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  • DE-10178 Berlin
  • 01/2020
  • Ergebnis
  • (ID 2-350145)

Erweiterung der Freien Waldorfschule Berlin-Mitte e.V.


  • 1. Preis Schulerweiterung und Hort


    Modellbauer
    HeGe Modellbau, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: FRÖLICHSCHREIBER, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: Stefan Bernard Landschaftsarchitekten, Berlin (DE)

    Preisgeld
    27.250 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit folgt den städtebaulichen Vorgaben mit sicherer Hand und
    entwickelt diese eigenständig weiter. Der Anspruch an Ruhe, Aufgeräumtheit
    und eine jeweils maßvolle bauplastische Gestaltung wird überzeugend
    umgesetzt.
    Volumen und Gewichtung des Seminargebäudes wirken gut austariert.
    Neubau und Bestandsgebäude der Schule treten in einen Dialog. Die
    Ausbildung des Vorplatzes sowie die Positionierung des Eingangs zu
    diesem Platz werden als passend und richtig empfunden. Die große Geste
    des räumlichen Zusammenhangs von Foyer, offener Treppe, Vorbereich
    und doppelgeschossigem Eurythmiesaal beeindruckt, stellt jedoch gleichzeitig
    andere wesentliche Funktionen des Seminargebäudes etwas zu
    weit in den Hintergrund. Die Raumfolgen wirken dadurch, sowie durch die
    Anordnung und Gestaltung der Erschließungswege, etwas zu rigide.
    Die Funktionalität der Räume für den Kindergarten wird hinterfragt.
    Die Organisation von Gruppenräumen über zwei Geschosse ist im Hinblick
    auf die pädagogische Arbeit äußerst schwierig.
    Das Schulerweiterungsgebäude fügt sich im Sinne der Anschlüsse und
    Ausmaße in die Baulücke ein. Die Lage des Orchesterraums als erdgeschossiges
    Bindeglied zwischen Steinstraße und Schulgelände ist
    gut gewählt. Die organisatorische Anbindung der Schulräume an das
    Bestandsgebäude ist zufriedenstellend gelöst.
    Hinterfragt wird, ob der Lehrer-Ruheraum zwischen den beiden Musikräumen
    angemessen platziert ist.
    Besonders positiv fällt auf, dass für das Hortgebäude die kompakte Form
    des städtebaulichen Konzeptes aufgelöst und dadurch eine stärkere
    Verknüpfung mit den Freiräumen des Schulhofes erzielt wird. Die differenzierte
    Ausformung des Volumens wird als angenehm empfunden und
    verleiht dem Gebäude eine gute Maßstäblichkeit. Die Aufteilung der Räume
    und deren funktionale Verknüpfung entspricht den pädagogischen Anforderungen.
    Die Verbindung der Horträume mit den Freiräumen schöpfen
    die hierin liegenden Potenziale in hohem Maße aus.
    Die Fassaden von Seminargebäude und Schulerweiterung erscheinen in
    ihrer starken Plastizität und in der betonten Differenzierung der Öffnungsgrößen
    zu dominant im Hinblick auf die Charakteristik der städtebaulichen
    Umgebung.
    Die Kompaktheit aller Gebäude fällt gerade wegen des dennoch vorhandenen
    Flächenüberhangs positiv auf. Hierin liegt das Potenzial einer guten
    Realisierbarkeit vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht.
    Die Materialisierung der Fassaden wird kontrovers diskutiert. Besonders
    in Verbindung mit der gewählten Baukonstruktion erscheint die Wahl von
    Sichtmauerwerk fragwürdig. Die vorgeschlagene Materialität der Hort
    fassade in Holz ist nachvollziehbar; die Ausführung mit Holzschindeln wird
    als sehr kostenintensiv bewertet.
    Beurteilung durch die Denkmalpflege:
    Der Baukörper an der Gormannstraße fügt sich mit seinen Proportionen
    in den städtebaulichen Gesamtkontext ein. Die Fassaden wirken in ihrer
    Materialität, Plastizität und Proportion der Öffnungen zu dominant in Bezug
    auf das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Schulgebäudes. Die
    Ausbildung eines sehr geschlossenen Sockelgeschosses in anderer Materialität
    verstärkt diesen Eindruck.
    Der Baukörper an der Steinstraße nimmt Höhen und Fluchten der Nachbargebäude
    auf. Die Fassade zur Steinstraße wirken jedoch durch eine
    zu horizontale Betonung durch ein sockelartig abgesetztes Erdgeschoss
    und liegende Fensterformate untypisch und daher fremd im Straßenzug.
    Hofseitig wird die solitäre Wirkung des ursprünglich freistehenden Schulbaus
    durch den direkten Anschluss mit der geschlossenen Fassade in
    gewissem Maße verunklärt.
    Insgesamt stellt der Entwurf – trotz punktueller Kritikpunkte – einen guten
    Beitrag zur gestellten Aufgabe dar, dessen Stärke in der Positionierung
    und Ausformulierung der einzelnen Baukörper liegt.