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  • Ankauf

    1.OG

    TGA-Fachplaner
    EiSat GmbH, Eisenloffel, Sattler + Partner, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Chestnutt_Niess Architekten, Berlin (DE)
    Bauingenieure: B&S Baupartner, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept
    Die städtebauliche Leitidee des Entwurfs besteht in dem sensiblen Umgang mit dem Bestand und seinen Freiräumen und einer respektvolle Stärkung deren Strukturen und Identitäten. Mit wenigen aber klaren Interventionen soll das alte Stadthaus seine neuen Nutzungen zeigen. Vor allem wird das Haus zum Bottlerplatz hin mit einem neuen Eingang großzügig geöffnet. Der neue Eingang erlaubt einerseits ei-nen Einblick in die Tiefe und Vielfältigkeit des Hauses, anderseits mit der Wet-ter schützenden, erkerartigen Auskragung im Obergeschoß setzt er einen Blick-punkt am Ende der Windeckstraße vom Münsterplatz.
    Der Baum bestandene Innenhof an der ehemaligen Bastionsmauer bleibt weitestge-hend als parkartiger Grünraum, ergänzt mit einem Lesegarten der Bibliothek, er-halten.
    Die Anordnung der Nutzungsbereiche folgt eine logische und den Bestand schonende Strategie. Die neue Stadtbibliothek erstreckt sich über das Sockelgeschoß und Hochparterre des mittleren Bereich des alten Stadthauses. Die Bibliotheksverwal-tung wird im Siemenshaus untergebracht und stufenlos an die beiden Ebenen der Bibliothek angebunden.
    Der Bereich der Volkshochschule belegt das erste und das zweite Obergeschoß so-wie das Mansardengeschoß (3. OG) des mittleren Bereichs des alten Stadthauses. Das Stadtmuseum wird nicht ausgelagert, sondern im nördlichen Flügel ebenfalls im alten Stadthaus vorgesehen.
    Alle drei Einrichtungen, Stadtbibliothek, Stadtmuseum und Volkshochschule zusam-men mit den gemeinsamen Nutzflächen des Veranstaltungssaals, Selbstlernzentrums und den Garderoben werden in ein neues Foyer am Bottlerplatz zusammengebunden und stufenlos erschlossen. Das Stadtmuseum behält zusätzlich das historische Portal- Treppeneingang am Bottlerplatz. Die Räume der Gedenkstätte werden teils im alten Bunker und teils in einem vorgesetzten scheibenartigen Erweiterungsbau angesiedelt.
    Wichtig bei dieser Anordnung ist die neue Möglichkeit einer städtebauliche Durchwegung von die Treppe an der Bastionsmauer über das neue Verteilerfoyer zum Bottlerplatz.
    Der Mülheimer Platz wird räumlich verbreitert durch das Entfernen der Beton-pflanztröge an der Tiefgarageneinfahrt. Hier werden Bäume gepflanzt und zusammen mit Sitzbänken und Fahrradständer in die Nutzung des Platzgeschens eingebunden.
    Das Gebäude
    Der Entwurf folgt der Logik der Typologie des Bestands als Zweibundorganisation mit seinen zwei Innenhöfen und verstärkt diese als Qualitäten in die neue Nut-zung. Das architektonische Konzept konzentriert die Nutzungen des Hauses der Bildung in den Bestand. Dieses Konzept vermeidet verunklärende Anbauten und folgt stattdessen notwendige Erweiterungen als klar gegliederte architektonische Auskragunen zu gestalten, die sich dem Körper des Altbaus in der Hierarchie un-terordnen. Aufgrund der reduzierten bauliche Maßnahmen, Verzicht auf Anbauten und die kompakt gehaltenen Volumina (Hüllfläche) werden die Kosten stark einge-schränkt. Nur der Bunker erhält einen Anbau zur Unterbringung von Teilen der Gedenkstätte. Durch diese Strategie können die Fragen nach Grundstückszuschnitte und Abstandflächen so gut wie aufgehoben werden..
    Während das ehemaligen Stadthauses sein sprödes äußeres sowie seine Gliederung und Tektonic behält, lädt der Eingriff des neuen großzügigen, überdachten Ein-gangs am Bottlerplatz zum Eintreten in das „Haus der Bildung“ ein. Das Selbst-lernzentrum wird als Erkersaal über dem Eingang konzipiert und dient mit seiner längeren Öffnungszeiten als Sichtzeichnen und Laterne des neuen „Haus der Bil-dung“. Das zweigeschossige und durch das Glasdach Licht durchflutetes Foyer dient als Verteiler und behinderten gerechtes Bindeglied der verschiedene Insti-tutionen und gemeinsamen Nutzungen. Hier sind alle Bereiche der zentralen Ein-richtung zusammengebündelt. Direkt vom Eingang aus wird der Blick gerade aus auf die Bibliothek gelenkt. Gleichzeitig gleitet der Besucher über einer breiten Treppe bzw. stufenlos über einen großzügigen Aufzug auf die obere Ebene des Fo-yers mit dem Eingang zur Volkshochschule und der Säle der gemeinsamen Bereiche . So befinden sich auf dieser oberen Ebene das Selbstlernzentrum und vor allem der große Veranstaltungssaal, welches als auskragender Baukörper einen großartigen Blick auf den Garten und in die Ferne bietet. Das Stadtmuseum wird vom Foyer aus stufenlos erreicht, hier befinden sich auch die gemeinsamen Garderoben und WC Anlagen sowie des Büros der Facility Management bzw. Servicebüro der VHS. Das Foyer ist kein introvertierter Raum sondern als öffentlicher Bereich öffnet es sich einerseits zum Bottlerplatz und anderseits zum Garten hin und erschließt die fußläufige Durchwegung vom Bottlerplatz zur Bastionstreppe.
    Die Bibliothek, mit Eingang am Foyer im Hochparterre, findet auf zwei Ebenen, im Sockelgeschoß und Hochparterre, statt. Beide Ebenen öffnen sich großzügig zur westlichen Gartenseite, wobei im Sockelgeschoß das Austreten in einen geschütz-ten Lesegarten zum Lesen unter freiem Himmel angeboten wird. Die Bibliothek wird mit den neuesten technischen Standards eines Informations- Kommunikations- und Medienzentrums mit OPAC Plätzen, PC Arbeitsplätzen sowie Wireless LAN und RFID Technologie ausgestattet. Direkt am Bibliothekseingang befindet sich die Info-theke mit Anmeldung, Verbuchung, Buchsicherung etc. Die Jugendbibliothek und die Kinderbibliothek sind an der östlichen (Mülheimer Platz) Seite des Hochparterres angesiedelt. Beide sind zentral erreichbar und gut sichtbar von der Infotheke aus. Als zusätzliches Angebot bietet sich diese Anordnung einer getrennten Nut-zung der Jugendbibliothek, unabhängig von der Öffnungszeiten vom Rest der Bib-liothek und erschlossen über den historischen südlichen Eingang am Mülheimer Platz, an.
    Grundsätzlich sind die Flächen der Belletristik im Hochparterre und die Flächen der Sachbücher im Sockelgeschoß vorgesehen. Die großzügige, zusammenhängende Flächen erlauben jedoch eine flexible Aufstellung je nach Wunsch der Biblio-theksleitung. Die Haupterschließung zwischen den Ebenen, mit breiter Treppe und Personenaufzug, befindet sich in dem mit Glas überdachten zweiten Hof. Dieser Hof wird als „Bücherturm“ formuliert und reicht bis in das 1. Obergeschoß. Der Raum des Bücherturms bildet ein optische Verbindung zur Volkshochschule, Ein- und Durchblicke verstärken die Identität. Die Bibliothek besitzt zudem eine ei-gene barrierefreie WC Anlage im Sockelgeschoß unter dem Eingangsfoyer.
    Die Bibliotheksverwaltung und Anlieferung der Bibliothek befinden sich im moder-nisierten Siemenshaus. Über eine neue Treppenanlage und Lastenaufzug werden für das Personal und den Güterfluss sämtliche Ebenen der Verwaltung mit Magazinbe-reich im Siemenshaus mit beiden Publikumsebenen, auf kurzem Weg, stufenlos ver-bunden. Dieses Treppenhaus und Lastenaufzug kann ebenfalls zur Belieferung der Volkshochschule über sämtliche Etagen diene. Eine Flächenreserve für Verwal-tungsflächen ist im ausgebauten Dachgeschoß des Siemenshauses reserviert.
    Die Volkshochschule befindet sich ab dem ersten Obergeschoß bis ins Mansardenge-schoß im alten Stadthaus. Sie fügt sich in die vorhandene Struktur ein und nutzt die Vorteile dieser. Ein Eingreifen in die bestehende Substanz beschränkt sich weitestgehend auf eine Umformung des ehemaligen Ratssaals zur Schaffung eines neuen Zentrums als Kern mit WC Anlagen und der großzügigen Haupttreppe. Durch diesen Eingriff und ein „Aufräumen“ werden die beiden Seiten des Hauses wesent-lich besser mit einander verbunden, auf kurzem Weg erschlossen und das Innere mit natürlichen Licht und Luft versorgt. Der Kern ermöglicht auch ein zusammen- oder abschließen unterschiedlicher Bereiche der Hochschule zum Beispiel in den semesterfreien Zeiten oder je nach Bedarf. Einer der beiden großen Mehrzwecksä-len wird, wie ein Schaufenster, als auskragender Körper am Mülheimer Platz for-muliert. Die Vielzahl an Seminarräume nehmen weitgehend die vorhandene Struktur inklusive die aussteifende Querwände auf. Der Hausmeisterraum sowie Medien- und Kopierraum sind zentral am Kern vorgesehen. Die Büroräume und Verwaltung der Volkshochschule sind zusammengebündelt im Mansardengeschoß (3.OG) untergebracht.
    Das Stadtmuseum wird im nördlichen Flügel des alten Stadthauses vorgesehen. Wäh-rend das historische Portal am Bottlerplatz als Eingang für das Museum behalten wird, wird das Museum ebenfalls über das Foyer stufenlos erschlossen und somit in das Geschen und in die Identität des Hauses der Bildung direkt eingebunden. Der Eingangsbereich mit Museumsfoyer im EG, wird von der historischen Treppe als Mittelpunkt des Museums beherrscht. Diese Treppe zusammen mit einem neuen Aufzug bildet das Zentrum des Museums. Mit den Ausstellungsflächen über drei Geschosse verleiht dieses Zentrum dem Besucher eine klare Orientierung. Während die Werk-stätten und Depots zusammen mit der Anlieferung im Norden im Sockelgeschoß vor-gesehen werden, sind die Büroflächen im Mansardengeschoß angesiedelt.
    Die Gedenkstätte wird in und an dem Bunker nördlich des Stadtmuseums vorgeschla-gen. Die Ausstellungsflächen werden innerhalb des Bunkers frei im Raum oder in Boxen, je nach Anforderung, vorgesehen. Ein Aufzug, eine Treppe und WC´s sind im Bunker ebenfalls vorgesehen. Es sollen so wenig wie möglich an Substanzverände-rung vorgenommen werden, da die Authentizität des Ortes als Teil des Konzept des Gedenkens beabsichtigt wird. Die Räume der Verwaltung sowie des Eingangsbereichs und sonstige besuchernahe Räume wie die Handbibliothek und Fotothek etc. werden in einem dem Bunker vorgelagerten neuen Scheibenhaus vorgesehen. Die leichte Verglasung und plastischer Ausschnitt des Neubaus inszeniert mit Verhüllung und Öffnung die archaische Bauform und militärische Sprache des Bunkers. Als Ein-gangsbauwerk, rückt der Neubau den Bunker stadträumlich an die Straße heran und somit in das öffentliche Bewusstsein der Passanten. Eine eventuelle Reaktivie-rung des unterirdischen Verbindungsgangs zwischen dem Stadtmuseum und der Ge-denkstätte im Bunker wäre zu überlegen.
    Die Freiräume
    Das neue Haus der Bildung orientiert sich eindeutig zum Bottlerplatz. Mit seinem minimalen Eingriff in die Freiflächen und Baumbestand reagiert der Entwurf so-wohl sensible auf die Nutzungsanforderungen wie auch auf die Umgebung. Mit einer Verbreiterung und Baumbepflanzung wird der Mülheimer Platz aufgewertet und be-freit von seiner reinen Verkehrsfunktion. Der Innenhof an der Westseite wird sensibel als Erholungsfreiraum behalten bzw. gestaltet. Durch ein Absenken des Lesegartens der Bibliothek kann ein Umzäunung vermieden werden und somit tritt der Lesegarten nicht störend in Erscheinung in diese Baum bestandene Freifläche an der Bastionsmauer. Während die stadträumliche Strukturen intakt bleiben und Freiflächen von einer Bebauung freigehalten werden, wird eine mögliche Stadtmu-seumserweiterung nach Nordwesten für die Zukunft nicht verbaut.
    Materialien
    Der Altbau wird in seiner historischen Materialien und Farben gehalten bzw. denkmalpflegerisch instand gesetzt. Neue Eingriffe werden abgesetzt und lesbar gemacht. Die Box förmige Auskragungen oder Interventionen werden verglast bzw. die geschlossene Flächen mit metallisch pulverbeschichteten Stahlblechpaneelen, hinterlüftet, verkleidet. Der Versammlungssaal erhält eine Holzverkleidung zur akustischen Behandlung.
    Tragwerk / Konstruktion, Erläuterung und Massnahmenkatalog
    Das denkmalgeschützte Alte Stadthaus und das Siemenshaus werden durch den vor-liegenden Entwurf in ihrer Tragstruktur weitestgehend respektiert, Änderungen im Lastabtrag werden auf das Minimum des Notwendigen beschränkt. Sämtliche Last-achsen sind mit den neuen Nutzungsanforderungen vereinbar.
    Die Räume und Flächen werden dagegen umfänglich neu strukturiert. Dies erfolgt durch Versetzen von nicht tragenden Wänden und dem Austausch von Durchgängen und Türen. Sofern teilweise nachrangig tragende Wände betroffen sind, werden diese über Abfangungen und ggf. neue Stützen auf das große Achsraster zurückgeführt. Lastkonzentrationen werden über Ausgleichpolster oder Wände in den darunter fol-genden Geschossen so verteilt, dass sie mit den Gründungsanforderungen im Ein-klang stehen.
    Beim Siemenshaus sollen neben dem Einbau eines neuen Aufzuges und den zugehöri-gen Anpassungen der Erschließung keine größeren baulichen Änderungen an der tra-genden Struktur vorgenommen werden. Eine Ausnahme dabei stellt lediglich die teilweise neue Verglasung des Dachbereichs dar. Hier wird in die vorhandene Dachstruktur eingegriffen und teilweise wird diese ausgetauscht werden.
    Dagegen sind im Alten Stadthaus zwei umfänglichere Maßnahmen im Bestand erfor-derlich:
    Dies sind zum einen der neue Haupteingang von der nord-östlichen Giebelfassade und der eingeschobene Veranstaltungssaal im 1.OG der westlichen Fassade.
    Der neue Haupteingang wird durch das zweigeschossige Öffnen der massiven Außen-wand und den Ersatz durch eine großzügige Verglasung realisiert. Das darüber liegende Geschoß wird abgefangen und über massive Betonflanken zum Kellerge-schoss weiter geleitet.
    Der neue Veranstaltungssaal wird näherungsweise mittig in der Achse der westli-chen Außenwand eingefügt. Dazu muss sowohl die Fassade als auch der Raum selbst „abgefangen“ werden. Dies erfolgt durch parallel zur Außenwand gespannte, neue Stahlverbunddecken. Diese lagern auf massiven Betonwandscheiben auf. Die Fassade wird im darüber liegenden Brüstungsbereich mittels einer stählernen Zwillingsab-fangung ebenfalls zu den Seitenwänden geführt. Durch die Lastkonzentration in den Seitenflanken können die neuen Lasten konzentriert an zwei Orten abgeführt werden. Hierzu sind lediglich zwei neue Stützen in den Außenwänden einzufügen und bis zur Gründung durchzuführen. Hier werden diese je nach örtlichen Bau-grundverhältnissen separat gegründet. Dies kann über eine HDI-Injektion oder Kleinbohrpfähle erfolgen.
    Im Sockelgeschoß wird zugehörig das Gelände abgesenkt und dadurch die Möglich-keit geschaffen, einen Zugang zum Lesegarten im Außenbereich zu schaffen.
    Daneben wird in der Ostfassade noch eine kleinere gestalterische Ergänzung vor-genommen. Im 1. OG wird eine vorgesetzte Verglasung in Analogie zum auskragenden Veranstaltungssaal auf der Westfassade vorgeschlagen. Die zu erwartende Mehrbe-lastung sollte aber ohne erhöhte konstruktive Maßnahmen mit dem Bestand verträg-lich sein.
    Die Gesamtbausubstanz kann mangels konkreter Angaben zum Tragwerk und dessen aktuellen Zustand nicht abschließend bewertet werden. Die Zulässigkeit der neuen Lastansätze mit dem Bestand muss nach einer Bestandsaufnahme und der Recherche vorhandener Bestandsunterlagen bereichsweise erfolgen. Im Abgleich mit dem vor-handenen Entwurf können auch erst dann die genauen Maßnahmen von eventuell er-forderlichen Verstärkungen oder Ertüchtigungen von Traggliedern festgelegt wer-den. Der massive Mauerwerksbau verhält sich aber nach Erfahrungswerten bei An-passungen in der Regel gutmütig und kann geringfügige Lastumlagerungen tolerie-ren. Die Bereiche der unumgänglichen konstruktiven Eingriffe wurden weitestge-hend örtlich konzentriert und somit ein wirtschaftlicher Umgang mit dem Bestand angestrebt.
    Die Gedenkstätte wird als Erweiterungsbau in Massivbauweise vorgeschlagen. Ein zweigeteilter Baukörper wird als Mischbauweise mit Stahlbeton und Mauerwerk rea-lisiert. In der Gebäudehülle wechseln sich Bereiche von Sichtbeton mit Vergla-sungsbereichen ab. Die Gründung ist als Flachgründung vorgesehen.
    Haustechnische Konzeption, Erläuterung und Massnahmenkatalog
    Das „Haus der Bildung“ ist ein bestehendes Gebäude, das im Rahmen der geplanten architektonischen Neugestaltung auch mit kompletter neuer haustechnischer In-stallation zu versehen ist. Die Installation ist so vorgesehen, dass eine ge-trennte Abrechnung der Nutzungsbereiche: Stadtmuseum, Bibliothek mit Biblio-theksverwaltung, Volkshochschule und Gedenkstätte möglich ist
    Strategiekonzept:
    Mit dem bestehenden Fernwärme- Anschluss besitzt die Anlage eine höchst effi-ziente Energieversorgung aus Wärme-Kraft-Kopplung, die gleichfalls den Anforde-rungen an den Umweltschutz gerecht wird. Aus diesem Grund ist die prinzipielle Versor-gung mit Fernwärme beizubehalten.
    Das zentrale Gebäude mit Bibliothek und Volkshochschule ist - ausgenommen die Mansarde - von schwerer Bauart mit großen Speichermassen in Wänden und Decken. Es bietet sich daher an, dieses Gebäudeteil mit örtlichen Heizflächen auszustat-ten.
    Eine mechanische Be- und Entlüftung ist ausschließlich erforderlich für die Pub-likumsräume der Bibliothek, für die Veranstaltungs- und Mehrzweckräume und für die WC- Bereiche.
    Die Mansarde ist von leichter Bauart ohne Speichermasse in Wänden und Decken. Hier wird die Wärmebelastung durch Sonnenstrahlung und äußerer Temperaturbelas-tung in den Sommermonaten hoch. Zur Einhaltung einer Raumtemperatur von ca. 26°C bei Außentemperaturen von 32°C schlagen wir vor, in den Büroräumen der Mansarde Heiz- und Kühldecken anzuordnen. Damit wird es möglich, über diese Decken im Winter zu heizen und im Sommer zu kühlen. Eine natürliche Be- und Entlüftung erfolgt über die Fenster.
    Das Stadtmuseum im nördlichen Flügel ist auch als Gebäude schwerer Bauart zu betrachten. Hier sollten gleichfalls in allen Räumen örtliche Heizflächen vorge-sehen werden. Die Raumtiefen gestatten eine natürliche Be- und Entlüftung über die Fenster. Klimatisierungen einzelner Räume, Bereiche oder ggf. Vitrinen sind in Abstimmung mit dem Nutzer entsprechend Erfordernis bei sensiblen Exponaten zu entscheiden.
    Das Siemenshaus wird als Bürohaus genutzt. Es liegt eine mittelschwere Bauart vor. Die geografische Ausrichtung ist etwa in südwestlicher Richtung, so dass in den Sommermonaten durchgehende Sonneneinstrahlung über den ganzen Tag angenommen werden kann. Aus diesem Grunde wird hierfür der Einsatz von Heiz- und Kühldecken im gesamten Gebäude vorgeschlagen, um speziell im Sommer die Möglichkeit der Kühlung zur Einhaltung einer Raumtemperatur von 26°C nutzen zu können.
    Die Gedenkstätte bestehend aus Bunker und neuen Gebäude wird als Ausstellungs-fläche und Büros genutzt. Während der Bunker unbeheizte Ausstellungsfläche bleibt, wir der Neubau mit einer Fußbodenheizung ausgestattet.
    Eine zentrale Gebrauchswarmwassererzeugung versorgt die Handwaschbecken in den WC- Bereichen des Hauptgebäudes. Die Warmwasserbereitung für einzelne Waschbe-cken und Teeküchen an räumlich entfernten Standorten wird über örtliche Unter-tischspeicher vorgesehen.
    Allgemeine Medienversorgung
    Das Gebäude ist medientechnisch bereits erschlossen. Es besitzt Anschlüsse für Fernwärmeanschluss, Trinkwasserversorgung, Schmutzwasserentsorgung, und Elektro-technische Versorgung. Alle vorhandenen Anschlüsse sind zu nutzen, aber in Ihrer Funktionsfähigkeit und Dimensionierung zu überprüfen und ggf. zu erneuern.
    Die Medienanschlüsse befinden sich im Untergeschoß des Hauptgebäudes. Hier sind zweckmäßigerweise auch die Technik-Zentralen für Heizung mit der zentralen Ver-teileranlage, für die Lüftungsanlagen und für die Elektroversorgung unterge-bracht.
    Haustechnische Versorgung Bereich Bibliothek und Bibliotheksverwaltung (1. Bauabschnitt)
    Heizungstechnisch werden die Räume des Bibliotheksbereiches mit örtliche Heiz-flächen versehen mit Abrechnung über Heizkostenverteiler. Die Verwaltung im Sie-menshaus wird mit Heiz- und Kühldecken versehen mit Abrechnung über Wärmemengen-rechner.
    Die Publikumsbereiche der Bibliothek, inkl. Lesesäle und Bücherturm, werden me-chanisch Be- und Entlüftet mit einem 5 - 7facher Luftwechsel über ein Lüftungs-gerät mit regenerativer Wärmerückgewinnung (Wärmerückgewinnung 90%) und mechani-scher Nachkühlung und Nachheizung. Die Aufstellung des Gerätes ist in der vor-handenen Lüfterzentrale des Untergeschosses vorgesehen. Die Luftverteilung er-folgt über Schächte zwischen den Geschossen sowie innerhalb der Geschosse in Zwischendecken. Die Frischluftansaugung und Abluft erfolgt über Dach.
    Die Sanitärtechnik wird komplette entkernt und neu installiert. Die Ver- und Entsorgungsleitungen werden in Schächten geführt. Und eine zentrale Warmwasser-bereitung für Waschtische in den WC-Bereichen sowie Teeküchen vorgesehen. Grund-sätzlich gilt für die Toilettenbereiche aller Gebäudeteile, dass die WC´s mit einem 5-fachem Mindestluftwechsel gemäß ASR zu be- und entlüften sind. Das Lüf-tungsgerät wird mit rekuperativer Wärmerückgewinnung versehen. Die Aufstellung der Lüftungsgeräte erfolgt im Dachgeschoß.
    Haustechnische Versorgung Bereich Volkshochschule (1. Bauabschnitt)
    Heizungstechnisch werden die Räume der Volkshochschule im 1. und 2. Obergeschoß mit örtliche Heizflächen und die Räume im Mansardenbereich mit Heiz- und Kühlde-cken versorgt. Die Abrechnung im 1. und 2. Obergeschoß erfolgt über Heizkosten-verteiler. Die Abrechnung für die Heiz- und Kühldecken wird als separater Heiz-kreis mit eigener Zähleinrichtung geführt.
    Die drei neu entstehenden Säle im 1. Obergeschoß (Versammlungs- und Seminarräu-me) werden mechanische Be- und Entlüftet und zusätzliche mit einer Umluftkühlung mit Lufttrocknung zur Abfuhr innerer Wärmelasten versehen. Das Lüftungsgerät, mit regenerativer Wärmerückgewinnung (Wärmerückgewinnung 90%) und mechanischer Nachkühlung, wird in der Lüfterzentrale des Untergeschosses aufgestellt.
    Die Sanitärtechnik wird, wie bei der Bibliothek, entkernt und neu installiert. Die Ver- und Entsorgungsleitungen werden in Schächten geführt, und eine zentrale Warmwasserbereitung für Waschtische in den WC-Bereichen sowie Teeküchen vorgese-hen.
    Haustechnische Versorgung Bereich Stadtmuseum (2. Bauabschnitt)
    Die Räume des Stadtmuseums werden mit örtlichen Heizflächen und einem separaten Heizkreis mit eigener Zähleinrichtung versehen. Die Sanitärtechnik erfolgt wie bei der Bibliothek und Volkshochschule.
    Haustechnische Versorgung Bereich Gedenkstätte (2. Bauabschnitt)
    Die Gedenkstätte unterteilt sich in den Bunker und einen Nord/Ost gerichteten, vorgesetzten Neubau. Der Bunker bleibt unbeheizt als Kaltbau. Der hygienische Mindestluftwechsel wird durch Einbau eines Axialventilators im Abluftschacht des Erkers erreicht. Der vorgesetzte Neubau mit Fotothek, Handbibliothek und Büros sollte mit einer Fußbodenheizung ausgestattet werden. Die Wärmeversorgung erfolgt von der Fernwärmestation im Keller der Bibliothek. Über einen Verbin-dungsgang zum Bunkergebäude können die Wärmerohrleitungen verlegt werden. Die Be- und Entlüftung des Neubaus erfolgt als natürliche Lüftung über die Fenster.
    Qualitative Einschätzung der Betriebskosten
    Für den Betrieb der vorgenannten haustechnischen Anlagen treten Betriebskosten auf hinsichtlich
    - Wärmeversorgung durch den bestehenden Fernwärmeanschluß
    - Stromversorgung für den Betrieb der zu installierenden Lüftungs- und Kühlgerä-te
    - Wasser ver- und Schmutzwasserentsorgung der Sanitärbereiche.
    - Beleuchtung, elektrische Verbraucher im Büro- und Bibliotheksbereich.
    Die gesamte Heizungsanlage wird neu ausgelegt und hydraulisch abgeglichen. Der Heizwärme- Anschlusswert des Gebäudes wird ggf. reduziert und neu mit den Stadt-werken vereinbart. Verwendete Baumaterialien werden entsprechend den Anforderun-gen an eine energiesparende Bauweise ausgewählt. Es ist davon auszugehen, dass der Heizungswärmebedarf für die Raumheizung erheblich verringert werden kann.
    Zusätzlicher Wärmebedarf wird für die Nachheizung der Zuluft der Lüftungsanlagen benötigt. Durch den Einsatz hocheffizienter Technik, regenerativen Wärmerückge-winnung mit einem Wärmerückgewinnungsgrad von über 90 %, vollständige Dämmung der warmgehenden Rohrleitungen und Armaturen im Keller, in Schächten und Zwi-schendecken, wird eingeschätzt, dass die bisherigen spezifischen Verbrauchskos-ten für die Raumheizung ebenfalls erheblich verringert werden können.
    Die für den Betrieb der Lüftungs- und Kälteanlagen erforderliche Stromversorgung führt zu einer Erhöhung der elektrischen Betriebskosten. Hinsichtlich der Be- und Entlüftung ist den Erfordernissen der Arbeitsstättenrichtlinie Rechnung zu tragen. Mit dem Einsatz der Kühlung und der damit verbundenen Trocknung der Luft in den 3 Sälen im 1.OG ist eine wesentliche qualitative Verbesserung des Raum-klimas zu erwarten. Die damit verbundenen Stromkosten werden jedoch durch den Einbau hoch effizienter Technik im spezifischen Verbrauch gering ausfallen und denen heutiger moderner Bürogebäuden entsprechen.
    Mit der kompletten Neugestaltung der Sanitären Räume, dem Einsatz wassersparen-den Armaturen, den hygienischen Erfordernissen entsprechenden Trinkwasserleitun-gen mit vollständiger Wärme- und Kältedämmung wird der Sanitärbereich den heuti-gen Anforderungen entsprechend gestaltet. Mit einer Regulierung der Härte des Wassers wird die Lebensdauer von Rohrleitungen und Armaturen verlängert und die Kosten für Reparaturen gemindert. Selbst bei einer Erweiterung der sanitären Bereiche sollten sich die Betriebskosten für die Wasserver- und Schmutzwasser-entsorgung nicht vergrößern.
    Zusammenfassend können wir feststellen, dass mit den oben beschriebenen Maßnah-men die Betriebskosten für das umgebaute Gebäude, bestehend aus Energiekosten, Wartungs- und Instandhaltungskosten, denen vergleichbarer moderner Neubauten mit vergleichbarer Nutzung entsprechen werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.