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  • DE-06122 Halle (Saale), DE-06128 Halle (Saale)
  • 02/2020
  • Ergebnis
  • (ID 2-351449)

Errichtung eines neuen Wohnquartiers am Böllberger Weg in Halle – 3. BA


  • 2. Preis


    Modellbauer
    HeGe Modellbau, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Scheidt Kasprusch Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin (DE)

    Preisgeld
    16.200 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser überführen das Gebäudeensemble der Hildebrandschen Mühle durch klar definierte Kubaturen und eindeutig bestimmte Freiräume adäquat von der vormals industriellen in die neue Nutzung. Im Zusammenspiel mit den beiden ersten Bauabschnitten des Entwicklungsgebietes Böllberger Weg entsteht durch die Fortschreibungen der stringenten Struktur der ehemaligen Industriearchitektur eine eigenständige Identität und ein spannungsvoller Kontrast zu den Wohnungsbauquartieren im Nordosten. Durch die klare Strukturierung des Speichergebäudes vermitteln die Verfasser geschickt zwischen den Maßstäben des Städtebaus und des Wohnungsbaus. Das Raster der durch die umlaufenden Loggien bestimmten Fassade schreibt die bestehende konstruktive Struktur des denkmalgerecht sanierten Sockelgeschosses fort und schafft gleichzeitig einen architektonischen Rahmen für vielfältige Aneignung durch die zukünftigen Bewohner. Themen wie Sonnenschutz und konstruktiver Holzschutz werden beiläufig durch die umlaufende Übergangszone gelöst. Es wird jedoch im Preisgericht diskutiert, ob die Stringenz des vorgeschlagenen Rasters eine angemessene Fortschreibung der feingegliederten Ziegelfassade des Bestandsbaus aus der Gründerzeit darstellen kann. Die Funktionalität der Loggien des Speichergebäudes ist nicht optimal gelöst, eine Mindesttiefe von 1,60 m wäre erforderlich, um eine adäquate Möblierung zu gewährleisten. Das Gebäude wird von außen barrierefrei aus Richtung Südosten erschlossen und bietet durch gut geschnittene Grundrisse barrierefreie Wohnungen in hoher räumlicher Qualität. Das Wohnungsangebot ist hinsichtlich der Wohnungsgrößen differenziert. Innerhalb und außerhalb der Wohnungen werden in ausreichender Anzahl Abstellflächen vorgesehen. Die Wohnungen lassen sich durch die klare und damit flexible Tragstruktur und TGAInfrastruktur in vielfältiger Weise an zukünftige Bedürfnisse anpassen. Die durchgehenden Ver- und Entsorgungsschächte versprechen eine wirtschaftliche Umsetzung und hohe Funktionalität. Die architektonische Qualität des Bauteils Wohnhaus fällt hinter der des Speichergebäudes zurück. Ausschlaggebend hierfür ist die nicht bewältigte funktionale und konstruktive Integration der zu erhaltenden Fassade in Massivbau. Diese wird additiv dem Holzbau vorgestellt und bleibt ein Fremdköper. Die nach Nordwesten orientierten Loggien sind durch die historische Lochfassade zu sehr verschattet, obwohl versucht wird, den Bereich jeweils über zwei Geschosse zu organisieren. Der Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz überzeugt durch die Fortführung der konstruktiven Stringenz des ehemaligen repräsentativen Funktionsbaus. Nutzung und Funktion werden sinnfällig verknüpft, auf jegliche Zitate wird verzichtet. Aus denkmalpflegerischer Sicht bleibt die Klarheit des Ensembles der Baukörper gewahrt. Das neu entstehende Speichergebäude erhält im Wesentlichen die historische Kubatur. Die Anmutung eines historischen Speichergebäudes wird durch die Verwendung einer Rasterstruktur erhalten bzw. angemessen neu definiert. Der durch das gewählte Material Holz entstehende starke Kontrast zur historischen Substanz wird jedoch kritisch betrachtet. Am Wohnhaus steht die historische Fassade dagegen als Mauerscheibe vor dem neu zu errichtenden Bauwerk und ohne Bezug zu diesem. Im Freiraum wird das Motiv des Englischen Gartens aufgegriffen und detailliert anhand des historischen Lageplans ausformuliert. Der Entwurf schafft durch den Verzicht auf Mauern zwischen allen Gebäuden die Möglichkeit von Blickbeziehungen zwischen dem Mühlenhof und dem höher gelegenen Garten. Der Aufgang zwischen Villa und Wohnhaus ist angenehm großzügig gestaltet. Das Wohnhaus bietet Im Obergeschoss Möglichkeiten für gartenbezogenes Wohnen, lässt jedoch eine Anbindung an die Landschaftsarchitektur des Gartens vermissen. Der Baumbestand östlich der Villa wird durch die Wegeführung beeinträchtigt. Der Mühlenhof wird bis auf Sitzelementen, die um den Baum an der Villa „eingestreut“ wurden, wenig strukturiert. Der Radweg tritt sehr deutlich in Erscheinung. Stellplätze werden nicht in ausreichendem Maße nachgewiesen. Die Stellplatzanlage auf der Südostseite des Speichergebäudes wäre hinsichtlich der erforderlichen Aufstellfläche für die Feuerwehr zu prüfen und ein adäquater Ersatzstandort nachzuweisen. Eine Kompensation wäre ggf. durch den Einsatz von Parksystemen in der unteren Ebene der Garage zu prüfen. Die Wohnungen sind großzügig geschnitten und trotzdem raumökonomisch erschlossen. Das Verhältnis von BGF zu NUF lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten. Der hohe Anteil der Loggien bei beiden Gebäudeteilen wird hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit in der Jury kritisch diskutiert. Ebenso kritisch wird die Erschließung des Gebäudeteils Kontorgebäude mit zwei Treppenhäusern beurteilt. Eine Realisierbarkeit eines Holzbaus in dieser Gebäudeklasse erscheint der Jury durch die Kombination von Massivbau im Sockel und im Bereich des Treppenhauses und der notwendigen Flure möglich – stellt jedoch eine besondere Herausforderung dar. Die klar strukturierte Grundrissorganisation des Entwurfs macht eine Vorfertigung des Holzbaus in hohem Maße möglich. Die ökonomische Umsetzung im Vergleich zu Massivbau – auch unter der Betrachtung der geringen Lastannahmen durch den Holzbau – wäre zu prüfen. Die Arbeit liefert insgesamt einen baukulturell wichtigen Beitrag zum Thema Bauen im Bestand, indem hier beispielhaft in hoher architektonischer und konstruktiver Qualität aufgezeigt wird, welche Chancen nachhaltige Bauweisen, insbesondere durch den Einsatz von Holz als nachwachsendes Material der Primärkonstruktion, eröffnen. Die Dachbegründung und Nutzung der Dachflächen für flachgeneigte PV-Module stellen zusätzliche Maßnahmen im Rahmen des umfassenden Nachhaltigkeitskonzeptes des Entwurfes dar.