Naturerfahrungsbereiche werten das Biotop auf und lassen spielerisch Natur verstehen.

    SPORTPARK
    Der Sportpark bündelt die vorhandenen Sportanlagen wie dem Sport-, dem Skateplatz, den Beachvolleyballfeldern und Tennisplätzen mit dem neuen Spielfeld und wird um neue Funktionen wie einer Innenspiel-und Boulderhalle, Boule-Feldern und einen Pumptrack-Parcours erweitert. Das neue Spielfeld egalisiert das höhere Niveau am Hang, und bildet ein Sockelgeschoss darunter, das das Aufwärm- und Funktionsgebäude aufnimmt. Durch die Auffüllung bleibt das Bodendenkmal unberührt.

    WOHQUARTIER
    Durch Wohngruppen um Wohnhöfe entstehen Nachbarschaften, die etappenweise als Bauabschnitte zunächst an der Berndorfer Straße realisiert werden können. Dabei wird das Prinzip des gemeinschaftlich genutzten Sackangers des südöstlich angrenzenden Scheunenviertels aufgenommen. Je 3 bis 4 Häuser mit 3-4 Geschossen gruppieren sich um einen Wohnhof und bilden eine Nachbarschaft.
    Das Quartier schreibt bewährte Typologien fort und ergänzt diese durch differenzierte gemeinschaftliche Räume. Dabei erzeugt ein ausgewogenes Verhältnis von Dichte und Öffnung Spannung und Abwechslung. Entlang der Wege und Plätze befinden sich Spielflächen, Gärten, Ruhe- und Sportbereiche, die die Aneignung durch unterschiedliche Nutzergruppen ermöglichen und die Identifikation der Bewohner mit dem neuen Raum fördern. Rückseitige Grünräume stehen als halböffentliche Räume der gesamten Nachbarschaft offen. Der bildprägende Wohnhof ist mit großen Bäumen bepflanzt und dient sowohl als kommunikativer Erschließungsraum wie auch als Aufenthaltsort mit unterschiedlichen Angeboten.
    Das gesamte Quartier ist im Binnenraum autofrei und ermöglicht so ein Wohnen an Plätzen und Gärten. Die kompakten Gebäudeformen und die Minimierung der Fahrerschließung sind im Hinblick auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit optimiert. Die Abstandsflächen werden durch Nutzung des Schmalseitenprivilegs (Breite < 16m) eingehalten.
    Die Temporeduzierte Zufahrtsstraße im Quartier wird als shared-space über die reine Vehrkehrsfunktion hinaus als Aufenthaltsfläche gestärkt, fördert die Interaktion von allen Verkehrsteilnehmern und weitet sich zu barrierefreien Besucherparkplätzen mit Be- und Entladezonen auf. PKW werden früh in die Tiegaragen der Wohnhöfe abgeleitet.
    Wohnungszuschnitte reagieren durch schaltbare Zimmer und Gemeinschaftsräume auf veränderte Lebensverhältnisse und unterschiedliche Nutzergruppen. Gemeinschaftliche Wohnformen mit Wohnungsgruppen fördern das Miteinander und können unterschiedlich Altersgruppen vereinen. Nachbarschaften entstehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.