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  • 1. Rang Gewinner

    Gesamtplan

    Stadtplaner
    Machleidt GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)
    Ingenieure / Fachplaner: Ingenieurbüro Schwarz GmbH, Saarbrücken (DE)

    Erläuterungstext
    Präambel

    Der Lokschuppen mit seinem historischen Umfeld erfährt einen umfassenden Wandel. Ziel des Entwurfs ist es, diesen Wandel erlebbar und nutzbar zu machen. Dabei greift der Entwurf mit behutsamen Mitteln die vorhandenen Spuren des Areals auf und verbindet diese mit den Themen Kultur und Event, Bahn und Jugendfreizeit. Der Entwurf berücksichtigt neben den gestalterischen Aspekten die funktionalen Anforderungen wie Erreichbarkeit, Stellplätze, Robustheit und die Belange der benachbarten privaten, teilweise gewerblich genutzten Grundstücke.


    Bestandssituation

    Der Ort ist geprägt von seiner Entwicklungsgeschichte. Das Areal des Dillinger Lokschuppens wurde zuerst von der Bahn belegt, noch umgaben Feldfluren den Standort. Allmählich entwickelte sich die Stadt um das Plangebiet herum. Das Umfeld besteht heute aus einem Nebeneinander verschiedener Architekturen mit unterschiedlichen Nutzungen, der Lokschuppen prägt mit seinem Freiraum als historischer Solitär nur sein unmittelbares Umfeld. Durch seine ursprüngliche Nutzung orientiert sich der Lokschuppen zur Bahntrasse und liegt abseits der Stadtaufmerksamkeit. Die neue Nutzungssituation als Veranstaltungszentrum erfordert aber eine Neuorientierung und Zuwendung zur Stadt. Die architektonische Qualität des Bauwerks wie auch die Besonderheit des bahngeprägten Areals ist erkannt und wird entwurflich durch das Herausstellen des Lokschuppens in die erste Reihe gewürdigt.


    Der Kern, die Schale und die Schicht dazwischen

    Städtebau
    Der Lokschuppen erhält durch den Bau einer neuen Straße („Am Lokschuppen“) parallel zur Merziger Straße ein eigenes städtisches Feld und wird rückt dadurch aus der „Hofsituation“ in die erste Reihe. Der Lokschuppen bildet den zentralen Kern des Feldes, die Gestaltung des Außenraumes orientiert sich auf diesen Mittelpunkt und inszeniert ihn zusätzlich. Die den Lokschuppen unmittelbar umgebenden Freiflächen werden als Außenflächen für Veranstaltungen genutzt. Die Jugendfreizeit und der Modellbahnverein erhalten eigene Freiräume.
    Der neu geschaffene Block zwischen Am Lokschuppen und Merziger Straße entspricht in Größe und Orientierung den umgebenden Blöcken. So wird ein „normaler“ städtischer Block mit allen Entwicklungsoptionen geschaffen, der dem Lokschuppen eine neue Vorderseite zuwendet. Das Freiräumen und Freistellen erlaubt nun von den unterschiedlichen Ankommensrichtungen Blicke auf den Lokschuppen. An der Kreuzung Merzigerstraße/Industriestraße entsteht über die Gestaltung der Blockecke mit einer Spielskulptur und berankten Kuben eine Neugierde, die die Vorbeikommenden in das Gebiet ziehen soll.

    Optionale Entwicklungsstufen
    Mit der Gliederung des neuen Blocks zwischen Am Lokschuppen und Merziger Straße wird auch die Möglichkeit geschaffen, bei entsprechender Nachfrage den Ort in Entwicklungsschritten mit weiteren Nutzungen zu ergänzen und so dem Lokschuppen ein städtisches und lebendiges Umfeld zu geben. Vorgeschlagen wird eine neue Parzellengliederung, die eine kleinteilige, gemischt genutzte und städtische Bebauung in attraktiver Lage mit Blick auf Lokschuppen und den Limberg ermöglicht. An der Ecke Merziger Straße/Industriestraße ließe sich zukünftig, wenn die Stadtentwicklung die Kraft hat, der Block mit Geschäftshäusern schließen.

    Die Im ersten Entwicklungsschritt vorgeschlagene freiräumliche Gestaltung der Blockecke bietet bei der gegenwärtigen Nachfrage eine hochwertige und attraktive Lösung, sie hält aber auch alle Optionen für die Zukunft offen.

    Freiraum
    Die Gestaltung des Freiraums ist in verschiedene Horizonte gegliedert. Die Kernzone besteht aus der Drehscheibe und den angelagerten Wartungsgruben sowie den historischen Kohlebansen. Die Vertiefungen werden als florale Intarsien, die Kohlebansen als blühende Kabinette mit tiefroten, an Kohle-Briketts erinnernden Dahlien begriffen. Während sich die Besucher in den Kabinetten verlustieren können, stellt die Drehscheibe mit der Gitterrostauflage eine exponierte Plattform für Veranstaltungen im Außenbereich dar. Die ehemaligen Gleise werden als Spuren im Boden markiert und können bei Bedarf für einen Gleisanschluss verwendet werden.

    An die Kernzone schmiegt sich eine Sitzstufenanlage die sich am Radius der Drehscheibe orientiert – hier wird Platz für Verweilen, Beobachtung und Gespräche geboten. Die Grundfläche außerhalb der Stufenanlage umgürtet diese wie eine Korona. Sie ist geprägt durch den bestehenden Belag aus Kies- bzw. Asphaltflächen. Darin lagern sich erhöhte Rasenkissen ein. Durch ihre geschliffene Konturlinie kontrastiert sie bewusst mit dem schroffen Bestand. Es entsteht ein Dialog zwischen alten und neuen Strukturen. Die Rasenkissen vermitteln durch ihre Form zwischen dem Kernbereich und den Stellplätzen, nehmen wesentliche Sichtbezüge auf und bieten großzügig Raum zur Orientierung.

    An die „Korona“ lagert sich eine lockere Baumpflanzung als Kontaktzone an. Die Fläche verfügt großflächig über einen robusten schotterartigen Belag als ein auf die Eisenbahngeschichte verweisendes Material. Die Fläche dient als neutraler überquerbarer Raum, der bei großen Veranstaltungen als Parkplatz, aber auch als Fläche für Feste genutzt werden kann.

    Die neue Straße bildet zusammen mit der optionalen Bebauung die städtische Kante für das Lokschuppengelände. Die Freifläche an der Ecke Merziger Straße/Industriestraße betont mit einem diagonal gestellten Kletterobjekt die Blickrichtung auf den Lokschuppen. Die Jugendlichen der Einrichtungen auf dem Gelände erhalten so eine außergewöhnliche Betätigungsmöglichkeit im Außenraum. Durch berankte und aufgeständerte Kuben aus Gitterblechen der Dillinger Hütte erhalten die Straßenräume eine räumliche Fassung. Die Blicke auf den Lokschuppen gehen darunter hindurch.


    Verkehr
    Die Anbindung des Lokschuppengeländes erfolgt an der Werderstraße und an der Industriestraße. Der Anschluss an die Industriestraße erfolgt als einfache Einmündung mit einer kurzen Rampe um den Höhenunterschied von ca. 0,8 m am Anknüpfpunkt auszugleichen. Die Länge der Rampe beträgt dabei ca. 9,0 m. Am nördlichen Rand der neuen Straße ist Längsparken vorgesehen, am südlichen Rand erfolgt das Parken durch Senkrechtaufstellung. Hier sind auch Frauenparkplätze, Abstellplätze für Fahr- und Motorräder sowie Behindertenparkplätze vorgesehen.

    Die erforderlichen 400 Stellplätze verteilen sich wie folgt:
    Straße Am Lokschuppen: 60 Stellplätze
    Parkplatz unter Bäumen am Lokschuppen: 160 Stellplätze
    Parkdeck Pachtener Straße: 180 Stellplätze

    Die dezentrale Anordnung der Parkierungsfläche ermöglicht die räumliche und zeitliche Aufteilung der Zielverkehrsströme und verhindert damit die Überlastung der Anschlussknoten. Hier wird die Einrichtung eines einfachen teil-dynamischen Parkleit- und Informationssystems für die Zufahrten zu den Parkierungsflächen vorgeschlagen.

    Ein Rückbau der Rechtsabbiegerspur aus Richtung Merzig in die Industriestraße zur Realisierung einer durchgehenden Bauflucht ist vertretbar. Vorbehaltlich weiterer Detailprüfungen ist die Leistungsfähigkeit bei einer voll verkehrsabhängigen Signalisierung nach AKF-Abschätzung auch für die Nachmittagsspitzenstunde für das Jahr 2030 noch ausreichend.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 27.02.2009, 13:58
Zuletzt aktualisiert 26.08.2010, 13:31
Beitrags-ID 4-24372
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