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  • Anerkennung

    Plan 1

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Martin Schedlbauer, Anna Pohl, Miriam Fay

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: rosenstiel architekten, Freiburg im Breisgau (DE)
    Verkehrsplaner: Fichtner Water & Transportation GmbH, Stuttgart (DE), Leipzig (DE), Freiburg (DE), Essen (DE), Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Neugestaltung der Fußgängerzone der Weltkulturerbestadt Goslar

    Goslar – Stadt mit Profil

    Ausgangslage

    Goslar, Weltkulturerbestadt mit einer Vielzahl von denkmalgeschützten Gebäuden, Plätzen und Straßenräumen, ist als Ensemble ein städtebauliches Juwel. Ein Teil der Innenstadt, die Fußgängerzone, ist ein Relikt der 70-er Jahre in schlechtem baulichen Zustand und somit wenig attraktiv. Einseitig als Konsumband entwickelt, verbindet die Fußgängerzone zurzeit die Rosentorstraße beim Kloster Neuwerk mit dem Marktplatz. Der historisch interessanteste Teil der Stadt, die Kaiserpfalz mit den Resten der Stiftskirche, ist nicht in den Fußgängerbereich einbezogen.

    Städtebauliches Konzept

    Innenstadt ist nicht nur Kaufhaus, sondern auch Wohngebiet, kultureller Mittelpunkt und Ort für Begegnungen und Kommunikation. Nicht nur Läden oder Restaurants und Cafés ziehen Kunden in die Stadt. Kulturelle Einrichtungen, Veranstaltungen und öffentliche Plätze als Orte des Aufeinandertreffens machen eine Stadt erst lebendig. Es wird deshalb vorgeschlagen, die Nord-Süd Achse der Innenstadt vom Bahnhof über den Rosentorplatz bis zur Kaiserpfalz nach und nach als verkehrsberuhigten Bereich, bzw. Fußgängerzone auszubauen. Alle Potenziale der Stadt werden einbezogen: Geschäftsbereich (Shopping-Meile), Marktplatzbereich (Events), Museumsbereich (Museumsviertel) mit Kaiserpfalz und die historischen Stadt-quartiere. Alles zusammen macht Goslar aus.
    Es ist Ziel der Planung, Anfang und Ende der Nord-Süd-Achse, den Rosentorplatz und das Kaiserpfalz-Areal spürbar aufzuwerten. Für das Gelände der Kaiserpfalz wird langfristig empfohlen, den Parkplatz zu beseitigen, die große Wiese vor der Kaiserpfalz über den Bereich der ehemaligen Stiftskirche weiterzuentwickeln und mit Stahlplatten aus Cortenstahl den Grundriss der Stiftskirche in der Rasenfläche auszulegen. Dann wäre die Lage der Vorhalle im Grundriss leicht zu verorten. Die Parkplätze könnten außerhalb der „Grundrissfigur“ in einer Tiefgarage untergebracht werden.

    Freiraumplanung

    Für die gesamte Fußgängerzone sowie die angrenzenden verkehrsberuhigten Bereiche wird unter Weiterentwicklung der vorhandenen historischen Elemente eine einheitliche Gestaltung der Beläge und Ausstattungselemente vorgeschlagen. Lediglich die Flächen des Jakobikirchhofs sowie des Kirchhofs der Marktkirche werden in ihrer historischen Lage und Ausdehnung im Belag abgesetzt und ablesbar gemacht. Die historischen Pflasterungen des Marktplatzes und des Schuhhofs bleiben erhalten, die neuen Beläge passen sich in der Farbigkeit und den Formaten an, so dass ein fließender Übergang von alt und neu entsteht.
    In Verbindung mit dem Rosentor wir eine neue Eingangssituation in die Fußgängerzone definiert. Sprudelfelder im Boden machen schon von weitem auf die Fußgängerzone aufmerksam, Bänke und eine Sitzmauer an der Grünfläche laden zum Verweilen ein.
    Neben der wichtigen Nord-Süd-Achse wird auch die Vernetzung in Ost-West-Richtung zwischen Ober- und Unterstadt gestärkt und herausgearbeitet, die Gestaltung des Münzgartens als Spiel- und Treffpunkt übernimmt dabei eine wichtige Rolle.

    Beläge und Materialien – „Goslarer Profil“

    Es ist Aufgabe der Planung sich in die Atmosphäre des Ortes einzufühlen. Mit einem neuen, eigenständigen Bodenbelag aus dem historischen Fundsteinpflaster entwickelt, wird dem beliebig anmutenden Fußgängerbereich eine neue Attraktivität gegeben. Das so genannte Passéepflaster aus fünf verschiedenen Steinformaten von Mittel- bis Großpflaster integriert sich selbstverständlich in die historischen Platz- und Straßenbeläge. Die Steine werden gesägt und gestockt, so dass eine gute Gehfreundlichkeit gewährleistet ist. Durch die größeren Formate und die Verbundwirkung dieser Verlegeart ist auch eine Befahrbarkeit für Busse und den Lieferverkehr gegeben.
    Als neues Gestaltungselement wird ein Band aus Cortenstahl eingeführt, das das historische Motiv der breiten Bordsteine aufgreift und in einer modernen Interpretation weiterentwickelt. Das Band dient als Gliederung des Straßenraumprofils, zur Orientierung und als Leitsystem. Zugleich nimmt es die Entwässerung auf. In das Band können Schriftzüge eingefräst werden, die Geschichten und Wissenswertes zur Stadt Goslar vermitteln. An den touristisch interessanten Stellen werden entsprechende Hinweise gegeben, Infostelen aus dem gleichen Material bieten zusätzliche Informationen. Die Bänke und Leuchten sind ebenfalls aus Cortenstahl und erzeugen ein durchgängiges Profil für Goslar. Die Verwendung von Stahl als Gestaltungselement greift die historische Bedeutung der Erzgewinnung in Goslar auf.
    Der Treppenturm von Karstadt wird in der Fußgängerebene ebenfalls mit Cortenstahl verkleidet und als Info-Turm mit Informationen zur Geschichte der Stadt in das Konzept integriert. Dadurch wird er nicht länger als störend empfunden.
    Obwohl ein modernes Material, fügt sich der Cortenstahl durch seine Textur und Farbigkeit in den historischen Kontext ein und schafft die Transformation von Altem und Hinzugefügtem zu einer neuen Einheit – dem neuen „Goslarer Profil“.

    Jakobikirchhof

    Die historische Lage und Ausdehnung des Jakobikirchhofs wird durch die Verwendung von größeren Formaten aus dem gleichen Material wie das umgebende Pflaster ablesbar gemacht. Innerhalb dieses Feldes wird der vorhandene Höhensprung durch eine umlaufende Stufe abgefangen, die sich an den derzeitigen Mauern und Stufen orientiert. Dadurch kann der wertvolle Baumbestand erhalten werden und in das Konzept integriert werden. Es entsteht eine großzügige, umlaufende Fläche für Märkte und Veranstaltungen, frei von störenden Einbauten. Durch die Reduzierung auf eine Stufe kann auch die untere Fläche in die Nutzung miteinbezogen werden, Rampen verbinden die beiden Ebenen.
    Im Bereich der Bushaltestelle wird eine oberirdische WC-Anlage als Ersatz für die derzeit unterirdischen Anlagen integriert. Ebenfalls in Cortenstahl gestaltet, fügt sie sich selbstverständlich in die Umgebung ein.

    Goslar – Stadt am Wasser

    Das Thema der Stadt am Wasser wird aufgegriffen und als Spiel- und Erlebniselement in die Fußgängerzone eingebracht. In Form von Fontänen bildet es am Eingang Rosentor einen Gegenpol zur Gose im Süden. Im Bereich Bäckerstraße/Rosentorstraße wird in Verbindung mit dem Treppenturm eine Fontänenreihe vorgeschlagen, der Brunnen auf dem Marktplatz sowie ein Brunnen im Münzgarten bilden weitere Erlebnispunkte in der Stadt.

    Lichtkonzept

    Während für die Straßen und Gassen eine Beleuchtung durch abgehängte Pendelleuchten vorgeschlagen wird, soll die Beleuchtung des Jakobikirchhofs größtenteils über Reflektion der Fassaden erfolgen, so dass der Raum frei von störenden Einbauten bleiben kann. Es entsteht ein eigene, stimmungsvolle Atmosphäre, die Anstrahlung der Kirche spielt dabei eine wesentliche Rolle. Einzelne Spots und Bodenstrahler bilden Lichtpunkte auf dem Platz und schaffen zusätzliche Effekte.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.