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  • DE-29549 Bad Bevensen
  • 11/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-12817)

Umgestaltung der zentralen Fußgängerzone


  • 2. Preis


    Landschaftsarchitekten
    arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Peter Köster, Claudia Schröder, Heike Kluge, Andrea Stahr

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ppp architekten + stadtplaner gmbh, Lübeck (DE), Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Zentrale Fussgängerzone Bad Bevensen – Brückenstrasse, Kirchplatz, Kirchenstrasse


    Klarer Strassenverlauf und Grüne Mitte

    Das Stadtbild von Bad Bevensen wird in besonderem Masse vom Kirchplatz der Dreikönigs-Kirche und vom ost-west-verlaufenden Strassenzug Lüneburger Strasse-Brückenstrasse geprägt. Nach der großen Brandkatastrophe vom 5. und 6. November 1811 hat sich die Stadt um den Kirchplatz und entlang dieses Strassenraums entwickelt. Die Lüneburger Straße und der Kirchplatz mit dem Markt unter den Linden bilden darüber hinaus das Zentrum des heutigen Geschäftslebens.

    Im Gegensatz zum mittelalterlichen Stadtgrundriss fehlen heute die verwinkelten Altstadtgassen, da die Stadt nach dem Brand auf neuem Grundriss und mit breiteren Strassen wiederaufgebaut wurde. Der Strassenzug Lüneburger Strasse-Brückenstrasse weist heute einen klaren, geradlinigen Verlauf auf. Der Strassenraum variiert in seinen Abmessungen von 13,5 m bis 20,0 m Breite. Dabei bildet der Strassenzug zwischen dem Übergang von Lüneburger Strasse und Brückenstrasse einen markanten Versprung aus, der die Dreikönigs-Kirche und den Kirchplatz im Stadtgrundriss deutlich hervorhebt. Die Linden auf dem Kirchplatz werden so zur ´Grünen Mitte´ in der Stadt.

    Durch diese Struktur aus klarem Strassenverlauf und ´Grüner Mitte´ erhält der Stadtgrundriss von Bad Bevensen seinen unverwechselbaren Charakter.

    Das Konzept für die zentrale Fussgängerzone von Bad Bevensen setzt an diesen beiden Punkten an, dem klaren Strassenverlauf und der ´Grünen Mitte´. Ziel der Umgestaltungen sollte nicht nur die Aufwertung der Oberflächen und der Ausstattung sein, sondern auch die Stärkung dieser beiden historisch bedingten Wesenszüge des Stadtgrundrisses. Das vorgeschlagene Grundkonzept dient damit nicht nur der Umgestaltung von Brückenstrasse, Kirchplatz und Kirchenstrasse, sondern bildet gleichzeitig den gestalterischen Rahmen für weitere Massnahmen im öffentlichen Raum.

    Für die Fussgängerzone wird eine konsequente Dreiteilung des Strassenraums vorgeschlagen. Den Bürgerhäusern wird auf beiden Seiten ein Gehsteig vorgelagert, der eine durchschnittliche Breite von 2,5 m besitzt. Nur an den Stellen, wo die Hausfluchten zurückspringen, verbreitert sich der Gehsteig. Die heute noch auf beiden Strassenseiten gepflanzten Platanen sollen zukünftig nur noch einseitig angeordnet werden. Um die Durchblicke vom Kirchplatz zur Göhrdebrücke und in den Kurpark zu öffnen, wird die Strassenseite der Baumpflanzung zwischen östlicher und westlicher Brückenstrasse gewechselt. Eine Verpflanzung der bestehenden Platanen scheint nach erstem Eindruck möglich.

    In der Mitte des Strassenraums wird eine Laufbahn angelegt, die in ihrer Breite von 4,8 m an der engsten Stelle in der westlichen Brückenstrasse bis zu 5,5 m an der weitesten Stelle in der östlichen Brückenstrasse reicht. Im Bereich des Kirchplatzes weitet sich die Laufbahn platzartig auf. In der West-Ost-Ausdehnung erreicht die zentrale Platzfläche damit eine Ausdehnung von ca. 77 m. In der Nord-Süd-Richtung, zwischen Dreikönigs-Kirche und südlicher Platzkante, beträgt die Ausdehnung über 40 m. Das Kriegerdenkmal auf dem Kirchplatz wird durch einen Brunnenrahmung aufgewertet. Die Freistellung der Dreikönigs-Kirche und der Lindenpflanzung auf dem Kirchplatz und die Öffnung der Platzfläche für Gastronomie und Markt werden somit das zentrale Anliegen des Entwurfs. Die Kirchenstrasse reiht sich konsequent in diese Gestaltung ein. Im Gegensatz zum zentralen Strassenzug mit seinen streng geschnittenen Platanenreihen werden allerdings hier kleinkronige Bäume in den Stellplatzbereichen vorgeschlagen.

    Die Eingänge zu den Höfen und Gängen beidseitig der Strassen werden durch grosse Plattenbänder betont. In den Platten werden die Namen der jeweiligen Höfe oder Gänge ausgespart. Der Schriftzug wird abends und nachts von unten beleuchtet. Mit dieser Unterbrechung der Gehsteige werden Hinweise auf die versteckten Qualitäten der Stadt gegeben, ohne den Strassenraum einzuengen.

    Durch die Platanenreihen wird eine leicht asymmetrische Anlage des Querprofils vorgeschlagen. Unter den Bäumen, die zukünftig auch in der Lüneburger Strasse gepflanzt werden sollten, werden Bänke angeordnet. Eine 30 cm breite Granitrinne trennt auf beiden Seiten die Laufbahn von den Gehsteigen. Diese Granitrinne, niveaugleich eingebaut, bildet auch das Entwässerungsband für die notwendigen Oberflächenentwässerung. Das Querprofil der Granitrinne ist so angelegt, das Strasseneinläufe im Format 30x50 cm gestalterisch optimal eingebunden werden können.

    Die Materialität der Fussgängerzone wird durch Zurückhaltung geprägt. Die vorgegebenen Kosten erlauben es, die Gehsteige in rot-braunem Klinker und die Laufbahn mit Betonsteinen mit Natursteinvorsatz zu befestigen. Im Bereich der Gehsteige werden für Bad Bevensen typische Klinkerformate von ca. 12x24 cm im Reihenverband quer zur Laufrichtung vorgesehen. Die Farbigkeit des Klinkers ist hier rot-braun. Die Laufbahn wird mit Betonstein mit Natursteinvorsatz in den Formaten 64x32 cm und 48x24 cm befestigt. Die Materialstärke der Betonsteine mit Natursteinvorsatz berücksichtigt, daß der Grossteil der Lieferverkehre über die Laufbahn abgewickelt wird. Die Farbigkeit der Betonsteine in der Laufbahn ist sandsteinfarben. Die Entwässerungsrinnen sind aus sandsteinfarbenem Granit und gehören damit farblich zur Laufbahn. Die Traufstreifen vor den Häusern werden, wie häufig im Bestand vorzufinden, mit Katzenkopfpflaster ausgebildet. Dieser ca. 0,5 m breite Traufstreifen ist für die athmosphärische Wirkung der Strassen besonders wichtig. In den Traufstreifen sollen, die Hauseingänge betonend, Kletterrosen gepflanzt werden.
    Die Farbigkeit der Bodenmaterialien orientiert sich bewusst an für Bad Bevensen historisch belegten Materialien. Klinker bildet nach wie vor ein Charakteristikum norddeutscher Städte und ist bis heute das dominierende Material im öffentlichen Raum. Sandstein wird immer dort eingesetzt (Beispiel Dreikönigs-Kirche oder Mühlengebäude an der Göhrdebrücke), wo die Formate des Klinkers nicht ausreichen, um besondere gestalterische oder funktionale Erfordernisse zu erfüllen. Da Sandsteinplatten in befahrbaren Stärken den Kostenrahmen sprengen würden wird als Alternative Betonstein mit sandsteinfarbenem Natursteinvorsatz vorgeschlagen. Die Ausstattung mit Mastleuchten, Bänken und Papierkörben wird in das Konzept zur Dreiteilung des Strassenraums eingebunden.

    Das Beleuchtungskonzept unterstreicht die Besonderheiten des Stadtgrundrisses. Am Kirchplatz werden die Fassaden der Dreikönigs-Kirche und der angrenzenden historischen Gebäude beleuchtet. Der zentrale öffentliche Raum wird auf diese Weise im Stadtgrundriss betont. Die Achse Lüneburger Strasse – Brückenstrasse wird dagegen mit einer klassischen, gestalterisch reduzierten Mastleuchte ausgestattet. Mit der klassischen Mastleuchte wird der leicht asymmetrische Querschnitt des Strassenraums unterstrichen und die Blickführung in Richtung Kurpark gestärkt.

    Mit dem Entwurf für die zentrale Fussgängerzone von Bad Bevensen werden neben den Oberflächen und Ausstattungselementen die historisch bedingten Alleinstellungsmerkmale des Stadtgrundrisses nachhaltig aufgewertet. Erscheinungsbild und Geschichte werden in Zukunft wieder als eine Einheit zu lesen sein.


    Kosten

    Das Konzept für die zentrale Fussgängerzone stellt die Charakteristiken des Stadtgrundrisses in den Vordergrund. Der Kirchplatz und die Dreikönigs-Kirche besitzen in diesem Zusammenhang eine herausragende Bedeutung. Für die Realisierung ist es daher von besonderer Bedeutung, dass innerhalb des vorgegebenen Kostenrahmens der Kirchplatz im Rahmen der Baumaßnahme mit aufgewertet werden kann. Vorhandene Elemente, wie die wassergebundene Decke und die Sandsteinplatten vor dem Westportal sollen erhalten bleiben. Die Einfassung dieser Flächen ist aber im Rahmen des Gesamtkonzeptes außerordentlich wünschenswert.
    Die Kostenermittlung ist daher in zwei Abschnitte geteilt. Abschnitt 1 umfasst den in der Auslobung vorgegebenen Planungsraum, der den Kirchplatz allerdings schräg anschneidet. Die Kostenschätzung ergibt für diesen Bereich eine Gesamtsumme von rund 1.060.000,00 € brutto. Um entsprechend des Konzeptes den Kirchhof im gleichen Zug mitrealisieren zu können, ist für diesen Teil ebenfalls eine Kostenschätzung vorgenommen worden. Die Gesamtsumme für diesen erweiterten Bereich beträgt rund 260.000,00 € brutto. Die Gesamtsumme für den Wettbewerbs- und den Erweiterungsbereich beträgt somit rund 1.320.000,00 €. Auch unter Berücksichtigung unvorhergesehener Kosten im Rahmen der Realisierung bleibt eine gemeinsame Umsetzung der Maßnahmen im vorgegebenen Kostenrahmen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.