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  • DE-72074 Tübingen
  • 08/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-12587)

Neuordnung des Zentralcampus der Universität Tübingen


  • 5. Preis

    Universitätsvorplatz

    Architekten
    Prof. Eun Young Yi / yi architects, Köln (DE)

    Mitarbeit
    Prof. Eun Young Yi Mitarbeit: Dipl.-Ing. Bernd Klepper B.A. Mingi Hong Dipl.-Ing. T. Franken-Röttger Dipl.-Ing. Hyun-Ji Aston-You

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Der Entwurf orientiert sich an der Idee, durch eine städtebauliche Neuordnung ein neues Zentrum der Eberhard Karls Universität Tübingen zu schaffen. Dies soll ein räumlicher Mittelpunkt des Campuslebens sein und gleichzeitig als ein Symbol des geistigen Ruhepols der Stadt die neue Epoche der Universität signalisieren. Um diesen Anspruch städtebaulich gerecht zu werden, wird eine Sonderstellung des Campusraumes innerhalb der historisch gewachsenen Stadtraumes vorgeschlagen. Es handelt sich um einen Campus Zentralpark: ein von den Fakultäten und Uni-Einrichtungen umgebener, großzügig dimensionierter Baumhain, der sich im städtebaulichen Kontext von der benachbarten Bebauung abhebt. Unter Beibehaltung des erhaltenswerten historischen Bestandes, werden die neuen Bausteine so hineingefügt, dass der Baumhain komplett durch Universitätseinrichtungen wie die Bibliothek, die Mensa, das studentische Service-Zentrum, Forschungszentrum und Institute räumlich klar gefasst wird. Die repräsentative Erscheinung des jetzigen Vorplatzes vor dem zentralen Universitätsgebäude wird durch die Erweiterung des Platzes und die Inszenierung mit der Wasserfläche verschärft. Zu der Wasserfläche hin wird die Zentralbibliothek erweitert und in der Mitte der Wasserfläche ein kristalliner Baukörper für das Recherche- und Arbeitszentrum der Bibliothek (24 Stundenbibliothek) platziert, als Symbol der Welt des Wissens. Die Bibliotheksteilbereiche sind im Untergeschoss großzügig verbunden. Der zentrale Uni-Platz mit der Wasserfläche wird zusätzlich durch das Tagungs- und Kongresshotel umgeben. Um eine verkehrsberuhigte Stadtraumqualität
    zu erzeugen wird die Wilhelmstrasse teilweise unterhalb des zukünftigen Uni-Zentralparks verlegt und der Durchgangsverkehr über die Hölderlinstrasse und die Brunnenstrasse geführt. Der Universitätshauptplatz vor der Neuen Aula mit der Wasserfläche wird für den Verkehrsteilnehmer erlebbar bleiben. In der Blockbebauung im Bereich der Mohlstrasse und der Wächterstrasse werden überwiegend die Studentenwohnungen mit der Infrastruktur untergebracht. Außerhalb der Randbebauung definiert das Convention-Center mit Kultureinrichtungen als Landmarke den Eingang zur Stadt. Entlang der Rumerlinstrasse und Hölderlinstrasse werden einige Universitäts-Einrichtungen im städtebaulichen Kontext ergänzend angeordnet, unter anderem die Sammlung der Universität um das „Haus des Wissens“.

    Gebäudekonzept

    Bei der Definierung der Baumaßnahmen wird in erster Linie versucht einen Prototypus für die jeweiligen Grundbedingungen zu finden und für die speziellen Nutzungen umzusetzen. Die an dieser Stelle thematisierte Architektur soll einen Weg darstellen, durch die Interpretation der architektonischen Uraussage, in allen Facetten und Variationen, die sich in den verschiedenen Kulturen und Epochen der menschlichen Zivilisation entwickelt haben, zu einem Verständnis von Architektur zu kommen.Es ist die Abstraktion einer fundamentalen architektonischen Form, abseits jeder Kultur und Epoche. Sie hat weder eine feste Bindung an Raum, noch an Zeit. In diesem Sinne, werden hier 4 Prototypen der Architektur thematisiert – nämlich Atriumhaus, Kolonnadenhaus, Pavillon und Monolith. Als Gebäudetypologie für die umgebende Bebauung um den Baumhain wird ausschließlich der Prototypus Atriumhaus (oder Patiohaus) thematisiert. Mensa, Studentenwerk, Forschungszentrum, Fakultäts- und Institutsgebäude werden jeweils einen eigenen zentralen Hof besitzen und gleichzeitig die Möglichkeit des Kontaktes zum Zentralpark haben. Am Universitätsvorplatz und im Randbereich werden hauptsächlich die Typologien Kolonnadenhaus, Pavillon und Monolith als Sonderbaukörper angewandt. Grundsätzlich werden bei neu errichteten Gebäuden Tiefgaragen untergebracht.

    Stellungnahme zur Stadt und Architektur der epochalen Übergangszeit

    Es hat in der Geschichte des öfteren Situation gegeben, in denen die Menschen die technischen Neuheiten zunächst mit großer Aufregung feierten. Sobald sich diese langsam ausbreiten, laufen die Menschen schon hin und winken ihr zu. Sie wissen nicht wohin sie gehen wollen, aber irgendwas wollen sie mit dieser Neuheit schnellst möglich erreichen. Erst wenn diese aufregende, rastlose Zeit vorbeigeht und wenn man sich mit dem Maßstab der Wertfrage vor die Geschichte stellt, dann wird man im nachhinein die wahre neue Aufgabe erkennen. Die Hoffnung und die Begeisterung für die neu entdeckte Welt und die Entfaltung der Zivilisation ins All sind eine wichtige Basis für die progressive und visionäre Architektur. Wichtig sind auch die konsequenten Versuche, wesentliche Werte der neuen Epochen herauszukristallisieren. Es sieht aus wie Armut, wenn man versucht, die Grundtypen zu entdecken, und deren wesentliche Eigenschaften zu interpretieren. Es ist aber eine Bereicherung. Wir sind am Anfang des neuen Jahrtausends mit unserem Städtebau und der Architektur an einem Punkt angelangt, wo gerade die Entdeckung der Grundtypen oder die Klärung dieses typologischen Reichtums in der Stadtbaukunst und Architektur, in unserem Zeitalter nur so geschehen kann, dass wir die Grundtypen herunterschleifen bis zur klarsten Form der Abstraktion, wie ein geschliffener Edelstein. Das ist eine der wesentlichen
    Bestrebungen einer modernen Stadtbaukunst und Architektur, um eine gewisse Vollkommenheit, eine Allgemeinheit zu geben: was die Proportion, was die Reinheit der Räume, was die Klarheit des Typus anbelangt. Denn das entspricht einer weitentwickelten Denkweise , die nicht mehr auf eine erzählerische Hast abhebt, sondern auf die Grundprinzipien.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.