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  • DE-72074 Tübingen
  • 08/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-12587)

Neuordnung des Zentralcampus der Universität Tübingen


  • Ankauf

    Konzeptplan

    Architekten
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Prof. Dr. Franz Pesch Mitarbeiter: Corinna Jung, Anna Sendlewska, Mira Irion Jeeyeon Kim, Maria Endress, Dong-Gyu Kim Fachplaner: Johann Senner

    In Zusammenarbeit mit:
    Modellbauer: Architekturmodellbau Michael Lo Chiatto, Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    Campus Mitte der Eberhard-Karls-Universität Tübingen

    Leitende Idee:
    Die Absicht, die Eberhard-Karls-Universität Tübingen als exzellenten Wissenschaftsstandort auszubauen und die Stadt Tübingen als Wissenschaftsstadt zu profilieren, stellt angesichts der räumlichen und funktionalen Defizite eine besondere Herausforderung dar. Soll die Position der Stadt und ihrer Alma Mater im Wettstreit der Universitätsstädte gestärkt werden, wie in der Auslobung des Wettbewerbs gefordert, so setzt dies eine gesamtstädtische Perspektive voraus – eine Vision für die Stadt und die Universität. Die Universität und die Stadt brauchen ein starkes Bild für ihre Bildungs- und Wissenschaftsorte. Durch schrittweise Umsetzung dieses Konzepts kann dadurch ein langfristiger Mehrwert für alle Beteiligte erzielt werden.

    Gesamträumliches Konzept:
    Die Campusbereiche der Universität liegen, bedingt durch ihre historische Entwicklung, verteilt im Stadtgebiet – noch weitgehend ohne spürbare Vernetzung. Das hier vorgeschlagene Konzept verfolgt das Ziel, den verteilten Standorten Profil und Identität zu verleihen und zu verbinden. So entsteht eine räumliche Klammer, die als Verbindung wirksam und zugleich als hochwertiger Stadtraum wahrgenommen wird. Als Folge von urbanen und grünen Stadträumen, ausgestattet mit einer komfortablen und leicht zugänglichen Infrastruktur verbindet sie die isolierten Campusbereiche Nord und Mitte untereinander und mit den Tübinger Stadtquartieren. Der alltägliche interne Austausch zwischen den Lehr- und Forschungsanstalten wird räumlich interpretiert und materiell unterstützt. Als symbolischer Ort steht diese Promenade – von den Sportanlagen im Osten bis zu dem Campus auf der Höhe für interdisziplinäres Lehren, Forschen und Arbeiten, für Innovation und „work life balance“.

    Konzept für den Campus Mitte:
    Der Universitätscampus zeichnet sich, obwohl er in der Stadt liegt, durch interessante landschaftliche Bezüge aus. Die Blickachsen zum Hausberg/Österberg und die Erlebbarmachung der Ammer Aue bieten enorme Chancen zur Entwicklung des zentralen Universitätsgeländes. Dennoch wird diese anspruchsvolle Aufgabe nur in Schritten zu verwirklichen sein. Der langfristige Realisierungshorizont erfordert ein stabiles städtebauliches Gerüst, das Veränderungen in Nutzungsprogramm und Ablauf schadlos übersteht.
    Unser Konzept baut auf zwei Säulen: die städtebauliche Prägung und den öffentlichen Raum (landschaftlich und urban). Von Südwesten nach Nordosten entwickeln sich zwei parallele öffentliche Längsräume mit unterschiedlicher Atmosphäre und Qualität. Der Boulevard Wilhelmstraße wird als offener Raum gestaltet mit seitlich angelagerten Aufenthaltsbereichen. Als repräsentativ gestalteter Stadtraum trägt er zur Adressbildung im Campus bei. Den Auftakt im Norden bildet der Platz vor dem internationalen Zentrum. Entlang der Ammer entwickelt sich eine Grüne Achse mit Fuß-/Radweg und einladenden Aufenthaltsbereichen – Terrassen und Sitzstufen am Wasser. Verbunden werden diese beiden Achsen durch Querspangen, die mit ihren Wasseradern und Baumreihen eine thematische Verbindung zwischen den beiden markanten Stadträumen herstellen. Diese Traversen führen über die „Leiter“ hinaus zu wichtigen Einrichtungen in der Nachbarschaft wie z. B. dem Kulturzentrum im alten Schlachthof oder dem Johanneumkonvikt.
    Das leiterförmige Freiraumsystem hat seinen Fokus in der Universitätsplaza, die sich zwischen dem zentralen Verwaltungsgebäude und dem Kraftwerk aufspannt: Auf diesem repräsentativen Platz ist Raum für Großveranstaltungen. Hier befinden sich die frequentierten Einrichtungen, wie Hotel, Kongresszentrum und das Besucherzentrum als Anlaufstelle für Studierende, Gäste und Besucher. Die Plaza versteht sich als kultureller Mittelpunkt und symbolische Mitte der Eberhard-Karls-Universität.

    Gebäude und Nutzungen:
    Das orthogonale städtebauliche Gerüst bietet die Möglichkeit zur sukzessiven Unterbringung des geforderten Programms. Die gewählte Disposition orientiert die Gebäude mit höherer Publikumsfrequenz zur Wilhelmstraße und die Forschungsreinrichtungen zur grünen Achse. Die Mensa liegt im Zentrum des Areals und profitiert von der Qualität sowohl des Boulevards (Adresse) als auch der Grünen Achse (Südterrasse).
    Aus Sicht der Verfasser sollte die Villa im Zentrum des Campus erhalten bleiben. Sie könnte – etwa als Gästehaus oder Restaurant – zur Belebung in den frequenzarmen Tageszeiten beitragen.
    Als eingetragenes Baudenkmal steht das Kraftwerk für die Baugeschichte der Tübinger Universität und sollte in Szene gesetzt werden. Solange die Aggregate in Funktion sind, informiert es mit Leuchtdioden über den sparsamen Umgang mit Energie – verkörpert also mit seiner markanten Architektur die nachhaltige Entwicklung in Stadt und Universität. Bei einer veränderten Energieversorgung nimmt das Gebäude Ausstellungsflächen (Wissenschaftliche Exponate, Universitätsgeschichte, etc.) auf.
    Die innerstädtische Lage des Campus Mitte bietet die Chance, die gewachsene Nutzungsmischung des Stadtteils fortzuführen – Wohnen auf dem Campus bedeutet in Tübingen Wohnen in der Mitte der Stadt. Mit dieser Zielsetzung führen wir mit den Studentenwohnungen die Wohnfunktion bis an die Wilhelmstraße heran.

    Landschaft und Landschaftsarchitektur:
    Die historischen Grünräume wie der Alte Botanische Garten, der Stadtfriedhof und der Galeriewald der Ammer bilden das grüne Grundgerüst, das künftig über einen durchgehenden und bachbegleitenden Fuß- und Radweg erschlossen wird.
    Der Boulevard Wilhelmstraße wird als städtischer Raum mit differenzierten Raumsequenzen gestaltet. Angelagert sind kleine taschenförmige Grünräume, die mit Baumgruppen aus dem Bestand und Baumpaketen begrünt werden. Die wechselnde Tiefe des Boulevards verleiht der zentralen Campusachse Identität.
    Ein tragendes Element des Freiraumkonzepts ist Wasser. Wasser macht Lust – Lust zum Lernen, Lust zum Verstehen. Die Ammer ist konsequent renaturiert und gestaltet. Im Campus Mitte wird das Wasser kammförmig geführt. Orthogonal zulaufende Wasserachsen (Zinken) verbinden die Wilhelmstraße aquatisch mit dem Wasserlauf der Ammer (Griff).
    Je nach Situation entdeckt der Studierende und Bewohner „seinen“ Bachlauf völlig neu: Promenadenbach, Parkbach, Plazabach, Campusbach… Die Köpfe der Achsen strahlen über besonders gestaltete „Quellen“ in die Wilhelmstraße.
    Im Bereich der Plaza weitet sich die Ammer auf. Sitz- und Liegestufen, Treppen und Schollen erzeugen einen Bereich mit hoher Aufenthaltsqualität.
    Die Beleuchtung des öffentlichen Raums ist von zentraler Bedeutung für die räumliche Qualität des Stadtraums. Die beiden Lichttrippel am einen und anderen Ende der Wilhelmstraße betonen die „Eingänge“: Entlang der Wilhelmstraße verläuft eine Leuchtenreihe, die durch angestrahlte Baumdächer und Fassaden Tiefenwirkung erhält. Die vier Wasserachsen betonen in den Belag eingelassene Lichtbänder. Im Parkband entlang der Ammer wird zurückhaltend beleuchtet.

    Erschließung des Campus:
    Das Konzept für den Campus Mitte setzt auf ein Verkehrskonzept mit einer deutlich entlasteten Wilhelmstraße. Ein Vorschlag für das gesamtstädtische Verkehrsnetz, der dieser Anforderung Rechnung trägt, kann nur in der Verkehrsentwicklungsplanung erarbeitet werden. Der städtebauliche Entwurf geht davon aus, dass die Wilhelmstraße und die angrenzenden Straßen zukünftig im Wesentlichen Erschließungsfunktion übernehmen werden. Dies würde eine Befahrbarkeit in zwei Richtungen ermöglichen. Über einen Kreisverkehrsplatz an der Einmündung Haußerstraße/Wilhelmstraße und gestalterische Maßnahmen könnte zudem der Verkehrswiderstand erhöht werden.
    Die notwendigen Stellplätze für die Wissenschaftseinrichtungen sollten in Tiefgaragen realisiert werden. Eine wichtige Funktion für Stellplatzversorgung für den Gesamtbereich übernimmt darüber hinaus die vorgeschlagene Großgarage am Kongresszentrum. Die seitlichen Straßenräume nehmen Anwohnerparken unter Bäumen auf (Längsaufstellung). Im Bereich des Boulevards sind nur Parkmöglichkeiten für Besucher mit Handikap vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.