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  • 09/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-369237)

Objektplanung Gebäude / Objektplanung Freianlagen

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  • ein 1. Preis


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    Architekten
    me di um Architekten Roloff . Ruffing + Partner, Hamburg (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Hunck + Lorenz Freiraumplanung, Hamburg (DE)
    Bauingenieure: IPJ Ingenieurbüro P. Jung GmbH, Köln (DE), Wien (AT)

    Erläuterungstext
    Der Ev.-Lutherische Kirchenkreis hat ein Grundstück im Gewerbegebiet von Bad Segeberg erworben, um dort ein neues Verwaltungszentrum und eine Tagespflege zu errichten. Um auf der grünen Wiese im Gewerbegebiet von eine Willkommensatmosphäre und Aufenthaltsqualität zu schaffen, werden zunächst Räume gebildet: Die dreigeschossige Kirchenkreisverwaltung und die eingeschossige Tagespflege umschließen einen gemeinsamen Hof, der mit einer zentral positionierten Bauminsel mit umlaufender Sitzbank die Gäste empfängt und erste Begegnungsfläche im Freien ist. Durch die versetzte Anordnung wird der Tagespflege im Süden ein kleiner Bauerngarten zugeordnet, der durch die Knicks klar begrenzt und durch die vorhandene Eiche atmosphärisch bestimmt wird. Östlich des Ensembles werden die gewünschten PKW-Stellplätze in einer begrünten Freifläche verborgen. Die dreigeschossige Giebelwand zur Straße markiert das Kirchenkreiszentrum mit Fernwirkung.

    „KEEP IT SIMPLE“ ist das Motto des Entwurfs: Auf ein Untergeschoss wird verzichtet. Alle besucherrelevanten Räume und solche mit hohen Nutzlasten sind im EG gelegen. Alle Räume werden natürlich belüftet, auch das Archiv, nur der Konferenzbereich wird dezentral mechanisch belüftet, das erspart eine Lüftungszentrale. Die Gebäude sind kompakt und das Mauerwerk monolithisch – keine zusätzliche Dämmung, keine Vormauerschale. Die benötigte Heiz- und Kühlenergie wird komplett aus Geothermie gewonnen. So gelingt es, mit ganzheitlichem Nachhaltigkeitskonzept das Budget einzuhalten.

    Über den Hof wird das Kirchenkreiszentrum erschlossen. Licht fällt vom Oberlicht der zentral gelegenen Treppe in das Foyer. Einem Dorfplatz gleich, gruppieren sich um den Empfangsraum alle wesentlichen öffentlichen Funktionen des Gebäudes: der zentrale Konferenzbereich, die Mitarbeiterküche, der Raum der Stille und das Archiv mit Leseraum. Bei gutem Wetter öffnen sich die Türen und der Hof wird zum belebten Platz. Über die zentrale Treppe sind die beiden Bürogeschosse direkt vom Foyer aus zugänglich. Ein großes Treppenauge verbindet die Geschosse großzügig miteinander. Rund um die Treppe und damit zentral in den Geschossen gelegen, befinden sich die Kommunikationszonen. Hier trifft man sich – bewusst oder zufällig. Die Büroflächen sind in vier etwa gleich große BüroQuartiere aufgeteilt. Hier erstrecken sich die Büros entlang der Fassaden um sowohl Zellen- und Kombibüros, als auch Teambüros im gewünschten Mischungsverhältnis realisieren zu können.

    Die Tagespflegeeinrichtung ist neben dem Kirchenkreiszentrum als eigenständiges Gebäude und als Teil des Ensembles konzipiert. Sie ist ebenfalls über den gemeinsamen Hof erschlossen. Unweit der Vorfahrt ist der wettergeschützte Eingang mit Holzbank gut zu erkennen. Über den tagesbelichteten Empfangsraum gelangt man ins Zentrum des Gebäudes, den Aufenthaltsraum mit angegliederter offener Gemeinschaftsküche und direkter Verbindung zum Beschäftigungsraum. Eine breite, öffenbare Glasfront und ein tiefes Vordach vermitteln zum südlich vorgelagerten Garten. Der Ruheraum – mit großem Fenster zum Knick – und der Therapieraum sind bewusst abseits des Tagesgeschehens platziert. Dienst- und Besprechungsräume sind dem Eingang zugeordnet und somit für Besucher schnell erreichbar

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Gliederung der Baumassen in zwei Gebäude und deren Anordnung schafft einen großen Eingangshof nach Norden zum Birkenring und einen wertvollen geschützten Freibereich für die Tagespflege im Südwesten. Diese städtebauliche Grunddisposition
    überzeugt das Preisgericht. Der Entwurf erzeugt eine gute Maßstäblichkeit für den Kirchenkreis und lässt zusammen mit den geneigten Dächern und der bescheidenen Gestaltung der Fassaden Motive des ländlichen Bauens erinnern. Der Grundtenor der Arbeit, die Aufgabe mit Einfachheit, Bescheidenheit und Regionalität zu lösen, findet grundsätzlich Anerkennung. Im Kontext der Umgebung wird dies letztlich allerdings eher kritisch gesehen, da die Haltung im stark gewerblich geprägten Umfeld zu zurückhaltend wirkt. Auch lässt sich die Nutzung als kirchliches Gebäude nur schwer ablesen. Die Ausgliederung der Tagespflege wird kontrovers diskutiert – eine Integration dieser Nutzergruppe „unter einem Dach“ wäre ein gutes Signal für ein kirchliches Gebäude. Der eingeschossige Baukörper der Tagespflege wirkt etwas unförmig und rückt sehr dicht an den 3-geschoßigen Baukörper der Verwaltung. Der Eingangshof erzeugt eine offene einladende Geste, die Aufenthaltsqualität des Hofes wird allerdings wegen des gegenüberliegenden Baustoffhandels eher kritisch gesehen. Wegen der Lage der Stellplätze werden die Mitarbeiter den Eingangshof kaum benutzen. Die geneigten Dachformen als prägendes Motiv des Entwurfs finden im Innenraum leider keine adäquate Entsprechung.
    Das Raumprogramm der Verwaltung ist wie gewünscht als Kombibüro ausgebildet und sehr überzeugend und rationell untergebracht. Das vorgeschlagene Materialkonzept mit natürlichen, ökologischen Materialien wie Lehmbauweise, massive Außenwände etc. wird im Sinne der Nachhaltigkeit sehr positiv bewertet, auch wenn die Anfangsinvestition gegenüber herkömmlichen Konstruktionen etwas höher liegt. Das Low-Tech-Energiekonzept ist sorgfältig ausgearbeitet und überzeugt das Preisgericht.
    Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr guten Beitrag dar, überzeugt letztlich im gewerblich geprägten Umfeld nicht vollends. Die Erkennbarkeit als kirchliches Gebäude ist zu wenig gegeben.


INFO-BOX

Angelegt am 10.02.2020, 14:01
Zuletzt aktualisiert 25.02.2020, 12:26
Beitrags-ID 4-187027
Seitenaufrufe 17

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