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  • DE-69126 Heidelberg
  • 04/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-13936)

Neubau einer Sporthalle mit Nebenflächen, Sportzentrum Mitte


  • 1. Preis

    Perspektive Eingangsbereich

    Architekten
    Peter W. Schmidt Architekt BDA, Pforzheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Lau Patrick, Herbert Hussmann, Alexander Frederik Raab, Anja Retzlaff

    Erläuterungstext
    E R L Ä U T E R U N G | SPORTZENTRUM MITTE HEIDELBERG





    Die Situation

    Das Helmholtz-Gymnasium in Heidelberg benötigt für seine Schüler, aber auch für Vereinsnutzungen und große Veranstaltungen eine neue Sporthalle mit Foyer. Der Neubau ergänzt die bestehende Schulanlage um eine normgerechte Dreifeld-Halle mit Nebenräumen und Foyer und besetzt einen bisher vernachlässigten Teil des Schulgrundstücks.


    Räumliche Konzeption

    Der Kubus der neuen Halle wird, parallel verschoben, der alten Halle gegenüber gestellt und formt zwei „Innenhöfe“ zu den Kunsträumen der Schule im Süden aus. Die der jeweiligen Halle klar zugeordneten Funktionsräume bilden eine gemeinsame Spange entlang der Mittelachse. Entlang dieser Raum-Reihung erfolgt die Erschließung, die das Foyer der Schule mit dem Eingangsfoyer der Hallen verbindet und die unterschiedlichen Höhenniveaus räumlich und durch Sichtbeziehungen miteinander verknüpft. Das Motiv der versetzten Ebenen wird durch das Element der Rampenanlage, die den Zugang zur halbgeschossig tiefer liegenden alten Sporthalle inszeniert, sowie durch den großzügigen Blick über die Tribünen in die neue Halle, erlebbar.

    Beiden Sporthallen werden die Geräteräume auf den Gebäudeaußenseiten zugeordnet. Während der Gerätekubus im Osten vor die Fassade der alten Sporthalle gestellt wird und sich hier als langes Sitzmöbel präsentiert, sind die Räume für die neue Halle im Gelände vergraben und treten nur durch einen Plattenbelag im Boden in Erscheinung.


    Lage und Erschließung

    Der Haupeingang der Sporthallen orientiert sich nach Osten zur Rohrbacher Straße. Er korrespondiert mit dem Haupteingang des Helmholtz-Gymnasiums auf der Südseite der bestehenden Halle und wird auf dem selben Höhenniveau (+113,27 m üNN) erschlossen.

    Das Foyer wird über einen großzügig gestalteten Vorplatz betreten, den eine Treppen und Rampenanlage zoniert. Durch „Sitzmauern“ und Bäume wird eine hohe Aufenthaltsqualität erzeugt.

    Zum Grünzug an der Liebermannstraße hin öffnet sich die Sporthalle mit einer großzügigen Verglasung hinter Holz-Lamellen, die aus der Nähe einen Einblick in die tiefer liegende Halle gewährt. Zum Wohngebiet im Westen wird das Wegesystem durch eine fußläufige Durchwegung ergänzt. Der Spielplatz wird zur Gewinnung von Verkehrsflächen und Parkplätzen im Bereich des Nebeneingangs der Schule partiell verlegt. Die Anlieferung auf Spielflächenniveau erfolgt über eine Rampe im Norden des Sporthallenbaus.

    Das Konzept des Schul-Campus soll mit dem Sporthallenneubau weiter entwickelt werden. So wird der neue Sportbau durch ein Wegenetz mit den im Norden befindlichen Schul- und Sportbauten verwoben. Es wird vorgeschlagen einen weiteren „grünen Weg“ für Fahrradfahrer und Fußgänger einzuführen, der die Liebermannstraße im Norden quert und direkt auf das Wettbewerbsgelände führt.

    Der im Norden befindliche Nebeneingang der Schule wird durch die Schaufassade der Sporthalle aufgewertet. Die 2 „Kunsthöfe“, die durch den Hallenneubau gefasst werden, sind durch Sitzelemente räumlich voneinander getrennt. Die helle, teilbegrünte Hallenwand auf der Nordseite der Höfe reflektiert das Süd-Licht in die Kunsträume. Durch die neue Gestaltung und Begrünung entstehen freundliche intime Höfe, die sich als Freiraum für künstlerische Arbeiten anbieten.


    Die innere Erschließung

    Die Anbindung der Sporthallen für die Gymnasiasten des Helmholtz-Gymnasiums erfolgt direkt über das Foyer der Schule. Über eine Rampe wird die 1,40 m tiefer liegende bestehende Sporthalle vom Foyer der Schule aus erreicht. Eine weitere Rampe führt vom Sporthallenniveau wieder auf das Niveau der Schule in das neue Eingangsfoyer der Sporthallen. Parallel können die Schüler auch auf gleichbleibendem Niveau vom Schulfoyer ins Sporthallenfoyer gehen. Von hier aus hat man einen offenen Blick in die neue Halle und auf die Tribünen. Über eine Treppe gelangt man in die Umkleiden der neuen Sporthalle. Der Sportlereingang befindet sich auf der Nordseite und führt direkt in das skulptural ausgebildete Treppenhaus.


    Konstruktion und Materialität

    Die in einem Achsabstand von 3 Metern stehenden Stahlstützen der neuen Sporthalle bilden in der Perspektive des Erschließungsganges eine optische Trennung zum Bereich der Halle mit der Tribünen-Galerie. Die Stahlträger spannen in Querrichtung der Halle. Sie sind mit einer abgehängten Decke versehen, die Raum für technische Einrichtungen wie Beleuchtung, Lüftung, Trennvorhänge, Blendschutz vor der Fensterfassade, etc. bietet. Über jedem der 3 Spielfelder befindet sich ein langes Oberlicht mit Milchglas, das eine natürliche Belichtung und Belüftung gewährleistet. Das Dach, als eine von der Schule gut einsehbare „5. Fassade“, passt sich durch die extensive Begrünung in die Landschaft ein.

    Ganz bewusst werden Materialien eingesetzt, die eine warme Ausstrahlung haben, altern können und einen Dialog mit dem Bestandsgebäude eingehen: Die Pfosten-Riegel-Fassade der Westseite wird durch tiefe Holzlamellen verschattet. Die Hallen-Innenwände sind im Bereich des Spielfeldes mit Holzelementen verkleidet, der flächenelastische Hallenboden ist mit farbigem Linoleum belegt. Die Wände des Nebenraumtraktes zwischen den beiden Hallen sind mit Holzelementen bekleidet und wirken wie ein im Raum eingestelltes Möbel.

    Im Außenraum präsentieren sich die Wände des Verbindungsbaus in den die flächigen Baukörper der Hallen eingeschoben sind als Klinkerfassaden, die mit Ihrer strukturierten Oberfläche einen kleineren Maßstab zum Vorplatz und zu den „Kunsthöfen“ hin einführen. Die Rundung des Treppenhauses verleiht dem Baukörper einen besonderen Charakter.

    Der Boden der Verkehrsflächen, Rampen und Treppenstufen ist mit einer robusten fugenlosen Epoxidharz-Beschichtung versehen.




    PETER W. SCHMIDT ARCHITEKT BDA

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Über einen großzügigen, differenziert gestalteten Vorplatz wird der Hallenkomplex von Osten
    aus erschlossen. Der Sportlereingang, ebenso über diesen erschlossen, wird durch eine
    Baumreihe markiert und abgesetzt.
    Über eine attraktive Raumabfolge: Vorplatz – Foyer – Tribüne – Hallenraum wird eine
    Übersichtlichkeit und Offenheit erreicht, die zwanglos in die Tiefe des Schulbereichs
    überleitet.
    Das Foyer ist nicht abtrennbar, was aber ohne Aufwand behoben werden könnte.
    Die Zuordnung der Nebenräume in EG und UG zu den Sporthallen ist zweckmäßig und
    übersichtlich organisiert. Die Anbindung an die Schule ist optisch und räumlich gleichwertig
    auf einer Ebene, der Niveauunterschied zur bestehenden Sporthalle wird über eine parallele
    Rampenanlage auf einfache Weise bewältigt.
    Als markanter Akzent und Abschluss der Anlage ist das Treppenhaus an den öffentlichen
    Weg angeschlossen und setzt im Eingangsbereich ein deutliches Signal. Die Erschließung
    der neuen Sporthalle außerhalb der Schulzeiten ist über einen zusätzlichen, separaten
    Zugang auf einfache Weise an das Treppenhaus angebunden. Zusätzlich ist damit auch eine
    Trennung der Funktionsbereiche der beiden Hallen gewährleistet.
    Die gewünschte Anlieferung der Halle mit sperrigen Geräten ist über die seitlich angelegte
    Rampe erschwert.
    Die Baukörpergliederung ist klar akzentuiert, von zurückhaltender, eigener Formensprache,
    die spannungsvoll in hervorragender Weise mit der Architektur des Bestandes
    korrespondiert.
    Die Belichtung im Hallenbereich ist durch zweiseitige Lichtführung und Oberlichter optimal
    gelöst. Die Verschattung der Westseite durch die vorgeschlagenen Lamellen ist zu prüfen.
    Der Nebenraumbereich im UG ist nur künstlich belichtet.
    Die Konstruktion als Stahlverbundkonstruktion ist schlüssig und wirtschaftlich.
    Die Kennwerte des Entwurfs bewegen sich nahe am Durchschnitt. Eine Wirtschaftlichkeit ist
    durch die klar strukturierte Gliederung und Kompaktheit dennoch anzunehmen.
    Mit dem vorliegenden Entwurf wird eine intelligente, adäquate Antwort auf die gestellte
    Aufgabe gegeben, die sowohl problemlos umsetzbar erscheint, als auch durch eine klare
    Gesamthaltung besticht.
    Diese architektonische Akzentuierung sollte in der weiteren Bearbeitung noch deutlicher
    herausgearbeitet werden
    Beurteilung Statik:
    Hallentragwerk: Das klar gegliederte Dachtragwerk aus für die Spannweite sehr
    wirtschaftlichen Stahlverbundträgern überspannt die Halle in Querrichtung über ca. 30m.
    Anbindung an den Bestand: Die neuen, tiefer liegenden Umkleideräume des UGs werden
    von den Fundamenten der bestehenden Halle abgerückt. Dadurch ergeben sich keine
    Konflikte mit den Bestandsfundamenten.
    Beurteilung Energie- und Haustechnik:
    Das Energie- und Raumklimakonzept erscheint insgesamt schlüssig. Die Beheizung über die
    RLT-Anlage sollte überprüft werden, da das passive Kühlkonzept eine hohe thermische
    Masse erfordert.
    Die Verschattung der Westfassade muss mit drehbaren Lamellen realisiert werden. Die
    thermische Solaranlage sollte nur realisiert werden, wenn die Wärme auch in den
    Sommerferien abgenommen wird.