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  • DE-50678 Köln
  • 10/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-10124)

Kooperatives Planungsverfahren Landschaftspark Belvedere


  • 2. Preis


    Landschafts- / Umweltplaner
    RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn (DE), Hamburg (DE), Köln (DE), Mannheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    \"Landschaftspark Belvedere\"
    Ein Park der (zwei) Landschaften mit Rücksicht und Weitsicht

    Es sind drei Aspekte, die den Ansatz des Entwurfs charakterisieren und aus denen sich die Themen und Leitideen ableiten und begründen lassen.
    Die ersten zwei Aspekte generieren sich aus dem Titel des Freiraumes \"Landschaftspark Belvedere\". Was ist ein Landschaftspark, ein Park der Landschaft, was charakterisiert Landschaft, wie bewertet man den vorhandenen Landschaftsraum? Welche Kriterien sind zu fokussieren, damit in diesem Park der Landschaft der Besucher die Landschaft spürt. Der Entwurf hat als Ziel die Charaktere des Landschaftsraums zu thematisieren und sichtbar zu machen.
    Belvedere – Schöne Aussicht – ein Park mit \"Guter Sicht\". Die Visualität des Raums, die visuelle Wahrnehmung des Individuums im Raum sind Leitbild bei der Strukturierung und Wegesetzung im Park und Themeninhalt bei neuen Setzungen in der Landschaft.

    Der dritte Aspekt ist die Dualität. Die Dualität der Nutzungen - Agrarnutzung und Erholungsnutzung. Die Dualität der Ansprüche - Vollendung des Äußeren Grüngürtels und der Erhalt der Kulturlandschaft. Die Dualität der Fläche - Ost- und Westhälfte im Hinblick auf Diversität der historischen Intensität, der Offenheit und Dichte der Fläche im Hinblick auf Gehölzstruktur, der Agrarnutzungsintensität, der Intensität der markanten Orte und Potenziale, der Erreichbarkeit bzw. Anbindung. Die Dualität von \"Intra et extra murus\" – Innerhalb und außerhalb des Befestigungsringes.
    Aus dieser Analyse der Dualität der Fläche generiert sich die Leitidee des Parks der zwei Landschaften. Der Übergangsbereich dieser zwei Teilräume lässt den historischen Festungsring sichtbar werden. Diese Linie ist keine Trennung, sondern eine Membran, die beide Funktionen Erholungsnutzung und Agrarnutzung jenseits und diesseits zulässt. Sie setzt nur die Gewichtung der Intensitäten. Der Entwurf sieht bei diesem intensiven Nutzungsdruck durch die angrenzenden dicht besiedelten Siedlungsräume die Parität der Agrarnutzung und der Erholungsnutzung nur in der räumlichen Verteilung ihrer Gewichtungen gewährt.
    Die Lage der Parkmembran basiert auf den Konstruktions- und Sichtlinien der Festungsbauwerke. So zieht der südliche Winkel des Fort VI eine Linie, auf der sich die Infanteriestützpunkte aufreihen, das Zwischenwerk VIb bei Gut Vogelsang die Basis bildet und für das Zwischenwerk Va an der städtischen Waldschule den rechten Winkel der Konstruktionsachse. Diese Linie ist heute als Grenze zum WDR-Gelände, als Waldkante am Rather Weg und im Verlauf der Belvederestraße im Bereich Gut Vogelsang sowie Gregor-Mendel-Ring noch zu erkennen. Der Entwurf stärkt diese Linie im Bereich der Belvederestraße durch Neuanpflanzung eines Gehölzblocks. Ergänzt wird die Parkmembran auch im Bereich des Zwischenwerks am Carl-von-Linné-Weg. Diese Maßnahmen stärken die räumliche Erlebbarkeit des historischen Areals gravierend und reduzieren die landwirtschaftlichen Flächen marginal um ca. 1,5 ha.
    Auch wäre eine direkte Verbindung zwischen dem Haupteingang Fort IV und dem Zwischenwerk an der Waldschule als Parallele zur Membranlinie setzbar, diese würde aber zu viele integrierte landwirtschaftliche Flächen zerschneiden. Diese Bezugs- und Konstruktionslinien bilden nicht nur historisierende Bezüge zu den einzelnen Befestigungsbauwerken, sondern sie waren ebenso Konstruktionsgrundlage bei den Grünanlagen des Äußeren Grüngürtels wie auch angrenzende zivile Baustrukturen des Kölner Stadtgebietes sich auf diese beziehen. So bildet z.B. die Mittelachse des Fort IV die Konstruktionsachse des Jüdischen Friedhofs an der Venloer Straße.
    Neben dieser Stärkung der Wahrnehmbarkeit dieser Befestigungslinie als Parkmembran werden die Relikte der Befestigungsbauwerke erlebbar in das neue Wegesystem integriert.

    Neue Zugänge
    Die Anbindung des Landschaftsparks Belvedere an den Äußeren Grüngürtel im Süden und Norden und auch zum Siedlungsgebiet jenseits der Militärringstraße ist zu intensivieren und augrund der Verkehrsinfrastruktur nur über Fußgängerbrücken sinnvoll zu lösen. Im Süden sieht das Konzept eine neue Fußgängerbrücke als Fortführung des Grüngürtels über die Bahntrasse Köln – Aachen vor. Sie bindet den Baumschulpark und den Park Haus Belvedere an. Neben der Integration der geplanten Brücke vom Tritop-Areal wird eine neue Brückenkombination im Osten im Bereich des Vogelsanger Grünzugs (Bereich Goldammerweg) positioniert. Im Norden wird Bocklemünd im Bereich der Nattermannallee an den Landschaftspark angeschlossen. Die Anbindung nach Westen an die Stadtteile Lövenich und Widdersdorf sowie an den \"Dritten Grüngürtel\" ist durch die bestehenden Über- und Unterführungen gewährleistet. Das Konzept sieht durch die Verlagerung des Rath Mengenicher Weges eine zweite autofreie Unterführung vor. Neben der Funktionalität dieser Anbindung sieht das Konzept im Westen auf der Widdersdorfer Seite – in den Golfplatz integriert – zusätzliche Freiraumakzente, neue Belvedere-Terrassen auf der neuen Topographie des Lärmschutzwalles vor. Sie akzentuieren die Übergänge und nutzen die Weitsicht des Ortes.

    Verkehrskonzept
    Die Verkehrstraßen im Landschaftspark bleiben vom Entwurf unberührt. Der ruhende Verkehr wird dezentral an den Rändern das Landschaftsparks schwerpunktmäßig an beiden Enden des Gregor-Mendel-Ringes, entlang der Militärringstraße und am Freimersdorfer Weg verortet.
    Die Dualität des Parks spiegelt sich auch in der Ausprägung der Wege wider. Im Parkteil mit intensiver Agrarnutzung bleibt der Feldweg als landwirtschaftlicher Funktionsweg grundsätzlich erhalten. Die Landwirtschaft hat Vorrang. Eine Ausnahme bildet der parallele Weg zum Gregor-Mendel-Ring. Im Parkteil mit intensiver Erholungsnutzung werden die neuen Wege als einfache wassergebundene Splittwege ausgebildet. Die Landwirtschaft kann ihre Flächen über die Belvederestraße oder den Vogelsanger Weg erreichen. Zusätzlich werden ergänzende Reitwege parallel zu den Parkwegen als Sandwege angelegt. Sonderwege für Radfahrer, Skater oder andere Nutzer werden nicht angelegt. Die Zweiteilung der Intensitäten löst das Problem der Nutzungskonflikte in weiten Teilen.

    Gestaltungsaspekte und Themensetzungen im landwirtschaftlichen Parkteil (Belfrutta)
    Der landwirtschaftliche Parkteil wird nur extensiv akzentuiert. Langfristig wird die Verlagerung der Ackerrandstreifen als stringente Betonung der linearen Ost-West-Wegeverbindungen gesehen. Nur der Jakobspilgerweg er- bzw. behält seine Feldgehölzstreifen als solitäre Markierung dieser Trasse. Ansonsten bleibt der Eindruck der offenen Landschaft im Kontrast zum intensiveren Parkteil erhalten. Die landwirtschaftlichen Wege könnten in einem neuen grafischen Prinzip verortet werden. Zurückhaltende Aufenthaltspunkte, Bankstandorte werden an Kreuzungspunkten verortet. Diese erhalten punktuell, insbesondere auf den Routen zum Regio Grün-Korridor \"Neue Energien\" pflanzliche Rahmensetzungen mit nachwachsenden Rohstoffen wie z.B: Miscanthus, Raps und Hanf. Der Weg zu \"Neuen Energien\" wird hierdurch unter dem Motto \"Prima Klima\" auch für die Agrarnutzung thematisiert. Eine besondere Verortung erhält die Station der Camera obscura in diesem Bereich mit einem introvertierten 360° Panoramablick. Der neue Rand zur A 1 wird durch Gehölzpflanzungen abgeschirmt. Weithin sichtbare Schneisen, unterstützt durch die Ackerrandstreifen signalisieren die Übergänge nach Westen.

    Gestaltungsaspekt und Themensetzungen im intensiven Parkteil (Belparco)
    Dieser Parkteil erhält drei Hauptorte als Schwerpunktsetzungen innerhalb des Festungskorridors. Belfigura, die Sportnutzung als thematisch vorhandener Akzent im ehemaligen Fort VI und ergänzt um einen Fitnessparcour im angrenzenden südlichen Bereich. Zusätzlich erhält der Parkteil ausgewiesene Rundstrecken für Läufer in den Dimensionen 5 und 10 Kilometer. Der zweite Schwerpunktbereich ist das Gut Vogelsang und das Zwischenwerk VIb. Hier sieht der Entwurf die Verlagerung des Schaugartens des Max-Planck-Instituts vor. Die nördlich angrenzende Fläche nimmt das Thema der Villa Rusticana auf und thematisiert die römische Agrarnutzung. Belcultura im Kontext von Wissenschaft und Pflanzenzucht hat hier ihren Ausgangspunkt zu den Routen der Festungsorte und der Anbindung des Hauses Belvedere. Der dritte thematische Lupenraum schärft die vorhandenen Potenziale des Hauses Belvedere mit seinem angrenzenden Gartenbereich, dem westlichen Bereich der Freiluga und dem Reiz der ehemaligen Städtischen Baumschule. Das Haus Belvedere, der Namensgeber des Landschaftsparks, erhält eine neu gestaltete Platzfläche. Die Bereiche der Baumschule und der Freiluga werden temporär, ähnlich dem Forstbotanischen Garten in Rodenkirchen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Themen Spielen, Lernen und Gärtnern werden neu inspiriert.
    Neben diesen Schwerpunktbereichen, welche sukzessive entwickelt werden, ist das Akzentuieren der beiden anderen Festungsbauwerke und die Verortung kleinerer Aufenthaltspunkte die einzige Intervention in diesem Parkraum. Auch wenn von einem intensiven Parkteil gesprochen wird, ist das Prinzip des bestehenden Grüngürtels, über lange Bereiche nur Landschaft zu erleben, auch hier Grundprinzip. Die landwirtschaftliche Nutzung der innen liegenden Flächen bleibt erhalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.