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  • DE-50374 Erftstadt
  • 12/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-13520)

Archäologischer Landschaftspark Erftstadt


  • 2. Preis

    Erftquerung

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    Landschaftsarchitekten
    100Landschaftsarchitektur, Berlin (DE)

    Mitarbeit
    tourne gregoire

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Kilga Popp Architekten, Winthertur (CH)

    Erläuterungstext
    Der Ort ist ein typischer Ort der Zwischenstadt. Seine zunächst periphere Erscheinung paart sich mit einer potentiell dichten, fast urbanen Vernetzung des Ortes zu den umgebenden Siedlungsstrukturen. Wir begreifen die Idee eines Parks an diesem Ort als eine offene und öffentliche Struktur, deren Nutzungs- und Erlebnispotential gesteigert werden kann; sich vor allem jedoch aus dem Vorhandenen generieren muss. Hierzu zählen die landschaftlichen Momente am Ufer der Erft, die Weite der fruchtbaren Ackerfurchen mit Blick auf die Eifel, der hartnäckig rauschende Autobahnverkehr – und die archäologischen Fundorte aus der Römerzeit. Das Konzept sieht eine Aktivierung des Ortes durch punktuelle Akzentuierungen vor, welche als zeichenhafte Verstärkung der vorhandenen landschaftlichen Strukturen funktionieren.

    Via Agrippa: Anlass und Potential hier einen Park zu schaffen ist die Inwertsetzung der fragmentarischen Landschaftsstruktur der Römerstrasse zwischen Köln und Trier. Wir schlagen vor, die Trasse im Landschaftspark als Gehölzkante in landschaftlicher Dimension lesbar zu machen. Auf den zugänglichen Strecken der Römerstrasse im Planungsgebiet soll die Trasse mit einer geringen Dammlage als „neue Römerstrasse“ für Fußgänger und Radfahrer begehbar und erfahrbar werden. Diese Wegstücke weisen annähernd die originale Breite der Römerstrasse von sechs Metern auf. Die Abschlüsse der “neuen Römerstrasse“ an den Anschlusswegen werden jeweils mit einer Strecke von mindestens zwei Metern als Ortbetondecke gefasst und weisen als “Antritt” auf die Besonderheit des Weges hin.

    Erftquerung: An der Erft wird in linearer Fortsetzung der Trasse der Römerstrasse an beiden Ufern eine jeweils sechs Meter breite Treppe bis in den Fluss geführt. Bei minimalem Eingriff in den Gewässerquerschnitt bleibt so die Spekulation über die tatsächliche (römische) Querung mit Brücke oder Furt offen. Die Treppe schafft jedoch - analog zum Erlebnis einer Furtquerung - mit der Berührbarkeit des Wassers einen attraktiven, spielerischen Moment.

    Villa Frauenthal: Analog zur Neuschaffung der Römerstrasse schlagen wir vor, den Gebäudegrundriss der römischen Straßenmeisterei (?) zu überdecken. Auf eine Asphaltdecke wird mit Straßenmarkierungsfarbe eine vereinfachte Interpretation des Gebäudegrundrisses aufgezeichnet. Dieses „historische Plateau“ in der archäologischen Parklandschaft ermöglicht den Besuchern, spielerisch “durch das Haus zu laufen.” Die Fläche kann jedoch auch als Skaterfläche genutzt werden.

    Schaustelle: Zentraler Zugang zum Park und gleichzeitig Anlass für regionale und überregionale Besuche wird der neue Parkplatz im Südwesten des Parks. Über seine Grundfunktion als Stellplatz hinaus ist er ein Ort für sich – und dient als Schaustelle der Mobilität. Beginnend bei der Zufahrt wird Straßenkultur (mit zeitgenössischer Signaletik und Elementen des Straßenbaus) vermittelt. Im Fahren und Begehen bietet sich dem Besucher ein ungewöhnliches Erlebnis. Der Stellplatz geht in einen leicht ansteigenden Damm über – und verweist somit auch auf die umliegenden Straßendämme. In der befahrbaren und begehbaren Kehre werden unter der Strasse Ausstellungs- und Funktionsräume für Besucher angeboten. Die Kehre funktioniert auch für Fußgänger und Radfahrer als Aussichtskanzel in Landschaft und mit leichter Aufsicht auf die Neue Römerstrasse. Leitplanken dienen hier als atmosphärisches Motiv – und als Brüstung. Der Zu- und Abfahrtbereich der Schaustelle wird mit einer lockeren Gruppierung von solitären Parkbäumen zum „Drive-In Park“ und schafft gleichzeitig eine Raumfassung zur Kreisstraße.

    Schauräume: Die Wendeschlaufe wird somit zu einer Art von einfachster Brückenkonstruktion welche räumlich zwischen Verkehrsinfrastruktur und Landschaftspark vermittelt. Dabei entsteht eine Situation, welcher das Erinnerungsbild von Autobahnunterführungen hervorruft – über die spezifische Massstäblichkeit und Nutzung dieser Bauten jedoch den Bezug zum Menschen schafft und Teil der Szenographie der Landschaft wird. Die Räume sind als eine offen zugängliche Ausstellung mit Informationstafeln zum Ort und zum allgemeinen Thema der Mobilität konzipiert. Sie können über einfachste Elemente wetterfest gemacht werden oder im Sommerfall zur Landschaft offen sein.

    Aussichtsturm: An der Schnittstelle von Autobahn und Römerstrasse, von der Schaustelle einfach zu erreichen, bietet ein Aussichtsturm die Möglichkeit in der Mitte der Trassenachse den linearen Verlauf der Römerstrasse axial zu erleben. Die Überkragung des gut 24m hohen Turms über die Neue Römerstrasse wird durch die rhythmische Verschiebung der Treppen und der entsprechenden Anpassung der Treppenlängen erreicht. Die Gehölzkante der bestehenden Forsten wird an die freigestellte Position des Turms angepasst und schafft somit ein freies Blickfeld auch auf den Autobahnverkehr. Die einfache Stahlkonstruktion wird entsprechend im Park und entlang der Autobahn zum Merkzeichen und vermittelt sinnlich die Schnittstelle von 2000 Jahren Straßenbau.

    Vernetzung: Wenige Eingriffe ergänzen das bestehende Wegenetz aus Strassen, Radwegen, Wirtschaftswegen und erschließen einen nun größeren Teil des Geländes zu einem zusammenhängenden Parkerlebnis.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

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