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  • DE-69190 Walldorf
  • 07/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-11454)

Umbau / Neubau Hallenbad Walldorf


  • 2. Preis

    Perspektive - Blick vom See

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Das Architekturkonzept

    Das Konzept für das neue Hallenbad sucht die Qualitäten des Standorts:
    - Die uneingeschränkte Orientierung nach Süden, Südosten und Südwesten und einer vollflächig verglasten Fassade schafft ein freundliches, Licht durchflutetes Bad.
    - nDer Blick von einer leicht erhöhten Situation auf den Badesee überwindet die klimatische Begrenzung zwischen innen und außen und schafft Großzügigkeit.
    - Die Sauna erhält ihren eigenen Ort in einer Ostwest gestreckten zweigeschossigen Figur. Die Sauna partizipiert auf der Ostseite von der Südorientierung und dem Ausblick, hat aber ihren ungestörten, erweiterbaren Freibereich im nördlichen Anschluss. Dieser Freibereich ist von Südwesten und Westen, also zu den Hauptnutzungszeiten der Sauna, besonnt.
    - Die Erschließung und Anlieferung erfolgt von Westen von der Schwetzinger Straße und den Parkplätzen, sodass alle ggf. störende Funktionen gebündelt und kontrolliert sind.
    - Das bestehende eigenwillige Freibadgebäude wird in das Ensemble unter anderem über einen gemeinsamen Sockel einbezogen.

    Die Erschließung des Hallenbads und der Sauna erfolgt an einem zentralen Punkt, wie gesagt von Westen. In einer übersichtlichen zweigeschossigen Eingangshalle befindet sich Information und Kasse und verzweigen die Wege in Sauna und Hallenbad. Der Besucher hat bereits Blickbeziehung in die Badelandschaften. An zentraler Stelle, im Schnittpunkt von Eingangshalle, Badebereich und Saunabereich (EG) befindet sich das Restaurant mit Küche. Die Lage erlaubt eine hochwertige kompakte und damit effiziente Gastronomie. Die Küchenanlieferung, aber auch die Anlieferung des Intergeschoss liegenden Badebereichs befinden sich in der Nordwestecke, blickgeschützt und leistungsfähig. In Schmach- und Überlastzeiten des Freibadbetriebes kann die Kasse des Hallenbades zusätzlich für Freibadbesucher öffnen. Diese nutzen dann den gewohnten Weg des Freibadzugangs.

    Der Baukörper ist in seiner Struktur Ost-West gerichtet und bildet ein massives Rückrad zur Aufnahme der Infrastruktur für Bad und Sauna. Der massive Körper bildet auch die Trennung zwischen Bad und Sauna. Er öffnet sich nach Süden für das Bad und nach Norden, Westen und Osten für die Sauna. Der Umkleidebereich ist in das Volumen der Badelandschaft eingeschossig eingestellt und nimmt in seiner oberen Ebene eingeschützten Ruheraum („Liegewiese“) auf.

    Die Eingangsebene und die Badelandschaften von Hallenbad und Sauna sind ca. 1,3 m über Gelände angeordnet. Diese topografische Bewegung schafft:
    - Überblick von der Badeplatte
    - Privatheit für den Saunabereich
    - Günstige Gründungsverhältnisse in Abhängigkeit des Grundwassers

    Alle tragenden und die Erde berührenden Bauteile bestehen aus Stahlbeton mit koordinierten Spannweiten und direkter Lastabtragung. Die weit gespannte Dachkonstruktion über der Badelandschaft besteht aus einer Stahlbetonverbundkonstruktion und einer filigranen Stahlpendelstütze im südlichen Fassadenbereich. Das Dachtragwerk ist nicht sichtbar (abgehängte Decke).

    Lochfenster im Massivteil sowie eine großformatige Pfosten Riegelkonstruktion auf der Süd- und der Nordseite überspannen hautartig die Figur. Die Oberflächen des massiven Baukörpers bestehen aus großformatigen, hellfarbigen Betonfertigteilen mit
    thermischer Trennung.

    Das Energiekonzept des Gebäudes nutzt die vorhandenen Ressourcen und die Haustechnik (Hausanschluss, Badewassertechnik, Lüftungstechnik) befindet sich vollständig im UG. Das Gründungsniveau berücksichtigt das Grundwasser. Die Andienung erfolgt koordiniert über die Nordwestecke. Die Becken sind ringsum zugänglich.


    Energie- und Klimakonzept

    Ziel des Klimakonzepts ist die Nutzung natürlicher Potentiale, wie
    - Optimierte Tageslichtnutzung in allen Bereichen
    - Möglichkeit der natürlichen Lüftung
    - Passive Nutzung solarer Wärmegewinne
    - Ggf. Nutzung des Potentials des nahe gelegenen Sees
    - Teilweise Wärmeversorgung aus nahe gelegenem BHKW

    Passive Solarenergienutzung
    Die großzügige - Richtung Himmel geneigte - Südverglasung stellt insbesondere im Winter eine gute „Empfängerfläche“ für die niedrig stehende Sonne dar. Durch die Auswahl einer hochwirksamen 3-fach Wärmeschutzverglasung mit einem hohen Gesamtenergiedurchlassgrad (ca. 60%) wird ein Großteil der eingestrahlten Energie passiv genutzt.

    Wärmeschutz
    Ein hoher Wärmedämmstandard mit Dämmstärken von 16 cm in opaken Außenwänden und 24 cm im Dach gewährleistet einen niedrigen Heizwärmebedarf. Generell ist eine Dreifach-Wärmeschutzverglasung vorgesehen mit einem U-Wert von 0.7 W/m²K.

    Sommerlicher Wärmeschutz
    Im Hochsommer verhindert ein Überhang zu große Helligkeitsunterschiede und verschattet einen Großteilteil der Fassade. Da ein Hallenbad ganzjährig Wärmebedarf aufweist sind keine besonderen zusätzlichen Maßnahmen erforderlich.

    Tageslicht
    Durch die großzügige Südverglasung werden weite Bereiche mit ausreichend Tageslicht versorgt. Die tiefer gelegenen Bereiche werden durch Oberlichter im Dach mit Tageslicht versorgt.

    Mechanische Lüftung
    Mechanische Lüftungsanlagen mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung (sensibel und latent) reduzieren den Wärmebedarf für die Lufterwärmung. Dabei wird der Energieinhalt der feuchten Hallenabluft ebenfalls genutzt. Hocheffiziente EC-Motoren reduzieren den Strombedarf für den Lufttransport.

    Wärmeversorgung
    Ein Teil der Wärmeversorgung erfolgt aus dem nahe gelegenen BHKW. Optional kann ein eigenes BHKW installiert werden mit dem ein Teil des Wärmebedarfs wie auch des Strombedarfs gedeckt werden kann. Aufgrund des hohen Wärmebedarfs kann zusätzlich eine Wärmepumpe vorgesehen werden die dem nahe gelegenen See die Wärme entzieht und auf ein nutzbares Temperaturniveau (ca. 30°C) anhebt. Dieses Temperaturniveau kann z.B. für die Frischwasservorwärmung aber auch für die Fußbodenheizung genutzt werden. Zusätzlich wird Abwärme aus den Duschbereichen und aus den Schwallbehältern zur Vorwärmung von Frischwasser genutzt wodurch der Energiebedarf ebenfalls reduziert wird.

    Regenerative Energieerzeugung
    Zusätzlich zur Stromerzeugung aus einem BHKW ist eine PV-Anlage vorgesehen die der Erzeugung von regenerativem Strom dient. Bei einer Anlagengröße von 150 m² können rd. 14.000 kWh/a an Strom erzeugt werden wodurch sich rd. 6.8 t/a an CO2 einsparen lassen. Die PV Fläche kann auf ca. 700 m² erweitert werden wodurch sich rd. Dies führt zu eine CO2 Reduktion von rd. 32 t/a.

    Je nach (steuerlichen) Gegebenheiten kann eine PV-Anlage durch eine Einspeisevergütung gemäß EEG (Energieeinspeisegesetz) von rd. 45 Cent/kWh eine wirtschaftliche Investition darstellen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Positionierung des frei gestalteten Baukörpers im Landschaftsraum ist in Bezug zum Vorbereich, zum Freibadgebäude und zum See gelungen, die Orientierungen der Innen- und Freiräume nach den Himmelsrichtungen und den Freibereichen erlebnisreich und geglückt.

    Die äußere Erschließung für die Besucher liegt zentral von Nordwesten, die Andienung erfolgt störungsfrei an richtiger Stelle. Konzeptbedingt erfordert die Kassennutzung für das Freibad in schwachen Besuchszeiten eine gewissen Wegstrecke.

    Die dichte Nachbarschaft des Neubaus zum Freibadgebäude wird durch den eingeschossigen vermittelnden Holzbaukörper gut gelöst. Die Perspektiven zeigen ein dynamisches zuweilen heterogenes Erscheinungsbild, das kontrovers diskutiert wird. Die kostengünstige Gründung des Gebäudes oberhalb des Grundwasserspiegels wird mit einer Erhöhung des Eingangsbereichs und einem trennenden Geländesockel erkauft, was es zu überlegen gäbe.

    Die Neubaulösung erlaubt eine optimale Organisation der inneren Funktionen bei wirtschaftlichen, über dem Zielwert liegenden Kosten:

    • Aus dem Eingangsbereich gewinnt der Besucher einen frühen Ein- und Ausblick in und über die Badelandschaft.

    • Die zentral gelegene Küche bedient alle drei Gastronomiebereiche.

    • Die zweigeschossige Sauna ist zwar lang gestreckt mit zum Teil engen Bewegungsflächen, jedoch gut orientiert, belichtet, Behinderten gerecht auf kurzem Weg mit der Badelandschaft verbunden und mit schönen Blickbezügen zu den Freibereichen. Der gut be-sonnte Saunagarten kann gut erweitert werden.

    • Die ebene Badeplatte ist gut, kompakt und in der Zuordnung richtig organisiert. Ein allseitiger Umgang um das Kinderbecken ist wünschenswert.

    Der Ausblick aus der Badehalle zum See ist großzügig angelegt und verbindet Innen- und Außenraum. Die Dachterrasse für Badegäste nach Südwesten, die jedoch nicht Behinderten gerecht erschlossen ist, ist ein gleichfalls gelungener Beitrag. Der skulptural gestaltete Dachschirm mit den gezielten gesetzten Öffnungen schafft eine inspirierende, innenräumliche Atmosphäre und zum Eingangsbereich ein zeichenhaftes Signet.

    Der Verfasser nutzt die Chancen eines Neubaus an dieser Stelle für einen architektonisch mutig gestalteten Wurf, ohne in der Wahl seiner Mittel zu überziehen. So könnte für Walldorf eine weitere unverwechselbare Landmarke in der Bäderlandschaft entstehen.