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  • DE-94469 Deggendorf
  • 10/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-12344)

Landesgartenschau Deggendorf 2014


  • 4. Preis

    Übersicht Dauernutzung

    Landschaftsarchitekten
    hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Stefan Wiebersinsky, Franziska Böhmert, Anne Rohde, Anja Schier, Jana Neumann

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Jens Schmahl, Berlin (DE)
    Bauingenieure: Bollinger + Grohmann Ingenieure, Frankfurt am Main (DE), Berlin (DE), München (DE), Wien (AT), Paris (FR), Oslo (NO), Melbourne (AU), Rom (IT)

    Erläuterungstext
    Die Deggendorfer Schleifen

    Einleitung:
    Die Stadt Deggendorf besticht durch ihre reizvolle, geografische Lage zwischen Donau und bayrischem Wald. Die attraktive, lebendige Altstadt mit Ihren zahlreichen baulichen und geschichtlichen Sehenswürdigkeiten lockt viele Besucher an. Deggendorf ist gleichzeitig ein moderner Wirtschaftsstandort mit dem Binnenhafen als besonderem Eckpunkt.
    Die Donau als wichtige europäische Wasserstraße und bedeutender Landschaftraum liegt derzeit jedoch relativ bezugslos zur Stadt, Verkehrstrassen bilden Barrieren aus, die es zu überwinden gilt, um die Stadt wieder ans Wasser heranzuführen.

    Konzept Gartenschau:
    Die „Deggendorfer Schleifen“, bandartige, sich im Wechselspiel aufweitende und verjüngende, materialeinheitliche Wegeerschließungen (vorzugsweise als glatter Belag, z.B. weißer Asphalt), verbinden Deggendorf mit dem neuen Landschaftsraum und der Donau. Am nördlichen Ufer bindet eine Schleife die Altstadt und den Grossteil des Stadtgebietes an das Ufer. Südlich der Donau bindet eine zweite, kleinere Schleife den Gartenschaubereich „Gäuböden“, die Stadtteile Fischerdorf und den Natternberg sowie den internationalen Radweg Viadanubia und die „Grüne Achse“ nach Plattling an die Donauauen an. Die neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke koppelt die beiden Schleifen zusammen.
    Die Deichvorlandflächen werden in ihrer Funktion als offene Retentionsräume (Wiesenflächen mit vereinzelten Baumneupflanzungen zur Akzentuierung) ausgebildet. Im „umschlungenen“ Teilbereich der Donauwiesen, nördlich des Schiffsanlegers bleibt der wertvolle Baumbestand erhalten.
    Ein hochwassersicherer Uferweg begrenzt das Donauufer. Das derzeit durch Wasserbausteine befestigte, steile und unzugängliche Ufer wird, zugunsten einer, naturnahen aber betretbaren Kies- und Sandschüttung mit Strandabschnitten, Feuerstellen, Donaubadestellen und einem kleinen, dem Campingplatz zugeordneten Wasserwanderhafen aber auch ruhigen, naturnah bepflanzten und geschützten Uferbereichen entwickelt. Der Fließdynamik der Donau wird hier ausdrücklich Raum gegeben, die künftige Veränderung dieser Uferbereiche ist gewünscht und wird durch entsprechende geschwungene Linienführung unterstützt.
    Im Norden bildet der „Stadthallenplatz“ den altstadtnahen Auftakt der großen Deggendorfer Schleife. Der Stadthallenpark bleibt in seinem Baumbestand und den Teich erhalten und wird aber durch neue Wegeverbindungen mit einem Gartenplatz und einen Spielplatz ergänzt. Die „Schleife“ südlich der Stadthallenerweiterung nimmt einen großzügigen Veranstaltungsbereich auf. Im neuen Gebäude besteht während der Gartenschau die „BlumenShowBühne“, die Blumenschau mit Showprogramm. Von hier aus geleitet die „Schleife“ Richtung Süden, die Edlmeierstraße begleitend bis zum Gartenschaueingang am neuen „Schiffssanleger“.
    Dieser präsentiert sich als großzügige Sitzstufenanlage zum Wasser im Wechsel mit Schiffsanlegebalkonen, das großartige Donaupanorama eröffnend. Die platzartige Aufweitung der Schleife wird hier mit Blühstauden- und Wechselflorbeeten akzentuiert. Die angrenzende Donauwiese im den Vorlandflächen bietet, unter Berücksichtigung des vorhandenen Baumbestandes, einen Biergarten, eine kleine Donaubühne mit Bestuhlung, sowie einen Kinderspielplatz an. Die Bogenbachmündung wird mit kleinen Kiesinseln und Steinschüttungen als naturnaher Mündungsbereich ausgebildet, der sich im Laufe der Zeit durch die Fließdynamik des Baches verändern wird. Die „Bogenbachfenster“ sind gläserne Guckkästen die, vom Ufer über Trittsteine erreichbar die Unterwasserwelt des Baches eröffnen. An der „Schleife“ ertönen aus der „Wasserorgel“ sphärische Klänge und ziehen die neugierigen Besucher an.
    Über den „Eingang Deichgärten“ geleitet die Schleife gen Westen zunächst über eine neue Fußgängerbrücke auf die Westseite des Bogenbachtales, den Bach begleitend nach Süden bis zum neuen Vorlanddeich. Sitzstufen laden zum kontemplativen Verweilen im naturnahen Uferhang.
    Parallel zum Deich entstehen angeschmiegt an die Schliefe die neuen „Deichgärten“ mit dem „Park-Haus“ als südlicher Abschluss des Festplatzes. Die Gliederung der Deichgärten, als zentraler Gartenschaubereich, entspringt dem Raster der darunter liegenden Stellplätze und Fahrgassen. Hier werden die Themengärten mit fünf spezifisch Deggendorfer Themenbereichen (Gläsernes Band, Goldener Steig, Donauwasser, Dunkle Wälder und Bayrische Gärten) präsentiert. So erinnern das „Mosaik“, der „Quarzpfahl“, und der „Glasbläser-Klanggarten“ an die traditionelle Glasindustrie. „Goldwäscher Garten“, „Goldrausch“, und „Salzgarten“ erinnern an die historische Handelsstrasse „Goldener Steig“. „Biberburg“ und „Treibholzgarten“ nehmen die Donau als Thema auf. Hier können sich auch die Donauanrainer-Städte im „Bridge Lifeline Danube“-Garten präsentieren. „Bärwurzgarten“, „Moosbett“, „Stammwerk“, „Wurzelgarten“, „Canis Lupus“ und „Schachten-Landschaft mit Kühen“ entführt in typische Themenbereiche des bayerischen Waldes. Beispiele für die Präsentation anderer bayrischer Regionen sind „Klettersteig“ und „Hopfenpergola“.
    Ein besonderer Bereich sind die Gärten unter der Autobahnbrücke: Die „Spiegel-Lounge“ relativiert durch die Verkleidung der Brückenmauer mit poliertem Edelstahl die Enge unter der Brücke.
    Beim „Goldrausch“ kann man „dem Rauschen lauschen“; Große Wasserbecken können durch Klopfen zum Schwingen gebracht werden und beim \"Lauschen\" einen Kontrast zum Autobahnrauschen herstellen.
    Der „Abhäng-Garten“, ein Stangenwald bietet variable Möglichkeiten Hängematten zwischen den einzelnen Stämmen anzubringen und so einen Ort des Verweilens zu schaffen.
    Beim „Klettersteig“ bieten vertikale Kletterelemente eine Möglichkeit zur Ausübung eines typisch bayrischen Breitensports.

    Streng geschnittene Heckenblöcke gliedern die Vielfalt der Gärten, dienen als „Grüne Grenze“ zwischen den Themenbereichen. Kleine Plätze bieten mit Liege- und Sitzelementen kurze Verschnaufpausen an. Rasen oder Wiesenbänder begleiten die deichparallel verlaufenden, internen Wege.
    Das „Park-Haus“ mit möglichen 900 Stellplätzen im 1. Bauabschnitt (darin enthalten 250 der Fachhochschule, die derzeit noch im Freien angeboten werden) und 450 Stellplätze im 2. Bauabschnitt, ist eine Stahlbetonskelettkonstruktion, die Fassaden zum Festplatz werden als transluzente Gewebe ausgebildet. So besteht immer eine Beziehung zwischen Innen und Außen.
    Die Verknüpfung mit dem Deichgärten auf seinem Dach erfolgt über die Lüftungsöffnungen die, ebenfalls dem Raster der Stellpätze entspringen (in der Größe von 3 bzw. 5 Stellplätzen 7,5x5m / 12,5x5 m) und quasi aus der Konstruktion ausgestanzt sind. Die Lüftungsöffnungen sind im Parkhaus als Tiefgärten ausgebildet und mit Bäumen oder Bambus bepflanzt, deren Krone in die Gärten hineinwächst, die Ebenen durchdringen sich, verschmelzen zum „Park-Haus“. So entsteht ein freundliches, helles Umfeld für die Nutzer des Park-Haus und interessante Einblicke für die Besucher der Deichgärten.
    Gleichzeitig kann durch die natürliche Belüftung eine wirtschaftliche Konstruktion erreicht werden. Zudem ist diese in Etappen realisierbar. Als Angebot für die Landesgartenschau und für die Nachnutzung wird ein Cafe auf den Dachgärten entwickelt. Die Erschließung vom Festplatz zu den Gärten erfolgt über in die Tiefgärten integrierte Aufzüge und Treppenhäuser festplatzseitig.

    Die Vielfalt der Verkehrswege an diesem wichtigen Knotenpunkt lässt Transitfenster entstehen, außergewöhnliche Räume, die den Ort definieren. In diesen Fenstern werden die „Transitgärten“ entwickelt, ruhige Orte umspült von Verkehrswegen, von den höher gelegenen Verkehrstrassen einsehbar. Farbige, transparente Textilwände leuchten bereits den Anreisenden entgegen. Sie führen den Besucher in einen labyrinthischen Innenraum. Dort entstehen ortspezifische Gartenräume, die das Thema des Transits - der Passage – zum Inhalt haben: „Große Freiheit - Living in a box“ zwischen Autobahnbrücke, Deichgärten und Bogenbachdeich thematisiert den Gütertransport über die Donau und den Freihafen. Container mit unterschiedlichen Nutzungen wie Ausstellungen, Kino, Gastronomie und kleine Blumengärten können in der Nachnutzung von den Studenten der FH als Studentenweiler genutzt werden.
    „Traffic Island“ ist eine künstliche, tropische Insel, die mit Holzdeck, Palmen, Liegestühlen und einer Coctailbar zum entspannten Aufenthalt in der Autobahnschleife einlädt. Der „Garten der Migranten“ im Gleisdreieck zeigt, welche Pflanzen in bayerischen Gärten bereits heimisch geworden sind obwohl sie als „Einwanderer“ (über die verschiedensten Verkehrswege eingeschleppte Neophyten) ursprünglich ortsfremd waren.
    Der Transitgarten „Insel Tabu“, die nicht betretbare Donauinsel, ist nur aus der Ferne von der neuen Brücke durch Ferngläser zu betrachten. Farbige Stoffbänder schlingen sich um den Baumbestand, leuchten von Ferne, akzentuieren im Kontrast die wilde Natur der Insel.

    Den Deich überbrückend geleitet die Schleife weiter zu SDDG Halle mit Café-Restaurant „Donaublick“ und zurück zum Deich und von dort aus entlang des Deichfußes stadtauswärts, parallel zur Deichpromenade auf dem Deich. Die Gaststätte „Ankerstüberl“ wird dabei angebunden, welche, mindestens bis Ende der Gartenschau, gerne aber auch langfristig als ortspezifische Besonderheit und ausnahmsweise im Retentionsraum erhalten bleiben sollte.

    Der Festplatz Ackerloh wird durch den Sportpark Deichgarten einen strengen Baumhainen mit Lichtungen für einen Skatepark, Streetball, Boulespiel und Asphaltstockschießen getrennt. Der Platz wird während der Gartenschau für Gärtner- und Handwerkermarkt, für Zelte mit Blumenschauen und als Busstellplatz für die Besucher genutzt.
    Westlich der Bahntrasse entsteht der Parkplatz Deichwiesen mit 1000 Stellplätzen, der in der Nachnutzung als Festplatzerweiterung dient.
    Nördlich des Deiches entsteht daran anschließend das Freizeitareal Deichwiesen mit dem neuen Tennisplatz mit drei Courts, zwei Übungsflächen für Jugendliche, Klubheim, Umkleidekabinen und den dazugehörigen Sanitäreinrichtungen; dem Campingplatz und weiteren Freizeitsportangeboten wie Beach-Volleyball, Bolzplatz, Tischtennis, und eine offene Drachenwiese.

    Ein Funktionsband begleitet die Neusiedler Straße stadtauswärts, welches die Infrastruktureinrichtungen des Festplatz, des Tennisvereins und des Campingplatzes aufnimmt.

    Jenseits der Bahntrasse bildet ein großer, sich auflösender Baumhain (in Fortsetzung des Baumhains zwischen Festplatz und Deichgärten) den Puffer zwischen Deichpromenade und Campingplatz. Hier entsteht ein Kraxelgarten mit Kletterwänden und Hochseilgarten zwischen den Bäumen. Gleichzeitig bieten die Bäume schattige Zeltplätze.

    Die kleinere Schleife südlich der Donau beginnt mit einer Platzaufweitung um das ehemalige, technische Gebäude am Saubachwehr, welches zum Saubachkrug, einer kleinen Gastronomie mindestens während der Gartenschau, umgenutzt werden kann.
    Der Gartenschaubereich „Gäuböden“ wird als temporärer Gartenschaubeitrag aufgefasst. Hier werden thematische Pflanzungen in Bezug auf die landwirtschaftliche Nutzung des Ortes gestellt, dazu zählen insbesondere nachwachsende Rohstoffe wie Energiemais und -roggenfelder, Raps und Sonnenblumen-„Ölfelder“, Chinaschilf-Labyrinth etc., aber auch ein Kirschenhain („Gut Kirschen essen“) und ein gemischter Apfel- und Birnenhain („Äpfel mit Birnen vergleichen“).
    Eine Picknickwiese und ein kleiner Wasserspielplatz, die auch langfristig für die Radwanderer erhalten bleiben können, runden das Gartenschauprogramm auf dieser Donauseite ab.

    Fußgänger- und Radwegebrücke:
    Am Saubachkrug schließt auch die neue Fußgänger- und Radwegebrücke an.
    Sie lehnt sich architektonisch an die geplante Eisenbahnbrücke an, welche in Stahlbauweise erstellt werden soll.
    Das globale statische System ist ein fünf-feldiger Durchlaufträger mit einer Gesamtlänger von ~480m, wobei das längste Innenfeld eine Länge von 106m aufweist. Die sechs Auflager sind Y-förmige Stahlbeton-Brückenpfeiler.
    Das architektonische Konzept sieht einen einseitig offenen Brückenquerschnitt vor.
    Die Realisation dessen erfolgt über die globale Ausbildung eines C-Profils, dessen Lastfluss über Fachwerkstäbe aufgenommen wird.
    Bei Belastung des Querschnitts wird zwischen den Brückenpfeilern, die jeweils als Gabellager fungieren, eine Verwindung erzeugt. Um dieser entgegenzuwirken dient das liegende „Dach“- Fachwerk, das durch seine Steifigkeit eine Verdrehung minimiert. Sowohl das stehende Stegfachwerk als auch die beiden liegenden Fachwerke der Lauffläche und des Daches folgen einer Dreiecksformation, die aus geschweißten Hohlkästen gefertigt werden.
    Die Auflagerung der Durchlaufkonstruktion auf den Stahlbeton Brückenpfeilern erfolgt ausschließlich über den Steg auf gleitfähigen Auflagerkonsolen, um Zwängungen aus Temperaturlasten zu vermeiden.
    Daueranlage
    Da der Entwurf entsprechend dem Programm der Auslobung auf nachhaltige Nutzung ausgerichtet ist, beschränkt sich der Rückbau nach der Gartenschau auf die spezifische Gartenschauinfrastruktur der Kassenhäuschen, gastronomischen Einrichtungen, Gärtnermarkt etc. und auf die sehr pflegeintensiven Pflanzungen (insbesondere Wechselflorflächen und einige Themengärten), die dann zu pflegeleichten Staudenpflanzungen oder Wiesenflächen entwickelt werden können.
    Der Gartenschaubereich „Gäuböden“ auf der südlichen Donauseite wird, mit Ausnahme der Obstbaumpflanzungen, und des Fahrradrastplatzes zurückgebaut. Dies gilt insbesondere für die thematischen Pflanzungen/nachwachsende Rohstoffe etc.
    Aufgrund dieser sehr geringfügigen Änderungen gegenüber dem Gartenschauplan wurde der Daueranlagenplan- anders als in der Auslobung gewünscht - lediglich im Maßstab 1:2000 dargestellt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

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Zuletzt aktualisiert 07.04.2009, 18:43
Beitrags-ID 4-23253
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