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  • DE-34117 Kassel
  • 03/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-14022)

Neugestaltung des Entenanger Kassel


  • Ankauf

    Perspektive Wasserlauf oestlicher Platzteil

    Landschaftsarchitekten
    TOPOTEK 1, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: G R I Gesellschaft für Gesamtverkehrsplanung, Regionalisierung und Infrastrukturplanung, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Einführung

    Der Entenanger ist ein Stadtplatz in der ehemaligen Altstadt Kassels. Seine unmittelbare Nähe zum Zentrum und zum Königsplatz und die gleichzeitig gute Erreichbarkeit der Fulda geben ihm das Potenzial zu einem Platz mit Ausstrahlung auf das umliegende Quartier zu werden. Das gegenwärtige Bild des Entenangers jedoch, ist von einer sehr funktionalisierten Atmosphäre mit nur geringer Aufenthaltsqualität geprägt. Der dichte, dunkle Vegetationsbestand und großflächig beparkte Bereiche erschweren die Lesbarkeit des Entenangers als zusammenhängenden Platzraum. Zu schmale Gehwege an den Platzrändern bieten den Geschäften und Lokalen keine Erweiterungsmöglichkeiten in den Straßenraum, noch nutzen sie die natürliche Besonnung für ein positive Entwicklung derselben.
    Ziel ist es daher dem Entenanger seinen Platz im Raumgefüge der Stadt zu geben, ihn in seiner Funktion als Stadtplatz und Trittstein zwischen Königsplatz und Fuldatal zu stärken und somit als Quartierszentrum im Bewusstsein der Anwohner zu etablieren und zu verankern.

    Städtebauliche Figur und Konzept

    Der Entenanger stellt ein wichtiges Bindeglied im Gefüge der Stadt Kassel dar. So besonders ablesbar in der Ost-West-Verbindungsachse zwischen Königplatz und Fuldatal mit Anschluss an die Untere Neustadt. Zum Anderen als Trittstein in der Nord-Süd-Verbindung zwischen Innenstadt und Karlsaue. In diesen Verbindungen steht er im Übergang zwischen Stadt und Landschaft. In ihm begegnen sie sich – finden hier ihre Mitte. Der vorliegende Entwurf macht aus dieser städtebaulichen Analyse heraus das Motiv der Verbindungen und Übergänge zum übergeordneten Thema. Dieses Motiv soll auf unterschiedlichen Ebenen dargestellt und spürbar werden. Der Entenanger soll als offener und lichter Stadtplatz wieder lesbar werden. In einer zusammenhängenden Platzfläche soll die Abstufung von Stadt zu Landschaft – von Königsplatz zum Fuldatal wahrnehmbar werden. Sie wird in der unterschiedlichen Ausgestaltung der westlichen und östlichen Platzflächen thematisiert und ausformuliert. Dabei kommt der Arbeit mit der Vegetation, der Topographie und dem Element Wasser eine entscheidende Rolle zu.
    Des Weiteren soll über eine stärkere Gewichtung der nördlichen Bürgersteige die direkte Wegeverbindung vom Königsplatz hin zur Fulda lesbarer werden und Geschäften und Restaurants ein Möglichkeit gegeben werden sich eben auf dieser Seite in den Außenraum entwickeln zu können.

    Vegetation

    Der neue Entenanger stellt sich als ein lichter, Baum bestandener Platz dar. Eine unterschiedliche Ausprägung des Baumbestands lassen zwei verschiedene Räume entstehen. Der westliche Teil des Platzes ist durch geschnittene Platanen charakterisiert, welche ein lichtes Dach über der Platzfläche entstehen lassen. Als Stadtbaum per Excellence setzen die Platanen die vegetative Sprache des Königsplatzes auf dem Entenanger fort, transportieren ein Stück Stadt auf diesen. Der östliche Teil des Platzes wird durch zwei Reihen alter, bereits bestehender Ahornbäume und von einer großen Rasenfläche geprägt. Der stattliche Wuchs der Bäume und deren natürlicher Habitus deuten bereits auf die Nähe der Fulda hin und sollen in deren landschaftlichen Räume im Osten überleiten.

    Topografie

    Kassel verfügt über eine vielfältige Topografie, die im Stadtbild durch unzählige Mauern, Treppen und Terrassen abgebildet wird. So gliedert sich auch der Entenanger in seiner topografischen Gestalt in zwei unterschiedliche Bereiche, die die Begegnung zwischen Stadt und Landschaft auf einer weiteren Ebene beschreiben soll. Der westliche Teil repräsentiert auf ein Weiteres - in Anlehnung an den Königsplatz - die Stadt. Als ebene, flache Terrasse bildet sie einen Teil der typischen Kasseler Stadtgestalt ab und dramatisiert diese. Großzügige Stufen leiten von ihr zur Platzmitte hinab und bieten die Möglichkeit zum Sitzen, Warten und Treffen. Der östliche Platzteil wiederum nimmt das vorhandene Gefälle auf, senkt sich nach Osten hin leicht ab und fließt wortwörtlich zur Fulda hin ab.

    Wasser

    Das Element Wasser als verbindendes Motiv zwischen Königsplatz und Fulda soll in der neuen Gestaltung des Entenangers aufgenommen werden und so die Verbindung zwischen beiden nachvollziehbar werden lassen. Der bestehende Entenlieselbrunnen soll dafür erhalten bleiben und auf die Terrasse im Westen des Platzes versetzt und so in Szene gesetzt werden. Im Osten deutet ein langer, ebenerdiger, rechteckiger Wasserlauf, der sich entlang der nördlichen Kante der Rasenfläche erstreckt, auf die Fulda hin.

    Spielen

    Der neue Entenanger soll als ein klassischer funktionsoffener Stadtplatz angelegt sein. Seine offenen Flächen sollen verschiedene Arten der Bespielung für alle Generationen erlauben, ohne eine eindeutige, formelle Spielsituation erzeugen zu wollen. So bietet sich das Plateau unter den Platanen zum Boule spielen und zum Sitzen für Ältere Generationen an. Die Stufen der Terrasse bieten informellen Aufenthalt für Jugendliche, werden zum Treffpunkt. Im Zusammenspiel mit der offenen Platzfläche können sie weiterhin als Tribüne bei kleinen Konzerten und Open Air Kino dienen. Die weite Rasenfläche im östlichen Teil des Platzes kann zum Picknicken, Toben und Ball spielen genutzt werden. Der an die Rasenfläche angrenzende Wasserlauf ist zudem in seiner ganzen Länge als Spielbrunnen konzipiert. In seinem Grund und in angelagerten Stationen sind unterschiedliche Düsen und Sprenkler eingelassen aus welchen Wasser als feiner Nebel oder als Fontänen in den Wasserlauf spritzen. Er wird zum Anziehungspunkt für Kinder verschiedenen Alters aus dem ganzen Quartier. Als Spielelement ist er in seiner Gestalt so weit zurück genommen, dass er nicht sofort als dieses gelesen wird und so mit dem urbanen Charakter des Platzes harmoniert und sich somit in dessen Gesamtanlage integriert.
    Von einem weiteren traditionellem Spielplatzangebot in Form vorgefertigter Spielgeräte möchten wir im Falle des Entenangers absehen. Anstatt einer Wiederholung des bereits bestehenden Angebots traditioneller Spielplätze, möchten wir in Form des Spielbrunnens und der offenen Flächen das bestehende Spielangebot im gesamt städtischen Kontext ergänzen und um eine neue, besondere Attraktion erweitern.

    Nördliche Platzkante

    Aufgrund seine Lage bieten sich eine Etablierung und Stärkung der Nördlichen Kanten des Platzes an. Zum einen soll darüber die direkte Wegeverbindung vom Königsplatz hin zur Fulda lesbarer werden. Zum Anderen wird diese Seite tagsüber von Süden her von der Sonne beschienen und ermöglicht eine positive Entwicklung von Restaurants, Cafés und auch Geschäften. Ihnen soll die Möglichkeit gegeben werden sich auf dieser Seite in den Außenraum entwickeln zu können, ihn für Auslagen oder Bestuhlung zu nutzen.
    Der Bürgersteig der Nördlichen Kanten des Entenangers soll deshalb bis zum Platz hin verbreitert werden und so mehr Platz für die Auslagen der Geschäfte und Gastronomische Einrichtungen bieten. Die Straße wird zugunsten einer zusammenhängenden Platzfläche aufgegeben. Der Gehweg wird zum Platz - der Platz zum Gehweg.
    An der südliche Gehwegkante des Entenangers, wird die Straße als Einbahnstraße erhalten. Sie belebt diese Platzkante und gibt ihr einen urbanen Charakter.
    Die im Osten an den Entenanger anschließende Tränkepforte soll ein ähnliches Gestaltungsprinzip erfahren. Auch hier wird der Gehweg so weit wie möglich verbreitert und öffnet sich an ihrem Ende zu einem kleinen, locker mit Bäumen bestandenen Platz. Der Platz und der über ihn führende Teil der Wildemannsgasse werden an den Materialkanon des östlichen Teils des Entenangers angepasst. Eine neue Baumreihe entlang der Tränkepforte setzt die Ahornreihen des Entenangers nach Osten hin fort und leitet so in die Landschaftsräume der Fulda über. Die Straße an der Garnisonskirche wird zu einem Shared Space umformuliert. Die Materialität des Gehwegs setzt sich auf der Straße fort und die direkte Verbindung vom Königsplatz hin zum Entenanger wird so optisch und funktional gestärkt.

    Materialität und Möbiliar

    In der Wahl der Materialität wird auf vorgefundene Materialien der Stadt Kassel zurück gegriffen und solche fortgeführt. Die breiten Gehwege sind weiterhin in einem Betonplattenbelag ausgeführt. Das Plateau unter den Platanen ist in einer wassergebundenen Wegedecke gehalten, während die, die Rasenfläche rahmende Platzfläche in einem Granitsteinbelag gedacht ist. Die Stufen der Treppe sind als Element des Platzes ebenfalls aus Granit gefertigt.
    Auf eine großflächige Möbilierung soll zu Gunsten der Offenheit des Platzes verzichtet werden. Unter den Platanen sind vereinzelt schlichte, einfache Bänke aufgestellt. Unter der nördlichen Ahornreihe hingegen sind drei große Stadtsofas platziert. Als großzügige, bequeme Sitzmöbel mit einer mittig positionierten Lehne ermöglichen sie es, sich auf beide Seiten der Bank zu setzen und so den Wasserlauf oder die Cafés und Läden zu beobachten.

    Licht

    Entlang der Bürgersteige der nördlichen und südlichen Platzkante soll die gängige Straßenbeleuchtung der Stadt Kassel weiter geführt werden. Der Platanenhain auf dem Plateau erfährt eine besondere Inszenierung über eingelassene Bodenstrahler unter den Platanen.

    Verkehr

    Das Parken wird am neuen Entenanger entlang der südlichen Seite des Platzes konzentriert. So entsteht ein Angebot von insgesamt 34 Parkplätzen inklusive 6 Behindertenparkplätzen.
    Durch die neue Verkehrsführung in Ost-West Richtung wird der Entenanger entlastet und der Durchgangsverkehr wird weitgehend herausgehalten. Die Erreichbarkeit des Entenangers erfolgt über die Oberste Gasse und der Abfluss erfolgt über den Graben in Richtung Steinweg. In dem Kreuzungsbereich Oberste Gasse, An der Garnisionskirche und dem Entenanger werden Verkehrsschilder aufgestellt, die darauf hinweisen, dass dieser verkehrsberuhigt und nur für Anwohnerparken vorgehalten ist. In Folge dieser Maßnahmen ist davon auszugehen, dass der Parksuchverkehr gegen Null geht. In den Kreuzungsbereichen werden Fußgänger und Radfahrer sicher geführt. Der Radverkehr ist dazu berechtigt die verkehrsarmen Anliegerstraßen in beiden Richtungen zu nutzen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.