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  • DE Mannheim
  • 06/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-13045)

Gastronomiegebäude Strandbad Mannheim-Neckarau


  • 2. Rang


    Architekten
    motorplan Architekten BDA, Mannheim (DE), Frankfurt am Main (DE), Weimar (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Mitarbeiter Strandbad Mannheim Topo-Deck Peter Bender Sophie Dickler Daniel Knapp Jochen Mehr Marc Theis

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Motorlab Architekten, Mannheim (DE)

    Erläuterungstext
    Topologie - Horizont vs Attraktor
    Das Strandbadareal wird räumlich durch den Rand des Waldparks und der parallel zum Rhein verlaufenden Promenade am Kiesstrand begrenzt. Zwischen diesen Rändern spannt sich eine weitläufige Wiese auf, die wiederum durch vereinzelte Baumgruppen natürliche (Nutzungs-)Schwerpunkte erhält. Als Attraktoren haben die Bäume prägenden Einfluss auf die Verteilung des Besucherstroms und die Orientierung im topologischen Raum des Areals. Sie sind Schattenspender, Ruhezonen und bilden Aufenthaltsinseln im offenen Gelände.

    Gestaltungskonzept - Raster vs. Kurve
    Diese strandbadspezifischen räumlich-kontextuellen Parameter werden abstrahiert auf das architektonische Vokabular des neuen Gebäudes übertragen: Die cartesianische Orthogonalität des Decks wird durch frei geformte bzw. kreisförmige Geometrien zoniert, der Gesamtraum bleibt dadurch im Zusammenhang erlebbar. Die gliedernden Elemente schaffen gemäß dem genius loci Bereiche mit unterschiedlichen Qualitäten, die Einzelfunktionen werden klar erkennbar verortet. Bezogen auf das Gesamtareal des Strandbads ist das gestalterisch vorrangige Ziel die Beseitigung der bestehenden Zäsur durch die Rückgebäude und stattdessen die Wiederherstellung des freien Umfließens des Baukörpers. Die geometrische Ausformulierung der Freianlagen strukturiert das Umfeld und integriert selbstverständlich dienende Funktionen sowie zusätzliche Freizeitangebote.

    Konstruktion - Domino Haus vs Topodeck
    Der Neubau des Strandbads formuliert unter Einhaltung der vorgegebenen Kubatur und Lage des Bestands einen aufgeständerten Baukörper mit maximal transparenter Erdgeschosszone. Das Prinzip des corbusianischen Domino Hauses wird dabei durch freie Geometrien transformiert und um eine Raum-Diagonale erweitert: Die Hauptebene im OG wird topografisch so verformt, dass sie die Promenadenebene und das Deck fließend verbindet und dadurch eine funktionale Erweiterung erfährt.
    Basierend auf der vorhandenen Stützenstruktur nutzt die unterzugfreie Stahlbetonkonstruktion des Neubaus (Flachdecken auf Rundstützen Raster 5.00m x 5.00m) die vorhandene Gründung. Für einen optimierten Energiehaushalt sorgen einerseits die räumliche Kompaktheit und Ausrichtung der beheizbaren Räume und die Verwendung von hoch gedämmten Sandwichelementen für die Nebenraumfassade und Wärmeschutzverglasungen für den Gastraum. Optional bringen eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung und eine Bauteilaktivierung weitere Vorteile für die Gesamtenergie- und Temperaturbilanz des Gebäudes. Die Dachbegrünung trägt der Lage im Landschaftsschutzgebiet Rechnung und fungiert als Retensionsfläche.
    Um Hochwassersicherheit zu gewährleisten, wird die Höhe des Oberdecks mit 3.24m festgelegt (OKFB 94.56m über NN), die lichte Durchgangshöhe beträgt 2.84m. Zusätzlich wird die Belichtung des offenen Erdgeschosses durch Einschnitte im Deck sichergestellt und dadurch das darunter liegende Funktionsangebot auf Promenadenebene inszeniert.

    Programm - Zonierung vs Topografie
    Das Raumprogramm wird bis auf wenige Lagerflächen und den Nassmüllbereich, die Bestandteile des Kiosks auf Promenadenebene bilden und den Technikblock mit Abstellfläche für die Freizeitnutzung komplett auf dem Oberdeck abgebildet: Die Freiterrasse im Westen umfasst dabei die Hälfte, der kompakte ganzjährig zu nutzende Gastraum im Süden sowie die Nebenraumzone im Norden als Pufferzone mit Dachbegrünung jeweils 1/4 der Programmfläche.
    Die geschwungene Tribüne wird zum attraktiven Aufenthaltsbereich und Treffpunkt an der Promenade und dient zusätzlich der Erschließung der Terrasse. Der Infrastrukturbereich mit Küche, angegliederten Lagerflächen und Kühlhäusern, getrennten Sanitäranlagen für Terrasse und Restaurant, Büro und Personalräumen bildet einen Rücken aus ohne den Blick Richtung Waldrand zu versperren: Die beiden Stirnseiten des Decks bleiben offen und erlauben einen Panoramablick, die vermeintliche Rückseite wird Bestandteil der Gesamtkulisse.
    Die verglaste Terrassenfassade des Restaurants kann im Sommer vollständig geöffnet werden - der Raum fließt um die zentrale Bar, das komplette Deck wird zum bespielbaren Außenbereich. Der kreisförmige Gebäudeausschnitt im Zentrum des Gastraums bildet einen Patio und inszeniert den Hauptzugang zum Restaurant, das der Besucher über eine geschwungene Panoramatreppe betritt. Durch Vorhänge können Teile des Raums temporär abgetrennt werden, um verschiedene Konstellationen und Raumgrößen zu ermöglichen. Eine optionale Dachterrasse als Aussichtsplattform, erschlossen über eine einläufige Außentreppe im östlichen Panoramabügel, erweitert das geforderte Funktionsprogramm.

    Materialität - Robustheit vs Atmosphäre
    Die Materialien der Einbauten in der robusten Betontragstruktur sind allesamt dem Vokabular des Schiffsbaus entlehnt: Die leuchtende Sperrholzbeplankung der Bar zitiert einen hölzernen Bootsrumpf, die transluzente Fiberglas-plattenverkleidung des geschwungenen Infrastrukturrückgrads erinnert an ein gespanntes Yachtsegel, der Holzdielen-boden gleicht einem Schiffsdeck, eine Reling an der Stirnseite inszeniert die gerahmte Rheinperspektive und perforierte Sonnensegel spannen zwischen den Stahlträgern des Terrassendachs. Die dimmbaren Linienleuchten an der Decke zeichnen den Strom der Bewegung nach und klassische Requisiten wie der abgehängte offene Kamin bringen zusätzliche Aufenthaltsqualität und eine unverwechselbare Atmosphäre.

    Strandbad - Landmarke vs Plot
    Das Strandbad ist mehr als nur ein Gebäude. Durch das topografisch geformte, die Niveaus verbindende Hauptdeck wird es vielmehr zum robusten Kulturlandschafts-Mobiliar, die textile Segel-Hülle macht es zur weithin sichtbaren und nachts leuchtenden Landmarke. Die Architektur des Baukörpers wird als Teil einer szenischen Handlungsanweisung zu einer programmatischen Erweiterung des Promenadenangebots:
    Die zeitgenössische Neuinterpretation des Mannheimer Strandbads als dynamischer Plot am Fluss.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.