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  • 2. Preis


    Architekten
    gruppeomp Architektengesellschaft mbH BDA, Bremen (DE), Rastede (DE), Hannover (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE)
    Energieplaner: H2A - v. Heeren Habibi, Hannover (DE)

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAULICHES KONZEPT

    Es entsteht ein Ensemble aus 4 kompakten Häusern, das sich möglichst präsent zur
    Hollerithallee positioniert und in den vorhandenen Baumbestand auf dem Grund-
    stück einfügt.
    Die besondere Stellung des Haupteingangs wird durch einen vertikalen Akzent
    in Form eines „Fortluftschornsteins“ unterstrichen. Das Entree in Form einer leicht
    gekrümmten Fassade empfängt die Besucher des Zentrums mit einer einladenden
    geste.
    Die Baukörper gruppieren sich von Westen nach Osten um einen Campus und ver-
    suchen die erhaltenswerten und prägenden Bäume auf dem Grundstück zu erhalten.
    Der zentrale Hof wird von einem Wandelgang gefasst und verbindet die verschie-
    denen Gebäudeteile.

    FOYERGEBÄUDE

    Der L-förmige Baukörper bildet den Auftakt der Anlage und beherbergt im Erd-
    geschoss die zentrale rezeption, den Ausstellungsbereich, den Hörsaal sowie die
    Mensa.
    Im 1.OG sind die Seminar- und Lernbereiche angeordnet, im 2.OG befindet sich die
    Verwaltung mit Dachterrasse. Das Foyer mit Ausstellung und Hörsaal präsentiert
    sich schaufensterartig zum Vorplatz, während sich die Mensa zum Innenhof orien-
    tiert. Die notwendigen Funktions- und Servicebereiche sind im nördlichen Gebäude-
    teil untergebracht.
    Die Seminarräume im 1.OG sollen durch die Ergänzung um Gruppenräume und
    einen offenen Lernbereich eine abwechslungsreiche Lernlandschaft erzeugen. Die
    Verwaltung im 2.OG soll eine Bürolandschaft um eine kommunikative Flur- und
    Funktionszone mit großen Besprechungsräumen und Dachterrasse bilden.
    gekrönt wird der dreigeschossige Baukörper durch einen vertikalen Akzent zur
    Hollerithallee. Dieser Turm ist nicht nur „Signet“ für das Zentrum, sondern Teil des
    technischen Konzeptes zur Nachtauskühlung dieses Gebäudes. Hier wird im über-
    tragenen Sinne der Wandel des Schornsteinfegerhandwerks vom reinigen fossiler
    Abgasanlagen hin zum Warten von nachhaltigen Lüftungsanlagen am eigenen
    Gebäude formuliert.

    INTERNAT GÄSTEHAUS

    Der lineare Baukörper schafft kompakte Doppel- und Einzelzimmer auf vier Ebe-
    nen.
    Um einen prägenden Baum zu erhalten weicht der Baukörper leicht gegenüber dem
    Foyergebäude zurück.
    Im Erdgeschoss befinden sich, zum Wandelgang orientiert, der Freizeitbereich sowie
    im südwestlichen Bereich die Hausmeisterwohnung. Alle Zimmer verfügen über
    kleine Austritte.

    INSTITUT FÜR GEBÄUDELÜFTUNG

    Die Lage auf dem grundstück ermöglicht eine gute Erreichbarkeit der Versuchs-
    halle für wechselnde Auf- und Abbauten. Die zweigeschossige Halle wird von einem
    dreigeschossigen Büro/Laborbereich flankiert. Über den Wandelgang ist dieser
    Gebäudeteil mit dem restlichen Zentrum attraktiv verbunden.

    SCHORNSTEINFEGERINNUNG HANNOVER

    Gemäß der Auslobung wird eine separate Anordnung im hinteren Grundstücksbe-
    reich vorgeschlagen.
    Zwischen Lüftungsinstitut und Innungshaus entsteht ein kleiner Vorbereich um eine
    eigenständige Adressbildung zu ermöglichen.

    MATERIAL

    Ausgehend von der Idee eines Ensembles in der Landschaft wird für den Gebäu-
    deentwurf ein Holzbau mit vielen sichtigen hellen Holzflächen im Inneren und einer
    geflämmten Außenfassade vorgeschlagen.
    Die einfache und klar gerasterte Gebäudestruktur bietet sich für die Umsetzung
    eines Holzbaus an. Somit können sowohl in der Konstruktion als auch in der Fassa-
    de und im Innenausbau die nachhaltigen Materialeigenschaften von Holz genutzt
    werden.
    Die Herstellung der geflämmten Fassaden erfolgt durch eine alte, auf heutige
    Anforderungen angepasste Handwerksmethode des Holzschutzes: Durch flächi-
    ges Ankohlen des Materials werden die Holzzellen verdichtet und dadurch gegen
    Schädlinge, Schimmelpilze, Wasser und Verwitterung geschützt. Zudem verleiht
    die natürliche schwarze, matte Farbe dem Haus eine höhere präsenz. Sie lässt es
    bei Tag aus der Landschaft herausstechen und bei Dunkelheit mit der Landschaft
    verschmelzen.
    Die verschiedenen Gebäudeteile fügen sich über die gemeinsame Materialität zu
    einer Einheit zusammen.
    Die Südfassaden erhalten über Fallarmmarkisen eine freundliche belebte Kompo-
    nente und bieten einen wirksamen Schutz vor Überhitzung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt in Ihrer klaren, städtebaulichen und funktionalen Umsetzung des geforderten Raumprogramms.
    Sie schafft ein neues, deutliches, neues und einladendes Entrée zum Wissenschaftspark.
    Assoziativ zum Schornsteinfeger-Metier setzt sie ein markantes und identitätsstiftendes Signet in Form einer „Schornsteinturms“ über dem Hörsaalgebäude. Dieser ist zudem ein energetisch nachhaltiges Haustechnikelement zur Nachtauskühlung. Das architektonisch Element wird so zum Verweis auf einen innovativen Energieauftakt des gewählten Haustechnikkonzeptes. Insgesamt überzeugt der Entwurf mit seinem Mut zu einer nachhaltigen und energetischen innovativen Holzbauweise, als bewusst gewählter Ausdruck für den neuen Bildungs- und Innovations Campus.
    Funktional sind die Nutzungsbausteine Empfangsgebäude, Foyer, Hörsaal, Mensa und Wohnbereich sehr gut auf dem Grundstück organisiert. Ein gemeinsamer Innenhof bildet die Grundlage für Begegnungsmöglichkeiten und Kommunikation mit seinem überdachten Wandelgang.
    Zufahrt und Anlieferung liegen logisch und störungsfrei für den Betrieb im Norden, so dass eine gute Orientierung des Campus zum südlichen Landschaftspark erfolgen kann.
    Kritisch beurteilt die Jury die räumliche Enge des Innenhofes. Die komplette Holzbauweise mit ihrer Holzfassade wurde leider als zu Kosten- und Wartungsintensiv gewertet.

    Freianlagen
    Der offene Vorplatz ist als Mischzone für PKW und Fußgängererschließung konzipiert, im übrigen Gelände sind die Verkehre getrennt.
    Ein Atriumhof mit Wasserflächen, Bäumen und umlaufenden Gang ist das zentrale Freiraumelement in der Mitte des Gebäudeensembles. Die Belichtungssituation sowie die relativ geringe Breite der dort verorteten Mensaterrasse wird diskutiert.
    Der umgebende Grünraum verbindet sich großzügig mit den Sport- und Freizeitflächen. Drei von vier Alteichen können nicht erhalten werden.

    Energie
    Gelobt wird der innovative und nachhaltige Ansatz sowohl in der Beschreibung der Energieversorgung, als auch im Besonderen bei der Wahl des Konstruktions- und Fassadenmaterials des Gebäudes. Die Verfassenden entwerfen konsequent ein Gebäude aus Holz. Dabei wird nicht nur bei der Fassadenausprägung auf Nachhaltigkeit Wert gelegt. Hohe allgemeine und individuelle Aufenthaltsqualitäten des Innenhofes und der Kleinbalkone werden positiv gesehen, obwohl letztere den Tageslichteintrag reduzieren. Auch erreichen die Verfassenden einen hohen Energiestandard, der in der weiteren Überarbeitung zu bestätigen wäre. Den architektonischen Auftakt des Campus bildet der prägnante Hochpunkt des Nordbaukörpers, der technisch als freier Lüftungskamin wirken soll. Diese Maßnahme wird hinterfragt, insbesondere in der Wirkung und Ausprägung als Gestaltungselement.
    Holzbauspezifische Aspekte des Schallschutzes und der Detailanschlusspunkte, sowie Aussagen zu Dauerhaftigkeit des Fassadenmaterials und des Sonnenschutzes, sind Aufgaben der Ausführungsplanung des Entwurfes.

    Wirtschaftlichkeit
    Das Gebäude wird in Holzbauweise konzipiert – Betonwände zur Aussteifung. Außenwände mit (geflämmter) äußerer anthrazit/silber-farbiger Sichtschalung und Sichtschalung innen. Zum Schallschutz der Decken sind Betonplatten vorgesehen. Die Konstruktionsweise wird schalltechnisch problematisch und hat nur wenig thermische Speichermasse. Zum Gebäudebetrieb wird eine (in Relation zu anderen Entwürfen) aufwändige RLT-Anlage- mit fortlaufenden Betriebskosten – eingeplant. Folgekosten der Fassadenunterhaltung (Anstrich ist nach Herstellerangaben nicht erforderlich) sind nicht auszuschließen, ebenso für Fallarm-Markisen (Sonnenschutzanlagen).
    Bezogen auf Flächenkennwerte und Bauvolumen ist dies der wirtschaftlichste Entwurf
    mit dementsprechend geringen Reinigungskosten. Die jährlichen Betriebskosten werden mit geschätzt 187 T€ angenommen.