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  • DE-64342 Seeheim-Jugenheim
  • 03/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-13878)

Neubau einer Dreifeld-Sporthalle im Schuldorf Bergstraße


  • 3. Preis

    Modellbild

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Die neue Sporthalle steht in einem spannungsvollem Umfeld. Sie liegt zwischen Landesstrasse und denkmalgeschütztem Bestand am Hauptzugang zum Schuldorf. An dieser Stelle liegt sie im Schnittpunkt der Wegebeziehungen und definiert gleichzeitig das neue Entrée zum Schuldorf. Der Denkmalschutz der Bestandsgebäude gebietet einen respektvollen Umgang. Die Halle wird ihrer Aufgabe als neues Entrée zur Schule gerecht indem sie mit dem Bestand in Beziehung tritt ohne jedoch zu stark in das Ensemble einzugreifen.

    Durch die Positionierung der Halle im nördlichen Bereich des Wettbewerbsgebietes werden die wichtigsten städtebaulichen Gesichtspunkte berücksichtigt:
    Der Bereich der denkmalgeschützten Gesamtanlage wird nicht berührt,
    die Sanddüne bleibt unberührt,
    die Wegebeziehungen des Bestandes bleiben komplett erhalten und werden durch den Neubau aufgewertet,
    das „Fenster“ des Schulhofes in Form des Amphitheaters bleibt erhalten,
    die Form der Sporthalle zoniert das Grundstück und schafft klar abgegrenzte Bereiche für Schüler und Parken,
    der Eingang der Sporthalle orientiert sich zu einem angemessenen Platz,
    es entstehen keine schlecht nutzbaren Restflächen, die soziale Kontrolle und Einsehbarkeit der Wegebeziehungen ist nachgewiesen,
    der Naturschutz wird mit der abschittsweisen Renaturierung des Elsbaches konzeptionell integriert, die vorhandenen Gehölzgruppen werden geschont,
    der Fußweg entlang des Elsbaches erfährt eine Aufwertung,
    die Sporthalle liegt am Schnittpunkt der Wege die über das Grundstück führen. So ist sie optimal erreichbar,
    die 100 Stellplätze sind nachgewiesen, im Süden des Grundstücks ist platz für ca. 40 weitere Stellplätze,
    die ÖPNV wird optimal angeschlossen, die Bushaltestellen liegen gut zugänglich am neuen Platz,
    die Möglichkeit einer zusätzlichen Einfahrt für Busse von der L 3103 ist gewährleistet.


    Entwurf

    Der Neubau orientiert sich am Gedanken der optimalen Nutzbarkeit. Kombiniert mit einem möglichst kleinem Volumen und optimiertem A/V-Verhältnis ergibt sich eine Sporthalle, die sich sehr gut ins Umfeld einpasst. Dazu trägt auch bei, dass die Halle ins Gelände eingelassen ist, um die bauliche Höhe zu reduzieren. Um die Halle für Durchblicke zu öffnen, werden die Nebenräume größtenteils auf das Niveau der Sportfläche gelegt. Die Halle nimmt sich in ihrer Motivwahl zurück und besticht durch ihre schlichte Zurückhaltung nicht nur im Grundriss, sondern auch in der Fassadengestaltung – auch die fünfte Fassade wird gestalterisch optimiert.


    Funktion

    Auf der Ebene des Haupteinganges bewegen sich hauptsächlich die Zuschauer. Nutzungen wie Kasse, Garderobe, Hallenwart, Besuchertoiletten und der Mehrzweckraum befinden sich dort und sind in einem Körper zusammengefasst. Ebenfalls von dieser Ebene wird die Tribünenanlagen für 500 Zuschauer – zur Hälfte auf Teleskoptribünen - erschlossen. Von der Tribüne kann nicht nur die Sportfläche der Dreifeldhalle überblickt werden, es sind von dort auch Einblicke in den Raum für Vereine und Schule möglich.
    Über eine großzügige Treppenanlage gelangt man in den Verteilerflur der Sportebene (- 3.10m), von dem alle Räume erschlossen werden. Bei der Dreifeldhalle geschieht das über drei voneinander unabhängige Eingänge. Der Raum für Vereine und Schule liegt auf der selben Ebene wie die Dreifeldhalle, eine Nutzung der Geräteräume für Vereine wird so begünstigt. Die Umkleideräume sind so angeordnet, dass sich drei Umkleidebereiche ergeben. Der erste Umkleidebereich lässt sich mit dem Raum für Vereine unabhängig von der restlichen Sporthalle nutzen. Ebenfalls auf der Sportebene befinden sich die Lehrerumkleiden und ein Putzmittelraum. Die Geräteräume liegen auf der gegenüberliegenden Seite der Sportfläche, so auch der Regieraum.


    Fassade

    Die Fassade der neuen Sporthalle führt die Idee der Reduktion fort. Da auf der Eingangsebene alleine der Körper mit den o.g. Funktionen als Volumen erscheint, erlaubt die Halle vielfältige Einblicke und Durchblicke.
    Als Fassadenmaterial ist eine horizontale Holzverkleidung aus imprägnierter Lärche vorgesehen, die sehr gut mit den bestehenden Bauten des Gymnasiums harmonisiert. Zudem wird mit dem Material eine „natürliche“ Hülle geschaffen, die dem Ort und den Nutzern angemessen ist. Die Holzverkleidung reagiert auf den vier Seiten unterschiedlich auf die Anforderungen und trägt in Bereichen zum Sonnenschutz der Halle bei.
    Die umstehenden Bäume werden von den Glasflächen reflektiert – im bildlichen sinne scheint sich die Halle zwischen den Bäumen aufzulösen.


    Statisches Konzept

    Die Halle wird in Querrichtung von fünf Holzleimbindern überspannt deren Integration in Sheds eine Belichtung über Oberlichter zulässt. Durch diese Ausführung bleibt bei gleichzeitiger Optimierung der Hallenbelichtung das Hallenvolumen gering. Die Lasten aus den Bindern werden über schlanke Stützen abgeleitet. Das Foyer mit Tribüne und Raum für Vereine und Schule wir von einer Holz - Hohlkastenplatte überspannt. Technische Einrichtungen werden in die Decke integriert.


    Energie

    Über die nach norden verglasten Oberlichter und die großzügigen Verglasungen der Fassaden gelangt sehr viel licht in die Sporthalle. Somit kann auf künstliche Belichtung weitgehend verzichtet werden. Die Lamellenfassade, ein innen liegender Blendschutz sowie eine angemessene Materialwahl der Innenwände tragen zu einer blendfreien Nutzung der Halle bei.
    Die Bepflanzung auf der Südseite wirkt als Grünkulisse und hilft ebenfalls die Leuchtdichteverhältnisse in der Halle zu optimieren.

    Auf eine künstliche Lüftung der Halle wird verzichtet, Öffnungsflügel in den Fassaden und in den Oberlichtern ermöglichen eine ausreichende natürliche und effiziente Belüftung. Für die Heizung der Halle wird an das bestehende Netz der Schule angeschlossen – das gleiche gilt für den Strom. Auf der Dachfläche besteht die Möglichkeit großflächig Photovoltaikelemente zu installieren.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf hat die bestehenden Wegebeziehungen des Schuldorfes berücksichtigt und vor der Halle einen zentralen Platz geschaffen, der eine neue Eingangssituation für das Schuldorf formuliert.
    Die Belange des Denkmalschutzes wurden berücksichtigt, die naturnahe Neugestaltung des Elsbaches spricht naturschutzrechtlichen Vorgaben nicht zuwider.

    Der Baukörper wurde so platziert, dass sinnvolle und gut nutzbare Außenflächen entstehen. Die Stellplatzfrage und die Bushaltestelle wurde gelöst, ist aber optimierungsfähig.

    Raumprogramm und Funktion sind erfüllt und weisen keine groben Mängel auf. Die Kennwerte lassen eine wirtschaftliche Realisierung erwarten. Der Vereinsraum hat Tageslicht. Um eine barrierefreie Erschließung des Vereinsraumes zu erleichtern, wäre eine Verlegung (Spiegelung auf die Südostseite des Gebäudes) des Aufzuges möglich, da lange interne Wege zurückgelegt werden müssen. Auch an eine Verlegung des Mehrzweckraumes in direktem Anschluss an die Fassade wäre zu denken.

    In der Gestaltung und räumlichen Qualität hält sich die Halle bedeckt. Innenräumliche Qualitäten sind nicht dargestellt und können nicht bewertet werden. Die Holzfassade zitiert den Bestand des Schuldorfes. Es wurde eine einfache, robuste und kostengünstige Lösung gewählt.

    Die Halle ist technisch eher niedrig installiert und verfügt über eine natürliche Belüftung. Eine kompakte Gebäudehülle und moderate Absenkung lässt eine wirtschaftliche Realisierung erwarten.
    Das gewählte Tragwerk im Verhältnis mit Sheds ist aufwendig, aber nicht entwurfsbestimmend. Die Barrierefreiheit ist insgesamt erfüllt, wenn der Aufzug wie oben beschrieben, verlegt wird.

    Die Vorzüge der Arbeit liegen in der richtigen Platzierung der Halle und in der guten Proportionierung
    unterschiedlich zu nutzender Freiflächen.