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  • DE-90562 Heroldsberg
  • 10/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-12345)

Neubau STABILO Verwaltungsgebäude am Hauptsitz Heroldsberg


  • 2. Preis

    Modellbild

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    10.000 EUR

    Erläuterungstext
    Idee

    Ziel des Entwurf ist es die Markenwerte der STABILO GmbH in einem Gebäude umzusetzen.

    Den Begriffen „Trailblazing“, „Colourful“ und „European Quality“ entspricht das neue Gebäude über die funktional notwendigen Verwaltungsstrukturen hinaus, vor allem durch ein einprägsames Gesamtkonzept. Dieses ist entwickelt aus dem eigenständigen Baukörper mit seinem „lebendigen“ Inneren, bishin zur Fassade, mit der sich interessante Farbstimmungen erzeugen lassen ohne aufdringlich zu wirken. Das Gesamtpaket steht für die zeitgemäße Identifikation der STABILO GmbH und ihrem baulichen Ausdruck.


    Städtebau

    Der Neubau des STABILO Verwaltungsgebäudes liegt in einem sehr heterogenen Umfeld. Es ist geprägt von großen Industriehallen und dem optisch dominanten Verwaltungsbau. Um die angestrebte Distanzierung von der bestehenden CI zu erreichen und dem Neubau zu der gewünschten Eigenständigkeit zu verhelfen löst sich der Baukörper aus den Achsen der Umgebungsgebäude.
    Die Gebäudegeometrie besinnt sich auf eine einfache und klare Formsprache. Geometrisch einfach und mit angemessener Größe reagiert das neue Gebäude zurückhaltend auf die Umgebung, erhält aber gleichzeitig eine große, repräsentative Fassadenseite zum Schwanweg.
    Es entsteht das Bild eines „schwebenden Verwaltungsbaus“. Die Stellplätze, die durch den Neubau entfallen werden im Norden des Grundstücks ergänzt. Das neue „Herz“ der STABILO International GmbH liegt vom Schwanweg aus gut sichtbar und prägnant neben dem Bestand und kann unproblematisch erweitert werden.


    Aussenräume / Innenräume

    Der Neubau wird so positioniert, dass die Anbindung an den Bestand funktioniert, er aber gleichzeitig den nötigen Abstand zum bestehenden Verwaltungsbau einhält. Durch die Anordnung nördlich des Bestandes wird dieser nicht verdeckt - eine respektvolle Geste. Zwische Alt- und Neubau spannt sich eine Grünfläche auf, die den Auftakt für eine leicht ansteigende Parklandschaft bildet, und direkt an den im Westen angrenzenden Park öffnet. Duch die Positionierung ist auch in Zukunft eine problemlose Anbindung bzw. Zufahrt zum Technikum möglich. Ebenfalls verstellt der Neubau den Blick aus dem Park auf den Parkplatz.
    Thematisch werden die Höfe des bestehenden Verwaltungsbaus übernommen. Im Neubau entstehen so lichtdurchflutete Innenhöfe, die zur Qualität der Arbeitsplätze und Aufenthaltsräume beitragen.

    Der Neubau nimmt eine Schlüsselstellung ein. Er steht für den Markenwert und die Firmenphilosophie der STABILO GmbH. In ihm werden ökonomische Nutzungsstrukturen, kreative Freiräume mit innovativen Raumkonzepten vereint. Durch die Entstehung der „besonderen Orte“ aufgrund der Innenhöfe und der bewusst „aufgebrochenen“ Raumkanten ergibt sich eine neue spannende Identität.


    Erschliessung / Funktion

    Der Zugang zum Gebäude erfolgt über ein Foyer im Erdgeschoss. An dieses Foyer sind das Konferenz- und Projektzentrum, der „Planetkonzept Würfel“ und das Bistro direkt angeschlossen. Im rückwärtigen Teil des Erdgeschosses liegt die Abteilung IT und Rechenzentrum. Ebenfalls dort liegen die Küche und das Lager, sowie die Technikflächen.

    Über eine großzügige einläufige Treppe entlang eines Innenhofes erreicht man das Obergeschoss, in dem die Abteilungen Sales Service, Vertrieb 1-3 und Marketing liegen. Die Flächen dieser Abteilungen werden über Innenhöfe belichtet. Entlang der Verkehrsflächen sind über das gesamte Gebäude verteilt Kommunikationsflächen angeordnet. Die Büroräume haben eine Raumtiefe von 5 Metern, was optimale Belichtungssituationen garantiert. Durch die Anordnung der Verwaltungsräume auf einer Ebene werden kurze Wege garantiert, die flache Hierarchie wird baulich umgesetzt. Der Grundriss garantiert ein hohes Maß an Flexibilität, die Zellenbüronutzung kann im Bedarfsfall (auch zonenweise) in andere Bürostrukturen umgenutzt werden.
    Das gesamte Gebäude wird barrierefrei nach DIN 18025 Teil 1 und 2 ausgeführt. Über die nördlich und südlich gelegenen Fluchttreppenhäuser ist eine vertikale Kurzerschließung möglich.

    Die Anbindung an den Bestand funktioniert über einen Übergang, der südlich des Neubau an den bestehenden Eingang auf der Ebene -1 des Bestandes anschließt.


    Fassade / Materialität

    Die Fassade des Neubaus besteht aus einer Glashülle, die das Gebäude komplett umgibt. Vor dieser Glashülle werden in einer zweiten Schicht Sonnenschutzlamellen installiert, die in ihrer horizontalen Achse um 180 Grad drehbar sind. Durch die unterschiedliche farbliche Gestaltung der beiden Seiten entsteht ein Farbspiel in der Fassade. Die Fassadengestaltung verzichtet auf Vor- und Rücksprünge, es entsteht ein homogener, einprägsamer Baukörper.


    Konstruktion

    Das Gebäude wird in Stahlbeton ausgeführt. Das Tragwerk bildet sich aus Stützen, wandartigen Trägern, die die Aussteifung in Längs- und Querrichtung übernehmen (Bereich Aufzug und WC-Kerne) und einer Stahlbetonflachdecke (d=30 cm). Um die Flexibilität der Bürogrundrisse zu gewährleisten werden die Bürotrennwände in Leichtbauweise ausgeführt.


    Lüftung-, Kühlungskonzept

    Ziel des Energie und Klimakonzeptes ist es, durch eine Kombination von aktiven und passiven Maßnahmen den Energieverbrauch zu minimieren und dabei gleichzeitig den Komfort zu optimieren.

    Die sommerlichen Gebäudekühlung im gesamten Gebäude wird über Betonkerntemperierung abgedeckt. Die massiven Decken werden entsprechend nicht abgehängt oder verkleidet. Der effiziente außenliegende Sonnenschutz beugt zusätzlich einer sommerlichen Aufheizung des Gebäudes vor. Das Gebäude wird mit erhöhtem Dämmstandard versehen - Fensterflächen werden in 3fach-Wärmeschutzverglasung ausgeführt.

    Aufgrund der Grundrissanordnung ist es möglich jedes Büro individuell zu lüften. Zudem kann über die Innenhöfe eine Querlüftung stattfinden. Somit kann auf eine kontrollierte Belüftung verzichtet werden.

    Es wird ein möglichst hoher Grad an Tageslicht zur Beleuchtung angestrebt. Die inneren Lasten werden durch entsprechenden Einsatz von Stromsparlampen und lichtdichteabhängiger Steuerung gering gehalten. Verwendung von stromsparenden Lichtkörpern und - Geräten ( z.B. PCs, Kopierer, Faxgeräte, etc. --- Auswahl von Geräten mit geringem Stromverbrauch; Standby-Stromaufnahme beachten). Elektronische Regelung der Beleuchtung, z.B. Nutzungs- und Tageslichteinfallabhängig.
    Auf dem Dach wird großflächig eine PV- Anlage installiert.


    Abwasser

    Das auf den Dachflächen anfallende Regenwasser über wird über Falleitungen abgeführt. Regenwassersammlung auf dem Grundstück über Zisternen ermöglicht die Nutzung des Regenwassers für die Toilettenspülung, als Gießwasser oder eventuell als Löschwasserreservoir. Der überlauf aus den Zisternen wird auf dem Grundstück versickert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Um die angestrebte Eigenständigkeit zu erreichen, löst sich das Gebäude aus den Achsen der Umgebungsgebäude und dreht sich frei in die Landschaft.

    Als Entwurfskonzept wird ein quadratischer Baukörper mit 2 Geschossen vorgeschlagen. Die Fassadenlösung ist wohl proportioniert durch ein zurückgesetztes Sockelgeschoss und eine umlaufende, vorgesetzte Lamellenstruktur im Obergeschoss. Die Baumasse fügt sich in ihrer Geländeeinbettung und Höhenentwicklung zurückhaltend in die Umgebung ein und wird von den Hauptanfahrtswegen gut wahrgenommen. Die Fußgängererschließung erfolgt zum Osten über die Parkplätze zum Factory Outlet, Bistro und Konferenzraum. Die Anlieferung von Norden sieht keine direkte Andienung der Rechenräume vor. Eine überdeckte Anbindung zum Bestandsgebäude ist nicht vorgesehen, was wegen der kurzen Distanz aber vertretbar ist.

    Charakteristisch ist die Gliederung der Bürobereiche auf einer Ebene in vier Quadranten. Damit wird ein hohes Maß an Variabilität in der Nutzung erreicht. Im Gebäudezentrum wird ein natürlich belichteter Kommunikationsbereich angeboten. Die offene Eingangszone mit Einblicksmöglichkeit in einen Innenhof weist hohe gestalterische Qualität auf. Bei der Unterteilung des Konferenzraumes in Projekträume können Teilbereiche nur über Oberlichter belichtet werden. Insgesamt wird eine wunderbare Arbeitslandschaft angeboten.

    Das dargestellte Konstruktionsraster ist wirtschaftlich umsetzbar. Die Planungskennwerte liegen im Durchschnitt aller Arbeiten. Das natürliche Lüftungs- und Kühlungskonzept verspricht eine Minimierung des Energieverbrauchs.

    Dem Entwurfsverfasser gelingt mit dem klaren architektonischen Konzept eine zukunftsweisende Lösung der Wettbewerbsaufgabe.