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  • DE-25938 Wyk auf Föhr
  • 01/2020
  • Ergebnis
  • (ID 2-341278)

Neubau eines Hotels und eines Freizeitbades mit Kurmittelhaus in Wyk auf Föhr


  • 4. Preis

    Visualisierung

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: LEHEN drei Architektur Stadtplanung, Stuttgart (DE)
    Landschaftsarchitekten: Glück Landschaftsarchitektur, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    9.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Einbindung
    Das Aquaföhr findet einen sicheren Platz an der südlichen Grundstücksgrenze und ermöglicht damit den Erhalt und Betrieb des alten Aquaföhrs während des ersten Bauabschnitts. Das Gebäudevolumen ist gegliedert in langgestreckte aneinandergereihte Baukörper mit Satteldach. Drei dicht nebeneinanderstehende Langhäuser bilden das neue Aquaföhr mit Sauna, Spa, Kurmittelhaus, Fitness und Badehalle.
    Nach Rückbau des alten Aquaföhrs wird das Hotel im zweiten Bauabschnitt errichtet. Das neue Hotel führt die bauliche Struktur nach Norden weiter in Form von zwei versetzt angeordneten Riegeln, die auf einem Sockelgeschoss sitzen. Von der Strandseite betrachtet integriert sich der Entwurf ganz selbstverständlich in die offene und von Satteldächern geprägte Bebauungsstruktur von Wyk. Der Besucher gelangt vom Rebbelstieg über eine attraktive Zuwegung, die durch sanfte grüne und leicht hügelige Inseln führt, zum Haupteingang Hotel und weiter zum Eingangsbereich des Aquaföhr.

    Das kleine Mittelhaus zwischen Hotel und Aquaföhr fungiert als Durchgangs- und Empfangsgebäude, in dem der Besucher über die Geschichte der Insel Föhr und Führungen sowie Events informiert wird. Der Weg führt unter der leichten aufgeständerten Überdachung hindurch über eine großzügige landschaftliche Treppenanlage bis hinauf zur Strandpromenade. Die neu gestaltete Strandpromenade lädt mit ihren großzügigen Sitzstufen zum Entspannen und Verweilen ein. Vom offenen und großzügigen Foyer (Ebene 0) gelangt der Besucher über eine große Treppenanlage hinauf auf die Haupterschließungs- und Verteilerebene (Ebene 1). Der Bademantelgang für die Hotelgäste mündet auf Ebene 1 ebenfalls in diese Haupterschließungszone des Aquaföhr. Von hier gelangen die Besucher in den Umkleidetrakt der Badehalle oder zum Kurmittelhaus. Die gesamte Bade- und Erholungslandschaft ist nach Osten und Süden hin zum Strand und Meer orientiert und der Badegast hat stets Blickbezug zur Nordsee.

    Gestalt, Material und Konstruktion
    Alle erdberührten Teile bestehen aus Stahlbeton. Die Dächer sind aus einem leichten Holztragwerk bestehend aus Leimbindern und Brettsperrholzplatte. Die äußere Gebäudehülle besteht aus einer matten Metallverkleidung aus Lamellen. Hinter den Lamellen befinden sich sowohl in den Wänden als auch im Dach großzügige Glasflächen, über die die natürliche Belichtung aller Räume sichergestellt wird. Ein textiler Sonnenschutz steuert Licht- und Wärmeeintrag. Die Lamellen sind an der Südseite um 45 Grad gedreht und ermöglichen damit optimale Ausblicke zum Meer. Die Fugen zwischen den einzelnen Baukörpern sind verglast.

    Außenanlagen
    Die Gestaltung der Freianlagen entwickelt sich aus der örtlichen Gegebenheit, der Landschaftsform und den Nutzungsansprüchen.Die Zugangssituation im Norden besteht aus einem großzügigen landschaftlichen Band das mit bewegten Linien aus Wegen und Pflanzflächen das Entrée zum Bad und Hotel bildet. Diese Wegführung zum Bad und Hotel ist für die Besucher selbstverständlich und bildet eine attraktive Adressierung mit hoher Aufenthaltsqualität. Bänke laden ein zum Verweilen, in dem „Grünen Band“. Das ca. 1,5m hohe Parkdeck wird begrünt, so dass es nicht als bauliche Anlage in Erscheinung tritt.Der Platz zum Meer mit den Stufenanlagen ist gegliedert mit Pflanzlinsen aus Stauden und Gräsern. Hier sind ebenfalls Sitzbänke an den Pflanzinseln angelagert. Hochstämmige Kiefern in bewegter Charakterform prägen den Platz und verbinden die Baukörper mit der großen Landschaft am Meer. Im Sommer bilden die Bäume hier auch wohltuenden Schatten und schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität auf dem Platz zum Meer. Die Terrasse am Hotel wird als Rosenterrasse aus Heckenrosen angelegt und mit mehrstämmigen Zieräpfeln überstellt. Durch das Verschieben der Gebäudefinger verzahnt sich der Gebäudekomplex mit dem Freiraum. Der Freibereich ist unterteilt in spannende und vielfältige Flächen für Ruhe und Aktivitäten. Die nach Osten vorgelagerte Liegewiese verbindet Innen- und Außenraum und die Glasfront ist in Teilen öffenbar.

    Der bestehende Parkplatz wird weiter ausgebaut und begrünt. Ein zweigeschossiges Parkdeck schafft weitere Parkmöglichkeiten. Das Parkdeck wird um ein halbes Geschoss ins Erdreich geschoben, so dass es lediglich 1,5m aus dem Erdreich heraustritt. Damit bleibt es in seiner Erscheinung unauffällig und geht mit der Nachbarbebauung respektvoll um. Die geforderten Stellplätze kommen kompakt im nordwestlichen Grundstücksbereich unter. Weitere Parkplätze können im Vorfahrtsbereich zum Hotel nachgewiesen werden. Damit könnten sogar zusätzlich zu den geforderten 506 Stellplätzen weitere 18 Stellplätze angeboten werden. Der Baumbestand im Südwestlichen Grundstücksbereich bleibt weitgehend erhalten und somit naturbelassener Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Das Regenwasserrückhaltebecken wird in seiner Lage geringfügig verschoben und erhält die geforderte Größe von 3.800m².

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Weiterentwicklung der städtebaulichen Grundfigur aus differenzierten, giebelständigen
    Gebäuderiegeln wird vom Preisgericht begrüßt. Die Kulisse Richtung Promenade ist etwas nach hinten gewandert, was nicht nur aus Sicht des Hochwasserschutzes zu begrüßen ist.

    Das asymmetrische Satteldach als Gestaltungsmotiv, wirkt als Ansatz weiterhin nachvollziehbar. Die neu entstandene Differenzierung der Gebäudehülle mit großzügigen Oberlichtern und eine sinnvolle Integration von technischen Anlagen, wie Lüftung und Photovoltaikanlagen zur Energiegewinnung, werden begrüßt.
    So überzeugt die Arbeit auf den ersten Blick, durch eine städtebaulich richtige Setzung,
    verbunden mit einer für den Ort stimmigen Gestaltungssprache. Lediglich das sehr große
    umbaute Volumen fällt hier negativ ins Gewicht.

    Was die innere Organisation des Bäderlandschaft angeht, kann die Arbeit dagegen leider
    nicht überzeugen. Die Grundorganisation wirkt teils unklar, teils widersprüchlich und der
    Verfasser setzt sich an mehreren Stellen über explizite Vorgaben der Auslobung hinweg.
    So werden für den Betrieb zentrale Funktionen falsch verortet und wichtige Synapsen nicht ausreichend berücksichtigt oder abgetrennt.

    Aus Betreibersicht funktioniert die vorgeschlagene Konzeption nicht, weder in Bezug auf
    die innere Organisation, noch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Das Preisgericht empfiehlt deswegen diese Arbeit nicht weiter zu verfolgen.