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  • 1. Preis

    Aufsicht

    Architekten
    Molestina Architekten GmbH, Köln (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: FSWLA Landschaftsarchitektur GmbH, Düsseldorf (DE), Köln (DE)
    Visualisierer: Konzept3D - Architekturvisualisierung und Animation, Wismar (DE)

    Erläuterungstext
    Der neue Kö-Bogen II, städtebauliches Konzept für die Innenstadt Düsseldorfs

    Kontinuität in Architektur und Städtebau sind ein wichtiger Wert unseres Stadtplanungsansatzes, auch in der Planung des Bereichs Kö-Bogen. Bemerkenswert ist hier, dass es einiger getrennter und zum Teil widersprüchlicher räumlicher Eingriffe über eine längere Zeit gebraucht hat, bis die Voraussetzungen für die Ergebnisse des Wettbewerbs vom Frühjahr 2009 möglich waren.
    Insbesondere die Fortsetzung der erst 1960 entstandenen Nord-Süd-Raum-Achse, als bürgerlicher Aktionsraum und nicht mehr als Autoverkehrsachse, ist dabei wichtig. Insofern ist der Abriss des Tausendfüßlers und die Neuordnung im Bereich des Kö-Bogens kein Fall von historischer Rekonstruktionsbemühung, sondern das Vollenden einer längeren Stadtentwicklungsidee.
    Die Nord-Süd-Achse als Raumidee
    Ein Blick auf die Düsseldorfer Stadtkarten von 1809 (Quelle Stadtarchiv Düsseldorf über RP) zeigt, dass die Hauptverbindung in Richtung Nord-Süd in Düsseldorf über die Königsallee verlief, die am Ende den Anschluss an die Hofgartenstraße, entlang der Landkrone, erhielt. Die Hofgartenstraße verlief weiter in Richtung Norden, durch den Hofgarten selbst, über die Jägerhofstraße und dann weiter nach Norden über die Kaiserstraße. Nun hatte die Stadt Düsseldorf im Jahr 1809 nur 50.000 Einwohner. Die Königsallee war damals eine durchaus attraktive Straße, sowohl Geschäfts- als auch Durchgangsstraße. Über die Jahre verschlechterte sich aber die Verkehrslage, als die Stadt an Größe zunahm.
    Vor dem Krieg stieg die Einwohnerzahl Düsseldorfs auf 500.000 an.
    Der Falkplan von 1949 zeigt die Königsallee als die immer noch wichtigste Verkehrsader im Quartier. Die Königsallee, die Prachtstraße der Stadt, verkommt zur stark belasteten Durchgangsstraße.
    Diese verkehrliche Situation über die Jahre lässt vermuten, dass die Überlegungen, eine Nord-Süd Achse zu kreieren, um die Königsallee als Durchgangsstraße zu entlasten, nicht neu sind. Die bekanntesten Vorschläge hierzu kommen aus der Nazizeit der 30 Jahren, mit typischer Brachialität. In den Erwägungen der ‚Gauhauptstadt Düsseldorf‘ (lt. Ausstellung Stadtmuseum Düsseldorf ‚Architektenstreit‘) wird eine wichtige neue Nord-Süd Achse parallel zur Königsallee, an der die monumentalen Bauten gelegen sein sollen, vorgeschlagen. Es mag zynisch klingen, dass erst die Zerstörung des II. Weltkrieges einen derart radikalen Eingriff in die Stadtstruktur Düsseldorfs erlaubte, um so mehr, als der Hauptverfechter der neuen Achse und offene Vertreter der autogerechten Stadt, Friedrich Tamms, selbst ein wichtiger Stadtplaner unter Hitler (1944 in der Liste ‚Gottbegnadeten‘ aufgenommen) war. Trotzdem, was vor dem Krieg als eine Mischung aus ideologischen (die monumentale Nazi-Achse) und praktischen (eine neue Nord-Süd-Verkehrsverbindung) Erwägungen geboren war, ist nach dem Krieg, weitgehend vom Hauch der megalomanischen nationalsozialistischen Stadtvision gereinigt, als rein funktionalistische Lösung weiter gedacht, und findet sich als eines der wichtigen Projekte der autogerechten Stadt in der Stadtplanung wieder. Klar ist, dass die Notwendigkeit einer leistungsfähigen verkehrlichen Verbindung ein wichtiges Thema der Stadtentwicklung der Nachkriegszeit war, und dass das Ausmaß der Zerstörung auch eine Chance barg, wie Tamms selbst behauptete, dieses zu realisieren.
    Die Nord Süd Achse als Autoverkehrsbauwerk
    Um 1958 herum wurden die ersten Planungsideen der Tammschen Nord-Süd Verbindung vorgestellt. Für den Bereich südlich der Johanneskirche (die selbst zwischendurch auch in den Plänen zum Abriss freigegeben war) wurde eine breite Straße geplant, die neben dem Durchgangsverkehr, auch Einkaufsmöglichkeiten und die wichtigsten neuen Bauten der Hauptstadt erhalten sollte. Bei einer damaligen Gesamtautozahl von 20.000 Autos mag auch die Vorstellung einer gemischten und durchaus lebendigen Straßenschneise in dieser Richtung realistisch gewesen sein. Und selbst heute kann man diese Straße mit angemessener Umplanung trotz viel höherer Verkehrszahlen als Allee begreifen. In dem Bereich zwischen der Johanneskirche bis zum Hofgarten dagegen, wurde lediglich eine lang gezogene Hochstraße für Autos vorgesehen, die lange Strecken des südlichen Hofgartens zum Verkehrsraum degradierten und die Fußgängerqualität des Straßenraums verschlechterte. Bürgerproteste erwirkten eine Verkleinerung der geplanten Hochstraße zu seinen heutigen Abmessungen: insgesamt 530 Meter, davon eine lange Strecke in Richtung Nord-Süd und eine Abzweigung Richtung Hauptbahnhof gen Osten. Dieses Bauwerk wurde Anfang der 60er Jahre in kurzer Zeit erstellt. Es entstand ein elegantes Brückenbauwerk mit fast 25 m langer Spannbreite, die dank einer Verjüngung am Rande zierlich und leicht wirkt. Sie weist keine Einrichtungen für Fußgänger oder Fahrräder auf und ist ein reines Autoverkehrsbauwerk. Seit den 80er Jahren steht der Tausendfüßler unter Denkmalschutz.
    Die Nord-Süd Achse als bürgerlicher Aktionsraum
    Es war eine große Inkonsequenz, einerseits eine Nord-Süd-Verbindung mit aller Gewalt durchzusetzen, und anderseits den Teil, der die wertvollsten Fußgängerbereiche durchquert, nur als Verkehrswerk zu errichten. Genauso wie Tamms meinte, man sollte die Chance nutzen, dass die Nachkriegsschäden der Errichtung einer neuen Achse dienen, so kann man heute die Chance wahrnehmen, dass der politische Wille vorhanden ist, eine große verkehrliche Investition zu unternehmen, um die Oberfläche der Stadt für den Fußgänger zu optimieren. Hierbei ist der Abriss des Tausendfüßlers als Autoverkehrsbauwerk notwendig, um Freiräume für eine neue, fußgängerfreundliche Raumabfolge zu schaffen.
    Denn, trotz objekthafter Eleganz, weist der Tausendfüßler bei genauer Analyse seiner Wirkung auf das unmittelbare Umfeld auch negative Nachwirkungen auf. Um die Wichtigsten zu benennen, von Norden nach Süden:
    -Hofgarten. Durchtrennung des Bereichs Jägerhut von der Landkrone. Die einzig mögliche Verbindung besteht durch einen Tunnel unter dem Verkehrsbauwerk. Es ergibt sich eine lange Rampe, die von unten nicht nutzbar ist.
    -In dem Bereich der Kreuzung der Schadowstrasse und der Berliner Allee ist die Hochstraße (der Tausendfüßler) am höchsten und von unten am nutzbarsten. Insbesondere in dem Spaltungsbereich neben der Tuchtinsel ist das Bauwerk von unten elegant und grazil. Leider ist eine objektive Spaltung des öffentlichen Raums wahr zu nehmen, die Qualität der Läden und die Fußgängerfreundlichkeit des öffentlichen Raums ist weitaus negativer an der Ostseite als auf der Westseite zur Königsallee. Auch die Mietpreise fallen nach Osten, sowie die Anzahl leerstehender Läden.
    - der Jan-Wellem Platz ist ein reiner Busbahnhof ohne urbane Qualität,
    - der Schadowplatz ist ein Bruch in der Stadtkante, der haltlos nach Norden ausfließt.
    - der Martin Luther Platz ist eine reine Verkehrskreuzung, und
    - der Ernst Schneider Platz ein Gebäudevorplatz in vornehmer Vorstadtmanier.
    Selbst wenn man den Tausendfüßler als schönes Objekt erhalten würde, ginge dies nur zu Teilen, und auf Kosten einer größeren Aktivitätsdichte, die eng mit der Baudichte zusammenhängt. Und auch hierfür müsste man einen Tunnel errichten. Der Abriss des Tausendfüßlers und die unterirdische Umleitung des Verkehrs eröffnet die Möglichkeit, diesen Raum zu einer bürgerlichen Aktionsachse umzugestalten, wie sie schon aus unterschiedlichsten Gründen im Laufe der Stadtgeschichte angedacht war.


    Wettbewerbsidee
    In einem weitreichenden Beschluss hat die Stadt Düsseldorf entschieden, eine elegante, aber in städtebaulicher Hinsicht trennende Zäsur in dem Stadtgefüge, der hochliegenden Stadtbahn, (der „Tausendfüßler“) abzureißen und sämtlichen Durchgangsverkehr im Herzen der Innenstadt unter die Oberfläche zu legen. Somit sind große neue städtische Flächen gewonnen worden, dessen Neuordnung Gegenstand eines internationalen städtebaulichen WB nach RAW wurde.
    Dieser Entwurf von Molestina Architekten und FSWLA Landschaftsarchitektur ging als Sieger des Verfahrens hervor und bietet eine wertschätzende städtebauliche Zusammenfügung an dieser kritischen Stelle der Landeshauptstadt, die einerseits die architektonisch wertvollen Bauten der Nachkriegszeit in Düsseldorf, insbesondere das Dreischeibenhochhaus von HPP und das Schauspielhaus von Bernhard Pfau würdigt und in das Stadtgefüge integriert und andererseits eine neue Stadt prägende Verbindung vom Hofgarten bis zur Johanniskirche schafft.
    Das (wieder) Erfinden einer differenzierten städtebaulichen Struktur, bestehend aus maßstäblichen Plätzen, in engem Netz miteinander verbunden, ist das Ziel dieses Vorschlags. Dabei werden die wichtigsten Bauten dieses Bereichs der Innenstadt in einen sinnvollen Bezug zueinander gestellt, so dass Synergien entstehen und eine spannende fußläufige Verbindung der Stadträume untereinander entsteht.
    Während die Aufgabe in der Schadowstraße eher die räumliche Stärkung der ohnehin vorhandenen Fußgängerströme ist, wird in der Nord-Süd-Richtung ein neuer Strom entstehen und der Martin Luther Platz neu entdeckt. Eine neue Attraktivität und ein Zusammenhang der wichtigsten Stadtelemente wird geschaffen: Hofgarten, Schauspielhaus, Schadowstraße, Einmündung der Immermannstraße, und Einmündung der Berliner Allee. Diese neuen Ströme werden in einen neuen, lang gezogenen Platz geleitet, der sich von der Hofgartenkante bis hin zu der Johanneskirche streckt.
    Die Tuchtinsel ist das verbindende Element zwischen Nord und Süd, Ost und West. Mit den Turm nach Süden setzt es neue städtebauliche Akzente. Vom Autoverkehr befreit, entstehen neue urbane Räume. Breitere Fußgängerbereiche bieten neue Möglichkeiten im Erdgeschoss.
    Die neuen Baukörper entlang des Berliner Platzes nehmen die Sichtachse der Berliner Allee und der Immermannstraße auf. Durch die Unterbrechung der Tucht Insel in zwei Baukörper (einer davon ein Turm) wird die historische Bebauungskante Klosterstraße wiederhergestellt und der geplante neue Hauptsammler respektiert.
    In den Erdgeschossflächen befinden sich gewerbliche Nutzungen wie kleinere Cafés oder Läden. In den Obergeschossen befinden sich Geschoss- und Maisonettewohnungen. Der 40 Meter hohe Baukörper schafft als neuer städtebaulicher Hochpunkt den räumlichen Abschluss und greift die Sichtachsen Berliner Allee und Immermannstraße auf.
    Das Umfeld der Johanneskirche wird neu gegliedert. Baumalleen und Rasenflächen schaffen ein neues eigenes Umfeld für diese wichtige Kirche mitten in der Stadt. Der eingeschossige Johannespavillon bildet die historische Raumkante nach, ohne die Kirche zu verstellen. Der Martin Luther Platz wird nach Südosten mit einem Baukörper räumlich gefasst, bleibt ansonsten als Denkmal unangetastet.
    Durch den Mensch als Maßstab werden differenzierte Strukturen (wieder)erfunden
    Die in die Jahre gekommene Schadowstraße wird erneuert. Baumreihen und eine neue Oberflächengestaltung mit Betonstein rhythmisieren den Raum, Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Frischgrüne Gleditsien setzen auf der Schadowstraße Akzente. Eine neue Flaniermeile entsteht, in der Fußgänger Vorrang haben und Einkaufen einfach Spaß macht.
    Der Gustaf – Gründgens – Platz erhält entsprechend seiner Bedeutung eine neue Oberflächengestaltung. Weißer, geschliffener Beton mit eingelassenen Theaterzitaten aus Edelstahl die bis zum Berliner Platz laufen, schafft eine neue Wahrnehmung des Platzes. Sitzbänke nehmen dabei die Formensprache des Theaters auf, bieten Augenblicke des Verweilens. Wasserfontänen als heiteres Spiel inszenieren und beleben diesen Platz zusätzlich. Eine Veranstaltungsfläche entsteht, die nunmehr durch klare Raumkanten definiert sind. Die Fallwinde auf dem Platz werden durch die neuen Gebäude erheblich gemindert.
    Der Schadowplatz bleibt auch aufgrund des sehr beliebten Weihnachtsmarktes großzügig befestigt, erhält aber in seiner Mitte zur Betonung eine ungebundene Decke und neue Bänke in den Randbereichen sowie einige neue Solitärbäume. Der Wunsch, eine neue Vernetzung von Straßen und Plätzen zu schaffen, mündet in einer Blockstruktur, die diese neuen städtebaulichen Aktivitätsräume unterstreicht. Die einzelnen Baufelder sind als additives System zu verstehen, mehrere Bauabschnitte auch unter Integration der Bestandsbaufelder sind möglich. Unter den Neubauten werden mehrgeschossige Parkhäuser vorgesehen. Die Erschließung dieser verläuft über die heutige vorhandene, aber unterirdisch neu angeschlossene Garagenzufahrt des Gustav-Gründgens–Platz.
    Zentrales Element ist der neu geschaffene Berliner Platz, der sich mit dem Wegfall des Tausendfüßlers als neue städtebauliche Achse von Nord nach Süd durch die Innenstadt spannt. Neue Gebäude entwickeln wichtige städtebauliche Bezüge und schaffen Raumkanten.
    Zwischen Schadowstraße und Gustaf-Gründgens-Platz werden Gebäude mittlerer Höhe vorgesehen. Erdgeschoss und Tiefparterre bieten Raum für Einkaufsflächen, für eine Mischung aus größeren und kleineren Läden, die die Straßenfronten beleben. Im 1. Obergeschoss finden Büroräume Platz sowie weitere Einkaufsflächen nach Bedarf.
    Über diesem klassischen, gewerblichen Sockel befinden sich 6-7 weitere Wohngeschosse, bestehend aus Geschosswohnungen, Maissonettenwohnungen mit Freifläche über den Dächern der gewerblichen Nutzung, und Maisonettes mit Dachterrassen. Eine neue Tiefgarage liegt unter dem Ensemble und jedes Gebäude hat einen direkten Zugang. Die Überbauung eines kleinen Teilbereichs der U-Bahn erfolgt ohne Lastabtragung auf der U-Bahn Decke.
    Im Kreuzungsbereich Schadowstraße und Berliner Platz entsteht ein offener Platzraum, der auch für Märkte und Veranstaltungen genutzt werden kann, betont lediglich durch das Kunstkonzept der U-Bahn. Auf dem Berliner Platz stehen eingeschossige Pavillons für Ateliers, Markthändler und Büdchen in einem ruhigen Baumraster aus geschnittenen Platanen, der für Düsseldorf so typischen Baumart. Als Anfangs- und Endpunkte des Berliner Platzes dienen zwei eingeschossige Solitärgebäude mit Öffentlichkeitscharakter:
    Das Fenster zum Hof(garten) im Norden beinhaltet ein neues Restaurant mit einem überragenden Ausblick. Der Johannespavillon im Süden dient als Jugendtreff und Cafe. Dieser Baukörper nimmt dabei die historische Platzkante wieder auf, um den Raum maßstäblich zu fassen, ohne eine Konkurrenz zur Kirche zu schaffen. Die Straßenführung orientiert sich ebenfalls an der historischen Situation, alternativ ist auch der bisherige Straßenverlauf weiterhin möglich.
    Der Hofgarten erhält als überragendes Parkdenkmal wieder sein ursprüngliches Gesicht, d.h. die Promenade wird entsprechend dem historischen Entwurf bis zum Jägerhof hergestellt, die Düssel wird an die Landskrone angebunden, Wegeführungen logisch ergänzt bzw. wiederhergestellt und die Blickachse auf die goldene Brücke wieder freigestellt.
    Eine obere und eine untere Promenade mit langgestreckten Sitzbänken entwickelt sich entlang der neuen Bebauung Kö-Bogen I, der Hofgarten als Bühne, was für ein Ausblick.
    Die Kö erhält die seit Jahrzehnten gewünschte, wichtige Anbindung an den Hofgarten
    Die Kö erhält die seit Jahrzehnten gewünschte, wichtige Anbindung an den Hofgarten. Eine großzügige Treppenanlage und eine behindertengerechte Rampe verbinden die Kö wieder mit dem Hofgarten. Mögliche historische Spuren werden als artifizielle, metallische Corten-Stahlstrukturen auf der Belagsoberfläche eingeblendet.
    Das Licht betont Prioritäten und schafft Maßstäblichkeit: Niedrig montierte Lichtquellen beleuchten die Fußgängerbereiche, höher liegende Lichtquellen die befahrenen Achsen. Während dies behaglichen Sehkomfort durch brillantes, weißes und blendarmes Licht schafft, werden die Achsen der Schadowstraße und der Berliner Allee freundlich herausgehoben. So bleiben sie selbst im visuellen Ensemble des Berliner Platzes stets ablesbar. Die Betonung des sommerlichen Blätterdaches der Baumbepflanzung erfolgt nicht aus dem Boden, sondern als Zusatzkomponente aus den Mastleuchten oberhalb der Augenhöhe.
    In der Nähe des Schauspielhauses verdichten sich im Boden eingelassene Spruchbänder, die am Abend sanft leuchten. Nähert sich der Betrachter, wechseln sie gemächlich die Farbe hin zu einem ätherischen Blau, das wieder verblasst, wenn der geneigte Leser sich entfernt – etwa um kontemplativ auf einer der unterleuchteten Bänke Platz zu nehmen. Dabei wird das Schauspielhaus zu seiner eigenen Bühne und darf bewundert werden.
    Inmitten des Martin-Luther-Platzes hat die Johanneskirche erneut ihren geborgenen Ort gefunden – Entfaltungsraum für viele Ausblicke auf die sanft mit Licht betonte, bewegte Fassade. Lichtmasten frieden den städtebaulichen Raum ein und erzeugen das Gefühl von Sicherheit und Aufenthaltsqualität.
    Majestätisch und zurückhaltend mit Licht betont setzt der Corneliusbrunnen den Endpunkt der Kö’. Diese geht in die neu entstandene Promenade über, die auch die facettierten Fußgängerleuchten aus der Kö’ fortführt – jedoch in ertüchtigter Form mit neuer Bestückung für mehr Brillanz und mehr Entblendung. Diese sind parkseitig montiert, um den freien Blick in die Parklandschaft des Hofgartens und der Landskrone zu ermöglichen.
    Bäume, Bänke, Leuchten, Oberflächen folgen einem Materialkanon. Anthrazitfarbenes Betonsteinpflaster in variierenden Rechteckformaten, ungebundene Decke auf dem Berliner Platz unter den Platanen, Ausstattungselemente und Leuchten in Eisenglimmer sind wohltuend zurückhaltend.
    Ziel ist es mit wenigen unterschiedlichen Materialen eine größtmögliche Homogenität zu schaffen, indem der Mensch im Vordergrund steht.
    Die Straßenbahngleise werden überwiegend mit Rasen begrünt. An den Übergängen, und entlang des Berliner Platzes sorgen Stahlbügel und Betonblöcke für die notwendige Sicherheit und Abgrenzung.
    Statisch werden die Tiefbauten für die Gründung der Hochbauten genutzt. Während die U-Bahn Decke keine Lasten abtragen kann, können die neuen Tunnelbauwerke so ausgelegt werden, dass diese noch zusätzlichen Lasten aufnehmen und somit als Gründungsebene für die Neubauten dienen. Bei der Planung sind neben diesen Straßenverkehrsbauwerken auch die Tiefgarage des Schauspielhauses und des Thyssen-Hochhauses berücksichtigt worden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.