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  • DE-25355 Elmshorn
  • 01/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-13191)

KGSE - Neubau der Kooperativen Gesamtschule Elmshorn


  • Ankauf


    Architekten
    Füchtenkord Architekten, Langenfeld (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Björn Füchtenkord, Johannes Füchtenkord, Andrea Kruska, Christoph Helbich, Birgit Helbich

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: BIMBERG Landschaftsarchitekten, Iserlohn (DE)
    TGA-Fachplaner: Potthoff GmbH, Erkrath (DE)
    Akustikplaner: Graner + Partner Ingenieure GmbH, Bergisch Gladbach (DE)
    Tragwerksplaner: Ingenieurbüro Schülke und Wiesmann, Dortmund (DE)

    Preisgeld
    6.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Mit dem Neubau der KGSE Elmshorn besteht nicht nur die Möglichkeit, das bestehende sanierungsbedürftige und den heutigen funktionalen und pädagogischen Ansprüchen nicht mehr genügende Schulgebäude zu ersetzen und für 1.200 Schüler einen neuen zeitgemäßen Ort des Lernens und Lebens zu schaffen.

    Es bietet sich vielmehr die Chance, den bisher heterogenen und von wenig Aufenthaltsqualität geprägten Freiräumen im Stadtteil Hainholz eine neue Mitte zu geben und das Schulgebäude in Verbindung mit einem einladenden Schul-Campus als öffentliches Stadtteilzentrum zu inszenieren.

    Der dreigeschossige Baukörper besetzt die südwestliche Ecke des Grundstücks. Dies dient nicht nur einer Neuarrondierung der Freiflächen und einer eindeutigen städtebaulichen Geste, sondern auch der optimalen Realisierung in 2 Bauabschnitten. Da mit dem ersten Bauabschnitt ausreichend große Flächen in Betrieb genommen werden können, sind temporäre Zwischennutzungen nicht notwendig. Zudem kann der Bestand während des zweiten Bauabschnitts bereits über die Zentralen des Neubaus versorgt werden.

    Der Neubau der KGSE bildet zum Hainholzer Damm eine eindeutige städtebauliche Raumkante aus. Gleichzeitig spannt sich zwischen den bestehenden Spielflächen im Nordwesten und dem Neubau ein Vorplatz auf, der gleichermaßen als Quartiersplatz mit angrenzenden öffentlichen Nutzungen, Vorfeld der Schule und Eingang zum Schulcampus mit Grün- und Sportflächen fungiert.

    Der Gebäudeeinschnitt auf der Nordseite markiert die Adresse und öffnet das Gebäude zum Vorplatz. Hier finden sich alle in das Schulgebäude integrierten genuin öffentlichen Funktionen, die eine Belebung der Freiflächen über die Schulzeiten hinaus ermöglichen- die Stadtteilbibliothek, das Forum und die Mensa, die gleichzeitig als Stadtteilcafe am Park dient.

    Die kompakte Anordnung des Schulneubaus im Südwesten schafft im Norden und Osten des Wettbewerbsgrundstücks Platz, um anstelle der bisher fragmentarischen und zu klein dimensionierten Freiflächen großzügig zusammenhängende und differenzierte Grünräume auszubilden, die sich entlang der beiden Hauptwegeachsen „Grüner Boulevard“ und „Campus-Boulevard“ entwickeln:

    Campus-Park
    In eindeutiger Abgrenzung zu den halböffentlichen und robust zu gestaltenden Freiflächen des Schulgeländes entsteht anstelle der PKW- und Fahrrad-Stellplätze ein Campus-Park, der die bestehenden Spielflächen im Norden einbezieht und diese zu einem eigenständigen und vielfältig nutzbaren Grünraum entwickelt.

    Grüner Boulevard
    Durch eine Neuordnung und Konzentration der PKW-Stellplätze in der Nordostecke des Planungsgebietes bzw. einer dezentralen Anordnung von mit Hecken gefassten Fahrrad-Parkplätzen um das Schulgebäude wird Raum geschaffen, um den „Grünen Boulevard“ als Nord-Süd-Verbindung durch das Quartier zu stärken und in den Grünraum einzubetten.
    Entlang des Boulevards sind an wichtigen Gelenkpunkten Spiel- und Sportfelder angeordnet, die öffentlich zugänglich und nutzbar sind. Raumprägende Baumreihen aus Säulenpappeln sollen diese stadträumlich bedeutsame Verbindung zusätzlich betonen und weithin sichtbar machen.

    Campus-Boulevard
    Als Querachse in Ost-West-Richtung bildet der Campus-Boulevard das räumliche Gelenk, in dem sich schulbezogene und öffentliche Nutzungen begegnen, kreuzen und verzahnen. Entsprechend offen, städtisch und übersichtlich ist dieser Bereich gestaltet.
    Vom Hainholzer Damm leitet ein großzügiges Entree zum Schulgebäude. Weiter führt der Boulevard als städtisches Band in Richtung Mensaterrasse, Schulhof und Sporthalle und endet in einem öffentlichen Platz, der als Verteiler fungiert und für vielfältige Veranstaltungen und Nutzungen eine Bühne bilden kann. Heller Asphalt bestimmt den Platzbelag, Leuchtstelen in Pflasterbändern übernehmen die vertikale Führung.
    Nach Osten überwindet eine Geländerampe den vorhandenen Niveauunterschied und stellt als breiter Weg bzw. als landschaftlich ausgebildete Wiesenfläche mit Bäumen eine Überleitung zu den schulischen Sportflächen im Osten her, führt aber auch den Weg an der Sporthalle vorbei in den Schulwald und bietet eine neue, fußläufige Verknüpfung zur Realschule.

    Schulhof
    Offen und dennoch klar gegen den öffentlichen Raum im Norden abgesetzt, liegt der Schulhof einige Stufen tiefer eingespannt zwischen Schulgebäude und Sporthalle- die Brücke des östlichen Gebäuderiegels bildet dabei eine gedeckte Pausenfläche und teilt diesen angenehm in zwei unterschiedlich gefasste Bereiche. Mit teils baumüberstandenen Bereichen (Gleditschien), unterschiedlichen Belägen (wassergebundene Decke, Pflaster, Fallschutzbeläge und Rasenbühne) und zahlreichen Sitz- und Spielangeboten bietet der Schulhof die erforderlichen Bewegungs- und Rückzugsfelder bei gleichzeitiger Robustheit und Übersichtlichkeit. Nach Süden bildet eine Mauer die bauliche Begrenzung der Schulhöfe und schützt die angrenzende Wohnbebauung vor Schallimissionen.


    Architektur und Organisation

    Vom Vorplatz betritt der Besucher das großzügige dreiseitig belichtete Foyer, von dem aus alle öffentlichen Bereiche der Schule -Forum, Mensa, Stadtteilbibliothek, Spielezone- direkt erreichbar und einsehbar sind. Eigene Zugänge für die Stadtteilbibliothek und die Mensa vom Vorplatz sowie die aufgeglaste Fassade zum Platz laden den schulfremden Besucher zum Betreten ein. Das direkt am Eingang angeordnete Treppenhaus ermöglicht den direkten Zugang zur Verwaltung im Obergeschoss. Ebenso stellt der hier angeordnete behindertengerechte Aufzug die direkte Andienung der Obergeschosse und damit der Verwaltung sicher.

    Zur Minimierung des Gesamtflächenbedarfs und zur Belebung über den Schulbetrieb hinaus dient das Foyer nicht allein als großzügige Pausenhalle mit direktem Ausgang auf den Schulhof. Gleichzeitig sind in diesen zweiseitig über den Schulhof und den Brunnenhof belichteten Großraum das Forum und der öffentliche Musiksaal eingestellt. Beide sind über mobile Trennwände flexibel abtrennbar, das Forum zudem voll verdunkelbar. Unter Zusammenschaltung von Forum und Musiksaal werden mehr als 600 Sitzplätze bei Sonderveranstaltungen nachgewiesen.

    Die ausreichend dimensionierten Verkehrsflächen und die angrenzende interne Schulstraße gewährleisten einen reibungslosen Schulbetrieb auch bei während Veranstaltungen belegter Forums- oder Musiksaalfläche. Die notwendigen Nebenräume des Forums werden direkt dem Bühnenrückraum zugeordnet und sind bei größeren Aufführungen über das vorhandene Treppenhaus problemlos mit weiteren Räumen koppelbar.

    In Verlängerung des Foyers erstreckt sich entlang der aufgeglasten Fassade zum Schulhof die interne Schulstraße, über deren Kaskadentreppe alle Klassen- und Fachräume auf kurzem Wege erreichbar sind. Je nach Schließregelung ist dieser offene Treppenraum im Erdgeschoss abtrennbar, so dass die öffentlichen Bereiche im nördlichen Trakt gegen die übrigen innerschulischen Funktionen abgeschlossen werden können. Dies gilt auch für die Spielezone mit den Räumlichkeiten der „Sozialen Stadt“, die sich tagsüber während der Pausen zur Schulstraße, während der Nachmittagsbetreuung jedoch zum öffentlichen Foyer hin öffnet.


    Im Erdgeschoss finden sich darüber hinaus die Fachtrakte für Musik, Kunst und Werken sowie die Räume der Hauswirtschaft, auf einer Ebene und in direkter Nähe des Forums. Über den südlichen Erschließungsflur sind alle Fachräume direkt an den westlich dem Schulgebäude vorgelagerten und durch die Heckenfassung der Fahrradstellplätze begrenzten Werkhof angebunden.
    Ebenerdige Werkstatt- und Lagerräume sowie die Anlieferung liegen am Wendehammer der Fröbelstraße, den öffentlichen Bereichen entzogen und damit kreuzungsfrei zu sonstigen Schulfunktionen. Die Beschickung der Mensa ist witterungsgeschützt unterhalb der „Brücke“ des Schulhofs jederzeit möglich.

    Ergänzend zum Schulhof bildet der Baukörper im Erdgeschoss zwei intime Gartenhöfe aus, die der Stadtteilbibliothek und dem öffentlichen Musikraum bzw. den Räumen der „Sozialen Stadt“ sowie der Freizeit- und Lehrküche zugeordnet sind. Sie können als Lese- und Ausstellungsfläche unter freiem Himmel bzw. als Grillplatz und Außenterrasse für Spielangebote im Rahmen der außerschulischen Aktivitäten dienen.


    Die beiden Obergeschosse orientieren sich beiderseits der zentralen internen Schulstraße um die beiden Innenhöfe bzw. den Schulhof, die als verbindendes vertikales Element Orientierung und Gemeinsamkeit schaffen. Klassen- und Fachtrakte verfügen entlang dieser Magistrale über eigenständige Adressen, Gemeinschaftsräume und Freibereiche werden direkt von hier erschlossen. Dies garantiert eine wünschenswerte Unterscheidung in hochfrequentierte und großzügig dimensionierte Bewegungszonen und zurückgezogene ruhige Bereiche des internen Wegenetzes. Die kurzen in Ost-West-Richtung verlaufenden Stichflure sind als wirtschaftlich optimierter Zweibund organisiert, die ringschließenden Nord-Süd-Verbindungen wiederum als belichteter Einbund mit erneutem Einblick in die Innenhöfe.

    Westlich der Schulstraße entstehen je Geschoss drei „Klassenhäuser“ für die Jahrgänge der Sekundarstufe I als Bereich mit eigener Adresse und Identität. Die Gruppenarbeitsflächen werden jeweils im Eingangsbereich angeordnet und dienen als Bindeglied zwischen Klassenhäusern und Schulstraße. Entlang der Stichflure werden die Schließfächer der Schüler in direkter Nähe des eigenen Klassenraums und der zentralen Kaskadentreppe nachgewiesen.


    Östlich der Schulstraße sind im 1. Obergeschoss die Verwaltung sowie der Klassentrakt der Sekundarstufe II angeordnet. Sowohl die Verwaltung als auch die Räume der Sekundarstufe II können im Bedarfsfall von der internen Schulstraße abgeschlossen werden und liegen dementsprechend ruhig. Im 2. Obergeschoss liegen an gleicher Stelle sämtliche Fachräume der Naturwissenschaften sowie die Informatikräume.

    Während im 1. Obergeschoss eine Galerie den Einblick in das Forum ermöglicht und auch bei Veranstaltungen genutzt werden kann, findet sich im 2. Obergeschoss der direkte Zugang in den Schulgarten- auf dem Dach des Forums entsteht in direkter Zuordnung zum Fachtrakt Biologie ein geschützter Bereich für Lehrangebote mit Flächen zur Anzucht von Pflanzen, zur Nachbildung von Biotopen oder als Freigehege von Kleintieren.

    Entsprechend seiner Funktion und Öffentlichkeit zeigt sich der Schulneubau in seiner äußeren Gestalt differenziert. Während das Erdgeschoss zum Vorplatz weitgehend verglast ist und sich die öffentlichen Funktionen transparent, offen und stadtteilbezogen darstellen, bildet im rückwärtigen Bereich des Erdgeschosses sowie in den Obergeschossen eine Fassade aus vorgehängten Ziegelplatten die Abfolge von Klassen- und Arbeitsräumen funktional und doch auf spielerisch-gliedernde Weise ab. Die für eine Nachtauskühlung motorisch betriebenen Lüftungsflügel sind aus Witterungs- und Einbruchschutzgründen mit Lamellen verkleidet, die ebenfalls zur Rhythmisierung der Fassade beitragen. Der verglaste Anteil der Lochfassaden entspricht maßvoll dem tatsächlich benötigten Tageslichteintrag und wirkt zusammen mit hohem Wärmedämmstandard und der vom Auslober gewünschten Dreifachverglasung der Überhitzung der Klassenräume wirksam entgegen. In den Innenhöfen wiederholt sich diese Architektursprache- Verkehrsflächen erhalten eine Fassade mit hohem Glasanteil, Klassen- und Fachtrakte werden mit einer Lochfassade versehen.

    Die zeitgemäße Umsetzung einer regional verhafteten Materialität entspricht dem ausdrücklichen Wunsch und der eigenen architektonischen Haltung, nicht nur städtebaulich-freiräumlich und durch die interne Organisation des Gebäudes eine eindeutige Identität herauszubilden, sondern auch in der Materialwahl ein Zeichen gegen die architektonische Beliebigkeit eines heterogenen Umfelds zu setzen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.