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  • DE-48683 Ahaus
  • 11/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-343542)

Umgestaltung der Wallstraße in Ahaus


  • ein 3. Preis

    © club L94 / URBANOPHIL.KOELN

    Landschaftsarchitekten
    club L94, Köln (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: URBANOPHIL.KOELN, Köln (DE)

    Preisgeld
    12.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die Stadt Ahaus liegt im Münsterland und naturräumlich zwischen Wacholderheide und Hochmooren. Neben der Naturlandschaft des Münsterlandes ist das Ahäuser Schloss ein touristischer Anziehungspunkt der Stadt. In den letzten Jahren hat die Umgestaltung der Fußgängerzone, der Bau des Einkaufszentrums und der Bau des Kulturquadrates zu einer erheblichen Attraktivierung der Innenstadt geführt.

    KONZEPT
    Die historischen Karten zeigen für den Bereich der Wallstraße eine ursprünglich kleinteilige Bebauung begleitet von mehreren Kanälen, die vermutlich zur Entwässerung der Stadt dienten. Diese kleinteilige Bebauungsstruktur aus aneinandergereihten, leicht zueinander verschobenen Gebäuden bildet die formale Grundlage des neuen Freiraumkonzeptes. Diese Struktur wird in die Ahäuser Wallgärten übersetzt. Das Freiraumkonzept ergänzt die vorhandenen Freiraumtypologien und Nutzungsangebote des Schlossparkes, der Fußgängerzone, des Festplatzes und des Kulturquadrates in Form der neuen Ahäuser Wallgärten. Zusammen bilden diese Freiraumtypologien künftig ein "Grünes Kreuz" in der Innenstadt von Ahaus, welches alle Freiräume miteinander verbindet und dadurch vielfältigen Nutzungsansprüchen gerecht werden kann.

    ENTWURF
    Zonierung und Verkehr
    Der Stadtraum Wallstraße wird neu zoniert. Die Wallstraße wird mit Begegnungsverkehr an die Westseite des Raumes verlagert, wodurch die Wallgärten an die Bebauung der Ostseite und der Fußgängerzone angegliedert werden. Die geforderten Parkplätze werden in Form von Längsparkplätzen dem Straßenraum zugeordnet. Dadurch entstehen ca. 70 Parkplätze. Der Querschnitt besteht von West nach Ost aus einem Bürgersteig (2,50m), Längsparkplätzen (2,00m), Fahrbahn (6,0m), Längsparkplätzen (2,00m), Bürgersteig (2,50m), Stadtkanal (2,00m), Wallgärten (15-20m), Fuß- und Radweg (4m). Der Radweg wird bewusst nicht dem Straßenraum zugeordnet, sodass die Fahrradfahrer die Wallgärten zusätzlich beleben werden. Dementsprechend werden dezentral mehrere Fahrradstellplätze in den Wallgärten angeordnet.

    Stadtboden
    Der vorhandene Stadtboden der Fußgängerzone aus hochwertigem Betonstein wird im Sinne einer einheitlichen Gestaltung in das Umfeld der Wallgärten übernommen. Die Wallgärten erhalten einen Bodenbelag aus wassergebundener Decke.

    Wallgärten
    Die Ahäuser Wallgärten bestehen entsprechend der historischen Parzellierung aus orthogonalen Flächen in einer wassergebundenen Decke mit einer unterschiedlichen Programmierung. Pflanz- und Spielflächen im Wechsel und eine große Anzahl bequemer Holzbänke bieten eine hohe Aufenthaltsqualität. Die räumlich zueinander versetzten Flächen bilden spannende Raumsituationen mit wechselnden Blickbeziehungen. Die Vegetation orientiert sich an der naturräumlichen Lage der Stadt. Heidepflanzen und Gräser dominieren das Pflanzenbild und sorgen für eine hohe Akzeptanz und Wertschätzung in der Bevölkerung. Die Spielflächen folgen einem Farbkonzept aus Grüntönen und bieten unterschiedliche Angebote wie bodenbündige Trampoline, Kletterstangen, Tischtennisplatten, etc.
    Die vorhandenen Platanen werden weitestgehend erhalten durch Neupflanzungen aus unterschiedlichen Laubbaumarten im Sinne der Biodiversität ergänzt.
    Die querende Schlossachse erhält einen besonderen städtebaulichen Akzent in Form eines neuen Cafépavillons mit Außengastronomie an einem kleinen, zentralen Platz mit Wasserspiel. Dieser bildet das Zentrum des Grünen Kreuzes zwischen Schloss und Festplatz, bzw. Kulturquadrat und Wallgärten. Die Wallstraße wird mit Hilfe eines Betonsteinteppichs barrierefrei gequert und gleichzeitig verkehrsberuhig.

    Stadtkanal
    Nach dem historischen Vorbild dient ein Stadtkanal als räumliche Grenze zwischen dem Straßenraum der Wallstraße und den neuen Wallgärten. Der Kanal steigert entsprechend eines langen Brunnens die Aufenthaltsqualität in den Wallgärten durch Kühlung des Raumes und lädt Jung und Alt zum Barfußgang ein.

    Städtebau
    Für die Wallstraße in Ahaus wird ein Freiraumkonzept erarbeitet, welches bis auf den zentralen Cafépavillon auf primäre städtebauliche Setzungen verzichtet. Bei entsprechendem Bedarf kann sowohl am Nordende der Wallgärten als auch am Südende zum Rathausplatz eine hochwertige Architektur mit öffentlichkeitswirksamen Nutzungen, insbesondere im Erdgeschoss, die Attraktivität der Wallgärten stärken.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser transformiert die im 19. Jahrhundert vorhandene Wallgrabenbebauung mit kleinteiligen Gartenstrukturen in Ost-West-Richtung zu einem neuen »gärtnerisch« geprägten Stadtraum.

    Im Norden und Süden können an den jeweiligen Endpunkten neue Gebäude den Raumabschluss bilden. Konsequent zeigt der Entwurf entsprechend seiner historischen Parzellierung die Ahauser Wallgärten mit unterschiedlich programmierten Räumen auf. Spielplätze wechseln sich mit Rasen- und Aufenthaltsflächen ab. Positiv bewertet das Preisgericht, dass die vorhandenen Platanen nahezu vollständig erhalten und entsprechend ergänzt werden.

    Der Individualverkehr wird auf die Westseite der Wallstraße verlegt. Rund 70 Stellplätze in Längsaufstellung zeigen eine mögliche Neuordnung auf. Auf der Westseite wird eine 4 m breite kombinierte Fuß- und Radwegzone entlang der Fassaden angeordnet.

    Der auf den ersten Blick durchaus beeindruckende Entwurfsansatz wird bei näherer Betrachtung doch kritisch hinterfragt. So entsteht eine Vielzahl an Raumabfolgen mit unterschiedlich gestalteten Bereichen. Ein großzügiger auf den großzügigen Raum eingehender Entwurfsansatz wird vermisst. Die Gärten wirken zu kleinteilig und in ihrer Anordnung auch beliebig.

    Ein kombinierter Fuß- und Radweg entlang der Geschäfte mit einer Gesamtbreite von nur 4 m ist nicht realisierbar und entspricht nicht den Anforderungen an öffentliche Verkehrsräume.

    Insgesamt wird die prägnante Idee des Entwurfes begrüßt. Sie wird jedoch für diesen Raum vom Preisgericht als zu kleinteilig angesehen.