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  • DE-10179 Berlin
  • 09/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-12184)

Stadtmuseum im Marinehaus


  • Ankauf

    Ansicht Haupteingang, © AHM Architekten

    Architekten
    Arnke Häntsch Mattmüller AHM Architekten, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Peter L. Arnke, Brigitte Häntsch, Rolf Mattmüller

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: as-if Architekten, Berlin (DE), Wien (AT)
    Bauingenieure: PICHLER Ingenieure GmbH, Berlin (DE)
    Bauingenieure: PHA Planungsbüro für Haustechnische Anlagen GmbH, Breuna (DE)

    Erläuterungstext
    Entwurfskonzept
    Das Haus dient der Museumsnutzung und der zentrale Museumsverwaltung. Der Gebäudeentwurf soll beiden programmatischen Aspekten in angemessener Weise entsprechen und auch der Verwaltung des Museums Ausdruck verleihen. Als wesentliches Signet für die neue Bedeutung des Hauses wird der in den 1980’er Jahren entfernte Turmaufsatz wiederhergestellt und der Turmrisalit als Ganzes gestalterisch neu interpretiert.
    Auf diese Weise wird die Asymmetrie des Gebäudes und seine städtebauliche Bedeutung im Ensemble zurück gewonnen und das neue Museum in Stadtraum sichtbar.
    Der Turm übernimmt im Erdgeschoss den durch großflächige Verglasung deutlich hervorgehobenen neuen Haupteingang zum Museum. In der Turmhaube befindet sich hinter dem großen Panoramafenster der große Besprechungsraum der Museumsverwaltung.
    In Fortsetzung des Turmes entwickelt sich in den Hof hinein die Aufstockung für die Zentralverwaltung. Der bestehende Seitenflügel einschließlich der angelagerten Treppenhäuser wird dabei überbaut. Gleichzeitig wird das Dachgeschoss über dem Saalbau für Verwaltungszwecke umgebaut und bindet funktional an die Aufstockung des Seitenflügels an.
    Der interne Diensteingang erfolgt über die westseitige Durchfahrt Hof I in die Rundung des historischen Haupttreppenhauses.
    Innerhalb der ostseitigen Durchfahrt Hof II findet die Trockenanlieferung mit Anbindung an den Lastenaufzug statt. Der notwendige Fluchtweg bleibt parallel erhalten.

    Die Ausstellung befindet sich in jeweils drei Geschossen im Saalbau und im Seitenflügel. Das attraktive historische Haupttreppenhaus bildet den zentralen Erschließungskern und ermöglicht interessante Ein- und Ausblicke in das Museum (Galerien in den Zwischengeschossen). Zusätzliche Treppenverbindungen an der Westfassade komplettieren den Rundgang durch die Dauer- und Wechselausstellung und ermöglichen flexible Nutzungszusammenhänge wechselnder Ausstellungskonzeptionen.
    Der Besucher betritt das Museumsfoyer durch den Haupteingang im Turmrisalit. Im Turm befindet sich der Warte- und Informationsbereich. Die hieran anschließende historische Säulenhalle nimmt den Shop- und Kassenbereich auf. Der Museumsshop erhält über den vorhandenen Straßenseitigen Eingang eine separate Erschließungsmöglichkeit.
    Auf dem Weg zum historischen Zentraltreppenhaus liegt der Garderobenbereich. Die an der Fassade des Seitenflügels angeordnete gut belichtete orangerieartige Cateringzone mit Zugang zum Hof bietet Raum für vielfältige ergänzende Nutzungen, von der Garderobenerweiterung bis zum privaten Festsaal.
    Über das Haupttreppenhaus bzw. den hier angeordneten Aufzug erreicht der Museumsbesucher die Dauerausstellung im 2. Obergeschoss +11.00 sowie das ‚Unterirdische Berlin’ im Kellergeschoss des Seitenflügels. Die Wechselausstellung beginnt bereits im Erdgeschoss Saalbau und erstreckt sich, verbunden über eine interne Treppe ins erste Obergeschoss +5,00. Die Ausstellungsflächen sind aufgegliedert in Einheiten von jeweils ca. 200 qm Größe, die im Zusammenhang, aber auch einzeln genutzt und erschlossen werden können. Die Möglichkeit getrennter Tarifzonen für die Dauer- und Wechselausstellung ist gewährleistet.

    Die Geschossebene auf +11.00 in der ehemaligen Galerieebene des Saalbaues reagiert auf den räumlichen Kontext des zweigeschossigen Saales, indem sie sich partiell von der Außenwand löst und vertikale Lufträume schafft. Die Lufträume werden jeweils von wandartigen Aufkantungen der Deckenplatte begrenzt. Auf diese Weise wird direktes Licht der Saalfenster zurückgehalten, gleichzeitig aber ein Erlebnisraum und eine Ausblicksmöglichkeit geschaffen, die den Bezug zum Ort und dem gegenüberliegenden Märkischen Museum, z.B. beim Begehen der hier angeordneten Treppen, hergestellt.

    Folgende Ein- und Ausbauten erreichen eine flexibel nutzbare Ausstellungskonzeption:
    Parallel zur Längswand an Schienen verschiebbare Hängewände bilden mögliche Raumunterteilungen und Nischen im Zusammenhang mit dazwischen eingehängten Verbindungselementen (aus Glas, stoffbespannten Rahmen oder dgl.).
    Ein modulares System aus senkrecht zur Außenwand verlaufenden Stromschienen mit Hohlräumen zur Medienführung bieten Steckplätze für variable Leuchtenpositionen (Leuchtstoffröhren zur Galeriegrundbeleuchtung und Strahler für Spotbeleuchtung) Lautsprecher u.a. Medien.

    Denkmalgerechter Umgang
    Der Entwurf erhält das Ensemble und den Eindruck der ‚historisch gewachsenen’ Gebäudegruppe (Ensembleschutz) im Sinne des Denkmalschutzes. Die in den 1980’er Jahren entfernte Turmüberhöhung
    des westlichen Risalites wird mit zeitgemäßen architektonischen Mitteln wiederhergestellt und damit der Asymmetrie der ursprünglichen gestalterischen Lösung Rechnung getragen.
    Alle weiteren erforderlichen Erweiterungsmaßnahmen erfolgen im rückwärtigen Hofbereich bzw. im Gebäudeinneren (Galeriegeschoss und Dachgeschoss Saal).
    Das historische Zentraltreppenhaus bleibt als zentrales Treppenhaus für den Ausstellungsbereich erhalten. Der Hofeingang wird revitalisiert und erhält seine Bedeutung als Diensteingang.

    Wirtschaftlichkeit
    Der Entwurf ist durch Flächeneffizienz geprägt und nutzt alle vorhandenen Raumressourcen. Die Aufstockung für den Verwaltungsbereich ist kompakt und wird in konventioneller Bauweise erstellt.
    Die Geschossdecken sind als Plattenbalken- Fertigdecken konzipiert und erreichen dadurch eine rationelle elementierte Bauweise mit entsprechend hochwertiger Qualität.
    Die erforderliche statische Ertüchtigung der vorhandenen Bausubstanz und die Neueinbauten berücksichtigen die örtlichen Gegebenheiten für Baustelleneinrichtung und Bauverfahren durch Einsatz von Fertigteilen für die Geschossdecken und Mauerwerk für die Wände.
    Die auf Grund der Nutzungsänderung neu einzuziehenden Geschossdecken im Saalbau werden stützenfrei auf die Außenwände bzw. Unterzüge/Überzüge aufgelagert. Der Lastabtrag erfolgt über in die Außenwände integrierte Pfeiler mit neuer Pfahlgründung.
    Die für den Museumsbetrieb erforderliche Absenkung der Kellersohle erfolgt im Seitenflügel (HDI-Verfahren) und geht einher mit der Ertüchtigung der Außenwände und Gründung für den Lastabtrag der Neueinbauten.

    Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
    Mit der Erneuerung des Daches im Saalbau, neue Fenster und einen zusätzlichen Innendämmputz wird eine deutliche thermische Verbesserung der Hüllfläche erreicht.

    KONZEPT – Heizung/Lüftung/Kühlung
    Im gesamten Gebäude werden nur die Ausstellungsräume nach konservatorischen Anforderungen klimatisiert, d.h. beheizt, gekühlt, be- und entfeuchtet.
    Durch den Einsatz von hygrostatischen Baumaterialien und der diffusionsoffenen Endbeschichtung der Flächen ist eine zusätzliche mechanische Lüftung der Ausstellungsräume nur in einem sehr geringen Umfang nötig.
    Der winterliche Transmissionswärmebedarf sowie die sommerliche Kühllast wird über eine Aktivierung der Decken und Fußböden gedeckt.
    Bedingt durch die höhere und homogene Oberflächentemperatur der Umgebungsflächen werden die Exponate in den Ausstellungsräumen das höhere Temperaturniveau von ca. 18-22°C annehmen.
    Da auch das Behaglichkeitsempfinden beim Einsatz von Flächenheizsystemen steigt, ist eine Raumtemperatur in den Ausstellungsräumen von nur 18°C völlig ausreichend.
    Die Temperaturabsenkung auf 18°C verringert nicht nur den zu erwartenden Transmissionswärmebedarf sondern reduziert ebenso den Energiebedarf der raumlufttechnischen Anlagen.
    Durch die Senkung der Raumtemperatur im Winter ist eine zusätzliche Befeuchtung der Zuluft für die Sicherstellung der konservatorischen Raumluftkonditionen nur in einem sehr geringen Umfang nötig.
    Im sommerlichen Kühlfall können die vorgesehenen Raumkonditionen ebenfalls gleitend über einen längeren Zeitraum angehoben werden.
    Abrupte Schwankungen der Raumkonditionen werden sich auch bei kurzfristigen extremen klimatischen Wechseln aufgrund der großen Speichermassen, den eingesetzten hygrostatischen Baumaterialien und der dynamischen Aktivierung der Bauteile nicht einstellen. Somit kann auch der Einsatz der raumlufttechnischen Anlagen im sommerlichen Kühlfall minimiert werden
    Ein max. 1 bis 2facher Luftwechsel pro Stunde wird aufgrund der Speichermassen und der dynamischen Aktivierung des Baukörpers nicht überschritten.
    Die geplanten Lüftungsanlagen für die Ausstellungsräume werden nur zur Sicherstellung eines kontrollierten Mindestluftwechsels sowie zur Endkonditionierung der Raumluftfeuchte unterstützend herangezogen.
    Die Ausstellungsräume werden durch die raumlufttechnischen Anlagen im leichten Überdruck gehalten.
    Die Zuluft wird in den einzelnen Etagen an den Stirnwänden über Schattenfugen eingebracht.
    Die Abluft wird zentral im 1.Obergeschoss abgesaugt. Die Zuluft strömt als Verdrängungslüftung über den Luftverbund des Treppenhauses nach.
    Damit auch unterschiedliche Lastfälle in den Ausstellungsräumen berücksichtigt werden können, kann die zentrale Zuluft in den einzelnen Geschossen nachkonditioniert werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.