loading
  • DE-10178 Berlin, DE-10117 Berlin
  • 11/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-346283)

Neugestaltung des Hegelplatzes in Berlin Mitte


  • Anerkennung

    © LAVALAND Laura Vahl

    Landschaftsarchitekten
    LAVALAND Laura Vahl, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Laura Vahl , Deniz Dizici

    Mitarbeit
    Björn Lotter, Jasmin Schorr

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Treibhaus Landschaftsarchitektur Berlin/Hamburg, Berlin (DE), Hamburg (DE)

    Preisgeld
    2.950 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser*innen haben zum Ausgangspunkt, dass gegenwärtig auffallend unterschiedliche Anforderungen an öffentliche urbane Räume gestellt werden. Diese Gegensätze bilden die Basis, um auf einer Metaebene ein sehr intellektuelles Konzept zu entwickeln. Dieser Mut zum Experiment wird explizit gewürdigt und begrüßt.

    Der Hegelplatz wird in einer sogenannte These als Archetyp des mineralischen urbanen Stadtplatzes in der historischen Dorotheenstadt begriffen.
    Als Antithese hingegen soll der Hegelplatz Zukunftsort werden, der als urbaner Raum höchste stadtökologische Wertigkeit besitzt und dabei größtmögliche Diversität generiert.
    Durch Überlagerung dieser beiden entsteht die sogenannte Synthese, der urbane Hain, der urbane Vegetation und Nutzungsmöglichkeiten vereint.
    Insgesamt entsteht so ein hybrider multifunktionaler Raum, der der heterogenen heutigen Stadtgesellschaft Rechnung tragen soll.
    Als Konzept und erstes Bild funktioniert dieses System hervorragend. Als landschaftsarchitektonischer Entwurf zeigen sich dagegen größere Schwächen. Ist die Dreiteilung des gesamtes Raumes - in Grün, Aktivrahmen und freier Platz – noch geglückt, zeigt die Betrachtung der einzelnen Bereiche größere Schwächen.
    Auch wenn die Überlagerung zentrales Thema ist, scheint die Pflanzenverwendung sehr unentschieden: gleiche Bäume finden sich im Ökotop und urbanen Hain.
    Das Ökotop, das mit Baum, Strauch, Kraut werden soll und sicherlich die Biomasse erheblich erhöhen würde, stellt sich in den Visualisierungen mehr als gepflegter Schattengarten (mit Anmutung an Friedhofpflanzungen) denn als urbane Wildnis dar. Das Versprechen, ein Ökotop nach Vorbild des Waldes anzubieten, wird hier nicht eingelöst.
    Geschickt ist hier der umfassende aufgeständerte Rahmen gewählt, das Wasser kann einfachst unten durchfließen.
    Durch Sitzhöhe mit punktuellen Holzauflagen ist zudem durchweg eine Bespielung = Besetzung möglich.
    Streitbar bleibt aber die Grundthese, die Antithese, das Grün.
    Einerseits besteht die Hoffnung, dass die immer mehr umweltbewusste Jugend den ideologischen Ansatz versteht und das Ökotop behutsam und schonend behandeln wird.
    Anderseits ist zu befürchten, dass an einem solch hoch frequentierten Ort mit viel Littering das Ökotop sukzessive vermüllt wird.
    So steht in der Diskussion der Visionär dem Realisten entgegen. Szenarien, dass gerade die Humboldt Universität Patenschaften für dieses Experiment übernehmen könnten, werden auch misstraut.
    Der Rahmen löst sich in der Überlagerung, dem Stadthain, auf und generiert subtil eine Familie von Ausstattungsgeräten, die klassisch hergeleitet ist und dann vielfach transformiert wird. Objekte für Tischtennis, Sitzplätze, Bänke und Tische werden so angeboten.
    Positiv ist zu werten, dass der gesamte Platz barrierefrei ist.
    Leider erheblich über den Kostenrahmen durch die großflächige Verwendung von Naturstein und dem erheblichen Erdaustausch im Ökotop.
    Als Fehlentscheidung wird die fehlende Bespielung – ggf. auch temporär - des östlichen offenen Platzbereichs gewertet.
    Aber bzgl. Offen- und Geschlossenheit provoziert die Arbeit auch an anderen Stellen.
    So wird kontrovers diskutiert ob das Hegeldenkmal durch die umschließende Offenheit gerade angemessen präsentiert wird oder unangemessen vogelfrei wirkt.
    Grundsätzlich wird die funktionale Verteilung von offenen und geschlossenen Räumen als falsch bewertet. Wo viel Platz für die zahlreichen Studierenden nötig wäre, wird zusätzliche Enge erzeugt. Auf der östlichen Seite, auf der sich wenige aufhalten überwiegt dagegen die Leere.
    So kann man im Ökotop nichts machen, auf dem offenen Platz wird nichts angeboten.
    Insgesamt ein faszinierendes Konzept, das auf den ersten Blick fasziniert und besticht. Und vor allem sehr streitbar ist.
    Auf dem zweiten detaillierten, landschaftsarchitektonischen und nutzerorientierten Blick besteht das konzipierte Versprechen aber leider nicht.
    Aber vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif.