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  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    club L94, Köln (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: REICHER HAASE ASSOZIIERTE GmbH, Aachen (DE), Vianden (LU), Aachen (DE), Dortmund (DE)

    Erläuterungstext
    FREIRAUMKONZEPT

    Der vorhandene Siegauenpark der Stadt Eitorf wird durch das Wettbewerbsgebiet erweitert. Der Siegauenpark ist mit geschwungenen Wegen, weiten Rasenflächen und einzelnen Strauch- und Baumpflanzungen nach dem Vorbild eines klassischen englischen Landschaftsparks gestaltet. Der neue Siegauenpark erweitert diesen Park als zeitgemäße Ergänzung. Lineare Wegeführungen ermöglichen eine direkte und klare Verbindung von Stadt und Sieg. Großzügige Rasenflächen mit auetypischen Baumpflanzungen bilden das räumliche Gerüst des Parks.

    Der „Sprung an die Sieg“ beginnt mit einem „Sprung über die Bahn“. Parallel zur Bahnlinie entsteht eine Stadtschiene, die zunächst die Park & Ride Funktionen mit ca. 300 Parkplätzen unter Bäumen übernimmt. Sollte sich für diese Stadtschiene ein Nutzungsdruck für Wohn- und Bürogebäude entwickeln, wären diese Parkplätze temporär und würden durch ein Parkhaus ersetzt werden.

    Vier unterschiedlich große Plätze bilden die Attraktoren für eine mögliche städtebauliche Entwicklung der Stadtschiene. Die Plätze ermöglichen den direkten, physischen „Sprung über die Bahn“ durch vorhandene Unterführungen oder den visuellen „Sprung über die Bahn“ z. B. durch Fortführung einer Straßenverbindung. Sie werden an der Nordseite durch eine Siegauenpromenade verbunden, die durch die Höhenlage der Stadtschiene von ca. + 1,50m einen hervorragenden Blick in den Siegauenpark zulässt. Die Parkplätze werden zur Siegauenpromenade durch Heckenpflanzungen abgeschirmt. Auf den Plätzen entstehen Sport- und Spielangebote wie Basketball, Skateranlage, Beachvolleyball, Streetsoccer und ein Quartiersspielplatz für Kinder und Jugendliche. Die Plätze sind durch Rasenstufen mit dem Siegauenpark verbunden. Im Südosten des Siegauenparks entsteht der Theaterplatz als Entrée von der Brückenstraße in den Park. Durch die bauliche Fassung des Baches und der Ausbildung einer Südstufenanlage entsteht ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität als Eingang von der Stadt in den Siegauenpark und gleichzeitigem Vorplatz für das Stadttheater.

    Die Plätze bilden die Ausgangspunkte der linearen Verbindungen zur Sieg. Am Ende der Wegeverbindungen aus der Stadt entstehen an der Sieg drei unterschiedlich ausgebildete Aufenthaltsbereiche. Siegstufen, Siegsteg und Siegbalkon ermöglichen verschiedene Perspektiven auf die Sieg. Die touristische Nutzung der Sieg innerhalb des Naturschutzgebietes wird durch die Anlage der drei punktuellen Aufenthaltsbereiche minimiert jedoch ermöglicht.

    Durch bauliche Erweiterungen und Rahmenpflanzungen aus Bäumen werden der Schule und dem Hallenbad klare Freiräume zugeordnet. Zwei Vorplätze, eine Liegewiese, ein Schulgarten und ein Schulhof definieren die halböffentlichen Freiräume innerhalb des Siegauenparks. Als erweitertes Angebot zum Hallen- und Freibad entsteht ein Badesee mit einer Seeterrasse und einem Café in der vorhandenen Senke des alten Freibadbeckens, welches zur Zeit als Skateranlage genutzt wird.

    Südlich des neuen Siegauenparks wird das direkte Bahnhofsumfeld neu geordnet. Der Bahnhof erhält einen neuen Bahnhofsplatz. Er wird im Westen durch einen neuen Busbahnhof unter einem großen Glasdach und im Osten durch einen Baumhain und ein neues Parkhaus räumlich begrenzt. Unter dem Baumhain werden Kurzparken und Taxistellplätze angeordnet. Auf dem Bahnhofsplatz deutet eine Wasserschale auf den „Sprung an die Sieg“ hin. Eine Sonnenlounge aus mehreren Holzdecks dient wie ein großes Möbel als Treffpunkt vor dem Bahnhof mit hoher Aufenthaltsqualität.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser gliedert den Gesamtbereich klar in eine „multifunktionale Stadtschiene“ und den als „grüne Tasche“ bezeichneten Landschaftsraum. Der Bahnhofsvorplatz wird gefasst und differenziert gestaltet, die verkehrstechnische Anbindung erscheint jedoch unzureichend. Durch die Verlegung der Schulgasse an den Bahnkörper wird eine qualitätvolle südausgerichtete Bebauung an der Schulgasse ermöglicht, die ihren Abschluss in einer an dieser Stelle der Brückenstraße sinnfälligen Einzelhandelsnutzung findet.

    Die verkehrstechnische Anbindung der Schulgasse an die Brückenstraße erscheint schwierig, insbesondere da die Unterführung unzureichend beachtet wurde. Die langgestreckte Stellplatzanlage für P + R-Plätze mit Zufahrten von Osten und Westen ist sowohl gestalterisch als auch verkehrstechnisch gelungen; die Option einer ggf. späteren sukzessiven Bebauung eröffnet der Stadt vielfältige Entwicklungsoptionen in einer klar vorgegebenen Struktur. Der Übergang von Bahnhof in den Landschaftsraum gelingt über einen breit gelagerten Platz, vor dem sich der Grünbereich öffnet. (...)

    Die Ausbildung des Theaterplatzes mit der Stufenanlage zum Eipbach wertet die Situation auf. Mit der Ergänzung einer Kulturwerkstatt werden Kinder- und Tennishalle zu einem Ensemble zusammengefasst, welches klar Bebauung und Grünraum differenziert.

    Die im Westen des Grünraums angeordnete aufgelockerte Reihung von Stadtvillen fasst den Grünraum angemessen. Der Landschaftsraum, der bis an die „Stadtschiene“ herangeführt ist, ist sensibel akzentuiert und mit wenigen Wegen durchzogen, die die Verbindung von der Stadt zur Sieg und entlang der Sieg schaffen.

    Insgesamt leistet die Arbeit einen guten Beitrag, der sensibel die Räume gliedert und ergänzt und der Stadt gute Optionen für die Entwicklung bietet.