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  • DE Rostock
  • 04/2004
  • Ergebnis
  • (ID 2-1224)

Doberaner Platz


  • 2. Preis

    kein Bild vorhanden
    Landschaftsarchitekten
    terra.nova Landschaftsarchitektur, München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Wich Peter Fischer Gunter Uhr Michaela Kaifel Thorsten, Bartenbach Lichtlabor, Aldrans/Innsbruck Obermayer Planen + Beraten Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, München

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: wich architekten, München (DE)

    Preisgeld
    13.000 EUR

    Erläuterungstext


    Stadtraum und Atmosphäre.
    Die Zurücknahme des Individualverkehrs im Bereich des Platzgefüges um den Doberaner Platz erlaubt es dem Platz eine neue Bestimmung zu geben. Zukünftig wird nicht der Fahrverkehr sondern vielmehr der Fußgänger, Flaneur und Besucher den Platzraum in Besitz nehmen. Hierzu schlagen wir ein vielfältiges Angebot vor. Der neue Stadtraum ist kraftvoll, eindeutig im städtischen Gesamtzusammenhang, poetisch und besetzt mit Bildern. Der öffentliche Raum wird zur Bühne unseres Lebenswandels, zum Ereignis.

    3 Orte 3 Ereignisse.
    Das Platzgefüge um den Doberaner Platz als Dreiklang aus im Zuschnitt sich gleichenden Platzsegmenten wird räumlich klar und homogen durch die bestehende Blockrandbebauung begrenzt. Demnach ist es die funktionale Bestimmung der Gebäude bzw. der Platzränder sowie die Zuordnung der räumlichen Einzelsituationen im Platzgefüge, die eine eigenständige Bestimmung und Unterscheidbarkeit der Teilräume zulässt.
    Oft reichen hierfür geringfügige Eingriffe oder Adaptionen des Vorgefundenen, um den besonderen Reiz des Ortes oder der Situation im bestehenden Kontext hervorzuheben. Für jeden der Plätze wird eine bestimmte Grundstimmung erzeugt, die über eine genaue Kalibrierung von Texturen, Vegetation sowie Einrichtungen und Nutzungen im Raum umgesetzt wird.
    1 >Platz am Brink<
    Vor allem die Bäume sind es, die dem Ort seine Besonderheit verleihen. Dem entsprechend ist es unser Ziel, die bestehenden Bäume zu erhalten, ihnen verbesserte Lebensbedingungen zu bieten und hieraus eine besondere Platzatmosphäre entstehen zu lassen. Die Bestandsbäumen werden mit neuen, hochstämmigen ergänzt und in einer ablesbaren Fläche- dem Stadtpodest zusammengefasst. Die Erhöhung der Platzfläche und die klare Funktionszuweisung für Fußgänger ermöglicht einen reduzierten Belagsaufbau und einen durchgehenden Bodenhorizont für den wertvollen Baumbestand. Zudem sehen wir die Chance durch eine entsprechende Belagsgestaltung einen ausreichenden Luft- und Wasseraustausch des Substrates mit den Baumwurzeln zu gewährleisten. Sämtliches anfallende Oberflächenwasser wird ohne aufwendige Entwässerung direkt diesem natürlichen Speicher zugeführt.
    Die Oberfläche des Podestes erhält einen einheitlichen Belag aus Holzbohlen. Ein Belag den wir mit Küste, Hafenanlagen oder Rostock als Stadt am Meer verbinden und der somit metaphorischen Bezug zum Ort und zur weiteren Umgebung sucht.
    Der Platz an sich ist für uns einer der geschäftigen und belebten Bereiche des Platzgefüges um den Doberaner Platz. An den Platzränder sind Cafes und Bars, die das Podest auch zur Bestuhlung nutzen. Am Abend ist das Podest der Treffpunkt und Ort des regen Treibens. Leicht erhöht über den Stadtboden kann man beobachten sitzen, liegen, tummeln oder spielen.
    Das Spiel von Licht und Schatten bestimmt den Platzcharakter. Licht fällt durch das Laubdach der Bäume auf das Holzdeck Die locker eingestreute Bestuhlung unterstützt das Spiel der Baumstämme und die heitere Atmosphäre..
    2 >Doberaner Platz<
    Bewegung und Bewegtheit sind die charakteristischen Merkmale des Ortes. Die Haltestellen als Anlaufpunkte und Verteiler des gesamten Platzbereiches bestimmen das Geschehen. Fussgängerströme quer über und zum Platz sowie zu den anliegenden Geschäften setzen eine offene und durchlässige Gestaltung voraus. Nicht der Aufenthalt, sondern die Verkehrsbeziehungen sind prägend. Im Boden eingelassene punktuelle Wasserspiele verleihen dem Ort seine eigene Grundstimmung, ohne das funktionale Notwendigkeiten vernachlässigt werden. Je nach Geschehen variieren die Wassersäulen. Am Tag sind sie intensiver und überspielen auf diese Weise die umgebenden Fahrgeräusche. Am Abend verleihen sie dem Ort Ruhe und der gesamten Platzanlage einen repräsentativen und optisch wirksamen Mitttelpunkt. Das Treiben verlagert sich an die Platzränder. Von den Kneipen und Cafes erstrahlt der neue Doberaner Platz.
    3 >Gertrudenplatz<
    Mit klarer Zuordnung zur Gartenanlage und zum Kopfbau mit Haupteingang des Krankenhauses hat der Gertrudenplatz eine andere, eine vegetative Prägung. Diese möchten wir hervorheben und den Platzbereich mit Grün seine Unverwechselbarkeit zurückgeben. Ein Birkenhain aus hochstämmigen Bäumen mit hohem Kronenansatz wird zum neuen Charakteristikum. Intensiv blühende Hortensien, locker verteilt in einer Fläche aus Ziegelschotter unterstreichen den Duktus der Anlage. Optisch ist der Gertrudenplatz das gegenüber zum Platz am Brink. Beiden Plätzen gemein ist die grüne Raumkante die den zentralen Bereich des Platzgefüges um den Doberaner Platz als städtischen Platz im eigentlichen Sinne hervorheben. Dieser rückt auf Grund dessen und in Anbetracht seiner Lage am ‚tiefsten Punkt’ in den Mittelpunkt der Platzanlage. Offen und durch die Wassersäulen dennoch besonders akzentuiert wird er zum eigentlichen zentralen Bereich, gesäumt durch die Baumkulissen vom Platz am Brink und Gertrudenplatz.

    Der die Plätze umspülende Stadtboden sollte einer Flüssigkeit gleichend einen homogenen Flächeneindruck vermitteln. Dem entsprechend schlagen wir vor, Großsteinpflaster in Segmentbögen, um den gewünschten flächenhaften Eindruck zu erzielen. Eingebettet in das Ganze sind die Gleisanlagen der Straßenbahn, deren Gleiskörper mit dem gleichen Material versehen werden sollten, jedoch in Reihe verlegt. Als Materialität kommt Granit zum Einsatz. Eine Mischung aus drei verschiedenen Farbigkeiten (rot-braun, grau-rot, grau-braun) verleiht der Fläche Differenziertheit und eine vielfältiges, wenngleich durch die Steingröße homogenes, Erscheinungsbild. Die Gebäude erhalten im Sockelbereich eine durchgehende 'Vorzone', die Sonderelemente wie Eingänge, Vor- und Rücksprünge, Zu- und Ausgänge sowie Treppenstufen und Sitzbereiche an den Eingängen aufnimmt. Als grossformatige Klinkerplatten stehen sie in direktem gestalterischen Bezug zu den Gehbereichen der angrenzenden Strassenzüge.

    Material und Konstruktion.
    Die Platzfläche als zusammenhängender Stadtboden erhält einen flächenhaften Belag aus Granitgroßsteinen in grau/braun bis rot/braun Abstufungen. Die Mischung aus farbverwandten, jedoch differenzierten Gesteinsarten erlaubt eine Varianz im Detail und eine Homogenität in der Gesamtheit. Als Verlegeart schlagen wir Segmentbögen vor, die Steingröße zwischen Scheitellinie und Kämpfer variieren hierbei von ca. 18-max. 20cm und 13-min. 11cm. Die Steindicke ist 16cm, die Bauweise ungebunden. Als Vorzonen (Gebäudesockel) werden Klinker in der Farbe entsprechend dem Bestand vorgesehen. Sie bilden den Rahmen der Platzanlage und leiten über zu den Seitenstrassen. Für das Stadtpodest kommt zertifiziertes Tropenholz auf einer Unterkonstruktion zum Einsatz.

    Das Beleuchtungskonzept.
    Die Horizontalfläche des Platzes ist Ausgangspunkt der Helligkeitsbestimmung. Das Beleuchtungskonzept sieht hierfür einen homogenen Lichtrahmen mit einem Lichtwert von 30 Lux als Beleuchtungsbasis vor.
    Weitere Differenzierungen und Akzentuierungen der primären Grundbeleuchtung des Platzes werden durch die gezielte Ausleuchtung von Objekten (Bäume, Wassersäulen, Fassaden....) erreicht
    Das gesamte Beleuchtungssystem der Platzgrund- und Zonierungsbeleuchtung wird in Kombination mit den Leitungsmasten der Strassenbahn realisiert. Die Lichttechnik basiert auf entblendete und leistungsstarke Werfersysteme, die das Licht über Umlenkelemente in den Platzraum reflektieren. Die Fassadenbeleuchtung erfolgt zusätzlich durch Aufbauleuchten, welche unterhalb der Traufkante montiert werden, wobei durch diese eine gleichmäßige Beleuchtung der Fassadenflächen erfolgt.
    Flanieren bis spät in die Nacht.
    Um die vorgesehenen Beleuchtungen wirtschaftlich zu betreiben (Stromkosten, Leuchtmittelersatzkosten) sind 3 Schaltstufen vorgesehen.
    Stufe 1: Dämmerung bis 22.00 Uhr (Grundbeleuchtung + Fassadenbeleuchtung + Zonierungsbeleuchtung). Optimiert die optische Wahrnehmung im gesamten Strassenraum zur Erfüllung der Sehaufgabe und der effektvollen Ausleuchtung der Stadträume.
    Stufe 2: 22.00 Uhr bis 24.00 Uhr (Grundbeleuchtung + Zonierungsbeleuchtung)
    Berücksichtigt zusätzlich die Strahlungsimmissionswerte im Fensterbereich.
    Stufe 3: 24.00 Uhr bis Dämmerung (ausschließlich Grundbeleuchtung )
    Einhaltung der Mindestanforderungen für Orientierung im Strassenraum.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Ausgehend von den Zielstellungen und den technischen Vorgaben der Auslobung stellt sich diese Arbeit dieser sich scheinbar widersprechenden Aufgabe sehr bewusst. Einerseits unterstreicht man die Herausarbeitung der unterschiedlichen Charaktere der Teilräume durch sehr differenzierte, anspruchsvolle Gestalt- und Funktionsangebote jeweils für den Doberaner Platz, für den Platz Am Brink und für den Gertrudenplatz. Um jedoch die gleichzeitige Einheitlichkeit des städtebaulichen Raumgefüges zu erreichen, wird die durchgehende Materialwahl für die Gesamtfläche gewählt.
    Dabei wird andererseits in Kauf genommen, dass die notwendige Ablesbarkeit und Wahrnehmbarkeit der verkehrskonzeptionellen Vorgaben scheinbar negiert wird. Eine diesbezüglich erforderliche Materialdifferenzierung (für die Gleisbereiche bereits aufgezeigt) wird der Entwurfsabsicht aber nicht abträglich sein. Aus Kostengründen kann es sogar erforderlich sein, nach zwar hochwertigen, jedoch deutlich preisorientierteren Materialien für die Gesamtbehandlung der umzugestaltenden Bereiche zu suchen.
    In diesem Zusammenhang ist auch anzumerken, dass die der Einbindung in die Stadtstruktur geschuldete Überziehung dieser Gestaltungsgrundhaltung in angrenzende Straßenräume hinein nicht erforderlich, eher abträglich, aber ohne Konflikte korrigierbar ist.
    Unter Beachtung dieser grundsätzlichen Problematik für einen Realisierungswettbewerb – die eher nebensächlichen Schnitt- und Detaildarstellungen unterstreichen zusätzlich diese Situation – muss jedoch auf die sehr differenzierten und für jeden Platzraum sehr ortsbezogenen, sehr gestalt- und nutzungsorientierten Angebote mit hoher Aufenthaltsqualität hingewiesen werden. Am Brink und Gertrudenplatz erhalten raumbezogene, sich fast spiegelnde Konzepte mit deutlich unterschiedlichen Inhalten. Die Lösung für den Doberaner Platz erscheint besonders anspruchsvoll und gelungen für diesen notwendigerweise lebendigen Raum. Deshalb ist die Konzentration der Fontänen auf diesen Raum folgerichtig.
    Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass die Umsetzung dieses beeindruckenden Entwurfes ein intensives Maß an vertiefender Beschäftigung mit den aufgezeigten Entwurfsideen erforderlich macht.