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  • 2. Rundgang


    Architekten
    WW+ architektur + management, Esch-sur-Alzette - Luxembourg (LU), Trier (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext


    Der Leitfaden
    Grundidee des Entwurfes ist es, das Areal des ehemaligen Konzentrationslagers Hinzert zu drei Bereichen mit jeweils eigener semantischer Bedeutung zu entwickeln.

    das neue Dokumentationszentrum – ein Ort des Informierens
    der Ehrenfriedhof – ein Ort des Gedenkens
    das ehemalige Häftlingslager – ein Ort des Erahnens

    Verbindendes Element aller Bereiche ist der zentrale Anger.
    Er ist der Eingangsbereich der Gedenkstätte und empfängt den Besucher.
    Als neutraler Raum liegt er zwischen den ehemaligen Lagerteilen und vermittelt zwischen den unterschiedlichen Orten.
    Vom Anger aus werden die drei Einrichtungen je durch ein symbolisches Stahltor erschlossen


    Die Umsetzung
    Das neue Dokumentationszentrum – ein Ort des Informierens
    Das Dokumentationszentrum ist ein schlichter, langer Baukörper, der sich durch seinen minimalistischen Anspruch dem eigentlichen Thema unterordnet.
    Im wesentlichen beschränkt sich die Gestaltung auf die Verwendung von drei
    Materialien:
    · Dunkler Beton mit einem Quarzitzuschlag, der die Aussen- und Innenhaut des Gebäudes bildet
    · Rahmenlos eingesetztes Glas, dass in zurückhaltender Weise sowohl die notwendigen Aus- und Durchblicke gewährleistet als auch die natürliche Belichtung sicher stellt.
    · Grobblech mit Walzhaut, das als Beplankung auf Holzunterkonstruktion die Nebennutzungen wie Büro, Toiletten, Garderobenschränke etc. als klare untergeordnete Einbauten markiert.

    Der monolithische Kubus – der Topographie entsprechend teilweise eingegraben – wird zum perspektivischen Schlußpunkt des Angers.
    Der Belag aus wassergebundener Decke erlaubt das Begehen des gesamten Raumes um das Gebäude. Baumgruppen mit Bänken schaffen Orte in der Fläche. Die Ausstellung kann sich aus dem Baukörper heraus auf den Platz entwickeln.

    Die einzige Blickbeziehung aus dem Ausstellungsraum heraus wendet sich dem Gelände des ehemaligen Häftlingslagers zu, der Anger wird dabei ausgeblendet. Aus dem Seminarraum entsteht eine Blickbeziehung zu den Denkmälern des Ehrenfriedhofs.

    Dem Besucher eröffnen sich beim Betreten des Kubus zwei wesentliche Zonen des Ausstellungshauses. Zum einen der Blick in die Ausstellung durch eine zweiflüglige gläserne Tür – zum anderen der Blick auf die mit Grobstahl beschlagene Eingangstür zum Seminarsaal. Der kleine notwendige Durchlass in der Themenwand des Entrées hin zu den Nebennutzungen spielt nur eine untergeordnete Rolle .

    Der Ehrenfriedhof – ein Ort des Gedenkens
    Die bestehende Anlage des Ehrenfriedhofs, die seit Jahrzehnten existiert, stellt die Menschen ins Zentrum. Sie dient den Opfern des Lagers als letzte Ruhestätte und wird durch die Kapelle, den Gedenkstein, das Hinzerter Kreuz sowie das Wercollierdenkmal geprägt . Der Ehrenfriedhof kristallisiert sich als ein Ort heraus, dem mit grosser Ruhe und Würde begegnet werden sollte.
    Er wird von einer Hecke gefasst und ist mit weiten Rasenflächen, Baumgruppen und der Waldkulisse im Hintergrund ein geschützter Ort des Gedenkens. Die Wegeführung wird auf die zentralen Verbindungen reduziert. Die bisher integrierten Informationstafeln können entfernt werden, da die Information nun im neuen Ausstellungsgebäude Platz findet.

    Das ehemalige Häftlingslager – ein Ort des Erahnens
    Das ehemalige Lagergelände – derzeit eine idyllische Wiesenfläche - bietet keine historischen Fakten mehr, um die Dimension des Schreckens dieses Ortes zu erahnen. Mit Hilfe von Kubaturen aus Stein soll dem Besucher ein schemenhaftes Bild gezeichnet werden.
    Quader aus Quarzitgestein in der idyllischen Wiese – aus den Steinbrüchen der Region gewonnen und in engem Bezug zur Lagergeschichte - werden zur zeitüberdauernden Spur des Lagers. Gemähte Rasenpfade führen durch die Quader, und lassen den Betrachter die Vergangenheit erahnen. Durch ihre Unbestimmtheit, lassen sie Raum für Interpretation, für Nachdenklichkeit. Pfosten entlang der Lagergrenze zeigen dem Betrachter die Einblicke und Ausblicke der Vergangenheit. Im Inneren einiger Steinquader ist Raum für Inschriften und schemenhafte Zeugnisse der Vergangenheit.
    Die Gestaltung und Nutzung dieses Areals kann als langfristige Vision verfolgt und nach und nach realisiert werden. Hier bieten sich Möglichkeiten der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Ort und der Historie.

    Materialien - Technik - Energiekonzept

    Material
    Die wesentlichen Materialien sind bereits in den Erläuterungen zum Dokumentationszentrum beschrieben:
    Dunkler Beton mit Quarzit aus der Umgebung als Zuschlag als Aussen- und Innenhaut. Der notwendige Wärmeschutz wird durch eine Kerndämmung erreicht.
    Die Decken werden augenscheinlich fugenlos hergestellt.
    Der Fussboden wird ebenfalls aus großformatigen Quarzidbetonplatten auf den Stelzen eines Doppelbodens bzw. Hohlraumbodens aufliegen.
    Als Auflage auf dem Dach sind ebenfalls dünne Fertigbetonplatten mit großem Raster geplant. So soll der Eindruck des Daches als fünfte Fassade verstärkt werden.

    Technik
    Die Beheizung des Gebäudes soll über eine Betonkernaktivierung der Decke erfolgen. Somit bleiben die Wände komplett frei für Exponate. Geregelt wird das System über eine Wärmepumpe mit flächigem Wärmetausch. Im Sommer kann die Anlage in geringem Umfang zu einer Kühlung der Räume beitragen.
    Die Elektroversorgung findet im Hohlboden Platz. Steckdosen und Schalter werden jeweils in den Einbauten und Trennwänden der jeweiligen Räume untergebracht. Im notwendigen Umfang können unauffällige Boxen im Boden zusätzlich für die Versorgung vorgesehen werden.
    Die Beleuchtung ist – mit Ausnahme der Nebennutzflächen – ausschließlich in die Decke integriert. Die Decke in der Ausstellung, dem Seminarraum und den Fluren sollte frei von aufbauenden oder ausladenden Bauteilen sein. Es soll blendfreies, lenkbares Licht zur Verfügung stehen. Verschiedene Exponate können in Wandnischen mit Hinterleuchtung dargestellt werden.
    Die Lüftung soll vorrangig in Form einer Unterflurlösung gewährleistet werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.