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  • 2. Preis


    Landschaftsarchitekten
    arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Günter Greis

    Mitarbeit
    Christian Wagner, Günter Greis Christian Wagner

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Trapez Architektur GmbH, Hamburg (DE)
    Akustikplaner: M+O Masuch+Olbrisch Ingenieurgesellschaft mbH, Oststeinbek (DE)

    Erläuterungstext
    Wettbewerb Pestalozzi-Quartier

    Wesentliches Ziel der Auslobung ist es in einem sehr heterogenen und turbulenten städtischen Umfeld hochwertigen, familienfreundlichen Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen und durch die Größe der zu entwickelnden Fläche einen zentralen Beitrag zur Stabilisierung des gesamten Standortes zu leisten.
    Das Plangebiet umfasst den Großteil eines Blocks zwischen kleinteiliger Wohn- und Gewerbenutzung im Norden und Osten, großmaßstäblicher Wohn- und Verkehrsstrukturen im Westen sowie dem angrenzenden Vergnügungsviertel im Süden.
    Der Block selber wird bestimmt durch den Kontrast zwischen Abschnitten von kleinteiliger Randbebauung und den Baukörpern zurückgesetzter Schulbauten.

    KONZEPT
    Entwurfskonzept ist die Bildung von vielfältigen, hochwertigen Freiraum- und Hofsituationen mittels Stärkung der Blockränder.
    Durch die Integration der ehemaligen Schulbauten in die Blockschließung wird hierbei ein differenziertes Spannungsfeld von öffentlichen hin zu privaten, von lebhaften hin zu intimen Räumen geschaffen.
    Angelegt ist dieses Konzept bereits in den vorgefundenen Strukturen von vernetzten ehemaligen Schulhöfen und war als solches eine Intention für die Neubauten von 1926 durch den Baumeister Gustav Oelsner wie folgender Auszug aus seiner Rede zur Einweihung der Pestalozzi-Schule verdeutlicht: „.... Wir wollen eine Hofgemeinschaft herstellen. Die Frage wird von der Schulverwaltung zu entscheiden sein, wie die große Freifläche der Schulhöfe auch für das umliegende Viertel nutzbar gemacht werden kann, so dass Frauen mit Kinderwagen in den Nachmittagsstunden auf den Schulhöfen eine gegen den Straßenverkehr und Strassenstaub geschützte Fläche finden“ (Amtsblatt der Statt Altona Nr. 48 Sonnabend, 17 November 1928)

    MASSNAHMEN
    An der Kleinen Freiheit wird der Blockrand von Norden kommend mit Geschoßwohnungsbau fortgesetzt und in eine neue Platzsituation geführt die den Blick auf das historische Schulgebäude von G. Oelsner freigibt. Maßstäblichkeit und Nutzung antworten sowohl auf die gründerzeitlichen Bebauung wie auf die angrenzenden Großstrukturen des Altonaer-Grünzug. Die Bebauung wird bewusst zwischen Schulgebäude und Wohnhochhaus westlich der Kleinen Freiheit geführt um das direkte Gegenüber zur Stärkung des Schulbaus zu vermitteln.
    Der neu gefasste Platz öffnet den Block im Geiste des historischen Dreiklang aus Oelsner-Schule, Oelsner-Wohnhaus und Zugangsplatz in das Quartier. „Die kleine Freiheit werden wir erweitern. Man wird sie an dieser Stelle als größere Freiheit in den Lebensbedingungen des Sehens und des Atmens empfinden.“ (G. Oelsner, Amtsblatt der Statt Altona Nr. 48 1928). Die Pergola als raumabschliessende Trennung zur Straße entfällt zugunsten der ursprünglichen Intention. Der Platz reicht über den verkehrstechnisch heute untergeordneten Straßenraum bis an die Erdgeschosszone des Wohnhochhauses von der er durch die vorhandenen kleinteiligen Gewerbeeinheiten bespielt werden wird. Weitere Möglichkeiten für gewerbliche Nutzung in Verbindung zum Platz werden in der Erdgeschoßzone der Neubebauung geschaffen.
    Aufgrund des vom Autoverkehr nur als direkte Zuwegung nutzbaren Straßenraums wird vorgeschlagen im Zuge der oben genannten Platzaufweitung den gesamten Straßenraum ab der neuen Platzaufweitung gestalterisch neu zu ordnen und als „shared space“-Zone auszubilden.
    Durch die Aufnahme der gründerzeitlichen Bauflucht überschreitet die neue Bebauung die vorhandenen Grundstücksgrenze zugunsten der zuvor beschriebenen Qualitäten und zur Optimierung hochwertiger Blockinnenräume. Im Falle von unüberwindbaren eigentumsrechtlichen Belangen in dieser Frage, kann der Bauriegel jedoch auch an die bisherige Grundstücksgrenze zurückversetzt werden.

    An der Südseite zur stark befahrenen Simon-von-Utrecht-Straße und dem angrenzenden Vergnügungsviertel wird der Block mit einer durchgehenden viergeschossigen Bebauung geschlossen. Die Bebauung folgt grundsätzlich der aktuellen Straßenführung und soll mit Büro-Wohnlofts sowie einem Musikzentrum lebhafte Nutzungen beherbergen. Sie dient gleichzeitig als Anbindung an Rotlicht- und Clubmilieu sowie Abschottung des Blockinneren.
    Vorgeschlagen wird, die Straßenlinie geringfügig nach Süden zu verlegt um die Engstelle am Eckhaus Kleine Freiheit 42 zu entschärfen und dort einen Geh- und Radweg vorbeizuführen.
    Eine erhebliche Rückverlegung der Straßenlinie und einhergehende Straßenverbreiterung, die konsequenterweise den Abriß des Eckgebäudes Kleine Freiheit 42 nach sich ziehen müsste wird als nicht wünschenswert für den Stadtteil angesehen und steht der Schaffung von hochwertigem Blockinnenraum entgegen.

    Die Blockrandschließung wird in die Ostseite zur Großen Freiheit geführt und bildet mit den ehemaligen Schulgebäuden Haus 2 u. 3 ein weiteres – hier jedoch filterndes – Eingangsensemble um einen erhöhten Hof mit Durchblicken ins Nachtleben um die große Freiheit. Die historischen Gebäude werden als repräsentatives Entree in die Nutzung des Musikzentrums eingebunden.
    Der nördliche Blockrand an der Großen Freiheit wird ergänzt und übernimmt mit dreigeschossigen „Stadthäusern“ erneut die Maßstäblichkeit und Nutzung der angrenzenden Bebauung. Gegenüber dem geplanten Stadtteilpark wird die Randbebauung in den Block geführt um mit „Wohnen in der Twiete“ einen dritten Blockzugang zu formulieren und den ehemaligen Pfarrhäusern einen schützenden Abschluss zu geben.

    ÖFFENTLICHE QUARTIERSQUERUNG UND BLOCKINNENRAUM
    Über die oben beschriebenen Zugänge wird eine öffentliche Quartiersquerung von der Großen zur Kleinen Freiheit ermöglicht . Durch Ihre Staffelung über drei Plätze bzw. Höfe werden bewusst immer neue Raumsituationen erlebbar und Einblicke in die Tiefe der nördlichen und südlichen Wohnhöfe freigegeben.
    Der historische Baukörper der Oelsner-Schule bleibt freigestellt und wird zum Identifikations- und Orientierungspunkt für das Quartier. In diesem Sinne sind für das Haus 1 neben der Mischung aus Arbeiten und Wohnen(Atelierwohnen) im Erdgeschoß und Dachgeschoß öffentliche Quartiersnutzungen wie Kinderbetreuung, Veranstaltung und Sportraum vorgesehen.
    Der nördliche Wohnhof ist als zusammenhängender, halböffentlicher Raum konzipiert. Private Freiflächen werden in Form von Terrassen den Erdgeschossen zugeordnet. Der Familienhof hinter dem Schulbau dient zusammen mit diesem als gemeinschaftlicher Identifikationspunkt.
    Die eingestreuten „Gartenhäuser“ erweitern das Angebot an unterschiedlichsten Wohnformen nochmals und interpretieren den Charme des vorgefundenen Innenstadtgrüns. Die Zugänglichkeit erfolgt dezentral über den „Pestalozziplatz“ und die Blockquerung.
    Der südliche Innenhof ist ebenfalls als halböffentlicher Raum konzipiert, eine Öffnung zum Geschoßwohnungsbau an der Kleinen Freiheit wird erwünscht. Bedingt durch die angrenzenden Nutzungen und den vorgefundenen Bestand wird dieser Hof in seiner Detaillierung relativ sachlich zu gestalten sein.

    ÖKOLOGISCHES KONZEPT
    Die Entwicklung des Pestalozzi-Quartiers bietet der Stadt die seltene Chance, durch hohe ökologische Anforderungen ihrer Rolle als Vorreiter für eine umweltgerechte Stadtentwicklung gerecht zu werden.
    Als wichtigste grundsätzliche ökologische Komponente weisen die Baukörper im Sinne der eingangs beschriebenen konzeptionellen Zielsetzung eine kompakte Bauweise mit gutem A/V-Verhältnis auf. Eine Ausnahme bilden lediglich die „Gartenhäuser“ die wiederum in sich kompakt gehalten und durch ihre Größe in ökologisch hochwertiger Leichtbauweise errichtet werden sollen.
    Desweiteren ist der Anteil an unversiegelten Flächen so groß wie möglich gehalten und versickerungsfähig ausgelegt. Die „Gartenhäuser“ erhalten Gründächer. Wir empfehlen, alle weiteren Dachflächen durch Rigolensysteme zu entwässern.
    Gebäude und Wohneinheiten sind den Himmelsrichtungen entsprechend sinnvoll ausgerichtet. Alle Wohneinheiten sind ressourcensparend, querlüftbar und gut natürlich belichtbar.
    Wir empfehlen überdies, den zukünftigen Investoren die Errichtung zentraler Wärmeversorgungssysteme (z.B. BHKW), die Einhaltung eines Mindestdämmstandard von KfW-40, sowie den Einsatz recyclingfähiger Baustoffe zur Auflage zu machen.

    FREIRAUMPLANUNG
    Entsprechend der überlagerten Freiraumqualitäten innerhalb des Blocks erfolgt mittels der öffentlichen Durchwegung über Platz, Hof und Twiete eine Vernetzung der übergeordneten Freiräume vom Altonaer Grünzug zum neuen Stadtteilpark. Dieser wird grüner Zielpunkt auch der Wegeführung von Norden und Süden über den alten Grenzpfad sowie der Blockquerung vom Ortsamt im Osten.
    Durch Fortführung der Twiete als Grandfläche wird der Park entsprechend der vorgefundenen linearen Strukturen der historischen Gewerbenutzung gegliedert. Die sonnenbeschienene nördliche begrenzende Brandwand wird durch eine langgezogene Pergola zum Aufenthaltsort vor dem sich Kinderspielflächen und Gärten befinden. Südlich der Grandfläche ergänzt eine abgesenkte Sportfläche das Angebot. Als Entree wird das Eingangsensemble der Twiete als weiter Pergola mit eingestellten kleinen Nutzungen wie Cafe oder Spielhaus gespiegelt.

    TIEFGARAGEN
    Zur Unterbringung des ruhenden Verkehrs werden mit den Hauptbaumassen insgesamt drei eingeschossige Tiefgaragen erstellt. Die Tiefgarage an der Kleinen Freiheit, unterhalb des Geschoßwohnungsbau und des „Pestalozziplatz“, übernimmt den Stellplatzbedarf der dortigen neuen Bebauung, der Nutzung des Oelsner-Bau sowie der „Gartenhäuser“ und der „Stadthäuser“ an der Großen Freiheit. Die Tiefgarage unterhalb der Bebauung an der Simon-von-Utrecht-Straße und die „Musikpiazza“ decken den Bedarf der dortigen Nutzungen. Der Zugang erfolgt von der Großen Freiheit nahe der Kreuzung zur Simon-von-Utrecht-Straße. Zur Entlastung des Fahrverkehrs in der Großen Freiheit soll die Einbahnregelung bis zur Tiefgarage aufgehoben werden. Die dritte Tiefgarage befindet sich unterhalb der Wohnbebauung an der Blockquerung mit Stellplätzen für die Wohnnutzungen in der „Twiete“. Der Zugang erfolgt ebenfalls direkt von der Kleinen Freiheit.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.