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  • DE-80333 München
  • 03/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-12514)

Neubau des NS-Dokumentationszentrums an der Brienner Straße


  • 3. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Frank Kiessling landschaftsarchitekten, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Frank Kiessling

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Kusus + Kusus Architekten BDA, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Grundidee

    Der Standort des neuen NS-Dokumentationszentrums befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Parteizentrale der NSDAP, dem „braunen Haus“, umgeben von Bauten, Relikten und Spuren der NS-Zeit.
    Die Aussagekraft dieses historischen Ortes unterstützt die authentische Vermittlung historischer Kenntnisse über den Nationalsozialismus und die Rolle der Stadt München und regt zur Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit dieser Geschichte und ihren Folgen nach 1945 an.

    An diesem „Ort der Täter“ sollen dem Besucher Räume und Strukturen angeboten werden, die nichts erzwingen und für alles Gedankliche offen sind.

    Die Bauten und Relikte, die ehemals als Kulisse für Nationalsozialistische Selbstdarstellungen dienten, werden heute als „Exponat“ in das Ausstellungskonzept des neuen Dokumentationszentrums einbezogen.

    Der Neubau soll sich zu Gunsten der Aufmerksamkeit für das Thema des Nationalsozialismus stark zurücknehmen.
    Der gezielt reduzierte Einsatz von architektonischen Mitteln, Die „immaterielle“ Haut und die sachlich-funktionale Erscheinung des Gebäudes unterstreichen dieses Ziel.


    Städtebauliches und außenräumliches Konzept

    Der drei -bzw. sechsgeschossige Neubau nimmt zwar im Grundriss die Abmessungen des „Braunen Hauses“ auf und fügt sich so in die historische Gestaltungsidee der von Karl von Fischer an der Arcis- und Brienner Straße situierten freistehenden Villen ein, setzt aber durch seine größere Traufhöhe, die den flankierenden NS-Bauten („Führerbau“ und Verwaltungszentrum der NSDAP) entspricht, einen deutlicheren städtebaulichen Akzent.

    Der Neubau erhält so die angemessene städtebauliche Präsenz um sich zwischen „Führerbau“ und Verwaltungszentrum der NSDAP zu behaupten.

    Der Eingangsbereich des Neubaus orientiert sich nicht zum historisch begründeten Vorgarten an der Brienner Straße, sondern schafft ganz bewusst eine neue städtebauliche Platzsituation nach Westen mit Orientierung auf den Königsplatz unter Einbindung der Ruine des nördlichen „Ehrentempels“.

    Auf dem Platz werden die umgebenden nationalsozialistischen Bauten, Relikte und Spuren erlebbar. der gewünschte „Bruch mit der Geschichte des Standortes“ wird dort durch die Vergegenwärtigung und Auseinandersetzung mit dem historischen Umfeld vollzogen und topgraphisch verankert.

    Das Platzentree liegt am Übergang und an der Schnittstelle zwischen öffentlichem Raum und dem Dokumentationszentrum und ist von der Brienner Straße und der Arcisstrasse aus frei zugänglich.
    Der Platz vermittelt Zwischen dem mit wilden Gehölzen bewachsenem „Ehrentempel“, dem „Führerbau“ und dem Neubau.

    Dieser neue Freiraum macht die historische Topographie durch Sicht- und Wegebeziehungen räumlich erfahrbar und dient der Ankunft und Einstimmung der Besucher.


    Architektonisches und innenräumliches Konzept

    Der Neubau für das Dokumentationszentrum soll sich in direkter Nachbarschaft von „Führerbau“ und Verwaltungszentrum der NSDAP durch eine eigene, jedoch zurückhaltende Architektursprache abheben.

    Im Kontrast zur „steinernen monumentalen Architektur“ der NS-Zeit erhält der kubische Neubau eine glänzende, semitransparente Glashaut, die keinerlei hierarchische oder symmetrische Fassadengliederung erkennen lässt.

    Die gläserne Aussenhülle erhält optische Struktur und texturierten Glanz durch Isolierglasscheiben mit kupferfarbener Streckmetalleinlage. Unterschiedliche Transparenzen entstehen durch Variation des Streckmetalls, geschlossene Fassadenbereiche durch Bedruckung und Panelverkleidung der Fassade.
    Die Transluzente Haut ermöglicht vielfältige Sichtbezüge zwischen Innenraum und Freigelände.

    Die einzelnen Bereiche des Dokumentationszentrums stapeln sich oberirdisch drei -bzw. sechsgeschossig übereinander.
    Die großen, hohen und multifunktional nutzbaren Räume für die Wechselausstellung und den Veranstaltungssaal orientieren sich nach Westen und ermöglichen entsprechende Sichtbeziehung zum Königsplatz und der historischen Topographie.
    Die kleinteiligeren Raumstrukturen für den Verwaltungsbereich, Diskurs- und Seminarbereich und den Pausenbereich sind nach Osten orientiert, sechsgeschossig gestapelt und bieten eine ruhige angenehme Arbeits- und Lernatmosphäre.

    Die Dauerausstellung ist als zusammenhängende Ausstellungsfläche im Untergeschoss angeordnet. Die nahezu quadratische Fläche ist multifunktional und Flexibel nutzbar, so dass alle Arten von innovativen Ausstellungskonzepten durch entsprechende Raumzonierung, Lichtinszenierung etc. umsetzbar sind.

    Das verbindende Element aller Bereiche ist das Foyer mit Café und Buchshop im Erdgeschoss und der frei eingestellte vertikale Erschließungskern.
    Das transparent und großzügig gestaltete Foyer lädt den Besucher zum Eintreten ein. Die offen gestaltete Treppe und die Galerieebenen ermöglichen eine einfache Orientierung und Durchblick über alle Geschosse.

    Die von Besuchern stark frequentierten Bereiche „Ausstellung“ und „Bildung“ sind über diese Freitreppe und die Galerien trotz Verteilung auf mehrere Ebenen optisch und funktional miteinander verknüpft.

    Die Gestaltung des Innenraumes und Der Fassade setzen sich im Außenraum fort und erweitern das Foyer um den Vorplatz.
    In den hellen, geschliffenen Terrazzoasphalt des Vorplatzes eingelassene schmale Linien aus Kupfer greifen Struktur und Material der Fassade auf.
    Ein gestufter Betonblock lädt zum Sitzen und Verweilen ein und markiert zugleich die unter dem Platz verborgenen Bunkergänge.

    Die zurückhaltende und dennoch markante Gestaltung des Neubaus und des Freiraumes entspricht der Funktion als Ort für wissenschaftlich-pädagogische Arbeit und Aufklärung. Das Gebäude und der historische Standort sollen kein Gedächtnisort sondern „Denkort“ und moderner lebendiger „Lernort“ sein und zum Nachdenken und zur kritischen Auseinandersetzung und Diskussion uber die Geschichte des Nationalsozialismus anregen.

    Die lichtdurchfluteten Räume in den Obergeschossen, die einladenden Foyerbereiche und die optimal gestaltbare Dauerausstellungsfläche im Untergeschoss bieten hierfür den geeigneten Rahmen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 09.03.2009, 10:35
Zuletzt aktualisiert 18.05.2011, 18:07
Beitrags-ID 4-23636
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