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  • DE Aichach
  • 01/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-11265)

Neugestaltung des Tandlmarktes mit Umfeld


  • 1. Preis

    metamorphose

    Landschaftsarchitekten
    brugger landschaftsarchitekten_stadtplaner_ökologen, Aichach (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Philip Schmoeger, Philip Schmoeger Ulrike Hörl Tanja Kalter Yvonne Zscheutzel-Kürbitz

    Preisgeld
    10.800 EUR

    Erläuterungstext
    metamorphose

    tradition und transformation des stadtgrabensystems

    der stadtgraben ist als historisch gewachsenes system eines der prägenden bestandteile im stadtorganismus aichachs. zwischen innerem und äußerem rand der ehemaligen befestigungsanlagen, zieht sich der stadtgraben wie ein ´gürtel´ um den kern aichachs. der stadtgraben als zentraler städtischer bereich vermittelt
    zwischen der historischen gewachsenen altstadt und den neueren stadtteilen.
    dieses system ist geprägt durch seine signifikanten strukturen bzw. elemente (stadtmauer, türme, ringweg, grünzug, bebauung…) und deren beziehungen zueinander.die strukturierung, eigenschaften und wechselwirkungen der elemente bestimmen die eigenschaften des gesamtsystems stadtgraben.
    durch wehrtechnische und gesellschaftspolitische umwälzungsprozesse bzw. veränderte nutzungsansprüche hat sich die binnenstruktur des stadtgrabens im laufe seiner entwicklung stark verändert, was aus heutiger sicht zu problemen führt.

    perforation und amnesie

    der ´grüne gürtel´ um die stadtmauer ist stark perforiert/fragmentiert und stellt keine kontinuierliche grünverbindung mehr dar, der ringweg verliert seine funktion als durchgängige wegeverbindung.
    durch die auffüllung des stadtgrabens ist dessen urtypisches, topographisches gedächtnis in weiten teilen schon erloschen. die historischen geländemodellierungen (graben_wall_graben) offenbaren sich lediglich noch in einigen privatgärten.
    prägende historische elemente, wie ringmauer, wehrturm, bach im inneren graben (abzweig des griesbaches), eintritt des griesbaches in die befestigte altstadt, sind verschwunden und nicht mehr nachvollziehbar.
    aufgrund der genannten veränderungen ist der historische charakter der stadtgrabengestalt in den meisten bereichen weder erlebbar noch erkennbar. um den stadtgraben wieder als ganzes wahrnehmen zu können, muss die ablesbarkeit des internen systems
    deutlich verbessert werden. die prägenden historischen strukturen müssen erweitert bzw. wieder in den städtischen kontext aufgenommen werden, um ihre qualitäten entfalten und so zu einer tragfähigen entwicklung der stadt aichach beizutragen zu können.

    neukodierung und symbolische neubewertung des stadtgrabens als 5. phase

    die neustrukturierung und addition von systemelementen wirken sich belebend auf das gesamtsystem aus. die festigung und verflechtung der binnenstruktur generiert ein raumgefüge, das sich durch eine hohe prägnanz auszeichnet. trotz veränderter nutzungsansprüche wird die historische figur herausgearbeitet und gestärkt.
    so entsteht ein hohes maß an identifikation und akzeptanz durch die bevölkerung der stadt aichach.hervorgerufen durch eine veränderte gesellschaftspolitische situation wird darauf hin gewirkt den stadtgrabenbereich wieder erlebbar zu machen. strategien freiraumplanerischer, architektonischer und künstlerischer
    interventionen werden entwickelt. somit entsteht eine partitur aus grün- platz- und gebäudestrukturen (5. phase).

    tandlmarkt

    die gestaltung des tandlmarktes unterscheidet konsequent zwischen
    der altstadt innerhalb des mauerringes und dem bereich des
    ehemaligen stadtgrabens.
    innerhalb des mauerrings wird die bestehende formensprache des
    stadtplatzes mit granit-großstein für die fahrbahn und granit-kleinstein
    für gehweg und multifunktionsstreifen aufgenommen. breite
    gehwegbereiche laden zum bummeln, flanieren ein und erlauben
    den anliegenden läden eine präsentation ihrer waren im freien.
    im bereich des ehemaligen stadtgrabens entsteht eine neue
    städtische bühne für bewohner und besucher aichachs. eine
    zeitgemäße, klare und einfache gestaltung garantiert die multi-
    funktionalität der platzfläche um das städtische Verwaltungs-
    gebäude. sie öffnet sich nach süden und norden und garantiert so
    die durchgängigkeit des stadtgrabens.
    sich überlagernde ‚spuren’ der historischen stadtgestalt beleben den
    platz, regen zur beschäftigung mit der eigenen geschichte an und
    tragen so zur identifikation bei.
    der verlauf der ehemaligen stadtmauer und der standort des flunk-
    turmes werden im gehweg- und fahrbahnbereich durch eine
    cortenstahllinie mit lichtband in den stadtgrundriss eingezeichnet.
    vor dem gebäude tandlmarkt 6 wird die stadtmauer durch eine
    160 cm hohe cortenstahlwand dargestellt.
    lineare wasserbecken mit vorgelagerten sitzmauern verdeutlichen
    den verlauf des ehemaligen baches im stadtgraben (abzweig des
    griesbaches) und laden zum sitzen und verweilen ein.
    ein filigranes glasdach schwebt über eichenstelen mit
    unterschiedlichen durchmessern. die in variablen abständen
    versetzten stützen erzeugen für den passanten den eindruck durch
    einen eichenhain zu laufen. die glatten stämme laden zum
    anlehnen und berühren ein. der ‚stelenwald’ verbindet den südlichen
    mit dem nördlichen stadtgraben, verdeutlicht das toponym
    (aichach_eiche) und wirkt so als identifikationselement. das mit
    einem punktraster unterschiedlicher dichte bedruckte glasdach
    erzeugt ein interessantes spiel aus licht und schatten und wirkt so wie
    ein blätterdach. gleichzeitig bietet es schutz für empfänge vor und
    nach trauungen, temporären bühnenaufbauten bei festen und
    märkten, fahrräder und den bestehenden tiefgaragenaufgang.
    die indirekt beleuchtete sitz- und stützmauer am verwaltungsge-
    bäude verdeutlicht den verlauf des walls bzw. der nie gebauten,
    zweiten befestigungsmauer und begleitet den radfahrer über den
    platz.eine baumreihe an der südseite betont die wichtige ost-/west-
    achse (schulstrasse – tandlmarkt), verengt optisch den strassenraum
    und mindert so den schneisenartigen charakter des tandlmarktes.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.