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  • Anerkennung

    Ansicht Nord

    Architekten
    architekten prof. klaus sill, Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Lorenz Tettenborn, Andrea Fuchs

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE)
    Logistikplaner: Niering & Seifert, Hamburg (DE), Köln (DE)

    Preisgeld
    7.500 EUR

    Erläuterungstext
    AUSGANGSSITUATION
    Wie andere deutsche Universitätsstätte weist auch Greifswald seit nunmehr 550 Jahren eine außerordentliche Verbindung von Universität und Stadt, von städtischem Raum und der Präsenz von Wissenschaft, Forschung und Lehre auf.
    Lange Zeit war dies konzentriert auf den historischen Stadtkern, in dem die Universitätsbauten in unmittelbarem Kontext zum Dom und zum Hafen angesiedelt waren.
    Der Universitätsbaumeister Ernst Lucht entwarf 1930 den Plan für ein neues Universitätsgelände im Osten der Stadt. Signifikantes Merkmal dieser städtebaulichen Konzeption war die repräsentative Ost-West-Achse und der Zentrale Platz im Zentrum der Analage. Die einzelnen Institutsgebäude der Universität standen repräsentativ aufgereiht an Achse und Platz.
    80 Jahre später ist diese signifikante Stadtstruktur heute immer noch deutlich erkennbar, wenn auch nur wenige Gebäude nach dem Plan von 1930 realisiert wurden. Dennoch setzt sich die strenge Stadtidee Ernst Luchts auch in den folgenden Epochen durch. Eine besondere Stärkung erfährt diese dann wiederum in den vergangenen Jahren, in denen viele neue Institutsbauten an der Rudolf-Petershagen-Allee angesiedelt wurden und der ehemals rechteckige zentrale Platz aus dem Jahr 1930 zum heutigen kreisförmigen Berthold-Beitz-Platz umgeformt wurde. Dieser bildet damals wie heute den Mittelpunkt des Universitätsgeländes im Osten Greifswalds.

    KONZEPT STÄDTEBAU
    Die neue Mensa folgt hier den Beispielen der gerade erst errichteten Institutsbauten und begreift sich als weiteren Baustein der Universität an der Rudolf-Petershagen-Allee.
    Nicht weniger wichtig ist die Orientierung des neuen Mensagebäudes zum Haupteingang des Universitätsklinikums. Der Speisesaal bezieht sich auf diesen attraktiven Zwischenraum, der erhellendes und energetisch wertvolles Südlicht in das Gebäude bringt. Analog des Regenrückhaltebeckens im Osten des Wettbewerbsgrundstückes wird als architektonisches Landschaftselement ein Teich vorgesehen, der einem attraktiven Außenraum zwischen Mensa und Universitätsklinikum entstehen lässt.
    Der Baukörper ist als einfache Figur mit einer klaren Nord-Süd-Ausrichtung konzipiert.
    Die Gebäudestruktur leitet sich konsequent aus der städtebaulichen Konzeption ab und lässt einen klar konfigurierten Gebäudekörper entstehen. Dieser ist in drei parallele, von Nord nach Süd laufende, Zonen unterteilt:
    Im Westen ist ein eingeschossiger, dienender Baukörper angeordnet, in dem die Produktions- und Lagerbereiche sowie die Anlieferung untergebracht sind. Die Orientierung dieser Raumzonen nach Westen kann störungsfrei erfolgen.
    Im Bereich des Eingangsfoyers ist hier das Café angeordnet und zeichnet sich durch ein großes Fenster in der Fassade ab.
    Ebenso deutlich zeigt sich das Restaurant, das am nördlichen Ende dieses Baukörpers direkt zur Rudolf-Petershagen-Allee orientiert ist. Eine Freiterrasse ist ab dem Mittag bis zum späten Abend besonnt und bietet beste Aufenthaltsqualitäten.
    Der signifikante, mittlere Baukörper hat zwei Geschosse. Architektonisch hat er die Aufgabe, den Haupteingang am Berthold-Beitz-Platz und die Orientierung der Speisesäle nach Süden zu artikulieren. Gleichzeitig bildet er an seinen beiden Enden ein Dach für den Haupteingang und die Freiterrasse aus.
    Der kleinste östliche Baukörper besitzt eine hohe städtebauliche Relevanz. Er verläuft an seiner Aussenkante parallel zur Hauptverbindungsachse Berthold-Beitz-Platz / Haupteingang Universitätsklinikums und zum attraktiven Regenrückhaltebecken. Damit definiert eine Form der angemessenen Urbanität im Universitätsgebiet und schafft einen kommunikativen Austausch zwischen den Gästen der neuen Mensa und den Personen im Außenraum.

    FUNKTIONSFLUSS
    Analog zur beschriebenen Baukörperdisposition ist die funktionale Belegung entwickelt worden. Ziel ist es die drei Funktionsflüsse Mensagäste / Restaurant / Waren- und Produktionsfluss in einen kollisionsfreien Gesamtzusammenhang zu stellen.
    Dies gelingt dadurch, dass die öffentlichen Bereiche Mensagäste / Restaurant am Berthold-Beitz-Platz weit entfernt von dem internen Bereich Anlieferung und Produktion angeordnet worden sind: Öffentlichkeit gelangt von Nord-Osten, Interne Funktionen von Süd-Westen in das Gebäude.

    MATERIAL- UND KOSTRUKTION
    Baukultur mit einfachen Mitteln ist die Devise des Entwurfs. Der Großteil der eingesetzten Materialien soll in ihrer jeweiligen Eigenfarbigkeit eingesetzt werden. Lasierte Betonoberflächen, Betonwerkstein als Fußbodenbelag und verputzte Wandoberflächen lassen einen reduzierten, gut zu unterhaltenden Gesamtmaterialkanon entstehen.
    Abgehängte Decken werden nur in den Bereichen eingesetzt, in denen technische und hygienische Notwendigkeiten dies erfordern.
    Das prägnante Fassadenmaterial ist eine farbige, teilweise gelochte Blechtafelkonstruktion. Die Fassade ist in allen Fällen als vorgehängte, nichttragende Konstruktion vorgesehen. Die Gelb-Goldene Färbung der Bleche harmoniert mit dem im Klinikum vorhandenen Farben.
    Der notwendige Sonnenschutz ist in die Fassadenkonstruktion integriert. Innerhalb der Blechfassade soll dies als Klappladenkonstruktion erfolgen, vor den Glasfassaden an der Nord- und Südseite handelt es sich um aussenliegende Sonnenschutz-Jalousien.


    ENERGIEKONZEPT
    Ziel des Energiekonzeptes ist die Erreichung eines hohen thermischen Komforts für die Nutzer bei gleichzeitig sehr geringen Betriebskosten für Strom und Wärme. Es sollen vorrangig die Potenziale des Gebäudes selbst genutzt werden. Darauf aufbauend wird eine hocheffiziente Technik eingesetzt.
    Eine z.T. zweigeschossige Bauform und ein sehr guter wärmetechnischer Standard reduzieren die Transmissionswärmeverluste. Im Mensabereich wird eine Fußbodenaktivierung vorgeschlagen. Die Abwärme der Gewerbekälte kann hier optimal genutzt werden, da lediglich Temperaturen unter 35°C benötigt werden.
    Die transparenten Anteile in der Außenhülle werden auf eine optimale Tageslichtnutzung ausgelegt. Kunstlicht wird als Tageslichtergänzungsbeleuchtung verstanden. Ziel ist die Erreichung eines hohen visuellen Komforts bei gleichzeitig geringstem Stromverbrauch für Kunstlicht.
    Zur Reduzierung solarer Lasten im Sommer wird eine außenliegende windstabile Verschattung eingesetzt. Die Bauteilmasse wird genutzt, um Temperaturspitzen durch solare Einträge und interne Wärmelasten zwischenzuspeichern (Amplitudendämpfung).
    Durch eine natürliche geregelte Nachtlüftung erfolgt eine Entladung der gespeicherten überschüssigen Wärme während der Nachtstunden. Die Thermik der zweigeschossigen Lufträume unterstützt den natürlichen Antrieb der Durchlüftung.
    Die notwendigen Erdarbeiten werden genutzt um ein wasserdurchströmtes Rohrregister im Erdreich zu verlegen. Dieses Rohrsystem kann mit dem aktivierten Fußboden im Speisesaal, Cafeteria und Konferenzbereich gekoppelt werden. Das hier erwärmte Wasser wird im Erdreich rückgekühlt.
    Durch die Anordnung der Öffnungselemente in der Außenfassade in Zusammenhang mit den zweigeschossigen Lufträumen ist eine effektive natürliche Lüftung möglich. Die Wasserfläche vor dem Gebäude wird in die Regelung der natürlichen Lüftung zur Verbesserung der Raumluftqualität einbezogen.
    Die mechanische Lüftung mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung wir lediglich an kalten Tagen oder bei der Notwendigkeit einer Verdunkelung eingesetzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Entwurfsidee verbindet 3 von Nord nach Süd verlaufende Baukörper. Der Zugang erfolgt ausschließlich über den Berthold-Beitz-Platz. Hier nimmt der Entwurf die Radien des Berthold-Beitz-Platzes in vorbildlicher Weise auf. Städtebaulich wird durch den Spiegelteich im Süden eine Verbindung zum Rückhaltebecken des Universitätsklinikums geschaffen. Die Außenfassaden in teilweise gelochten Blechtafeln verbindet durch ihre Gelb- /Goldfärbung das Gebäude mit der Verklinkerung des Klinikums.
    Der westliche Baukörper entwickelt Restaurant, Cafe und Produktion auf einer Ebene. Im Untergeschoss ist für die Tablettierung Tageslichteinfall vorgesehen. Die anschließenden Lager und Funktionsflächen sind inklusive der AWT Logistik optimal organisiert.
    Der mittlere Baukörper ist zweigeschossig geplant und bietet mit der Nord- und Südgalerie eine freie sicht über den Bertold-Beitz-Platz und den Vorplatz am Eingang des Universitätsklinikums.
    In diesem Baukörper sind Teilbereiche jedoch mit einer Geschosshöhe von nur 3 m ausgewiesen (Free Flow), was als unzureichend angesehen wird.
    Im Obergeschoss befinden sich die Technikzentrale und der separierte Personalbereich.
    Der östliche Baukörper verläuft parallel zur Achse Berthold-Beitz-Platz – Eingang Universitätsklinikum, auf dem Dach befindet sich die Freiterrasse.
    Besonders hervorzuheben ist die klare Trennung der Strukturen und der damit verbundene Funktionsfluss.
    Es fehlt ein Zugang aus Richtung Universitätsklinikum.
    Der Bruttorauminhalt ist einer der geringsten aller Bieter.