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  • 1. Preis


    Architekten
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Prof. Dr. Franz Pesch

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: WGF Nürnberg, Nürnberg (DE)

    Erläuterungstext
    Wohnen in der Vielfalt: Quartier Aubing-Ost in München

    Idee und Konzept:
    In einer schrittweisen städtebaulichen Entwicklung soll in Aubing-Ost ein urbanes Quartier mittlerer Dichte im direkten Einzugsbereich des ÖPNV entstehen. Diesem Ziel entsprechend wird ein fein verästeltes Netz an öffentlichen Räumen mit Promenaden, Plätzen und Wohnhöfen angeboten, das nach dem Prinzip des „Shared Space“ erschlossen werden kann. Gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenraum sorgt für Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität im Quartier. Als städtebauliches Rückgrat fungiert die direkte Verbindung zwischen Aubing-Ost-Straße und dem S-Bahn-Haltepunkt die Nord-Süd-Promenade, an der auch der Quartiersplatz mit seinen Aufenthalts- und Versorgungsangeboten liegt. Dem Ziel der Vielfalt entsprechend werden die Wohnformen in den einzelnen Teilgebieten gemischt und die Stellplatzangebote dezentral organisiert.

    Städtebauliche Einbindung:
    Das rd. 10 ha große Plangebiet liegt im Münchener Westen im Osten des Stadtteils Aubing. Die Anbindung über den ÖPNV erfolgt über die S-Bahn S 8, die im 20 Minuten Takt Richtung Innenstadt verkehrt. Die Anbindung an das MIV-Netz erfolgt über die Aubing-Ost-Straße. Ein Not-Anschluss über den Joseph-Suder-Bogen ist im Westen des Planungsgebiets in Verlängerung der Ost-West-Promenade vorgesehen. Wichtige Fuß- und Radwegeverbindungen kreuzen das Plangebiet und werden mit dem internen Netz verbunden. Das Zentrum von Aubing liegt etwa 750 Meter weiter im Westen. Die Umgebung des Plangebiets ist gekennzeichnet durch frei stehende Einzelhäuser (Osten und Süden), verdichtete Wohnformen wie Doppel- und Reihenhäuser (Norden und Westen), die Geschosszahl liegt bei I+D und II+D.

    Landschaft und Freiraum:
    Mit dem Grünzug im Osten und einer ökologischen Ausgleichsfläche entlang der Bahn erhält das Quartier an zwei Seiten großzügige Freiräume, die über den Platz am S-Bahn-Haltepunkt verbunden werden. Mit dem aufgewerteten Grünkorridor können die Ansprüche der zukünftigen Bewohner nach attraktiven Freiräumen (Liegewiesen, Ballspiel, ...) gedeckt werden. Entlang der Bahnlinie wird eine Lärmschutzwand vorgeschlagen, die in die städtebauliche Konzeption und die Freiraumgestaltung integriert wird, sodass in Verbindung mit den Gärten der Wohnhäuser trotz ungünstiger Rahmenbedingungen ein attraktives Wohnumfeld entstehen kann. Die Lärmbelastung und die Erschütterungen durch die Bahn stellen die Wohnbebauung nicht in Frage. Die Übergänge aus dem Quartier zu den Freiräumen sind durch grüne Plätze markiert, die Spielplätze für Kinder aufnehmen. Die wichtige Nord-Süd-Achse wird durch zwei urbane Plätze betont: den Quartiersplatz im Zentrum und den Platz am S-Bahn-Haltepunkt. Baumreihen verbinden die Plätze und Freiräume, der erhaltenswerte Baumbestand wird ergänzt. Im Inneren des Quartiers werden vielfältige, überwiegend süd- bzw. westexponierte private Freiflächen angeboten. Die verkehrsberuhigten Gassen und Wohnhöfe ergänzen die Aufenthaltsmöglichkeiten.

    Erschließung:
    Das Erschließungssystem ist einfach strukturiert und unterstützt die Orientierung im Quartier. Von der inneren Erschließungsschleife zweigen Stichstraßen ab, die jeweils in einen Nachbarschaftsplatz münden, der als Wendemöglichkeit funktioniert. Die Stellplätze sind in Tiefgaragen Geschosswohnen) und Carports jeweils wohnungsnah untergebracht. Besucherstellplätze werden in den Sammelstraßen angeboten, in den Wohnbereichen sind nur Bewohnerstellplätze vorhanden, um Parksuchverkehre zu unterbinden.

    Nachhaltigkeit:
    Der Entwurf bietet ein flexibles städtebauliches Gerüst an, das Anpassungen an eine veränderte Nachfrage erlaubt, ohne städtebauliche Qualität zu verlieren. Die Ausstattung mit
    differenzierten Freiräumen unterstützt das Ziel eines attraktiven und lebenswerten Quartiers. Die Entwässerung kann über ein Rigolen-System auf weitgehend natürlichem Wege erfolgen. Die Orientierung der Gebäude garantiert eine optimale Nutzung der Solarenergie, ohne stadträumliche Qualitäten aufs Spiel zu setzen. Die vorgeschlagenen Flachdächer erlauben die Installation von oder Nachrüstung mit Photovoltaik ohne beklagenswerte gestalterische Konsequenzen.

    Langfristige Perspektive:
    Da das Schulungszentrum der Deutsche Bahn AG noch 10-15 Jahre erhalten bleiben soll, wird es in das Konzept integriert. Die räumliche Konzeption und das Erschließungskonzept sind so angelegt, dass die spätere Erweiterung ohne Schwierigkeiten möglich ist. Im Unterschied zur geraden bahnbegleitenden Baukante im Süden wird im Osten des Quartiers eine Stufung der Bebauung vorgeschlagen.

    Wohnkonzept:
    Die geforderte Mischung der Wohnformen kann bereits in frühen Baustufen sicher gestellt werden. Der modulare Aufbau des Quartiers ermöglicht es zudem, auf eine veränderte Nachfrage zu reagieren und den Anteil an Geschosswohnungen oder Einfamilienhäusern zu variieren. In die Entwurfszeichnungen haben wir zunächst eingetragen: 15 Prozent Einfamilienhäuser und Doppelhäuser, 49 Prozent Reihen und Kettenhäuser und 36 Prozent Geschosswohnungen. Die Hausgrößen variieren - von ca. 98 m² (kostengünstig) bis zu Häusern mit ca. 148 m² (großzügig). Im eschosswohnungsbau sind geförderte Wohnungen nach EOF und „Münchener Modell“ vorgesehen, sowie in geringem Maße frei finanzierter
    Wohnungsbau. Die Wohnungsgrößen entsprechen auch hier optimalen modernen Wohnungswünschen: 2-Zi-WE mit ca. 45 m², 3-Zi-WE mit ca. 80-90 m² und 4-Zi-WE mit ca. 80-120 m². Im Entwurf wurde zudem darauf geachtet, differenzierte Grundstücksgrößen und -qualitäten anzubieten. Beabsichtigt ist zudem die Integration alternativer Wohnformen: Gartenhofhäuser und Starterhäuser. Besondere Stadthäuser mit bis zu 160 m² runden das Angebot auch für 50+Senioren-Wohngemeinschaften ab. Mit Blick auf die Offenheit des Konzepts können in der weiteren Konkretisierung der Planung passgenaue und zugleich flexible Lösungen gefunden werden.

    Versorgungseinrichtungen:
    Die geforderten Kindertagesstätten werden an der wichtigen Nord-Süd-Promenade platziert. Die Lage der nördlichen Einrichtung an der Aubing-Ost-Straße wurde bewusst gewählt, um möglichst wenig Verkehr ins Gebiet zu ziehen. Die geforderten Bruttogeschossflächen und Freiraume werden angeboten - teilweise sind die Räume der Kita auf 2 Geschossen angeordnet. Am Standort der nördlichen Kita, die zugleich den Quartierseingang markiert, werden oberhalb der Einrichtung in einem Teilbereich zwei Geschosse Wohnen vorgesehen. Angebote für kleinteilige Nahversorgung können - integriert in Wohnnutzung - an der Nord-Süd-Spange angeordnet werden. Priorität für die Nahversorgung hat jedoch der Standort am Quartiersplatz. Hier ist im westlichen Gebäude im EG eine Vorhaltefläche für einen kleinen Vollsortimenter oder für mehrere kleine Geschäfte vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.