loading
  • 1. Preis


    Projekt
    „So ein Affentheater ….“

    Landschaftsarchitekten
    plancontext gmbh landschaftsarchitektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Thorsten Zellmann Pia Custodis

    Erläuterungstext
    So ein Affentheater…

    „Hier sieht’s ja aus wie im Affenstall!!“ Jeder Jugendliche kennt diesen Spruch von seinen Eltern – und das hat seinen Grund. Im Alter zwischen 10 und 14 Jahren beginnen sich die Jugendlichen von ihren Eltern zu lösen und ihren eigenen Weg zu finden. Dazu gehört es auch ganz selbstverständlich die Ordnungsliebe der Eltern in Frage zu stellen, sich von der Welt der Erwachsenen zu distanzieren und mit seiner eigenen „Ordnung“ darauf zu reagieren. Daher gleichen Kinder- und Jugendzimmer manchmal eher einem „Affenstall“ …

    Auf dem Spielplatz haben die Kinder die Möglichkeit dieser geordneten Welt der Erwachsenen zu entfliehen. In drei unterschiedlichen Bereichen können sie sich sowohl austoben wie auch zurückziehen. Das Bild vom „Affenstall“ wird hier ironisch aufgegriffen und mit seinen typischen Elementen zum Klettern, Kraxeln, Schaukeln, Gaukeln, Abhängen und Herumfletzen spielerisch umgesetzt.

    In dem ruhigeren Bereich mit Hängematten und Tratsch-Pampelmuse werden sich erfahrungsgemäß vor allem Mädchen gerne zurückziehen. Von hier kann man auch prima die Jungs beobachten, die sich eher auf der Bolzwiese austoben oder auf den Kletterfelsen kraxeln. Der Bereich mit dem Klettergerüst spricht sicher beide Geschlechter gleichermaßen an.

    „Sitz gerade!!“
    Der Rückzugs- und Kommunikationsbereich besteht aus Hängematten und den Tratsch-Pampelmusen. So-wohl einzeln als auch in Gruppen können sich die Kinder zurückziehen, tratschen, durch die Schlitze heimlich beobachten und beobachtet werden. Gerade sitzen ist hier so uncool wie die Klamotten, die Mama aussucht. Wer will schon aussehen wie ein geleckter Affe?

    „Du bist wohl vom wilden Affen gebissen!!“
    Hier ist der richtige Platz dafür. Die Bolzwiese ist ein freier Rasen, der für Bewegungsspiele jeder Art offen steht. Am Rand sind ein Streetballkorb und ein einfaches Tor aufgestellt. Ein Ballfangzaun oberhalb der Lärmschutzwand hält die Bälle auf dem Spielplatz.

    „Du hast den Kopf auch nur, damit es nicht in deinen Hals regnet!!“
    Auch wenn man mal kopflos ist und es regnet, kann man sich in die Tratsch-Pampelmuse und unter die schützenden Podeste der Kletterlandschaft zurückziehen.

    „Komm da runter!!“
    Die Kletterfelsen dienen zum Klettern, für taktische Besprechungen oder einfach nur zum Ausruhen. Von hier aus kann man den ganzen Spielplatz und vor allem die Bolzwiese überblicken. Ein guter Platz zum Sehen und Gesehen werden.

    „Musst du Dich immer so zum Affen machen!!“
    Hier schon! Das Klettergerüst bietet zahlreiche Angebote zum Klettern, Balancieren, Toben, Rutschen und Schaukeln. Leiter rauf, Leiter runter, sich mutig über die Seilbrücke wagen, bis hoch zur Spitze und im Affen-tempo die Rutsche wieder runter – und das am liebsten gleich 20-mal hintereinander. „Mensch, Du hast ja schon einen ganz roten Affenpopo!“

    „Iss mehr Obst!!“
    Hier kann man sich mal ohne Essenszwang sich mit Obst vergnügen…Herumliegende Früchte entpuppen sich als Spielgerät oder Lümmelbank.

    „Nun sitz doch mal ruhig!!“
    Hier können Kinder ihrem Bewegungsdrang freien Lauf lassen. Im Blätternest darf man nach Herzenslust wackeln, kippeln, wippen, schaukeln und flötschen. Was das ist? Probiert’s aus!

    „Komm Du erst mal in mein Alter!!“
    Der Eingangsplatz dient als Vorplatz und Aufenthaltsbereich vor allem für die Erwachsenen. Ein Zaun mit selbstschließenden Toren hält (auch) Hunde vom Spielplatz fern.


    Das Konzept sieht neben dem Hauptspielgerät, der Kletterlandschaft eine Vielzahl von kleinen Einzelspielgeräten vor, die zum Beispiel im Rahmen von Workshops zusammen mit interessierten Kindern montiert und aufgestellt werden können.
    Des Weiteren ist vorgesehen, die Schallschutzwand im Rahmen eines Sommerfestes von anwohnenden Kin-dern nach Vorlagen, die eventuell durch einen vor geschalteten Gestaltungswettbewerb in Schulklassen der Umgebung in den entsprechenden Altersklassen prämiert wurden, zu bemalen. Solche kleinen „Arbeitseinsätze“ der Kinder stärken das Bewusstsein für „ihren Spielplatz“.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Motto „So ein Affentheater ….“ wird im Entwurf konsequent umgesetzt. Die klar zonierte Anlage bietet einen Bereich mit Spielrasen, der auch Sitz- und Ruhebereiche aufweist und einen Bereich, der die Spielgeräte mit den von den Kindern gewünschten Funktionen aufnimmt. In ihrem Erscheinungsbild als auch wegen des Fehlens formeller
    Sitzgelegenheiten (keine klassischen Bänke) signalisiert die Anlage eindeutig, welche Altersgruppe angesprochen werden soll. Die Bildung von zwei unterschiedlich nutzbaren Teilräumen, die jeweils geschlechterunabhängig verschiedene Nutzungsmöglichkeiten bieten und gut einsehbar sind, ist nach Auffassung des Auswahlgremiums die richtige
    Antwort auf den Stadtraum. Ebenfalls wird gewürdigt, dass der Spielplatz durch die Anlage eines offenen Eingangsplatzes den klaren Bezug zum Umfeld herstellt.