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  • DE-44139 Dortmund
  • 01/2001
  • Ergebnis
  • (ID 2-13560)

Neubau der ADAC Hauptverwaltung Westfalen


  • 1. Preis


    Architekten
    SPAP// Architektur / Stadt / Landschaft _ BDA DASL, Dortmund (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Neubau eines Bürogebäudes Stadtkrone Ost Dortmund - Erläuterungsbericht

    Städtebauliches, architektonisches und funktionales Konzept

    Das zu beplanende Grundstück an der B 1 und Stockholmer Allee ist als Eckgrundstück Auftakt zur Stadtkrone Ost aus östlicher Richtung, vielmehr noch Auftakt und Torsituation Dortmunds für große Teile des Verkehrs aus Richtung Berlin/Hannover, Kassel/Erfurt/Leipzig sowie Bremen/Hamburg.

    Das Gebäude, das hier entsteht ist tatsächlich die erste sichtbare Visitenkarte einer im Wandel befindlichen Großstadt, gerade auch für diejenigen ankommenden Besucher und Geschäftsleute, die kurz vorher auf dem Dortmunder Flughafen gelandet sind.

    Deshalb bietet dieses prominente Grundstück eine Chance für die Bauherren sich an dieser Stelle selbstbewusst zu präsentieren und ein Statement für Dortmund als Unternehmenssitz und Stadt abzugeben.

    Somit wird dieses Bauwerk mit einer kraftvollen, zeitlos repräsentativen und nachhaltigen Architektur wirtschaftlich erfolgversprechend vermarktbar sein und für den Eigennutzer einen respektablen Firmensitz darstellen.

    Folgerichtig sind die Architekten gefordert, der prominenten städtebaulichen Situation überzeugend gerecht zu werden – laut B-Plan und vorgegebener wirtschaftlicher Prämisse ohne Hochhaus. Obwohl dies, wie es von den Verfassern in Arbeitsmodellen auch durchgespielt wurde, eigentlich ein Standort ist, der durchaus ein Hochhaus vertragen würde.

    Die Restriktionen des Grundstücks durch alten Baumbestand, extreme Lärmbelästigung durch die B 1 und die schließlich unterschiedlichen städtebaulichen und landschaftlichen Situationen lassen die Komplexität des Grundstücks erahnen.

    Des weiteren war durch unterschiedliche Nutzungen und Geschosshöhen ein durchaus heterogenes Raumprogramm vorgegeben, das wirtschaftlich umgesetzt werden sollte.

    Ziel der Architekten war nun aus den städtebaulichen Prämissen, dem genius loci und allen Zwängen der Komplexität des Grundstücks sowie der Heterogenität des Programms, einen monolithischen, in sich kompakten und homogenen Baukörper aus „einem Guss“ zu entwickeln, der dennoch differenziert architektonisch auf die verschiedenen Situationen reagiert und dabei eher mit einer gewissen Eleganz und Solidität überzeugt, als mit fragwürdigen High-Tech-Applikationen von kurzer Halbwertzeit aufwendig von sich reden macht.

    Architektonische Substanz ist gewollt, Authentizität - nicht modisch-technoide Fassadenkonstruktionen, die nach wenigen Jahren oft durch Verfall und „Nicht-Funktionieren“ glänzen, da die jährlichen „Inspektionen“ aus Kostengründen nicht durchgeführt werden können, oder weil die Technik durch den schnellen Wandel inzwischen restlos überholt ist.
    Bauwerke sollten sich jedoch immer durch Langlebigkeit auszeichnen, nicht zuletzt auch, um einen dauerhaften wirtschaftlichen Nutzen zu generieren.

    Der zu bewältigende Schallschutz, die wirtschaftliche Erschließung der zu vermietenden Bürotrakte als auch deren flexible Teilbar- bzw. Erweiterbarkeit führten zur Idee der Atrienerschließung als ein Teil des architektonischen Konzeptes.

    Die Atrien verhalten sich hierbei in ihrer räumlichen Qualität ähnlich derer italienischer Renaissancepaläste. Hinzu kommt, dass beide Atrien, also beide Haupterschließungen jeweils spitzwinklig in voller Gebäudehöhe über die beiden Gebäudeecken entlang der B 1 erschlossen werden. So entsteht ein überaus kraftvolles und einladendes Eingangsthema, ohne in irgendeiner Form verschwenderisch mit dem Gebäudevolumen umzugehen.
    Das östliche Atrium wird darüber hinaus noch über einen breiten Treppenaufgang erschlossen, der die prominente Ecksituation in Richtung Osten als „Tor“ adäquat unterstreicht. Die Treppe ergibt sich aus den unter dem Atrium liegenden zweigeschossigen Lagern. Eine behindertengerechte Erschließung des Atriums ist gewährleistet. Die gebäudehohen Öffnungen sind in der Flucht der Atrienfassaden verglast. Dies ist der einzige aktive Schallschutz, den das Bauwerk benötigt, sämtlicher anderer Schallschutz wird durch die geschickte Anordnung der Büros gewährleistet: zwischen den Atrien entlang der B1 erstreckt sich ein schmaler Gebäuderiegel mit einseitigen Büros bzw. Kombizonen zum Atrium oder Grünraum.

    So ist keine kostenintensive Doppel-, Lamellen- oder Kastenfensterfassade notwendig. Der Schallschutz des vorliegenden Konzepts ist „vermietbarer Schallschutz“, der zusätzliche architektonische Qualitäten über die Atrien schafft. Konkret existiert kein einziges Büro zur lauten B 1.

    Die Erschließung des ADAC Kundenbereichs erfolgt direkt an der Spitze des Baukörpers in eine fünf-geschossige Halle um deren Luftraum sich sämtliche ADAC Verwaltungsbereiche gliedern. Dieser attraktive Luftraum öffnet sich in voller Gebäudehöhe zur B 1 in Richtung Osten.

    Streng betrachtet würde man unter Umständen einen derartigen Luftraum als unwirtschaftlich erachten – hier ist er jedoch nicht zwingend gewollt gewesen, sondern als Quintessenz aus dem hier ungünstigen Grundstückszuschnitt bei gleichzeitig intelligenter Anordnung von Bürobünden entstanden. Dies ermutigte die Architekten, die Anordnung der ADAC Verwaltung funktional zu stapeln, entgegen ursprünglicher Vorstellung.

    Eine Restgrundstücksfläche wird so zur Servicehalle und eindrucksvollem Innenraum für die ADAC Zentrale Westfalen. Der ADAC hat quasi ein eigenes Haus innerhalb der gesamten Baumaßnahme und kann sich auf diese Weise eigenständig innerhalb des Gebäudes darstellen. Wir meinen, dass diese gestapelte Anordnung der ADAC Bereiche attraktiver und auch funktionaler ist, als alles in einem Geschoss auf großer Breite nebeneinander anzuordnen. Die dabei entstehenden Wege sind meist wenig sinnvoll und ohne räumliche Qualität.

    Ziel war ebenso, die große alte Linde an der B 1 selbstverständlich und nicht gezwungenermaßen in das architektonische Konzept zu integrieren - den Baum zu rahmen und nicht zu erdrücken. Dies ist gelungen, indem kein gezwängter Hof für den Baum erdacht wurde, sondern die gesamte Flucht des Gebäudes entlang der B 1 jeweils um wenige Grad von Osten und von Westen zu einem gemeinsamen Schnittpunkt neben der Linde nach Süden projiziert wurde. So entsteht eine asymmetrische ausdrucksvolle Fassadenbewegung entlang der B1, die den monolithischen Charakter des Konzepts plastisch unterstützt.

    In Traufhöhe werden die östliche und westliche Gebäudeecke über ein folglich unterschiedlich weit auskragendes Flugdach in der Materialität der Fassaden orthogonal miteinander verbunden.
    Gestalterisch betrachtet unterstreicht dies die Kraft und Dynamik des Baukörpers, doch der eigentliche Effekt ist die schallabsorbierende Funktion dieses Schallschutzelements für die dahinterliegenden Atrien und Höfe, die sonst mit einem Restschallpegel über Dach belastet würden.

    Alle Fassaden bilden analog zum städtebaulichen Konzept ein Gesamtkonzept bzw. verdeutlichen die wichtigen architektonisch-räumlichen Grundgedanken. Ein Baukörper dieser Größenordnung mit allseits mehr oder weniger identischen Fassaden wäre unserer Auffassung nach ohnehin unerträglich und banal.

    Die Nordfassade des passiven Schallschutzgebäuderiegels zur B 1 bildet zusammen mit ihrem Flugdach und den tiefen Baukörpereinschnitten über die Ecken und aufgrund ihrer extrem linearen Horizontalgliederung ein dynamisches Pendant zum fließenden Verkehr und dessen Geschwindigkeit. Sie gibt dem Baukörper Kraft und Ausdruck, ohne unwirtschaftlich zu sein. Sie ist weitgehend geschlossen und verhindert zur kalten Nordseite unerwünschte Wärmeverluste in der kalten Jahreszeit. Konstruktiv ist sie eine Stützenkonstruktion mit auskragenden Decken, Betonstürzen und –brüstungen.

    Die Westfassade zum Nachbargrundstück nimmt das Thema der Nordfassade auf und leitet mit ihrer Variation zum Thema der Hoffassaden über. Sie gibt sich bescheiden als horizontal gegliederte Bürobundfassade mit versetzt angeordneten Öffnungen. Konstruktiv kann sie eine Beton-Virendeelkonstruktion sein oder alternativ eine Stützenkonstruktion mit auskragenden Decken und Brüstungs/ Sturzunter- oder überzügen.

    Die Ostfassade zur Stockholmer Allee als zweite wichtige Fassade der städtebaulichen Ecksituaton ist einerseits ein „um die Ecke führen“ des vertikal gegliederten repräsentativen Fassadenthemas der Eingangssituation an der Nordostecke (Haupteingang ADAC), andererseits formuliert sie durch ihre extrem vertikale Gliederung städtebaulich prägnant und elegant den Bogen der Stockholmer Allee. Konstruktiv gesehen ist sie eine einfache Stützenkonstruktion mit durchlaufenden Fensterbändern.

    Die Fassaden der Atrien im Norden sind ebenso stark vertikal gegliedert und weisen dem Betrachter im Atrium den Blick zum Licht. Dieses Thema über jeweils drei Atrienfassaden bilden eine noble und besondere Entreesituation zu den Büros der Fremdnutzer, bei gleichzeitig einfacher kostengünstiger Herstellung für den Bauherrn.

    Somit bilden alle beschriebenen Fassaden von der Südwestecke bis zur Südostecke des Bauwerks mit den Atrien ein „steinernes“ und eher großstädtisches Fassadenband und formulieren hiermit den monolithischen, plastisch-skulpturalen Charakter des Baus. Doch genauso bilden sie eine „Klammer“ bzw. „harten Rücken“ für die eher offenen und leichten Gartenhoffassaden, zum Grün nach Süden, Osten und Westen.

    Diese Fassaden sind in ihrer Anmutung eher leicht und offen und variieren ein vertikales Fassadenthema, geschoßweise jedoch dann wieder streng horizontal gegliedert. Konstruktiv sind sie einfache aufgestellte Alu-Fensterkonstruktionen mit unterschiedlichen Blech- und Lamellen-Paneelen sowie vorgehängten Beton-Fertigteilen.

    Grundsätzlich stellen sich die Architekten in der Materialhaftigkeit der steinernen Fassaden ein helles, „strahlendes“ Gebäude vor, gerade auch aufgrund seiner prominenten städtebaulichen Situation.
    Durchaus denkbar ist hierbei, auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, ein gefilzter mineralischer weißer Glattputz. Schöner und nachhaltiger wäre eine Fassadengestaltung mit sandgestrahltem und gebürstetem Jura.

    Diese hellen Fassaden geben dem Gebäude einen einladenden Charakter und vornehme, doch zurückhaltende Eleganz und würden vortrefflich ein Spiel aus Licht und Schatten auf den Fassaden und in den Höfen inszenieren.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am
Zuletzt aktualisiert 10.08.2010, 16:38
Beitrags-ID 4-25665
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