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  • DE-72074 Tübingen
  • 08/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-12587)

Neuordnung des Zentralcampus der Universität Tübingen


  • Ankauf

    Übersichtsplan

    Architekten
    Humpert & Kösel-Humpert Freie Architekten und Stadtplaner GmbH, Karlsruhe (DE), Ludwigshafen am Rhein (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Patrick Humpert

    Erläuterungstext
    Die über einen Zeitraum von ca. 530 Jahren gewachsene Universität Tübingen, die sich derzeit in einer Situation räumlicher und damit auch struktureller Zersplitterung befindet, soll künftig zu einem den Anforderungen entsprechenden \"Campus der Zukunft\" organisiert werden. Dazu gehören neben der Reorganisation der inneren Abläufe, die Neuordnung der Baumassen bezüglich Zusammenführen von Institutionen, Senkung der Bewirtschaftungskosten, Aufwertung der Stadtgestalt und die Umgestaltung der Freiräume Eine besondere Rolle spielen dabei die Vernetzung mit dem umgebenen Stadtgebiet, die Herstellung hochwertiger attraktiver Freiflächen und die Aufwertung der vorhandenen, jedoch bisher vernachlässigten Qualitäten. Inhaltlich zusammengehörende Funktionen werden unter Ausnutzung der Potentiale bestehender Strukturen, Sichtbezüge, naturräumlicher Gegebenheiten, zu baulichen Ensembles gefügt und ausformuliert.


    Stadträume:

    Die Bedeutung der Willhelmstraße wird durch die Abfolge von eindeutig zugeordneten Plätzen/Räumen unterstrichen. Diese werden durch die ergänzten Gebäude klar definiert.
    Der Neubau des Studentischen Service-Zentrums bildet die östliche Platzkante zum Aulabau, der neue Winkelbau der Graduiertenakademie einen neuen, dreiseitig gefassten Platz als Gegenüber für die alte Bibliothek. Die neue Mensa bildet zusammen mit dem bestehenden Bibliotheksbau einen großen gemeinsamen Platz, der viele Aktivitäten zulässt. Durch das Aufnehmen und Fortführen der in Fragmenten bestehenden Bauflucht stärken die neuen Gebäude an der Willhelmstraße die von den Plätzen bestimmte Mitte. Zur Aktivierung und Belebung des bisher völlig vernachlässigten Grünraums entlang der Ammer, der von den vorhandenen Gebäuden völlig ignoriert wird, öffnen sich die neuen Baustrukturen zu diesem Bereich und ermöglichen eine Verzahnung mit der Natur.
    Dadurch können äußerst attraktive Außenräume entstehen. So entwickelt sich parallel zur Willhelmstraße ein zusätzlicher, alternativer Bewegungsstrang, der durch grüne Räume führt.
    Die neuen Gebäude zwischen Willhelmstraße, Ammer und Brunnenstraße sollen zwei \"Vorderseiten\" haben, die auf die jeweilig spezifischen Bedingungen reagieren.
    Den Negativraum schaffen die Solitärgebäude wie der Convention Center oder das Haus des Wissens. Sie werden als identitätsstiftende Landmarken eingesetzt.


    Erschließung

    Die derzeitige Einbahnregelung in der Willhelm- und Hölderlinstraße sollte aufgehoben werden. Das Straßenprofil wird auf ein Maß von ca. 7 m Breite verringert. Die Querspangen Silcher-, Gmelin- und Sigwartstraße werden im Bereich zwischen Hölderlin- und Willhelmstraße für den Individualverkehr gesperrt und zurückgebaut. Hier sollten zukünftig neben Fußgängern und Radfahrern nur noch der ÖPNV und erforderlicher Anlieferungsverkehr zugelassen werden. Die Nauklerstraße wird nur noch bis zur notwendigen Erschließung der Wohnbebauung freigegeben. Alle zusätzlichen Abbiegerspuren in der Willhelm- und Hölderlinstraße können entfallen. Getrennt geführte Rad- und Fußwege werden ermöglicht.
    Die Willhelmstraße kann zu einem Boulevard umgestaltet werden.
    Der ruhende Verkehr wird neben dem Parkhaus im Norden in mehreren dezentralen über das Gebiet verteilten Tiefgaragen aufgenommen.
    \"Park your car and ride a bike\" könnte das Motto des Parkhauses zwischen Hölderlin und Wilhelmstraße sein. Hier könnte eine Park-and-Ride-Station vom PKW zum Fahrrad entstehen. Dieses Parkhaus sollte einen Großteil der Stellplätze der auf dem Gelände Beschäftigten und der in unmittelbarer nähe wohnenden Studenten aufnehmen.
    Neben Stellplätzen für Behinderte sollten nur vereinzelt Kurzparker am Straßenrand zugelassen werden.


    Freiräume:

    Zu einem anspruchsvollen Universitäts -Campus gehören neben guten Bauwerken auch qualitativ hochwertige Freianlagen. Besonders während der wärmeren Jahreszeiten sind diese die wichtigsten Orte der Kommunikation und der Erholung. Die vorhandenen und auch die neu geplanten Stadträume müssen zu individuellen, den Anforderungen entsprechenden Orten mit hoher Aufenthaltsqualität gestaltet werden. Eine Voraussetzung dafür ist ein Verringern der Verkehrsströme, insbesondere des Individualverkehrs, aber vor allem auch des ruhenden Verkehrs. Folgen von offenen, halboffenen und geschlossenen Räumen mit weichen und harten Belägen werden möglich.
    Entlang der Willhelmstraße liegen die \"öffentlichen, repräsentativen\" durch eine klare Baustruktur gefassten Plätze.
    An der Ammer Freiflächen und Plätze, die der Muse, der Entspannung und der Ruhe dienen. Innerhalb der Blöcke können individuelle \"grüne Zimmer\" entstehen. So auch die kleinen \"Pocketparks\" zwischen den Blöcken.
    In einem durchgängigen Gestaltungskonzept sollten Beläge, Beleuchtung, Pflanzungen und die Möblierung festgelegt werden.
    Nutzungen wie z.B. kleinere Märkte aller Art, Open Air Konzerte oder Kinos, Gartenfeste oder auch Doktortitelverleihungen sollten Rechnung getragen werden.

    Zur Ausbildung und Stärkung des durchgängigen Grünzugs entlang der Ammer und auch zur Darstellung der verdeckten Bergkante sollte über einen Abriss des Hauses Willhelmstraße 24 nachgedacht werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.