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  • DE-21107 Hamburg
  • 04/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-10336)

"Weltquartier" Wilhelmsburg


  • 1. Preis

    lageplan

    Landschaftsarchitekten
    ANDRESEN LANDSCHAFTSARCHITEKTEN, Lübeck (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: kfs Architekten BDA Feyerabend Sippel Partnerschaft, Lübeck (DE)

    Erläuterungstext
    AUSGANGSSITUATION
    Das Weltquartier weist hohe Qualitäten und Potentiale auf. Klare und einfache Baukörper, sensibel in den Straßenraum gesetzt, ordnen sich um einen zentralen inneren Grünzug und entlang des öffentlichen Parks.

    Das Quartier hat eine hohe Bewohnerzufriedenheit, die soziale Struktur und Nachbarschaft soll durch die Maßnahmen gestärkt werden und die Identifikation der Bewohner mit dem Quartier erhalten bleiben.

    Ziel ist der Erhalt und die Stärkung der vorhandenen Qualitäten. Städtebauliche Defizite in Teilbereichen werden behoben und der bauliche Zustand modernisiert ohne die Identität des Quartiers aufzugeben.

    STÄDTEBAU
    Wilhelmsburg ist im Bereich zwischen dem Veringskanal und der Georg-Wilhelm-Straße durch Nord-Süd verlaufende städtebauliche Zonen geprägt.
    Am Kanal zieht sich ein Gewerbeband entlang, das durch die anschließende Wohnbebauung als geschlossener Rand von der Veringstraße abgegrenzt wird.
    Zwischen der Veringstraße und der Weimarer Straße befinden sich mehr oder weniger geschlossene Blöcke, die sich im Weltquartier in eine Zeilenstruktur auflösen.
    Die östliche Weimarer Straße bildet mit Zeilenbebauungen einen Rand zum anschließenden Grünbereich, der mit Solitärbauten durchsetzt ist.

    Ziel der städtebaulichen Interventionen ist eine Stärkung und Reparatur dieser vorgefundenen Struktur.

    FREIANLAGEN
    Die geschlossene städtebauliche Struktur erzeugt einen zentralen Hofinnenbereich, der als zusammenhängender Raum gestaltet wird. Garteninseln bewegen sich, wie Strandgut kommen sie an den unterschiedlichsten Stellen zu liegen. Diese Inseln können je nach Herkunft und Kulturzugehörigkeit der jeweiligen Nutzer unterschiedlichste Gartenthemen aufweisen. Jede erzählt ihre eigene Geschichte. Den Gartenhof zwischen Vering- und Weimarer Straße durchzieht zusätzlich ein fließender Mäander. Er weitet sich je nach Bedarf und Fließgeschwindigkeit aus. Auch hier stranden einige Garteninseln, als Spielplätze oder Aufenthaltsbereiche im Freien, die unter Umständen von Ruhebedürftigen aufgesucht werden.
    Kopfbauten als Neubauten im Norden und Süden schließen die kleine Oase räumlich ab, zeichnen die ursprüngliche städtebauliche Figur nach und präzisieren den räumlichen Umgriff. Querspangen verbinden das Quartier mit dem Grünzug im Osten und dem Veringkanal im Westen.

    Der Weimarer Platz erhält durch behutsame Zurücknahme der vorhandenen Bebauung im Westen eine völlig neue Orientierung im Quartier. Eine zusätzliche Querspange arbeitet seine Bedeutung als Quartierplatz heraus. Seine Proportionen werden behutsam auf das angemessene Maß angepasst. Er wird kein Stadtplatz, sondern soll mehr, einer guten Stube gleich, selbstverständlicher Lebensmittelpunkt im Quartier werden. Ein neues Stadtmöbel bietet vielfältigsten Betätigungen Anreiz. Backgammon, Schach und andere Brettspiele, Information, Cafe und Austausch, Boule und Blumen, Sehen und Treffen, der Schnack um die Ecke oder das Palaver. Vieles wird möglich.

    Im Strassenraum wird die klare städtebauliche Struktur der langgezogenen Baukörper, die leicht versetzt zueinander einen abwechslungsreichen öffentlichen Straßenraum generieren, grundsätzlich erhalten. Die Gärten in den Hausvorfeldern überzeichnen durch Ihre zusätzlichen Versätze die räumliche Wirkung. Erschließungsfunktionen, aber auch das Leben und Reden, der Austausch über den Gartenzaun sind hier möglich.

    VERKEHR
    Durch zwei wesentliche Interventionen wird die Erschließung grundsätzlich geändert.
    Die Weimarer Straße wird von Norden zur Sackgasse, nur Feuerwehr und Müllfahrzeuge dürfen den Weimarer Platz durchfahren. Im Süden wird der Verkehr der Weimarer Straße im Kreis durch den neu gestalteten Welt-Gewerbe-Hof geführt.
    So entsteht ein verkehrsberuhigter Weimarer Platz, und ein offener Gewerbe-Hof.
    Ersatz- und Neustellplätze entstehen in der Weimarer Straße durch Senkrechtparker und Parkplätze im Gewerbe-Hof.


    KOPFBAU NEUHÖFER STRASSE
    Die bisherige Bebauung südlich der Neuhöfer Straße mit zwei senkrecht zur Straße liegenden Zeilenbauten öffnen zur Zeit die rückwärtige Grünfläche zur Straße. Die Grenzen zwischen öffentlichen und privaten Flächen verschwimmen, es entsteht eine deutliche Schallbelastung des Innenbereiches.

    Der Neubau schließt den Innenbereich u-förmig und erzeugt dabei eine klare Raumkante zur Neuhöfer Straße. In seiner Höhenentwicklung reagiert er auf die unterschiedlichen Bedingungen der einzelnen Situationen: Die Ecke Neuhöfer Straße - Veringstraße wird über ein Staffelgeschoss betont.
    Entlang der Veringstraße staffelt sich das Gebäude auf 3 Geschosse ab.
    Entlang der Neuhöfer Straße wird das Staffelgeschoss überwiegend weitergeführt, staffelt sich aber zur Einmündung Weimarer Straße hin auf 4 Geschosse ab.
    In der Weimarer Straße vermittelt eine Abstaffelung auf 3 Geschosse zu den vorhandenen Gebäuden.

    Entsprechend der öffentlichen Situation der Ecke Neuhöfer Straße - Veringstraße wird im Eckbereich für das Erdgeschoss eine kommerzielle Nutzung in Form von kleinen Läden vorgesehen.
    Die Fassadengestaltung nimmt hier mit einem Materialwechsel das in Wilhelmsburg vorgefundene Thema der hell gestalteten Ladenecken an den Blockrändern auf.

    Die Gestaltung weist das Gebäude deutlich als neues Element in dem Quartier aus, durch Analogien zu Gestaltungselementen der Sanierung wird aber eine Zusammengehörigkeit zu diesem Baukörper erzeugt.

    Das Gebäude stellt den \"Eingang\" zum Weltquartier dar und hat daher eine übergeordnete Bedeutung als Signet für das Quartier.
    Ein \"Fenster zum Weltquartier\" markiert deutlich den Auftakt und dient als Ausstellungsmöglichkeit für Themen des Quartiers, wie z.B. der zur Zeit an der gleichen Stelle befindlichen Fotoausstellung.
    Hinter dem Fenster befindet sich eine gewerbliche Nutzung wie ein Fitness-Studio oder dergleichen.


    WEIMARER PLATZ
    Der Weimarer Platz bildet das \"städtische\" Zentrum des Weltquartiers.
    Durch die Ausbildung von Sackgassen im nördlichen und südlichen Teil der Weimarer Straße wird der Platz verkehrsfrei gestaltet. Lediglich die Überfahrmöglichkeit für Ver- und Entsorgungsfahrzeuge wird erhalten, um den Platzbedarf für die Wendemöglichkeiten zu minimieren.

    Die geschlossene Südwestecke wird durch Teilabbruch des Gebäudes 73-79 geöffnet. Der fußläufige Verkehr in süd- westlicher Richtung aus dem öffentlichen Park wird über den Platz und weiter bis zur Veringstrasse geführt. Damit wird der Weimarer Platz zu einem zentralen Wegekreuz innerhalb des Quartiers.

    In den 3-4 geschossigen Platzraum wird ein bauchhohes Mauerelement eingefügt, um einen konzentrierten aktiven Nutzungsraum zu schaffen.
    Die südliche Platzkante wird durch die vorhandene Bebauung mit erdgeschossigen Läden gebildet.
    Die Mauer fungiert als \"Filter\" vor den Vorgärten und Balkonen der nördlichen Wohnbebauung. Es entstehen vielfältige öffentliche Nutzungsmöglichkeiten, wie z.B. Sitzgelegenheiten, Tische, Wandzeitung und Schachspiel.
    Zur Platzmitte hin geht die Mauer in einen Pavillon über, in dem sich z.B. ein Cafe mit Aussengastronomie für die weitere Belebung des Bereiches befindet.




    ZENTRALER BLOCK VERINGSTRASSE – WEIMARER STRASSE
    Die Bebauung zwischen Veringstraße und Weimarer Straße wird durch die u-förmige Schließung im Norden und ein Pendant dazu im Süden räumlich gefasst.
    In den Innenbereichen wird vor die Bestandsgebäude ein Wohnregal als Flächenerweiterung gestellt. Es nimmt unterschiedliche Funktionen auf und bildet eine neue thermische Schicht.

    Spannungsreich werden die äußeren und inneren Freiflächen gestaltet: Die auf die Straßenräume ausgerichteten Hausvorfelder werden bedarfsorientiert in variablen Größen einzelnen Wohnungen oder der Hausgemeinschaft zugeordnet. Im Blockinneren schwingt ein zentraler Erschließungsweg als Rückgrat durch den Grünraum, an den Spiel- und Pflanzbereiche für die Quartiersgemeinschaft angelagert sind. Locker in die Rasenflächen gestreut und an die differenzierten Anbauten der Wohnungen angelehnt bieten „Garteninseln“ die Möglichkeit zu differenzierter Gartennutzung. Nutzgärten sind hier ebenso denkbar wie familiär oder gemeinschaftlich genutzte Sitzplätze. Die Anzahl dieser Gärten im Grünraum kann entsprechend der Nachfrage der Bewohner aufgestockt oder reduziert werden, ohne dass die Tragfähigkeit des Konzepts verloren geht.
    Querverbindungen in halböffentlicher Qualität durchziehen das Gebiet.
    Über die Öffnung der süd-westlichen Ecke des Weimarer Platzes erfolgt ein Anschluss an den aufgewerteten öffentlichen Platz und eine Verbindung zum Park.
    Am Südrand des Blocks wird mit der Schaffung einer weiteren kleinen Platzfläche ein Akzent in der Grünverbindung zwischen IBA und Brücke über den Veringkanal gesetzt.


    MODERNISIERUNG
    Ziel der Modernisierung ist, die vorhandenen Qualitäten zu erhalten und die Mängel zu beheben.
    Prägend für die Erscheinung der Gebäude und des Quartiers sind die Backsteinfassaden. Sie erzeugen einen haptischen, angenehmen Eindruck und machen das Quartier unverwechselbar.
    Bei der Modernisierung soll dieser Eindruck erhalten bleiben.
    Straßenseitig wird die Backsteinfassade erhalten und durch neue vorgestellte Eingänge sowie kubische Dachaufbauten ergänzt. Die energetische Sanierung wird durch eine zusätzliche mineralische Innendämmung mit harter Silikatplattendeckschicht gewährleistet.
    So bleibt das Quartier von außen eindeutig als zusammenhängendes historisches Ensemble erkennbar.

    In den Innenbereichen wird der vorhandenen Außenwand eine zweite thermische und räumliche Schicht vorgestellt.
    Dieses „Wohnregal“ stellt sich mit einem Stahlblock auf die vorhandene Konstruktion, und ist an der Kellerdecke rückverankert. Es wirkt als Pufferzone und kann Zimmererweiterungen, Abstellräume und Wintergärten aufnehmen. Es ist vollflächig verglast und lässt so die dahinter liegenden Bestands-Außenwände weiter erkennbar.
    Für die Nutzer ist diese Wohnraumerweiterung zu unterschiedlichen Jahreszeiten vielfältig nutzbar. Das Gebäude erhält ein \"Gesicht\" zum Garten. Durch die unterschiedliche Nutzung wird die Fassade belebt. Ein differenzierter Übergang von öffentlich zu privat ermöglicht vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten.
    Die energetische Sanierung wird mit einer Kellerdeckendämmung, einer grundsätzlichen Überarbeitung des Daches, und neuer Haus- und Heiztechnik abgerundet.

    Die Wohnungen werden neu strukturiert. Sie erhalten größere Bäder und zum Teil separate WCs.
    Als Angebot kann in einem Teil der Wohnungen durch eine interne Tür der Bad-Schlaf-Bereich vom WC-Wohn-Bereich getrennt werden. So kann einem kulturell bedingten Wunsch nach separierten Männer-Frauen-Bereichen Rechnung getragen werden.
    Soweit durch die alte Struktur möglich, kann die Essküche über eine Schiebetür optional mit dem Wohnraum verbunden werden.


    ENERGIEKONZEPT
    Es wird davon ausgegangen, dass die Wärme-Energie-Versorgung für die Heizung und Brauchwassererwärmung über ein Nahwärmenetz erfolgt. Die Wärme wird im Energiebunker mittels Kraft-Wärme-Kopplung auf der Basis von nachwachsenden Rohstoffen und über eine Unterstützung mit Solarkollektoren erzeugt.

    MODERNISIERUNG
    Die energetische Sanierung erreicht mit verbesserten U-Werten der Bauteile ein Ergebnis zur ENEV von –30%.
    Mit konsequent außen liegender Wärmedämmebene wird eine hermetische Hülle erzeugt. Zur Strasse mittels eines Wärmedämmverbundsystems, zum Hofbereich über ein vorgestelltes gedämmtes Bauteil mit Holzrahmenbau-Fertigteil-Fassadenelementen.
    Das Dach wird bis zur Kehlbalkenlage gedämmt, die Kellerdeckendämmung und eine einbindende Sockeldämmung schließen den Dämmmantel. Die Fenster werden mit einer guten 2-fach Verglasung vorgesehen. Bei weiter relativ fallenden Preisen kommt auch eine 3-fach Verglasung in Betracht.
    Es wird eine konsequent luftdichte Abklebung aller Bauteile erreicht, die mit einem Blower-Door-Test geprüft wird.
    Eine kontrollierte Lüftungsanlage mit der Zentrale im Dach und Überströmöffnungen in den Fenstern stellt den notwendigen Luftwechsel her. Auf eine Wärmerückgewinnung wird auf Grund des engen Kostenrahmens verzichtet (Faktor 2).
    Die Leitungsverluste werden mittels sehr guter Dämmung reduziert. Wasser sparende Armaturen werden eingebaut.
    Kochgas statt Elektroherd stellt eine Einsparung mit Faktor 3 dar. Winddichte Elektrodosen und Kabeldurchführungen sorgen für ein gutes Blower-Door-Ergebnis, Netzfreischalter und abgeschirmte Kabel reduzieren die Magnetfeldbelastung der Bewohner.

    NEUBAU
    Kompakte Gebäude reduzieren Außenwandflächen und erzeugen einen guten Volumen-Flächen-Faktor.
    Der KfW 40 Standard wird durch eine verbesserte Wärmedämmung der einzelnen Bauteile erreicht.
    Alle bei der Modernisierung genannten Maßnahmen werden auch hier ergriffen.






    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.