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  • DE Hamburg
  • 07/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-13180)

Maritime Competence Centre (MCC)


  • 3. Preis

    Blatt 01

    Architekten
    raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Sarah Morgenstern Martin Faber Antje Leitiger

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: osd - office for structural design, Frankfurt am Main (DE)
    Landschaftsarchitekten: club L94, Köln (DE)
    Bauingenieure: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart (DE), München (DE), New York, NY (US), Paris (FR)

    Erläuterungstext
    01. Leitgedanken
    Der Neubau des Maritime Competence Centers (MMC) ist ein wichtiger Baustein im südlichen Bereich der Harburger Schlossinsel. Er bildet den städtebaulich bedeutsamen und prominenten Auftakt am Lotseplatz und ist als Initialzündung für das umliegende Gebiet zu verstehen.
    Aus diesem Grund formuliert der Entwurf kein gewöhnliches Bürogebäude, sondern nimmt den maritimen Charakter des Ortes auf und verklammert über ein offenes Atrium die beiden Büroriegel zu einem Gebäude. Dabei wird der öffentliche Raum des Lotseplatzes über das offene Sockelgeschoß des MMC bis in das Atrium weiterentwickelt. Die transparente Halle ist als zentrales Erschließungselement des Gebäudes zum Wasser hin ausgerichtet und bildet einen Ort der Kommunikation mit attraktiven Ausblicken.
    Insgesamt entsteht ein Bürogebäude für maritime Firmen mit hohem Wiedererkennungswert, ein Haus mit kommunikativem Charakter.


    02. Erschließung
    Das MMC kann an seinen vier Gebäudeseiten optimal an die neuen Erschließungsstrukturen angebunden werden. Der Hauptzugang des Gebäudes vom Lotseplatz führt den Besucher über die großzügige Freitreppe und das offene Sockelgeschoß in das repräsentative Foyer direkt zu den vertikalen Erschließungselementen. An das Atrium sind die gemeinschaftlich genutzten Bereiche wie Empfang, Ausstellung, Kantine und Cafeteria unmittelbar angebunden.
    Die zentrale Versorgung und Anlieferung befindet sich an der östlichen Gebäudeseite im Anschluss an die Serviceflächen im Erdgeschoß.


    03. Büroorganisation und Mieteinheiten
    Die vorgeschlagene Bürostruktur baut auf einem Grundmodul von 1,35 * 1,35 m auf. Innerhalb der Netto-Gebäudebreite von 14,85 m lassen sich vom klassischen Zellenbüro, über Kombibüros bis hin zu Großraum- Flächen vielfältige Organisationsformen realisieren. Dabei liegt der Anteil der vermietbaren Flächen bei über 82% der Bruttogrundrissfläche, wodurch eine hohe Flächenwirtschaftlichkeit erzielt wird. Die Büroabschnitte sind jeweils in Einheiten < 400 qm organisiert und können bei Bedarf zu größeren zusammenhängenden Mieteinheiten sowohl horizontal als auch vertikal zusammengefasst werden. Die Stegverbindungen durch das Atrium erhöhen dabei die Variationsmöglichkeiten. Alle Büro- / Mieteinheiten verfügen über die erforderlichen Infrastrukturräume und sind direkt an mindestens einen Erschließungskern angebunden. Je Regelgeschoss werden 6 Nutzungseinheiten, unterteilt in 6 Brandabschnittszonen geschaffen. Der Grundriss ist als Dreibund ausgebildet. Alle notwendigen Erschließungs- und Versorgungseinheiten liegen dabei in der Mittelzone, die hochwertigen fassadenorientierten Grundrissbereiche können somit komplett für die Arbeitsplatz- / Büronutzung herangezogen werden.


    04. Konstruktion
    Das Tragwerk unterstützt die Entwurfsidee von einem schwebenden, nur auf wenigen Punkten gestützten Baukörper. Dabei sind die Decken als flächenaktive Scheiben (Trägerrostkonstruktion) in Stahlverbundbauweise ausgebildet und in die massiven Erschließungs- und Versorgungskerne eingespannt. Die hieraus resultierenden Lasten werden in den Kreuzungspunkten der Tragrippen über die Biegesteifigkeit des Flächentragwerkes abgetragen. Die Aussteifung des Baukörpers ist über die Einspannwirkung der massiven Stahlbetonkerne gewährleistet. Die Gebäudelasten werden über eine Flachgründung in den Boden abgetragen, die im Bereich der Kerne verstärkt sind (und eventuell mit Kleinbohrpfählen).
    Die beschriebene Konstruktion ermöglicht ein offen gestaltetes Erdgeschoß, sowie eine flexible Grundrissgestaltung in den Büroebenen.



    05. Energie, Ökologie
    Um den geforderten primärenergetischen Zielwert von 100 kWh_pe/qm/a zu erreichen, ist eine konsequente Reduktion des Wärme-, Kälte- und insbesondere des Strombedarfs erforderlich. Aufgrund des Primärenergie-faktors von PEF_strom = 2,7 sind Systeme vorteilhaft, die elektrische Energie erzeugen und in das öffentliche Stromnetz einspeisen. Diese Einspeisung erzeugt durch die vermiedene Stromerzeugung an globaler Stelle eine hohe primärenergetische Gutschrift, die speziell bei biogen angetriebenen BHKW\'s zu negativen PEF\'s für die lokal erzeugte Wärme führt. Daher wird für das Projekt ein auf Pflanzenöl basierendes Wärme- und Stromversorgungs-konzept mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und eine solare Stromerzeugung über horizontale Photovoltaikmodule auf dem Dach des Gebäudes vorgeschlagen. Die Kälteerzeugung erfolgt ebenfalls primärenergetisch günstig durch indirekte thermische Nutzung des Grundwassers über Förder- und Infiltrationsbrunnen und einen Wärmetauscher. Auf eine mechanische Kälteerzeugung mit elektrisch angetriebenen Kältemaschinen wird bewusst verzichtet. Selbst die Kühlung der Serverräume über Umluftkühler (ULK) kann mit Grundwasser erfolgen.


    Klimakonzept

    Ziel ist es, die operative Raumtemperatur in den Büroräume auf 21…26°C zu begrenzen und nur an wenigen Stunden im Jahr zu überschreiten.
    Im Winter bietet die geschosshohe, selektive 2-fach Vakuum-Verglasung (75/50) einen sehr guten Wärmeschutz (u_g = 0.5 W/qm/K) und vermeidet dadurch den Kaltluftabfall auf der Innenseite der Verglasung. Die Heizung der Büroräume erfolgt über eine Bauteilaktivierung der massiven Geschossdecken und wird im Winter sowie bei starkem Wind unterstützt durch eine mechanische Lüftung, bei der die hygienisch notwendige Zuluftmenge in die Räume konditioniert eingebracht wird. Die Abluft strömt über in das innen liegende Atrium (erweitertes Komfortziel 18…28°C) und von dort über Dach ins Freie. Auf eine Wärmerückgewinnung kann aufgrund der äußerst PE-günstigen Wärmeerzeugung verzichtet werden.

    Im Frühjahr / Herbst (Übergangszeit) bzw. in etwa 50 % der Nutzungszeit beträgt die Außentemperatur 15…25 °C, so dass in diesen Zeiten eine natürliche Lüftung der Büroräume ohne Einsatz von Energie erfolgt. Dieses hybride Lüftungskonzept lässt einen sehr geringen Strombedarf für die Luftförderung erwarten.

    Im Sommer begrenzt zum einen der allseitige Dachüberstand Gebäudes den solaren Wärmeeintrag, zusätzlich ist ein innen liegender, hoch reflektierender Sonnen-/Blendschutz (low-e) vorgesehen. Eine sanfte Kühlung der Räume ist sowohl über die vorhandene Bauteilaktivierung möglich wie auch durch Temperierung der Zuluft. Um den Strombedarf für Kunstlicht und die unteren Wärmelasten zu minimieren, sind flexible Stehleuchten oder Deckenleuchten mit tageslichtabhängiger Konstantlichtregelung (300…500 lx) und abschaltendem Präsenzmelder vorgesehen.

    Mit dem entwickelten Energie- und Klimakonzept wird ein hoher thermischer und visueller Komfort bei gleichzeitig geringem Primärenergiebedarf erreicht.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.