loading
  • 5. Preis

    Perspektive

    Landschaftsarchitekten
    terra.nova Landschaftsarchitektur, München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Modellbau: Egger Modellbau, München

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main (DE), München (DE), Berlin (DE), Braunschweig (DE), Beijing (CN)

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Der Baukörper des Zentralfinanzamtes bildet den ersten von vier präzise auf dem Gelände positionierten Stadtbausteinen, die zum einen auf die im städtebaulichen Kontext der Umgebung durchgängige Blockrandbebauung eingehen, zum anderen eine campusartige Struktur mit Plätzen und Grünräumen entstehen lassen. An der Arnulf- und Deroystraße definieren 6-geschossige Gebäude mit einer Wandhöhe von 19 m den Straßenraum. Die höheren, 8-geschossigen Baukörper an der Ecke Arnulf- Deroystraße und das Zentralfinanzamt sind vom Straßenraum abgerückt, erweitern den Stadtraum, schaffen Plätze und führen in das Gelände.

    Alle übergeordneten Wegebeziehungen verlaufen über die Mitte des Quartiers und bilden hier einen belebten Platz mit Bezug auf den westlichen Grünraum. Ebenso sind die Haupteingänge der Gebäude zur einfachen Orientierung vom Platz aus zugänglich. Bereits mit dem 1. Bauabschnitt des Zentralfinanzamtes entsteht zusammen mit dem bestehenden Servicegebäude ein identitätsstiftender Ort mit hoher Aufenthaltsqualität.

    Das Entree in das Quartier bildet der Vorplatz an der Arnulfstraße. Von hier aus gelangen die Besucher auf kürzestem Wege in das künftige Servicezentrum im Erdgeschoss des 26m hohen Eckgebäudes. In den oberen Geschossen sowie in dem Gebäudekomplex entlang der Arnulfstraße befindet sich das neue Steuerzentrum München. Das Bayerische Landesamt für Steuern erhält als eigenständige Behörde eine eigene Adresse im nördlichen Bereich der Deroystraße. Gleichzeitig bildet es mit der Kantine und dem Veranstaltungssaal einen wichtigen Baustein auf dem Gelände.

    Die Anordnung der neuen Baukörper ermöglicht eine schrittweise Neustrukturierung des Areals in mehreren Bauphasen unter Berücksichtigung der bestehenden Bebauung auf dem Gelände. Bei einer Entwicklung von 15 Jahren entstehen dadurch keine unbefriedigenden Übergangslösungen. Der Behördenkindergarten und die Freispielfläche befinden sich in der westlichen Grünfläche und schaffen dadurch einen kindgerechten Maßstab. Der übergeordnete Grüngürtel entlang der Marsstraße bildet nach wie vor den westlichen und nördlichen Abschluss des Geländes als Puffer zur stark befahrenen Marsstraße.


    Erschließung Gebäude

    Die klare Organisation setzt sich auch in der Erschließung der Gebäude fort. Alle Eingänge sind über Höfe vom zentralen Platz aus erschlossen. Über repräsentative, lichtdurchflutete Atrien erreicht man die inneren Magistralen an denen sich die einzelnen Büroeinheiten und unterschiedliche Themenhöfe angliedern. Die Magistralen selbst bilden mit Lufträumen, offenen Treppen und transparenten Besprechungsbereichen die Mitte der Gebäude und schaffen über die Höfe eine Vernetzung mit den umliegenden Grün- und Stadträumen. Die Zufahrten für Tiefgaragen und Anlieferung befinden an der Deroystraße. Die zentrale 2-geschossige Tiefgarage bleibt erhalten und wird mit dem 1. Bauabschnitt um die geforderten Stellplätze erweitert. Das Bayerische Landesamt für Steuern und das Servicezentrum erhalten eigene Tiefgaragen, die ebenfalls von der Deroystraße erschlossen sind. Im südlichen Bereich der Deroystraße sind 27 normale und 5 behindertengerechte oberirdische Stellplätze vorgesehen. Im Norden der Deroystraße befindet sich eine Vorfahrt mit Bezug auf den zentralen Campus.


    Organisation

    Alle Büroeinheiten sind über die zentralen Magistralen erschlossen und leicht auffindbar. Durch die einheitliche Orientierung der Büroriegel in Ost-West-Richtung erhalten alle Raumeinheiten die gleiche Wertigkeit. Innerhalb der einzelnen Riegel sind die Büroeinheiten flexibel und je nach Bedarf organisierbar. Durch die Ost-West Orientierung der Büroräume liegen keine Büros direkt an den stark befahrenen Strassen, so dass eine natürlich Fensterlüftung aufgrund reduzierter Lärmemissionen möglich ist. Die Büroeinheiten sind in Nutzungseinheiten kleiner als 400qm aufgeteilt, so dass keine Brandschutzanforderung an die Flurwände entstehen und die Einteilung flexibel gestaltet werden kann. Das Ausbauraster der Büroeinheiten beträgt 1,25m. Die Büros haben eine Raumtiefe von 4,95m. Dadurch sind die Büroräume ideal auf die gewünschten Größen einteilbar.


    Konstruktion

    Die Gebäude werden in Stahlbetonskelettbauweise mit innenliegenden Stützen in einem Raster von 7,50 m sowie Stahbetonflachdecken auf einem 1 bis 2-geschossigen Tiefgaragenkasten errichtet. Das gesamte Bauwerk kann jeweils fugenfrei konstruiert werden. Die Decken sind als punkt- und liniengelagerte Flachdecken konzipiert. Die Stützstruktur der Obergeschosse kann in den Untergeschossen fortgesetzt werden.

    Die Horizontallasten wie Windkräfte werden über die Deckenscheiben in die Stahlbetonwände der Erschließungskerne abgetragen. Die aussteifenden Bauteile werden in die Deckenscheiben und die Bodenplatte der Untergeschosse eingespannt. Die weitere Abtragung der Horizontalkräfte in den Untergrund erfolgt über die Umfassungswände der Tiefgarage.


    Fassaden/ Ausbau

    Die Gebäudekomplexe werden mit einer 2-geschossigen gegliederten Fassadenstruktur zu Stadtbausteinen zusammen gefasst. Der von der Ferne zunächst etwas geschlossen wirkende Eindruck löst sich bei Annäherung immer mehr auf und gibt schließlich die innere Struktur der Gebäude mit Einblicken in die Innenhöfe frei. Die Eingänge werden durch entsprechende Öffnungen in der Fassadenstruktur klar definiert.

    Die Bürofassaden erhalten eine vorgehängte Pfosten-Riegel-Fassade aus Aluminium mit einem Raster von 1,25m, die eine flexible Bürotrennwandstellung ermöglicht. Der aussenliegende Sonnenschutz mit individuell verstellbaren Aluminiumlamellen- Raffstores wird im oberen Drittel mit integrierter Lichtlenkung ausgestattet. Die Gebäudetiefen einschließlich der Fassaden betragen durchwegs 13m. In jeder Ausbauachse ist ein Öffnungsflügel für die natürliche Be- und Entlüftung vorgesehen. Die Trennwände der Büroräume werden in Trockenbau ausgeführt. Die lichten Raumhöhen betragen 2,75. Die Sondernutzungen wie Versteigerungshalle, Veranstaltungssaal und Kantine sind in den Höfen situiert und damit in der Raumhöhe flexibel. Im Flurbereich ist eine Doppelbodentrasse angedacht, in den Bürobereichen ein Hohlraumboden. Auf abgehängte Decken kann in den Regelgeschossen verzichtet werden.


    Energiekonzept

    Zur Wärme- und Kälteerzeugung wird oberflächennahe Geothermie mit erdgekoppelten elektrischen Wärmepumpen eingesetzt. Das Erdreich dient über Grundwasserbrunnen als Wärmequelle für die Wärmepumpen. Bei Vorlauftemperaturen von 27°C (gleitend) und einer Grundwassertemperatur von ca. 12°C ergeben sich so für die Wärmepumpe höchste Wirkungsgrade und ein entsprechend niedriger Energieverbrauch.

    Kühlung, sei sie direkt oder wärmepumpenunterstützt, verbessert die Wirtschaftlichkeit erdgekoppelter Wärmepumpen deutlich. Grundwasser wird für beide Aufgaben (Heizen und Kühlen) verwendet. Weitere Wärmeverbraucher werden mit Fernwärme versorgt. Über Betonkerntemperierung mit sehr niedrigen Vor- und Rücklauftemperaturen wird die Grundlast im Heiz- und Kühlfall abgedeckt. Zur flexiblen Reaktion auf Laständerungen werden in den Büroräumen in jeder 2. Achse Heizkörper im fassadennahen Bereich vorgesehen, die individuell raumweise geregelt werden können. Zur natürlichen Be- und Entlüftung dienen Öffnungsflügel in der Fassade.

    In den größeren Raumeinheiten wie Versteigerungshalle, Veranstaltungssaal und Kantine wird eine Be- und Entlüftungsanlage mit Heiz- und Kühlfunktion, für den notwendigen hygienischen Luftwechsel sorgen. Die Tiefgaragenentlüftung wird über Jet-Ventilatoren realisiert, die gleichzeitig zur Entrauchung eingesetzt werden. Zusätzlich sorgt die kompakte Bauweise der Baukörper für einen günstigen Gesamtenergieverbrauch.


    Freiraumgestaltung

    Der Freiraum unterstreicht die klare städtebauliche Figur und ermöglicht den Besuchern leichte Orientierung. Aufgelockerte, rosa blühende Baumreihen aus Magnolien begleiten die 6-Geschossigen Gebäude. Den 8-Geschossigen Gebäuden sind Wasserelemente zugeordnet die das Mikroklima verbessern. Der Vorplatz zur Arnulfstraße wird zudem gerahmt von dem alten malerischen Baumbestand an der Deroystraße. Ein dem Gebäude vorgelagerter Bereich mit Fontänen markiert den besonderen Ort im Stadtraum und schafft Orientierung zum und in das Areal. Der Campus ist geprägt von einem offenem und klar strukturierten Charakter.
    Für das Fußwegesystem und den Campusbereich wird ein Belag, bestehend aus 50, 100 und 150 cm breiten Bohlen aus Beton mit 2 cm Fugen vorgeschlagen. Überlagert wird das quartiersinterne Wegenetz im Bereich des Platzraumes von kleinen, lichten Baumhainen. Diese vermitteln zwischen Fußwegen und Platzraum und gliedern die Platzfläche. Dem Gebäude des Zentralfinanzamtes ist ein niveaugleiches, repräsentatives Wasserbecken vorgelagert, das auch als Retentionsbecken dient.


    Vernetzung

    Die Durchwegbarkeit des Areals in Nord-Süd sowie in Ost-West Richtung wird großzügig und übersichtlich ausformuliert. Eine Wiese, Baumhaine, ein Wasserbecken und Bänke laden zum Verweilen ein. Über eine neue Wegeführung entlang des Grüngürtels werden die Grünflächen in diesem Bereich an das gesamte Areal angebunden.
    Die Fahrradstellplätze werden im 1. BA südlich der Kantine angeordnet und werden über die Deroystraße erreicht. In den nachfolgenden Bauabschnitten erscheint die Anordnung westlich des neuen Servicezentrums in direkter Erreichbarkeit über die Arnulfstraße sinnvoll. Entlang der Deroystraße wird eine separate Spur für den Fahrradverkehr vorgeschlagen.
    Der Fußläufige Verkehr ist im Bereich der Kreuzung Mars-/Maillingerstraße über eine Lichtzeichenanlage geregelt.


    Ökologie

    Der Grüngürtel bleibt in der Gesamtheit erhalten und sollte zukünftig als Biotop ausgewiesen werden. Integriert in diese gewachsene Grünstruktur ist die Freifläche der Kindertagesstätte. Über begrünte Innenhöfe mit verschiedenen Gartenthemen erfolgt die Vernetzung mit den bestehenden Freiraumqualitäten. Die Dachflächen der Gebäude und der überbauten Höfe, wie Kantine, Versteigerungshalle und Servicezentrum, sind extensiv begrünt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das städtebauliche Gesamtkonzept sieht im Westen, zur Marsstraße hin einen knapp bemessenen, aber gut zusammenhängenden Grünraum vor, der in einer Zentralen und urban geprägten öffentlichen Erschließung eine Fortsetzung Richtung Osten erhält. So ist auch die freiräumliche Verknüpfung über großzügige öffentliche Flächen im Quartier-gewährleistet. Hier erscheint der Grad der Versiegelung relativ hoch.

    Im ersten Bauabschnitt erhält das mittig angeordnete Gebäude einen repräsentativen Vorplatz, der in der Ausbauphase zur Deroystraße hin seine Ergänzung erhält. An der Arnulfstraße entsteht ein weiterer kleiner Platz.

    Das Grundstück ist mit einem Wegenetze in Ost-West und Nord-Süd-Richtung durchgängig erschlossen. Die Wege münden in einem städtischen Campus, um den die vier Baukörper gruppiert und zugänglich sind. Das Servicecenter ist über einen kleinen Platz an der Arnulfstraße gut zu erreichen.

    Die Erschließung der drei Tiefgaragen erfolgt von der Deroystraße aus. Die bestehende Tiefgarage wird beibehalten und erweitert. Die Zufahrt zu den beiden nördliche Tiefgaragen erfolgt über die öffentliche Grünfläche.

    Im ersten Bauabschnitt wird das Zentralfinanzamt neben dem vorhandenen Gebäudebestand errichtet und über das bestehende Servicecenter und einen kleinen Platz in der Mitte des Grundstücks erschlossen. Der erste Bauabschnitt bildet mit dem vorhandenen Bestand eine akzeptable Übergangslösung.

    Die Baukörper sind in ihrer Ausdehnung wohl proportioniert und in ihrer Lage zueinander gut angeordnet. Sie haben großzügige Innenhöfe, die mit einem Fassadengerüst geschlossen sind, dessen Ausführung nicht näher beschrieben ist. Die sechs- und achtgeschossigen Baukörper sind in der Fassade durch die optische Zusammenfassung von jeweils zwei Geschossen angenehm gegliedert. Die innere Erschließung ist klar und übersichtlich.

    Der Kindergarten ist in einem eigenen Gebäude im Westen der Grünfläche untergebracht und über das Wegenetz gut erreichbar. Eine Zufahrt ist nicht vorgesehen. Es ist nicht erkennbar, wie die Freifläche des Kindergartens von der allgemeinen Grünfläche getrennt ist.

    Die Kennzahlen weisen den Entwurf als wirtschaftlich aus. Insgesamt liegen die Werte im Durchschnitt der eingereichten Arbeiten.

    Der Verglasungsanteil ist als durchschnittlich zu bewerten. Die opake Brüstungsverglasung mit unvermeidlich hohem W ärmedurchgang führt in Verbindung mit den davor montierten Heizkörpern zu unnötig hohen Heizlasten und ist als problematisch einzustufen.