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  • DE-86911 Dießen a. Ammersee
  • 04/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-10995)

Ideenwettbewerb Seeanlagen Dießen


  • 3. Preis


    Landschafts- / Umweltplaner
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Martin Schedlbauer, Miriam Fay, Melanie Borutta, Kathrin Erhartsmann

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: K9 ARCHITEKTEN Borgards.Lösch.Piribauer, Freiburg im Breisgau (DE)

    Erläuterungstext
    Diessen - Tor zum Ammersee

    Städtebauliches Gesamtkonzept \"Wachküssen\"

    Die Lagegunst der Seeanlagen wird derzeit nur unzureichend genutzt, ein durchgängiges Konzept ist nur schwer ablesbar. Dabei verfügen die Anlagen über historisch überlieferte Potentiale, die es neu zum Leben zu erwecken gilt.
    Vorhandene Potentiale werden aufgenommen, Neues hinzugefügt und zu einem großen Ganzen zusammengeführt. Die Seeanlagen von Diessen erhalten ihre Identität mit ganz eigenem, unver-wechselbarem Charakter zurück. Die Fischerhäuser als einzigartiges Motiv werden herausgear-beitet und in den Vordergrund gestellt, sie prägen das Bild der Seeanlagen von Diessen als Be-sonderheit und touristische Attraktion. Die Nutzungen werden beibehalten, einzelne Hütten könn-ten langfristig zu gastronomischen Angeboten rund um die Fischerei bzw. auch zu einem Museum weiterentwickelt werden.
    Die städtebaulich einzigartige Situation wird durch eine klare Uferlinie in Form der Seeuferprome-nade gestärkt und herausgearbeitet. Sie bildet das tragende Element der Entwicklung von Diessen an den Ammersee.
    Bauliche Ergänzungen wie das Kulturhaus am See sowie die Seebühne erhalten bewusst einen neuen, modernen Charakter um nicht in Konkurrenz zu den Fischerhäusern zu treten. Es entsteht ein spannungsvoller Kontrast und Miteinander von Alt und Neu.
    Die Anbindung der Seeanlagen an die Ortsmitte wird an den entscheidenden Stellen herausgear-beitet und aufgewertet, ebenso wie die Verbindung der einzelnen Bereiche untereinander. Wichti-ge Blickbeziehungen zum Ort mit dem markanten Wahrzeichen der Kirche werden in das Konzept integriert.

    Die neuen Seeanlagen

    See-Promenade
    Die Seeanlagen erhalten eine durchgehende, ruhige und klare Gestaltung, die einzelnen Bereiche mit den verschiedenen Nutzungen werden zu einer Gesamtanlage zusammengeführt. Die Uferlinie mit ihrem charakteristischen Verlauf von Vor- und Rücksprüngen wird in ihrer Einzigartigkeit ge-stärkt und als tragendes Element herausgearbeitet. Sie bildet als neue Seeuferpromenade das durchgängige und verbindende Motiv der neuen Seeanlagen und lädt zum Flanieren und Erleben ein. Der Belag wird mit farbigem Asphalt in gelb-beige gestaltet. Der Blick auf den See wird frei gehalten von störenden Einbauten und Ausstattungen. Die Promenade bildet einen \"Rahmen\" und inszeniert die vorhandenen Elemente, wie z.B. die Fischerhäuser sowie die vielzähligen Stege in den See. Die bestehenden Anlagen der Segelschule werden durch Wiederherstellung des ur-sprünglichen Konzeptes der frei stehenden Fischerhäuser und deren Anbindung durch Brücken und Stege in das Konzept der Uferpromenade integriert. Dadurch können störende Zaunanlagen entfallen, die Seeanlagen werden wieder durchgehend erlebbar.

    Parkweg
    Der Park erhält ein starkes Rückgrat durch eine Baumreihe aus Blauglockenbäumen, die den Park zur Bahn hin abschließt und den Charakter der Uferpromenade unterstützt. Der begleitende Weg wird in Form des Parkwegs im Gegensatz zur Uferpromenade als schnelle Verbindung ausformu-liert. Der Parkweg kann auch die Fahrradverbindung aufnehmen. Im zentralen Bereich werden die Seeanlagen zur Bahn hin durch eine Gabionenwand abgeschirmt, zugleich fängt sie den Höhenun-terschied zum Bahngelände ab. Durch Freiwerden des dritten und vierten Gleises können hier die Seegärten als Aufenthalts- und Verweilzone mit den typischen Pflanzen der Ufervegetation entste-hen. Hier kann auch die Besonderheit des Vorkommens des kriechenden Selleries thematisiert werden.


    Die Seeanlagen
    Die Vor- und Rücksprünge der Seeuferpromenade erzeugen ein Ein- und Ausatmen, die einzelnen Bereiche nehmen die unterschiedlichen Nutzungen auf. Der Festplatz wird als durchgehende, ru-hige Fläche in robustem Schotterrasen mit grünem Charakter vorgeschlagen, ein neuer Steg sowie die Ausbildung der neuen Uferlinie um die Segelschule schaffen eine Öffnung zum See.
    Im Bereich der Anbindung an die Bahnhofstraße entsteht ein kleiner Verteilerplatz, der vorhandene Graben wird in das Konzept integriert. Der Spielplatz wird an dieser Stelle für gut befunden, er nimmt zukünftig das Thema der Fischerboote in Form einer \"Bootswerft auf, mit verschiedenen Schiffen und Booten zum Klettern, Rutschen und Balancieren.

    Die \"Plaza\"
    Zentrales Element der neuen Seeanlagen bildet die \"Plaza\" als Seeterrasse in Fortsetzung der Anbindung von der Ortsmitte sowie dem Anlegersteg der Fähre. Es entsteht ein ruhiger, großzügi-ger und durchgrünter Platz, der neben dem vorhandenen ADK-Pavillon das neue \"Kulturhaus am See\" aufnimmt. Eine Stufenanlage verbindet den Platz mit dem See und lädt zum Sitzen am Was-ser ein.

    Boxler-Anlagen
    Die Seeanlagen setzten sich nach Süden in den Boxler-Anlagen fort. Zwei Brücken verbinden die beiden Bereiche über den Mühlbach hinweg miteinander. Dadurch kann eine Entzerrung der Ver-kehre und eine bessere Verknüpfung der beiden Bereiche erfolgen. Die Radfahrer erhalten eine schnellere Verbindung in Fortsetzung des Parkweges, die Promenade kann näher am See geführt werden.
    Zwischen den Brücken entsteht eine besondere Zone im Bach, die sowohl die Kneipp-Anlagen in naturnaher Form als auch weitere Wasserspielangebote aufnehmen kann.
    Entlang der Bahn wird wiederum der Abschluss durch die Gabionenwand gebildet, davor gelagert befinden sich die Minigolfanlagen. Dadurch kann der Park von Einbauten freigehalten werden, auf den wertvollen Baumbestand wird sensibel Rücksicht genommen. Der landschaftlich geprägte Park öffnet sich durch eine großzügige, geschwungene und flache Rasenstufenanlage zum See. Die Terrassen bieten sich als Badestelle an, kleinere Holzdecks laden zum Sonnenliegen ein.
    Den Abschluss der Promenade bildet das Strandhotel, mit Außengastronomie in Form eines Bier-gartens. Dem Biergarten mit seinen Sitzstufen zum Wasser vorgelagert und als Schwerpunkt der gesamten Anlage wird eine Seebühne vorgeschlagen. Diese kann im Sommer für Feste und Ver-anstaltungen genutzt werden, in den freien Zeiten dient sie als Sonnendeck. Der Aussichtspunkt mit Steg an der Spitze wird dagegen als ruhige Liegewiese gehalten.
    Der kriechende Sellerie kann umgesiedelt werden und findet in den großen freien Flächen der Boxler-Anlagen in Ergänzung zum bestehenden Vorkommen ein neues Zuhause. Das Ufer des Mühlbachs wird im Mündungsbereich naturnaher ausgebildet, mit flacheren Ufern und Störsteinen im Bachbett. Der Tiefenbach wird weiter geöffnet, die Ufer renaturiert. Die Wegebeziehung setzt sich zum Naturschutzgebiet hin fort und bezieht den geplanten Aussichtspunkt in das Gesamtkon-zept der Seeanlagen mit ein.

    Kulturhaus am See
    Das Kulturhaus am See fügt sich behutsam in den Ort ein, ordnet sich der städtebaulichen Situati-on unter und respektiert die Fischerhäuser als charakterbildende Elemente. Der Blick zum See wird inszeniert, die Uferlinie bewusst freigehalten von störenden Einbauten.
    Das Kulturhaus beherbergt im Erdgeschoß ein Café mit Freiterrasse, im Obergeschoß befindet sich Räume für Ausstellung und Veranstaltungen, mit einem vorgeschalteten Foyer.
    Das Kulturhaus stellt sich als gläserner Kubus wie ein Kristall auf der zentralen Plaza dar.

    Tor zum See
    Der Zugang durch die Unterführung wird als \"Tor zum See\" gestaltet, und verliert auf diese Art und Weise den Charakter einer Unterführung. Der Boden wird abgesenkt, so dass die Durchgangshö-he min. 2,40m beträgt. Durch den Entfall des dritten und vierten Gleises wird auch die Durch-gangstiefe reduziert und daher nicht mehr als so eng empfunden. Die Farbwahl der Torbögen in Blau-Tönen deutet auf die Ufernähe hin und schafft eine einladende Geste zum See.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.