loading
  • DE-50259 Pulheim
  • 09/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-12380)

"Regionale 2010 - Nordpark Pulheim"


  • Anerkennung

    Gesamtkonzept

    Landschaftsarchitekten
    bgmr Landschaftsarchitekten, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Dipl.-Ing. Martin Stokman Dipl.-Ing. Dirk Christiansen cand.-Ing. Lutz Verleger cand.-Ing. Helga Krüger

    Erläuterungstext
    Leitidee und Grundstruktur
    In der Landschaft vor Pulheim ist die historische und künftige Dynamik des Rheins ablesbar und wird multifunktional belebt. Die Kante der Mittelrheinterrasse im Westen wird behutsam als der dem Rhein entrückte Raum akzentuiert. Im östlich gelegenen Niederungsbereich des alten Rheins, der kleinen und großen Laache, kann zukünftig neue Vielfalt durch verändertes Hochwassermanagement entstehen. Im Norden wird zwischen Mittelrheinterrasse und den Niederungsbereichen als neues Element der „Pulheimer Bogen“ aufgespannt.

    Der „Pulheimer Bogen“ ist ein kompakter, linearer Parkraum entlang der Stadt-Landschaftskante. Er markiert einerseits den Übergang zwischen Stadt und Landschaft und trägt den Park zugleich hinaus in die Agrarlandschaft: Die Spannung des „Pulheimer Bogens“ zwischen Terrasse und Niederung entlädt sich quasi weiter in die Landschaft. Innerhalb der angrenzenden Felder- und Parzellenstruktur werden flexibel und in Abhängigkeit von Verfügbarkeit und Nachfrage Nutzungen eingestreut.

    Das Planungsgebiet wird so in einen übergeordneten Kontext gestellt: landschaftlich, indem die unterschiedlichen großräumigen durch den Rhein geprägten Landschaftsstrukturen lesbar gemacht werden, kulturell indem die Idee des Kulturlandschaftsnetzwerks mit dem Masterplan:grün für die Region Köln/Bonn für diesen Ort mit konkretem Leben gefüllt wird.

    Das Konzept geht also nicht allein von einem gestalterisch gesetzten Parkraum aus, sondern von Wechselbeziehungen und Austauschprozessen zwischen Kernen und Membranen, zwischen Stadt und Land, zwischen Nachfragern und Anbietern. Die neue Park-Landschaft wird räumlich und prozessual eingebunden in kooperative Prozesse und macht nicht Halt vor strukturellen Grenzen.


    Die Strategie
    Das Konzept des „Pulheimer Bogen“ wird neben den gestalterischen Setzungen als ein Prozess verstanden, der in die Landschaft weitergeführt wird - ausgedünnter, weniger urban, anders, aber nicht weniger attraktiv. So wie der Landschaftsraum mit seinen Wegen und Flächen, aber auch Produkten und Serviceleistungen vom Blumen-Selber-Pflücken bis zum Reiten ein wichtiger Komplementärraum für die Stadt ist, profitiert die Land(wirt)schaft von den Städtern, die diese Angebote nachfragen. Der „Pulheimer Bogen“ und der darüber miteinander verflochtene Stadt- und Landschaftsraum werden damit Teil einer Strategie der urbanen Landwirtschaft.


    Räumliches Konzept
    Entlang der heutigen Stadt-Landschaftskante wird ein durchgängiges, kompaktes Parkband – der „Pulheimer Bogen“- entwickelt, der wie ein ablesbarer Filter den Übergang von der Stadt in den Raum der urbanen Landwirtschaft markiert. Das Parkband verzahnt sich durch die Einbindung vorhandener und ergänzend entwickelter funktional definierter Felder (Spielplätze, Skateplatz, Plätze zum Verweilen mit Blick in die Landschaft etc.) sowie die Reaktion auf wichtige stadt- und landseitig angrenzende Strukturen (z.B. Grünstrukturen, Wegeverbindungen) mit seiner Umgebung und wird so zum räumlichen, funktionalen, aber auch atmosphärischen Vermittler zwischen Stadt und Landschaft.

    Das Parkband mit dem durchgängigem Weg wird gebildet durch eine Wiesenfläche mit eingelegten Pflanzbändern aus kombinierten Geophyten-Gräserpflanzungen und gerichteten Baumreihen (gemischte Pflanzung im durchlaufenden Raster, z.B. großer Parkbaum - Quercus rubra und kleiner, kompakter Baum - Crataegus monogyna u.a. im Bereich der Hochspannungsleitung), die sich als linearer Hain in unterschiedlichen Dichten über das Parkband legen.

    Der Tangentialweg mit seinen Begleiträumen stellt das Rückgrat des „Pulheimer Bogens“ dar. Es wird ein markanter, durchgängiger Weg mit einer Oberfläche aus glattem, gefärbtem Asphalt (Farbe „Sand“) angelegt. Über Stichwege, vorhandene Feldwege und Straßen sowie über Platzflächen wird der neue Tangentialweg mit dem vorhandenen, weiterentwickelten Wegesystem verflochten.

    Der Landschaftsraum erhält zusätzlich punktuelle Gestaltungselemente, die aus dem Pullheimer Bogen herauswachsen und zu besonderen Orten werden. Neben den raumgliedernden, wegbegleitenden Alleen entlang wichtiger überörtlicher Verbindungswege bilden die „Feldremisen“ an Wegekreuzungen „Orte“ und Anlaufpunkte in der Offenheit der Landschaft. Auf den „Kuppen“ der Mittelrheinterrasse setzen kompakte Baumhaine aus säulenförmigen, hochwachsenden Gehölzen punktuelle Akzente in der Landschaft.

    Vertiefungsbereiche
    „Niederrheinterrassen“
    Der westliche Parkauftakt liegt an der topographischen Schnittstelle zwischen Mittel- und Niederrheinterrasse. Das Gelände fällt hier mehrere Meter ab – eine Besonderheit in der in weiten Teilen recht flachen Pulheimer Landschaft.
    Das Thema der „Terrassen“ wird aufgenommen und in Form der „Niederrheinterrassen“ als Auftaktprojekt umgesetzt. In die nach Osten stark abfallenden Wiesenflächen werden mittels Betonmauernwinkeln kleine Terrassen eingebettet. Diese setzen zurückhaltende topographische Akzent in der Hangsituation und bieten sich für informelles Spiel, Picknick und Erholung im lichten Schatten der entlang der Höhenlinien gepflanzten Parkgehölze an.

    „Pulheimer Berge“
    Im Bereich des ehemaligen Rodelhügels, der gleichzeitig den markanten Knickpunkt innerhalb des „Pulheimer Bogens“ markiert, entstehen die „Pulheimer Berge“. Hierzu wird der bestehende Rodelhügel vom sichtversperrenden Gehölzbewuchs befreit, weiterentwickelt und durch weitere (kleinere) „Berge“ ergänzt. Es entsteht eine neue Landmarke und eine Spiellandschaft besonderer Form. Von den „Gipfeln“ der „Pulheimer Berge“ lässt sich der Blick in die Weite der Landschaft genießen.


    Das Forum „Pulheimer Bogen“– aktive Landschaftsproduktion
    In dem durch den Pulheimer Bogen gebildeten Raumgerüst mit seinen definierten angeboten liegen die Pulheimer Allmenden - Flächen an denen die Pulheimer gemeinsame Nutzungsrechte haben. Offenheit der Nutzungskonzeption ist hier die Grundlage für eine Form der Raumproduktion, die erst durch die Akteure programmiert wird. Ob Festplatz, Spielwiese, Fußballplatz oder Staudenfelder – die Nutzungen können in einem kooperativen Prozess zwischen unterschiedlichen Akteuren und Interessengruppen verhandelt werden, temporär oder dauerhaft. Prozessuale Landschaft wird somit initiiert und produziert. Perspektivisch muss sich eine solche Entwicklung nicht auf das Wettbewerbsgebiet beschränken, sondern kann sich – je nach Interesse - als Strategie in die Tiefe des Landschaftsraumes ausweiten. Der Pulheimer Bogen, aufgespannt zwischen Rheinterrasse und Altarm, wird nicht nur zu einer Adresse am nördlichen Stadtrand, sondern kann sich zu einem Aktionsforum für eine neue, aktive Landschaftsproduktion und Freiraumkultur im urbanen Kontext entwickeln.

    Das Forum Pulheimer Bogen wird die Produktionsplattform der Landschaft, in der die Akteure des Raumes zusammenwirken: Ideen entwickeln - diskutieren –organisieren - verhandeln und optimieren. Das Forum ist der Motor und Impulsgeber und verknüpft mögliche Akteure; die Pullheimer und die Politik, die Landwirte und die Naturschützer, die Wasserwirtschaft und das gesellschaftliche Engagement der großen Konzerne.


    Fixieren und Initiieren
    Das Grundgerüst der öffentlichen Räume mit seinen Wegen wird durch den Wettbewerbsbeitrag in seinen Grundzügen festgelegt und umgesetzt, die Füllung der Flächennutzungen und die damit initiierbare Nutzungsvielfalt wird im Prozess mit den zahlreichen Akteuren im Raum verhandelt. Eine solche Strategie der urbanen Landwirtschaft und prozessualen Landschaftsentwicklung erfordert zunächst einen Mehraufwand der Stadt um die Prozesse zu initiieren, zu begleiten und zu verstetigen. Doch es kann eine hochattraktive, aktiv aneignungsfähige, gestaltbare Landschaft entstehen, die Lebensqualität und eine hohe Identifikation der Nutzer mit dem Raum verspricht. Ein solcher Prozess setzt voraus, dass ein Kümmerer als Schnittstelle und Motor agiert, um Kommunikation und Kooperation – wie es die Strategie des Materplans:grün auch beschreibt – auch tatsächlich zu initiieren und umzusetzen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeichnet sich durch die Formulierung einer klaren Raumkante am Siedlungsrand aus, die den Park davor als Teil des Agrarraums begreift.
    Die Verfasser strukturieren weiträumig den Landschaftsraum durch Alleen und Remisen. Im engeren Bereich des Landschaftsparks werden nur wenige Setzungen entwickelt, wie z.B. die Landschaftsskulptur mit einem Wendepunkt an der nördlichen Siedlungsspitze sowie einzelne, intensiv zu nutzende Verknüpfungsbereiche im Übergang zwischen Siedlung und Landschaftspark.
    Die Verfasser liefern damit eine sehr zurückhaltende Arbeit, der es trotz aller Zurückhaltung gelingt einen kla-ren Übergang zwischen Siedlungsraum und Agrarlandschaft zu formulieren.
    Kernintervention ist die Ausbildung dieser starken Siedlungskante. Die Parkzone selbst wird als Entwicklungs-bereich in Abstimmung und enger Zusammenarbeit mit den Bürgern gesehen, so dass sich eine flexible, dy-namische Parkstruktur entwickeln kann.
    Die Attraktivität des Raumes hängt bei diesem Entwurf jedoch entscheidend von der Ausformung dieser Ent-wicklungsperspektive der „außen“ gelegenen Parkfläche ab, da eine feste Struktur nicht vorgezeichnet wird.
    Kritisch gesehen wird also, dass für die Absicht einer prozessualen Landschaftsentwicklung die Rahmenset-zung bzw. die Ausformulierung als Parkkonzept nicht ausreicht. In der Einbindung der Agrarlandschaft in den Parkbereich bieten die Autoren unterschiedliche, nutzerbezoge-ne Wegestrukturen an, die dieser sehr reduzierten Haltung zum Landschaftspark entsprechen.
    Beim gewählten Auftakt beschränken sich die Verfasser auf eine sehr zurückhaltende, aber wirkungsvolle In-szenierung des topographischen Einstiegs, der die weite Agrarlandschaft erfahrbar macht. Ob der Auftakt kraftvoll genug für eine nördliche Fortsetzung ist, bleibt offen.
    Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass das wesentliche gestalterische Element, die klare Kante, beim Auftakt aufgrund der derzeit nicht verfügbaren Flächen nicht erlebbar sein wird und damit als Impuls ausfallen wird.